Wina als Wachtposten
Autoren: Jan Richling, Oliver H. Herde und andere

VW
"WINA!" schallt es aus dem Wirtsfrauenmund, "könntest du bitte darauf achten, dass im Moment keiner durch die Tür nach draußen geht? Wir haben hinter der Tür die Leiter stehen." Das reicht dann wohl hoffentlich, denkt Siona und dreht sich um.
OHH
Ihren Namen hörend, blickt Wina auf und zunächst ein wenig suchend umher. Ah, Siona in der Eingangstür mit einem Anliegen dieselbe betreffend! "Natürlich!" wird eilfertig zurückgerufen. Dann schaut die junge Frau unschlüssig zwischen Türe und der geistesabwesend wirkenden fremden Schwester hin und her. Vermutlich wäre es sinnvoll, sich in der Nähe des Ausgangs zu postieren. "Ich bin gleich wieder da", erklärt sie daher in der Hoffnung auf weitere leckere Gratiskostproben und macht sich aus Höflichkeit ohne allzu große Eile auf den Weg.
Ungehindert nähert sich Wina der Haupttüre. Doch was nun? Eine Hellebarde müsste her, um einen vollständigen Wachtposten abgeben zu können. Doch wird es genügen, die Arme zu verschränken. Momentan rennt hier eh niemand umher.
JR
Udana macht sich zielstrebig auf den Weg in Richtung der Tür. Dass diese gerade nicht wirklich frei ist, fällt ihr dabei noch nicht auf.
OHH
Oder vielleicht doch? Anscheinend hat sich Wina geirrt und droht hier überraschend, noch richtig nützlich zu werden, da jenes junge Fräulein mit den exotischen Zügen soeben herbeieilt. Rasch strafft sie sich etwas zwecks Vorbereitung der zu erfüllenden Aufgabe. Was sagt man jetzt am besten? Zwar fallen Wina allerlei Szenen aus Geschichten ein, die jedoch für diese eigentlich harmlose Angelegenheit alle viel zu hochgestochen wirken und daher womöglich unernst wirken könnten.
JR
Udanas Schritte werden langsamer, als sie endlich bemerkt, dass der Weg zur Tür versperrt ist, und sie werden sofort danach noch langsamer, als ihr klar wird, dass jene junge Frau anscheinend nicht die Absicht hat, tatsächlich durch die Tür zu gehen.
So bleibt die junge Frau schließlich stehen und sieht die Türblockiererin fragend an, ohne jedoch etwas zu sagen.
OHH
Oh, jetzt kommt der Moment der Wahrheit! Nach einem kleinen Räuspern erklärt sich Wina von einem etwas zerknirschten Lächeln begleitet der verhinderten Passantin: "Ähm, Verzeihung... Auf der anderen Seite der Türe wird gerade gearbeitet. Wir sollten einen Augenblick warten, damit niemand von der Leiter fällt..."
JR
Für einen ganz kurzen Moment ist Udana verwirrt, denn was sollte man auf der anderen Seite einer Eingangstür arbeiten, doch der Weg zur Erkenntnis ist nicht weit, denn schließlich weiß sie alles, was sie dafür braucht. "Caspar reinigt draußen das Schild", spricht sie die Erkenntnis aus, während ihr Blick ganz kurz an der anderen Frau vorbei zur geschlossenen Tür geht.
Er kehrt jedoch rasch wieder zum Gesicht der anderen zurück. Diese ist offenkundig ein ganzes Stück älter ist als sie, ohne jedoch wirklich alt zu sein. Udana versucht, sich daran zu erinnern, wo und bei welchen Tätigkeiten sie sie an diesem Tag schon beobachtet hat, aber so ganz gelingt ihr das nicht, hat sie doch einiges an Ablenkung gehabt. "Arbeitet Ihr auch hier?" fragt sie darum vorsichtig.
OHH
Es überrascht Wina, sich über diese Frage direkt ein wenig geschmeichelt zu fühlen. Gewiss steht eine Schankmaid oder Magd gesellschaftlich eher unter ihr, jedoch ist der Eber nun einmal ein besonderes Gasthaus, zumal für Wina, welcher er in ihrer Kindheit manches kleine Abenteuer voller Wunder beschert hat.
So erwidert sie entspannt lächelnd: "Nein, aber ich helfe manchmal ein wenig aus, weil ich gelegentlich vorbeikomme - und heute ist ja ein besonderer Tag. Wir feiern das Dienstjubiläum der Köchin." Dabei weist sie unwillkürlich zum Küchendurchgang und stellt erstaunt fest, dass Sarina dort sogar gerade zu sehen ist.
JR
Bei den Worten der anderen Frau fühlt sich Udana in gewisser Weise an das Gespräch mit Caspar erinnert, der ebenfalls nicht in diesem Gasthaus arbeitet, aber wie diese Frau zu dessen Betrieb beiträgt. "Also ähnlich wie Caspar", spricht sie diesen Gedanken aus, "dann seid Ihr wahrscheinlich auch aus dieser Gegend hier, richtig?"
Als diese Worte ausgesprochen sind, kommen sie ihr ziemlich neugierig vor, so dass sie rasch und ein wenig verlegen ergänzt: "Falls ich das fragen darf und nicht zu neugierig bin."
OHH
Bei solcher Schüchternheit muss Wina noch mehr lächeln, worin sich auch ein wenig Mitleid einmengt. "Nein, natürlich - oder natürlich nicht!" versucht sie zu beschwichtigen. "Also, jedenfalls bin ich Alwine Schneiderin, hier aus Solstono, genau." Damit reicht sie ihr die Rechte und sollte klar sein, dass sie keine Geheimnisse hat. Zumindest keine, auf welche eine vollkommen Fremde zu fragen käme.
"Du kannst mich aber Wina nennen", wählt sie diese Anredeform, weil das Mädchen so viel jünger ist, so scheu und nicht eben aus gehobenem Hause zu stammen scheint. Eher schon, was einen vierten Grund darstellen würde, ist sie ein Mischling. "Bist du eine Halbelfe?" erkundigt sich Wina daher auch ganz unbekümmert neugierig.
JR
Die Gegenfrage überrascht die junge Frau vollkommen, so dass sie die dargebotene Hand erst mit einer kleinen Verzögerung ergreift.
"Ich bin... Udana", erwidert sie vorsichtig, wobei sie sich fragt, ob sie sich verbeugen soll. Dafür spricht, dass Wina deutlich älter ist als sie, doch die Art, wie sie Udana angesprochen hat, spricht eher dagegen. Da sie sich dennoch nicht ganz sicher ist, verbeugt Udana sich leicht, während ihre Gedanken sich schon der zweiten Frage zuwenden.
Diese Frage ist mit Sicherheit neugieriger als die, die sie zuvor gestellt hat, aber sie ist auch von einer angenehmen Unkompliziertheit, die Udana dabei helfen mag, ihre Scheu zumindest zum Teil zu überwinden. "Meine Mutter würde das verneinen", fährt sie fort, wobei sie endlich das Winas Lächeln erwidert, "aber die meisten Menschen würden Eure" - sie stockt erneut - "deine Frage mit ja beantworten."
Sie neigt den Kopf nach diesen Worten leicht zur Seite und fährt mit der linken Hand durch ihre schulterlangen schwarzen Haare, was für einen kleinen Augenblick ein Ohr entblößt, das fast menschlich aussieht und lediglich die Andeutung einer Spitze besitzt.
OHH
Anscheinend hat Udana demnach eine etwas eigenwillige Mutter, schließt Wina aus diesen Worten. Es wäre jedoch ziemlich unfreundlich, dies auszusprechen. Jedenfalls erscheint ihr die Meinung der meisten Menschen sowie die zur Ansicht freigegebene Ohrspitze hinreichender Hinweis auf die Halbelfenschaft zu sein.
So nickt Wina nur und lächelt weiter verbindlich. "Freut mich, dich kennenzulernen."
JR
In Udanas Gesicht ist für einen Moment Verwunderung zu sehen. Dann gewinnt aber das Lächeln wieder die Oberhand, denn diese Antwort lässt vermuten, dass ihre Abstammung für die andere keine besondere Rolle zu spielen scheint.
"Danke", entgegnet sie darum, ohne bewusst darauf zu achten, dass dies sowohl zu dem Gesagtem passt als auch zu dem, was ihr durch den Kopf gegangen ist. "Ich freue mich auch, dich kennenzulernen."
Die Worte klingen in ihren nun wieder von den Haaren bedeckten Ohren genauso plump, wie sie sich für sie anfühlen, so dass sie rasch ihren Mut zusammennimmt und versucht, ebenso spontan zu fragen wie Wina zuvor: "Bist du eigentlich auch eine Schneiderin oder ist das nur dein Name? Ich bin mit den Bräuchen dieser Gegend nämlich nicht besonders vertraut."
RB
Caspar öffnet die Tür einen Spalt, steckt den Kopf hinein und sagt in Richtung Winas, die dort Wache steht: "Die Tür ist wieder frei." Dabei fällt sein Blick auch auf Udana, die sich offenbar mit Wina unterhält und er lächelt ihr zu. Den Anblick des unbedeckten Ohrs hat er aber knapp verpasst.
OHH
Auf Udanas Frage hin nickt Wina zweimal, doch wird sie für einen Moment durch die sich öffnende Türe und Caspars im Spalt erscheinendes Antlitz abgelenkt. "Ah, äh, gut, danke!" stottert sie fröhlich überrascht zusammen, wobei sie etwas beiseite tritt, um beiden gleichermaßen den Weg freizugeben.
Da fallen ihr jedoch auch Udanas letzte Worte ein. "Ja, beides. Ich bin Schneiderin und nehme das als Zweitnamen, um mich von anderen Alwinas zu unterscheiden."
JR
Das Öffnen der Tür lenkt Udanas Aufmerksamkeit zumindest kurz von Wina und dem Gespräch ab, denn offenbar ist Caspar draußen mit seiner Arbeit fertig geworden. Sie erwidert sein Lächeln, ehe ihr Blick wieder zu ihrer Gesprächspartnerin zurückkehrt.
Sie antwortet jedoch nicht sofort, sondern denkt über deren Worte nach - hat sie je jemanden anderen getroffen, der auch 'Udana' heißt? Sie kann sich daran nicht erinnern, wohl aber an etwas anderes.
"Hast du denn schon so viele andere Alwinas getroffen? Ich glaube, ich bin bislang nur einer Alwina begegnet, aber ich stamme nicht von hier, so dass ich nicht weiß, ob es noch viele weitere gibt."
Sie nutzt den von Wina freigegebenen Weg dabei in keiner Weise, sondern tritt ihrerseits auch ein wenig zur Seite, denn das Bedürfnis, das sie nach draußen treibt, ist keineswegs so stark, dass sie deswegen Caspar, der immerhin hier arbeitet, im Wege stehen möchte.
OHH
"Nur zwei oder drei; in Solstono kenne ich nur noch eine andere, und die ist schon recht alt", plappert Wina über das Interesse fröhlich daher. "Aber man hört den Namen schon manchmal. Wenn man ein Geschäft hat, wird man nicht so gerne verwechselt. Außerdem ist es ja eine Werbung, wenn man seine Profession gleich mit benennt", erklärt sie freudestrahlend.
JR
"Tatsächlich habe ich daran noch gar nicht gedacht", gibt Udana zu, "wobei" - sie hält inne, während ihre Gedanken sich um die Frage drehen, wie sie sich wohl nennen könnte, wenn sie Winas Vorbild folgen würde - "es mir nicht für jede Profession gleichermaßen nützlich erscheint."
OHH
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, weshalb Wina zunächst lediglich zustimmend nickt, nebenbei jedoch auch nach einem möglichst lustigen oder wenigstens offensichtlichen Beispiel sucht. Gewiss gibt es viele Berufe, welche keiner Werbung bedürfen. Gardisten etwa, die allerdings schon an ihrer Gewandung zu erkennen sind und auf ihren Stand schlicht wegen des Ansehens hinweisen würden. Bettler vielleicht? Ist das überhaupt ein richtiges Gewerbe? Jedenfalls bieten auch sie etwas käuflich feil: ein gutes Gewissen.
JR
Das zustimmende Nicken Winas bestärkt Udana darin, ihren Gedanken weiter zu folgen, bis sie schließlich den Kopf schüttelt. "Mir fällt nichts ein, das für mich passen könnte", gibt sie dann zu.
OHH
Also eine Herumtreiberin. Selbstverständlich lässt Wina den Gedanken unausgesprochen. Jedoch kommt ihr die Vorstellung langweilig vor. "Was machst du denn dann den ganzen Tag?" fragt sie anteilnehmend. Kinder wird sie so jung noch nicht haben - die müssten ja hier irgendwo zu sehen sein.
Ein Seitenblick gilt der Türe und dem anscheinend neugierig zuhörenden Caspar.
RB
Caspar hat einen Moment gewartet, aber offensichtlich wollen die Frauen ihr Gespräch noch fortsetzen. Also schließt er die Tür leise wieder.
JR
Auch Udanas Blick geht kurz zu der geschlossenen Tür, ehe er zu Wina zurückkehrt. "Das ist sehr unterschiedlich", antwortet sie auf die gestellte Frage. "In den letzten Tagen war ich vor allem damit beschäftigt, zu diesem Gasthaus zu kommen, denn das ist Teil des Abschlusses meiner Ausbildung. Dabei war ich viel unterwegs, habe aber vor allem ein paar Silber damit verdient, auf andere aufzupassen."
Sowohl das Lächeln als auch ihre ganze Körperhaltung passen nicht zu diesen Worten, denn beides wirkt eher so, als müsse man auf sie aufpassen und nicht umgekehrt.
OHH
Erst heben sich Winas Brauen überrascht, dann senken sie sich ein wenig misstrauisch wieder. "Dann... bist du also eine mietbare Bedeckung für Wohlhabende?" Dies wäre allerdings erstaunlich. Womöglich ist das Mädel gefährlicher als es aussieht - oder hat irgendwelche verborgenen Talente. Vielleicht besteht die Gefährlichkeit ja sogar darin, dass man Udana so leicht unterschätzt oder sie übersieht.
JR
"So könnte man es sagen", erwidert Udana, wobei sie auf Winas offenkundige Überraschung lediglich mit einem Lächeln reagiert, "allerdings ist das längst nicht alles und auch nicht das, was ich am liebsten mache. Wobei - manchmal macht es auch richtig Spaß." Ihr Lächeln verstärkt sich dabei, als sie an ein Ereignis denkt, das noch gar nicht so lange zurückliegt.
OHH
Noch ist sich Wina nicht ganz sicher, ob sie das nachempfinden kann. "Tatsächlich?" Bestimmt ist das alles sehr gefährlich. "Bestimmt ist das alles sehr aufregend", spricht sie statt dessen aus. Bei ihren eigenen kleinen Abenteuerchen ging es ja nie ums Leben.
JR
"Zuweilen ist es das", bestätigt die junge Frau, "aber oft ist es auch ziemlich langweilig. Du darfst dir das nicht wie in einer Abenteuergeschichte vorstellen, in der ein Ereignis das nächste jagt."
Sie wirft erneut einen kurzen Blick zur Tür, ohne diesem irgendwelche weiteren Bewegungen folgen zu lassen, denn dafür genießt sie das Gespräch zu sehr.
"Darum mag ich es lieber, wenn wir eine richtig kniffelige Aufgabe zu lösen haben, nur ist es gar nicht so einfach, an diese Art von Arbeit heranzukommen."
OHH
Das kann Wina sich vorstellen! "Ich wüsste auch nicht, wie ich sowas tun sollte..." Einen Laden wird Udana mit solch einem unsteten Beruf wohl kaum haben. Bestimmt kommt nicht einfach irgendwer angelaufen, wenn sie gerade im Gasthaus sitzt!
VW
Kurz öffnet Siona die Tür und ruft Wina zu: "Fertig!"
OHH
Anscheinend hat Siona nicht mitbekommen, wie Caspar schon bescheidgegeben hat, zumal Wina ja noch immer hier bei der Türe herumsteht. Es wäre unnötig und unfreundlich, sie darauf hinzuweisen, drum erwidert Wina nur fröhlich: "Danke!"
Natürlich läuft sie deswegen nicht einfach Udana fort, die ja vielleicht noch mehr von ihrer fremdartigen Arbeit erzählen möchte.
JR
Udanas Blick geht kurz zu der Wirtin, dann zurück zu Wina, die aber offenbar nicht die Absicht hat, der Wirtin zu folgen oder weiter mit dieser zu sprechen.
"Meine Mutter kann das richtig gut", greift sie das zuletzt Gesagte wieder auf, wobei sie versucht, diese Worte nicht neidisch klingen zu lassen, "aber sie macht das auch schon länger, als ich lebe. Außerdem kennt sie richtig viele Leute, die wiederum andere kennen. Das macht es einfacher, denn es nutzt niemanden, wenn man gut ist, das aber keiner weiß. Das wird bei deiner Arbeit aber nicht anders sein, denke ich."
OHH
Meint Udana nun mit dem, was ihr Mutter könne, das Auftreiben oder das Lösen von Aufgaben? Vermutlich beides.
"Ja, Bekanntheit ist hilfreich. Wobei das vermutlich für Schneider in den größeren Städten noch viel wichtiger ist als in Solstono; da haben wir nicht gar so viele. Man kann alle kennen, wenn man möchte."
JR
"Wie viele andere Schneider gibt es denn in Solstono?" fragt Udana spontan, denn da sie den Ort nur vom Namen und der groben Kartenskizze ihrer Mutter her kennt, kann sie dessen Größe nur höchst grob abschätzen.
Da die Worte in ihren eigenen Ohren viel zu neugierig klingen, fügt sie rasch hinzu: "Mein Weg hierher hat mich nicht durch Solstono geführt. Ich bin aber an einem Abzweig vorbeigekommen, der der Zeichnung meiner Mutter zufolge nach Solstono führen soll."
MvZ
Nach einer Verbeugung zum Wirt und einer besonders tiefen Verbeugung zu der schönen Dame am großen Tisch beginnt der Barde, eine leise, unaufdringliche Melodie zu spielen. Dabei bewegt er sich langsam zwischen den Tischen im hinteren Bereich der Stube und lächelt den Gästen zu, deren Blick er erheischen kann.
OHH
Udanas letztere Worte können Wina nicht hinreichend von der gar nicht so leicht zu beantwortenden Frage ablenken, eher schon der unvermutet von links dahersingende Barde, dem Wina noch etwas konfus zurücklächelt.
"Ähm", bemüht sie sich, wieder auf die Frage zurückzukommen, "eine Handvoll - je nachdem, wie man zählt..." Oder hat sie noch jemanden vergessen?
JR
Auch Udana wird von dem unerwarteten Gesang überrascht, so dass ihr Blick erst einmal durch den Gastraum und zu dem Barden geht, ehe er wieder zu ihrer Gesprächspartnerin zurückkehrt.
"Je nachdem, wie man zählt", wiederholt sie, "ist das beim Schneidern nicht vollkommen klar, ob das jemand tut?" Noch während sie das ausspricht, versteht sie, dass das keineswegs so sein muss, denn letztlich ist es auch bei ihrer eigenen Tätigkeit gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der genau das gleiche macht.
"Oder meinst du, dass es vielleicht jemanden gibt, der nur für sich selbst und nicht für andere arbeitet? Ist das dann überhaupt ein Schneider?"
OHH
Da hat sie sich wohl nicht gut ausgedrückt. Schmunzeld über das kleine Missverständnis erklärt Wina: "Ich meinte, ich arbeite ja bei meinen Eltern im Laden mit. So sind wir zwar drei Schneider - oder vier, wenn eine meiner Schwestern noch dabei ist - aber nur eine Schneiderei..."
JR
"In diese Richtung hatte ich gar nicht gedacht", gibt Udana zu, "und mich darum nach deinen Worten gefragt, ob Solstono viel größer ist, als ich es mir anhand des Wenigen, das ich bislang darüber gehört habe, vorgestellt habe."
Erneut geht ihr Blick kurz zu dem Barden, dann zur Tür und dann wieder zurück zu Wina. "Somit folgen wir also beide in dem, was wir tun, dem Beispiel unserer Eltern."
OHH
Wina nickt. "Ist das nicht meistens so? Gut, Adline hat einen Töpfer geheiratet und macht da jetzt bei ihm mit. Ich habe auch schon einmal geholfen, als er einen größeren Auftrag hatte..."
JR
Udana nickt langsam, während sie sich - wieder einmal - klar macht, dass Winas Welt von der ihren sehr verschieden ist.
"Da hast du wohl recht", sagt sie, "und es liegt bei euer Schneiderei ebenso wie bei dieser Töpferei auch sehr nahe. Was das angeht, was meine Mutter und ich tun, so kenne ich nicht viele Kinder, die dabei ihren Eltern folgen. Andererseits kenne ich auch nicht viele, die überhaupt Kinder haben. Die meisten hören vorher auf oder..." Sie lässt den Satz unvollendet, denn es kommt ihr vor allem angesichts des Bardengesangs nicht passend vor, etwas zu sagen, das nicht zu der damit verbundenen Stimmung passt.
OHH
Zunächst stutzt Wina. Wer hört womit auf? Dann dämmert es ihr, dass man solchen Beruf wohl besser nicht mit Kindern betreibt. Sie jedenfalls hat naheliegenderweise noch keinen Gardisten oder Schwertgesellen mit einem umgewickelten Säugling gesehen.
Durch diese Gedanken überhört sie die Andeutung am Schluss. "Und wie hat deine Mutter das gehalten?"
JR
"Sie hat nicht aufgehört", erwidert Udana, "und hat das auch bis heute nicht. Sie war vor meiner Geburt aber so erfolgreich, dass sie es sich leisten konnte, einige Götterläufe lang nur Aufträge anzunehmen, die" - sie zögert kurz, während sie dem Gesang des Barden lauscht - "gepasst haben. Trotzdem kann ich mich nicht entsinnen, dass wir jemals mehr als ein paar Monde an einem Ort gelebt haben."
OHH
"Das klingt aufregend!" strahlt Wina, um dann etwas verknautschteren Gesichtes hinzuzufügen: "Aber auch irgendwie etwas... hm... anstrengend..." So recht ist sie mit dem Wort nicht zufrieden, da es nur einen Teil des verborgenen Unbehagens ausdrückt.
JR
Udana muss bei Winas Frage unweigerlich schmunzeln, denn vor gar nicht so langer Zeit hat Caspar auf eine ziemlich ähnliche Weise reagiert, als sie davon gesprochen hat, viel unterwegs zu sein. Das bringt ihre Gedanken unweigerlich dazu, dass Caspar sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht hat, was seine Reaktion erklärt und bedeutet, dass Wina vermutlich ähnliches getan hat, was zudem auch gut dazu passt, dass ihre ganze Familie in der Schneiderei tätig ist.
Sie schiebt diese Gedanken zur Seite und sieht Wina wieder an, wobei ihr durch den Kopf geht, dass diese ihr Schmunzeln vollkommen falsch verstehen und auf sich beziehen könnte. "Caspar hat vorhin fast das gleiche gesagt", spricht sie den Grund ihres Schmunzelns direkt aus, "bis auf den Teil mit dem 'anstrengend'. Damit hast du natürlich vollkommen recht und das gleich aus mehreren Gründen."
OHH
Unschlüssig fragt Wina: "Aus mehreren?" Was meint Udana wohl damit?
JR
"Es war" - Udana zögert kurz - "es ist aus mehreren Gründen anstrengend. Stell dir vor, du hast dich gerade an einen Ort gewöhnt und weißt, wo du was findest, wer freundlich zu dir ist, wem man besser aus dem Weg geht, bei welchem Händler man die besten Preise bekommt und auch" - sie lächelt Wina an und fährt fort - "zu welchem Schneider man geht. All das ist dann von einem Tag auf den anderen anders."
Udana hält an dieser Stelle inne, denn auch wenn das erst einer der erwähnten Gründe ist, so will sie die andere auf keinen Fall mit ihren Worten überschütten.
OHH
Verstehend nickt Wina in der irrigen Annahme, dies seien ja bestimmt schon alle Gründe. "Das leuchtet ein." Nun würde sie gern noch etwas Geistreiches anfügen, doch fällt ihr nichts ein.
JR
Udana ist ein wenig überrascht von Winas Reaktion, hat sie doch mit einer Nachfrage nach den weiteren Gründen gerechnet. Vielleicht will Wina sie aber auch nicht unter Druck setzen oder geht davon aus, dass sie sie ohnehin nennen wird.
"Dann ist es oft so, dass wir längere Zeit unterwegs sind. Bei schönem Wetter und in einer Gegend wie dieser hier ist das ein Abenteuer, das ich liebe, aber oft ist es auch furchtbar kalt und nass, ohne dass am Ende des Tages ein einladendes Gasthaus auf einen wartet."
OHH
Nun ist Wina doch froh, nie allzu weit von zuhause fortgegangen zu sein. "Das klingt ja furchtbar ungemütlich! Für mich wäre das dann doch nichts. In Geschichten hört sich das meist nicht so trist an."
JR
"Natürlich nicht", erwidert Udana mit einem Lächeln, "denn sonst wären die Geschichten ja auch ziemlich langweilig und abschreckend. Dennoch steckt in diesen Geschichten eine ordentliche Portion Wahrheit, und darin liegt zugleich auch der nächste Grund, der dies recht anstrengend macht: Es liest sich spannend, wenn die Helden einer solchen Geschichte mehrere Tage durch die Wildnis ziehen und dabei wissen, dass ihre Gegner hinter irgendeinem Busch am Wegrand lauern, aber..." Sie lässt den Satz unvollendet und sieht Wina an.
OHH
Warum spricht Udana nicht weiter? Verwundert glotzt Wina sie an und blinzelt zweimal wie eine Echse, auch wenn sie nur die vierbeinigen winzigen Echsemplare an Wegesrändern und auf Mauersteinen kennt.
Außerdem irritiert sie noch etwas anderes: "Also, eigentlich wissen sie das ja meist nicht, oder?" Vermutlich kennt Udana ganz andere Geschichten.
JR
Verdutzt sieht Udana die Schneiderin an, ehe sie langsam nickt. "Da hast du natürlich vollkommen recht", erwidert sie dann, "und ich habe mich vermutlich unklar ausgedrückt. Natürlich wissen sie in den meisten Geschichten nicht, ob da wirklich jemand lauert, aber wenn sie etwas sehr Wichtiges tun oder etwas Wertvolles beschützen, dann müssen sie immer damit rechnen. So hatte ich das gemeint, aber was ich eigentlich meine, ist, dass diese Art des" - sie überlegt kurz, welches Wort angemessen ist - "Wartens sehr anstrengend ist und ich zugeben muss, dass ich es schon des öfteren als Erleichterung empfunden habe, als dann tatsächlich etwas geschehen ist."
OHH
Da muss Wina doch schmunzeln. "Ah, endlich kommt ihr, ihr lahmen Unholde, dass ich euch euren Teil geben kann!" ruft sie aus und zieht ein gedachtes Schwert, welches sie der ebensolchen Räuberbande entgegenstreckt.
JR
Ganz offensichtlich ist Udana von Winas Schauspiel für einen kleinen Moment vollkommen überrascht, denn schlagartig fällt all das Scheue, Vorsichtige und fast schon Schutzbedürftige von ihr ab. Ihr Körper spannt sich und sie tritt gedankenschnell einen Schritt zurück, während ihre Hände sich ebenso schnell in Richtung der tiefen Taschen ihres weiten Umhangs bewegen.
Weit kommen sie allerdings nicht, denn rasch gewinnt die Erkenntnis, was hier wirklich geschieht, gegen den gut trainierten Reflex, so dass Udana sich fast genauso schnell wieder entspannt. Aus der plötzlich erwachten Kriegerin wird wieder das scheue, vorsichtige und fast schon schutzbedürftige Mädchen.
"So ungefähr", sagt sie, wobei sie ein scheues Lachen wagt und wieder an ihren vorherigen Platz zurückkehrt, "nur dass ich vermutlich kein Schwert verwenden würde."
OHH
Wie schreckhaft Udana doch ist, denkt sich Wina. Ob das so hilfreich ist bei ihrem Leben?
Jedenfalls kann Wina stolz darauf sein, das Ziehen der Waffe offenbar so gut dargestellt zu haben, dass sie nicht mit einem Säbel, Degen oder Messer zu verwechseln ist. Entsprechend zufrieden lächelt sie.
"Sondern vermutlich etwas, das du in den Taschen mitführst, nehme ich an", mutmaßt Wina schließlich.
JR
Beinahe unwillkürlich will Udana bei der Frage der anderen in eben jene Taschen greifen, doch diesem Gedanken folgt keine Handlung, ist ihr doch sehr genau bewusst, dass es ganz bestimmt keine gute Idee ist, in einem friedlichen Gasthaus eine gefährliche Waffe zu ziehen.
"Ja", erwidert sie darum, "der Räuber würde es mit zwei Wurfmessern zu tun bekommen, denen auch weitere folgen können, wenn ihn dies nicht von seinen Absichten abbringt."
OHH
Großäugig staunt Wina: "Wie viele passen denn da rein?"
Dass ein paar Wurfmesser vermutlich nicht jeden Gegner bremsen, zumal wenn er schon dicht heran ist, dämmert der Schneiderin nur sehr langsam und noch ganz im Hinterkopf.
JR
"Ausreichend viele", erwidert Udana ein wenig ausweichend, wobei sich ihre Hände in einer vollkommen synchronen Bewegung sogar noch ein Stück weiter von den Taschen entfernen, "denn auch der einfältigste Gegner ist spätestens nach dem dritten Paar nicht mehr überrascht. Wenn er dann immer noch weitermachen will", Udana zögert kurz, "oder weitermachen kann, sind andere Waffen sinnvoller." Nichts an ihrer Haltung oder Stimme weist dabei darauf hin, an was sie dabei denkt, es wirkt eher im Gegenteil so, als wolle sie das gerade nicht sagen.
"Wenn man weiß, worauf man achten muss, ist es gar nicht schwer, einem Wurfmesser auszuweichen", lenkt sie wieder zu dieser Waffe zurück, "aber wenn zwei davon beidhändig geworfen werden, sieht das schon anders aus."
OHH
Jedenfalls scheint Udana genau zu wissen, was sie tut. Natürlich wäre es möglich, dass sie übertreibt - so jung, wie sie ist. Dennoch vertraut Wina ihren Worten.
"Falls du mal irgendwann die Gefahren nicht mehr leiden magst, kannst du immer noch mit deinen Wurfkünsten auftreten", überlegt Wina.
JR
Udana verzieht bei diesen Worten für einen kleinen Moment das Gesicht, dann kehrt ihr Lächeln zurück. "Als ich jünger war, habe ich das tatsächlich des öfteren getan", erklärt sie dann, "aber je älter ich wurde, desto weniger Freude hatte ich daran. Du hast aber Recht, dass ich damit sicher den einen oder anderen Silber verdienen könnte, falls ich eines Tages ein ruhigeres Leben haben möchte. Jetzt hingegen mag ich mir das gar nicht vorstellen."
OHH
Verständnisvoll wird genickt. "Jeder, wie er es braucht. Manchmal wäre mir etwas mehr Spannung auch recht, aber im Ganzen bin ich doch recht zufrieden."
JR
Udana erwidert das Nicken. "Das geht mir mit dem, was ich tue, ähnlich. Manche Dinge sind anstrengend und nerven zuweilen, aber auch ich bin im Ganzen damit zufrieden."
Ihr Blick geht nach diesen Worten wieder einmal durch den Schankraum, wo Caspar sich inzwischen an der Theke mit der Wirtin unterhält und der Barde mit seiner Aufführung fortfährt.
Schließlich sieht sie Wina wieder an und fragt sich, ob diese ihre letzten Worte auch als eine Art Schluss für das Gespräch gesehen hat oder nur für das inzwischen erschöpfte Thema. Außerdem gibt es da ja noch den Grund, aus dem sie vor einer gefühlten Ewigkeit durch die schon lange wieder freie Tür gehen wollte. "Du kennst doch dieses Gasthaus richtig gut", fährt sie darum mit einer offensichtlichen Feststellung fort.
OHH
Aufemrksam hebt Wina die Brauen. "Ja - warum?"
JR
"Ich..." beginnt Udana ein wenig zögernd, fasst sich dann aber ein Herz und deutet in Richtung der schon lange freigegebenen Tür. "Als du vorhin diese Tür verteidigen solltest, war ich gerade auf dem Weg nach draußen, um... du weißt schon. Wo finde ich das denn?" Bei dieser Frage ist nichts mehr von der selbstsicheren und reaktionsschnellen Kriegerin zu spüren, die sich vor kurzem für einige Augenblicke gezeigt hat.
OHH
"Weil ich ein Ma-a-a-agier bin!" trällert Wina unwillkürlich die letzte Zeile des Barden mit, obwohl sie eigentlich die ganze Zeit wegen des Gespräches mit Udana gar nicht recht zugehört hat.
"Wie? Oh, entschuldige!" Sie lacht herzlich über sich selbst, dann erwidert sie: "Verzeih, das hat mich nun doch irgendwie mitgerissen. Zum Abort kommst du am kürzesten rechts ums Haus herum. Der Verschlag steht hinter der zweiten Ecke." Die Beschreibung wird von passenden Armbewegungen unterstützt. Unwillkürlich erfreut sich Wina an der Vorstellung, wie er dort im Schatten der kleinen Bäume einen traulichen Anblick bietet.
JR
Winas Mitsingen bringt Udana zum Lächeln und lenkt sie zumindest für einen Moment von ihrem eigentlichen Ziel ab, zumal auch Caspar gerade durch den Schankraum geht.
"Ich danke dir", sagte sie dann, während sie schon einen ganz kleinen Schritt in Richtung der Tür macht, "und ich werde mich beeilen, denn ich möchte mich auf jeden Fall noch mit Caspar unterhalten, ehe er wieder nach Hause geht oder eine weitere Aufgabe bekommt. Außerdem will ich nicht zu viel vom Gesang verpassen", das Lächeln verstärkt sich, "weder vom Barden noch von dir."
OHH
Wieder perlt Winas fröhliches Lachen hervor, diesmal jedoch noch etwas leiser und kürzer. "Danke, das ist nett." Tatsächlich gibt es selten genug Gelegenheit, wenn man einmal vom Summen beim Schneidern absieht, was ja gar nicht recht dasselbe ist. "Dann also bis später!"
JR
"Bis gleich", erwidert Udana, um sich dann nach einem weiteren Blick in Caspars Richtung auf den Weg zu machen. Sie öffnet rasch die Tür und tritt dann aus dem Gasthaus, das sie vor gar nicht so langer Zeit betreten hat.
OHH
"Ja, bis gleich." Kurz schmunzelt Wina der anderen noch nach, dann fällt ihr das Ende des Liedes auf, welches sie noch eilig ein wenig beklatscht.
Danach sieht sie sich um. Hier nahe der Türe steht sie auch seitlich nur im Wege, nutzlos und allein. Also zurück zur Theke, wo weiterer Käse wartet? Bei einem Magier, einer Edeldame oder einem Thorwaler wären sicherlich ganz neue fremde Welten zu entdecken. Doch ob die auf die Gesellschaft einer dörflichen Schneiderin so versessen sind oder sich womöglich eher gestört fühlen? Dann wäre da noch Caspar, der nehebei ebenfalls auf der Suche nach einem geeigneten Platz zu sein scheint...
RB
Caspar erwidert Udanas Lächeln, dann setzt er sich auf den Platz, der ihm am nächsten ist. Von hier kann er den Barden gut sehen, der aber leider auch schon Pause zu machen scheint. Vielleicht könnte er ihn mit Applaus motivieren. Also stellt er schnell den Becher ab und klatscht noch ein paar Mal. "Lustiges Lied, kanntest du das schon?" spricht er Wina an, die gerade neben ihm steht und sich suchend umblickt.
OHH
Vom letzten Beobachtungsobjekt angesprochen, tritt Wina fröhlich dichter an den Tisch heran. "Nein, solche Lieder hört man wenn überhaupt ja nur hier, nicht in Solstono. Aber nachdem ich eben mit der Halbelfe gesprochen habe" - sie fuchtelt unbestimmt richtung Eingangstüre - "genügen Besuche im Eber mir wohl, mich von mancher Langeweile und Abenteuerlust abzulenken", fügt sie schmunzelnd an.
RB
'Besuche im Eber' - es ist überhaupt erst Caspars zweiter Besuch hier. Der erste ist noch nicht lange her, und er denkt gerne daran zurück. Er hatte seinen Vater nach Bethana zum Jahrmarkt begleiten dürfen, und ihr Zuchteber hatte dort einen Preis gewonnen und sie hatten ihn unerwartet für viel Geld verkauft. Auf dem Rückweg waren sie von der Nacht überrascht worden und sein Vater hatte sie ungewohnt spendabel gelaunt für die Nacht im Eber einquartiert.
Aber Caspars Abenteuerlust ist ungebrochen, besonders nach dem Gespräch mit... der Halbelfe!? Das erklärt ihr exotisches Aussehen. Er überspielt seine Verwirrung mit einem erzwungenen Grinsen und fragt: "Was hat sie dir denn erzählt? Hoffentlich kein Jägerbosparano."
OHH
Ein kurzes Zucken des Kopfes deutet ein Schütteln desselben an. "Nein, sie klang eigentlich ganz ehrlich und ihre Erzählungen wirklichkeitsnah - eben gerade deswegen, weil es im Abenteuerleben nicht immer gemütlich zugeht. Damit meine ich jetzt keinen Kampf mit einem Mantikor oder Drachen, sondern auch Übernachtungen und Reisen bei schlechtem Wetter. Bestimmt geht einem auch mal der Proviant aus..."
Erfreut stellt Wina fest, wie sie auch die eigentlich tristen Seiten von Udanas Bericht zu Phantasien anregen. Vielleicht ist sie ja doch nicht so langweilig, wie sie vorhin schon über sich selbst etwas erschrocken vermutet hat.
RB
Caspar lacht: "Ist unser Leben denn immer gemütlich? Ich muss auch bei jedem Wetter raus. Die Tiere wollen fressen, egal bei welchem Wetter, und das andere Ende natürlich auch", versucht er sich ein bisschen vornehmer auszudrücken als normal. "Und übernachtet habe ich auch schon im Schweinestall, wenn ein Tier krank war.
Aber wenigstens sieht man etwas Neues, wenn man den ganzen Tag im Regen gewandert ist und nicht nur die gleiche Grütze und den gleichen Matsch. Mir graut da schon eher vor dem Mantikor. Aber dann würde ich wenigstens rausfinden, was das genau ist."
OHH
Es ist schon recht unangenehm, wenn man sich von einem so jungen Burschen belehrt oder überflügelt fühlen muss. Jedenfalls schämt sich Wina ein wenig, sich durch die Aussicht auf eine Nacht in einer Pfütze von größeren Reisen abhalten zu lassen. Dabei wäre dies ja vermutlich nicht einmal nötig, zumindest nicht im Horasreich, wo es doch wohl alle paar Meilen ein Gasthaus gibt.
Zum Glück lenkt Caspar sogleich mit einem Problem ab, das sie lösen zu können vermeint: "In den Geschichten haben sie einen Körper wie ein Löwe, ein Gesicht wie ein Mensch und einen Skorpionsschwanz." Bei der Vorstellung verzieht sie zunehmend die Mine. Wie abscheulich! "Bestimmt haben sie auch noch schlechte Zähne!"
RB
Ja, erinnert sich Caspar, so war es. Aber richtig vorstellen konnte er sich das noch nie. Er hat auch noch nie einen Skorpion gesehen. Wina kann sich das offenbar schon vorstellen, sogar sehr genau. Bei ihrer letzten Bemerkung prustet er los. Dann spinnt er den Gedanken weiter: "Dann ist ihre gefährlichste Waffe wahrscheinlich gar nicht der Skorpionschwanz, sondern der stinkende Atem."
OHH
Nun muss Wina doch lachen, denn das hat Caspar bestimmt als Scherz gemeint. "Vielleicht schlägt man ihn am besten mit einem Vinsalter Duftwässerchen. Wobei ich die auch furchtbar finde - zumindest das eine, was ich mal an einem Gewand riechen musste..."
Gerade will Wina sich endlich hinsetzen, da nimmt sie hinter sich eine Bewegung der Türe wahr und dreht den Kopf entsprechend. Wollte Udana nicht noch mit Caspar sprechen? Dann wäre jetzt vielleicht doch der rechte Zeitpunkt für noch ein Stück Käse am Tresen. Jedenfalls wird sie freundlich angelächelt.
JR
Udana zieht die Tür auf und tritt in die Gaststube, wo sie unmittelbar hinter der Tür an fast genau jener Stelle stehenbleibt, an der sie sich mit Wina unterhalten hat.
Sie sieht sich rasch um, wobei für einen Moment wieder die aufmerksame Kriegerin zu bemerken ist, die sofort erfasst, dass sich nicht viel verändert hat. Die einzige Ausnahme gibt es direkt neben der Tür, mit Wina und Caspar am kleinen Tisch.
Udana muss daran denken, dass die beiden sich offenbar kennen, was vielleicht auch bedeuten kann, dass sie unter sich sein wollen, so dass ihrem ersten Impuls erst einmal keine Handlung folgt, sondern sie erst einmal die Tür hinter sich schließt.
OHH
Gerade will Wina sich endlich hinsetzen, da nimmt sie hinter sich eine Bewegung der Türe wahr und dreht den Kopf entsprechend. Wollte Udana nicht noch mit Caspar sprechen? Dann wäre jetzt vielleicht doch der rechte Zeitpunkt für noch ein Stück Käse am Tresen. Jedenfalls wird sie freundlich angelächelt.
JR
Udana erwidert das Lächeln, was sie zugleich auch einen kleinen Schritt näher treten lässt. "Ich will euch nicht stören", sagt sie schüchtern, wobei ihr Blick von Wina zu Caspar geht. Ihr entgeht unter dem Eindruck des langen Gesprächs, das sie mit Wina geführt hat, dabei vollkommen, dass sie Caspar gegenüber bislang immer die Ihr-Form verwendet hat.
OHH
"Tust du nicht", versichert Wina sogleich warm. "Aber ich vielleicht?" Sie weiß ja nicht so genau, worüber sich die beiden jungen Leute noch austauschen wollten. Vermutlich über eine Abenteuerreise? Fragend schaut sie von der einen zum anderen.
JR
RB
OHH
Wird fortgesetzt...
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Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2025