Schlussbetrachtungen

Autoren: Oliver H. Herde und andere

OHH

Zwar nähert man sich nun einem Thema, welches auch Yashkir angeht - bei einem baldigen Aufbruch müsste er sich eilen, das Gepäck herabzuholen und nach dem Zugtier zu schauen - aber in seinem Blickfeld tut sich gerade viel Interessanteres. Durch diesen Zwiespalt innerlich etwas unruhig geworden, versucht er, mit den Ohren beim Tischgespräch zu bleiben, zugleich aber die junge Mohafrau von vorhin zu mustern und sich seine Gedanken dazu zu machen.
Ihrem Gebaren nach ist sie doch eine Sklavin - ein Umstand, der auf ihn gerade im Zusammenspiel mit ihrem scheuen Wesen eine unwiderstehliche Faszination ausübt. Sie muss großes Vertrauen ihrer Herrschaft genießen, wenn sie in dieser Fremde so frei und noch dazu ohne Halsband herumlaufen darf! Die Kleidung lässt allerdings auf niedere Aufgaben schließen. Andererseits mag ihre Herrschaft auch gerade schlecht bei Kasse sein.
Yashkirs Augen wandern suchend durch den Schankraum, wem das Mädel wohl gehören könnte, da sie dem Golgariten fremd zu sein scheint.
Am ehesten würde vielleicht der tulamidisch wirkende Mann am großen Tisch passen, aber vielleicht ist die Herrschaft - so das Mädel denn überhaupt eine hat - nicht einmal anwesend. Und da der Golgarit nun mit ihr so leise spricht, findet sich Yashkir mal wieder in einer dieser enttäuschenden gedanklichen Sackgassen.
Missmutig stützt er das Kinn in den Handteller. Gleichzeitig senken sich die Lider halb, dass er nicht mehr weit über die Tischplatte hinausschauen kann.
Aber wer will schon dauerhaft nur auf unbewegliches, abgenutztes und im übrigen schlecht beleuchtetes Holz starren! Yashkirs Blick hebt sich erst entschlossen, als wolle er sich auf die Jagd nach etwas Neuem, etwas Sättigendem aufmachen.
Nur kurz streift er noch einmal unwillkürlich die eben verlorene Beute, um anschließend für einen Moment an dem dicken Gaukler hängenzubleiben. Ob dem Guten schlecht geworden ist? Jedenfalls wirkt er schon irgendwie ein wenig hilfsbedürftig, wie er dort nahe des Kamins kniet und auf das kleine Möbel an der Wand schaut... einen Traviaschrein...
Wie peinlich! Sollte sich Yashkir auch in ihm getäuscht haben? Andererseits spricht ja nun nichts dagegen, dass ein Gaukler der Herrin Travia anhängt. Das würde auch das Kostüm erklären. Ist ja auch nicht wirklich wichtig, sondern eben nur wieder einmal recht merkwürdig.
Noch etwas anderes zum Bemerken Würdiges gibt es in dieser Region hinter der kleinen Schwarzen: Einen Schwarzgelockten, der offenkundig sowohl sie als auch diesen Tisch in näherem Augenschein behält. Der wäre sicherlich ein besserer Tratschgefährte als diese beiden trüben Tassen, mit denen er sich bald auf den Weg machen muss.

CR

"Nix geg'nen born'schen Winter", kommentiert Thallasso die Bemerkung des Beamten. "Wege'm Aufbruch: Soll'ich Euer und mein Zeug schon'mal runterhol'n? Ess'n kann'ich ja notfalls auch auf'm Weg..." In Vorwegnahme der Antwort erhebt er sich bereits, wartet dann aber noch auf eine Bestätigung.

OHH

Ein passend frostiger Blick trifft den Söldling aus der Schräge. Wahrlich, dies hier mag gegen das Bornland - neun Monate Winter und drei Monate keinen Sommer - harmlos sein, doch leichter zu ertragen wird es dadurch nicht! Wie halten das diese Nordvölker nur aus!
"Ja, ich sollte dann wohl auch mal langsam..." erwägt er halblaut die Herabholung seines Gepäcks, derweil sein grimmer Blick noch einmal durch den Schankraum streift.
Es ist in der Tat schon ein selten bunt zusammengewürfelter Gästehaufen, den man hier zu sehen bekommt. Und sicherlich gäbe es hier manche interessante Persönlichkeit kennenzulernen, wenn man selbst nur die Zeit und jene die Muße hätten. Doch was hilft es! Etwas schwerfällig erhebt sich nun auch Yashkir.

OB

Der Beamte setzt schon zu einem Nicken an, als er es sich doch plötzlich noch anders überlegt. "Aber nein, setzt Euch doch", sagt er mit einem gewinnenden Lächeln. "Wir haben schließlich einen langen Weg vor uns, und bei dieser Kälte ist draußen schlecht essen. - Ich gehe derweil schon einmal nach oben und kümmere mich um mein Gepäck." Phecadio steht auf, das angebissene Brot in der rechten Hand, mit der linken macht er eine beschwichtigende Geste in Richtung des Söldners: "Bleibt nur sitzen." Der gelassenen Stimme zum Trotz wirkt der Aufbruch zur Treppe hin doch ein wenig hektisch.

OHH

Höchst verwundert nimmt Yashkir den unvermuteten Stimmungsumschwung des Beamten zur Kenntnis. Nach einem verunsicherten Blick zurück auf den Söldner folgt er seinem neuen Reiseleiter bis zur Treppe, wo der Mann, welcher mit der Vielleichtabervielleichtauchnicht-Sklavin sprach ein klein wenig im Wege umhersteht.
Zurückhaltend schlüpft er an dem mangels Ordenskleidung unerkannt bleibenden Golgariten seitlich vorüber und die Stiegen ein letztes Mal empor.
Von pflichtbewusster Eile gepackt, beschleunigt Yashkir schon auf der Treppe. Es wäre ihm höchst unangenehm, müsste er jemanden warten lassen. Trotz Enge und zunehmender Dunkelheit überholt er daher auch früh den Beamten und nähert sich zielsicher dem Schlafsaal. Und obgleich er so wenig sieht, benötigt er seine wie Fühler ausgestreckten Hände doch kaum zur Fortbewegung.
Wie gut, dass keine Leitern umherliegen oder Knechte und Sonnenlegionäre am Boden herumkriechen! Von den gestrigen Ereignissen hat Yashkir allzu wenig mitbekommen, ob sich um solche Dinge zu sorgen. Und er wird wohl auch nicht mehr davon erfahren. Nicht einmal die Inquisition hat er als solche erkannt. Im Süden bekommt man derlei ja auch selten zu Gesicht.

SW

Dass der Verschleierte sich Connars Abwarten am Treppenfusse zu Nutze macht, um selbst schnell die Stufen zu erklimmen, entlockt Connar nicht mehr als einen finsteren Blick in dessen Rücken.
Kaum dass die unteren Treppenstufen frei sind, schickt sich der Ordensritter an, ebenfalls nach oben zu steigen. Die Dämmrigkeit im oberen Flur macht ihm im Gegensatz zum Vorausgehenden nicht das Geringste aus und so nimmt es nicht wunder, dass er diesem schon bald direkt auf dem Fuße folgt.

OHH

Sehr viel eher durch die dichten Schritte hinter sich als die schlechten Sichtverhältnisse verunsichert, erreicht Yashkir den erwarteten Vorhang, den er beiseiteschiebt und für den Nachfolgenden offen lässt. Dessen Gedankengänge würden ihn wohl um so mehr verwundern.
Was einem hier für ein Muff entgegenschlägt! Aber bei so vielen Schlafgästen ist verbrauchte Luft ja kein Wunder. Stracks hält er auf den Lichtschlitz am gegenüberliegenden Ende des Saales zu, wo er sogleich die Läden aufschiebt. Licht und Frische, welche nun reichlich hereinströmen, haben einen sehr belebenden Einfluss. Würde Firun nicht so nachhaltig ausatmen, könnte man dieses Wetter regelrecht als schön bezeichnen. Man ist eben im Norden.
Aber das soll ja nun hoffentlich anders werden. Die Handschuhe und Koffer sind schnell angezogen, beziehungsweise ergriffen. "Ähm... Soll ich offen lassen?" Die Frage wirkt etwas unbeholfen, da Yashkir doch beide Hände voll hat und zudem erst einen Moment suchen muss, wo der andere eigentlich steht.

SW

Direkt nach dem Verschleierten tritt Connar in den Schlafsaal und wendet sich nach links, zu seinen Sachen. Das nasse Hemd zieht er von der Schulter und wirft es achtlos auf das Bett, um sich dann niederzuknien und aus seinem Beutel ein schwarzes, trockenes Leinenhemd zu ziehen, welches er gleich anzieht.
Als er angesprochen wird, blickt er kurz auf und zuckt wortlos mit den Schultern, als Zeichen, dass es ihm egal ist, was mit dem Fenster geschieht.
Als nächstes legt er den Wappenrock auf dem Bett zurecht und greift dann zu seinem Kettenhemd, um sich dieses überzuwerfen.

OHH

Dieser Herr Ritter stellt ja nun wirklich keine Entscheidungshilfe dar, im Gegenteil! Ob man wohl davon ausgehen kann, dass er die Schließung des Fensters beim Verlassen des Schlafsaales übernehmen wird? Wie Yashkir die Menschen kennt, sollte er dies lieber eher nicht annehmen. Auch scheint ihm das Risiko des Auskühlens durch ein vergessenes offenes Fenster allzu groß, was er widerum den Betreibern dieses Hauses ebensowenig antun möchte, wie nachfolgenden Gästen. Und wie es scheint, schert sich der Ritter weder um Licht noch um Yashkirs Höflichkeiten.
So stellt der Südländer seine Koffer noch einmal ab, wobei er sich ihre Position merkt. Und in der Tat findet er ihre Griffe recht schnell wieder, nachdem die Läden erst wieder ihren Dienst tun.
Auf nach Süden! Wenn auch über den kleinen Umweg des Flures, der nach Westen führt.

OB

Praktisch zeitgleich mit dem schwarzgewandeten Südländer betritt Phecadio wieder den Flur, dann die Treppe. Unten legt er sein Gepäck neben der Treppe ab und begibt sich zur Theke, wo er Wirt und Söldner mit einem freundlichen "Guten Morgen, die Herren!" bedenkt.

OHH

Während er sich dem schummerigen Licht am Ende des Ganges nähert, ist auch so manch anderer in teils viel größerer Eile unterwegs. Wenigstens ist gerade genug Platz, sich notfalls aneinander vorbeizuschlängeln. Selbst so dick verpackt und mit den beiden Köfferchen nimmt Yashkir ja natürgemäß wenig Raum ein.
Auf den Stufen wird er etwas langsamer. Dies allerdings weniger ob seiner Vorsicht vor einem Sturze, sondern eher zwecks umherschweifender Betrachtung des Schankraumes - eines weiteren beispielhaften Ortes zahllos verpasster Gelegenheiten. Aber das ist ja nichts Neues.
Sicher wäre es spannend, die Moha und das junge Kräuterfräulein am kleinen Tisch zu beobachten; ein putziges Pärchen! Es besteht kein Zweifel, dass man sich mit ihnen immer noch besser unterhalten könnte, als mit einem Bürokraten. Doch diese Erkenntnis kommt mal wieder reichlich spät.
Ob die stille junge Frau von gestern Abend noch immer in den Federn liegt? Vielleicht hätte er sie einfach einmal ansprechen sollen. Doch worauf?
Das gleiche problem besteht auch bei der Magierin am großen Tisch weit hinten, bei welcher der Bekanntheitsgrad so ungewiss ist. Ein `Kennen wir uns nicht?' erschiene Yashkir bei weitem zu plump. Derlei Einfallslosigkeit, wie sie bei seinem Geschlecht allzu verbreitet ist, widerstrebt ihm deutlich.
So wird all dies schweren Herzens beiseitegeschoben, zumal der Beamte allein durch seine Körpersprache zu raschem Aufbruch gemahnt. Am Tresen angekommen, rechnet Yashkir anhand der Speisetafel dem zuhörenden Teil des Personals von einem Eintopf, Übernachtung und Frühstück vor und legt den passenden Betrag auf die Theke.

OB

Der Beamte legt dem Wirt den korrekten Betrag für zwei Übernachtungen und die verzehrten Mahlzeiten hin und lässt sich vorschriftsmäßig den Empfang quittieren. Mit einem "Travias Dank, Dom Tesden! Und lebt wohl", verabschiedet er sich vom Wirt und wendet sich seinem Gepäck zu. Ist es Zufall, dass er nicht `Auf Wiedersehen' gesagt hat?

OHH

"Ich muss nur noch anspannen", erklärt Yashkir dem Aktenknecht neben sich. Dessen fast schon unbürokratisch zu nennende Eile setzt ihn ein wenig mehr unter Druck, als er sich ohnehin immer schon selbst unnötig aufbürdet.
Den Schleier verschlossen, die Koffer wieder aufgehoben, begibt sich Yashkir ungeachtet der Hektik um ihn herum zur Türe. Dieses Gerenne ist nun wahrlich nichts Ungewöhnliches in solchen Gasthäusern um diese Stunde! Er nimmt es fast nur mit dem Gefühl wahr, weniger mit dem Verstand.
Als er auch den neben der Türe wartenden Stab ergreift, fällt sein Augenmerk noch einmal auf das wundervolle Echsenartefakt, jenes edle Lederhalsband mit der Leine. Wirklich schade, dass er für so etwas nicht genügend Geld hat! Aber bestimmt stehen die Schmuckstücke an den Wänden sowieso allesamt nicht zum Verkauf. Und letztlich wäre auch niemand vorhanden, mit Yashkir derlei Spiele zu betreiben.
Wird wirklich Zeit, dass er sich wieder um die Schatzfindung kümmert! Mag er als reicher Mann falls überhaupt möglich zunächst auch eher einsamer werden, als er es schon ist; wohlausgesuchte Sklaven würden sicher bald mekren, was für ein liebenswerter Kerl in ihm steckt.
Geschickt findet er trotz Gepäcks einen Weg durch die Türe hinaus, wo er die dort befindliche schweigsame Magierin mit einem Abschiedsnicken bedenkt und sich dann zum Stall aufmacht.
Hätte Yashkir den ihm folgenden Knecht bemerkt, wäre er wöhl für ein Momentchen erfreut, nicht allein anspannen zu müssen - nur um seine Hoffnung durch die Magistra ins Wanken geraten zu sehen.
So jedoch biegt er mit ganz anderen Gedanken um die Hausecke. Träumen von einem geruhsamen Landleben, fernab der stinkenden und lärmenden Perle des Südens. Oder besser nicht gar zu fern? Ab und zu wird er sicher die Universität besuchen oder einkaufen wollen. Wahrlich zu schade, dass der Transversalis wohl nie in seinem Zauberkatalog enthalten sein wird! Bleibt nur die Hoffnung, dass sich dieser räumliche Zwiespalt bis zur Schatzhebung irgendwie von allein klärt. Da würde er sich auch gern von einer Frau überreden lassen!
Doch erst einmal gilt es, sich im Stall zurechtzufinden. Kurz darauf führt Yashkir sein Zugtier hinaus auf den Hof und in Richtung des Wagens.
Erfreut bemerkt Yashkir den bereits den Wagen vorbereitenden Knecht. "Oh, allerverbindlichsten Dank, junger Freund!" Gemeinsam geht das Anspannen um so schneller und einfacher, und interessanterweise sind Yashkirs Finger momentan gar nicht einmal so klamm.
Inzwischen erscheinen auch Beamter und Söldner auf ihren Pferden. Während letzterer irgendwie unschlüssig wirkt, stahlt ersterer in aller Stille eine hervorragend gute Laune aus, was Yashkir als zweifelsohne bedeutsamer erscheint, um eine halbwegs angenehme Weiterreise zu gewährleisten.
Nochmals dankend, klopft er dem Knecht auf die Schultern und steigt dann den Kutschbock empor. Ein letzter Blick zurück auf das Gasthaus wird begleitet von dem unwillkürlichen Griff an die obere Brust. Ja, das Beutelchen mit dem in Wachspapier eingeschlagenen Kartentstück ist noch am Platze. Somit sollte er hier wirklich nichts vergessen haben, auch wenn er dies Gefühl wie üblich nicht recht loswird. Darin unterscheidet sich dieser Aufbruch von keinem anderen.
Und auch jenes Wirtsgebäude mit seinen verwinkelten Ereignissen bedeutet ihm auf dem Wege nach Süden nichts weiter Besonderes. Es werden noch viele folgen - hoffentlich nicht gar zu viele, bis er in heimatlichen Gefilden ist!
So lenkt er seinen Wagen den beiden buchstäblichen Vorreitern nach, ebenso schweigend wie diese und in seine ganz persönlichen Gedanken versunken. Vielleicht wird er ja eines fernen Tages auch Heim und Familie sein Eigen nennen können, doch bis dahin ist der Weg noch sehr viel weiter als bloß bis nach Al'Anfa.


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Redaktion und Lektorat: OHH