Pikeniers Freund

Autoren: Christian Stoll, Friederike Hölscher, Oliver H. Herde und andere

OHH

Hoffnungsvoll stapft Waienn noch ein wenig im Schneematsch herum. "Hallo!?" Verflixt, nicht einmal einen Namen hat er von dem Davongelaufenen! Wie auch immer, er ist verschwunden.
Schon will Waienn wieder hineingehen, als er einen großen Schatten ausmacht. "Huah!" entfährt es ihm im ersten Augenblick, bevor er erkennt, dass es aus dem Hauptgebäude kommt und sich offenbar um einen Esel oder ein Maultier handeln muss. Erleichtert atmet er auf, dann geht er lachend auf den herrenlosen Gesellen zu und streckt ihm die Rechte offen entgegen. "Na, du hast mich vielleicht erschreckt!"

FH

Da das Maultier den Menschen längst ausgemacht hat, erschreckt es sich beileibe nicht so wie jener. Auf den Schreckensruf des Mannes hin jedoch bleibt Janosch abrupt stehen, in Alarmbereitschaft, ein Ohr vorgestellt, eins zurückgelegt.
Als gleich darauf der Zweibeiner jene Laute von sich gibt, die stets Entspannung, meistens Freundlichkeit signalisieren und sich mit ausgestreckter Hand nähert (oft eine freundliche Begrüßung, manchmal ein Zeichen für Leckerbissen, gelegentlich auch ein hinterhältiger Trick), da antwortet Janosch mit einem freundlichen Schnauben. Jetzt beide Ohren aufmerksam dem Fremden entgegengedreht, streckt er die Nase weit vor, um zu erforschen, ob jener möglicherweise seine Äpfel, Mohrrüben oder andere Annehmlichkeiten mit ihm teilen will.

OHH

Waienns Hand legt sich streichelnd auf den Kopf des Maultieres. "Na, siehst fast aus wie mein alter, Boron hab ihn seelig!" Er schaut sich um. "Aber wem gehörst du nur? Kannst doch nicht allein hier herumlaufen, sonst erfrierst du auch noch!" Wuschelnd fährt Waienn dem Tier mit beiden Händen über den Kopf - doch natürlich nicht gegen den Strich.

FH

Der Mann ist freundlich, und er riecht gut - zum größten Teil wenigstens - nach Stall und nach Kräutern (wenn auch nicht nach frischen)... ein wenig auch nach Blut (aber auch nicht frisch), also nicht weiter beunruhigend.
Allerdings scheint er keine Rüben oder ähnliche Leckerbissen in der Tasche zu haben. Janosch erwidert das Streicheln, indem er seinen Kopf an Waienns Körperseite reibt - auch, um sicherzugehen, dass ihm nicht der Geruch irgendwelcher Leckereien entgangen ist.
Nachdem er den kleinen Mann damit fast umgeschubst hat, tritt er vorsichtig einen Schritt rückwärts. Eigentlich hat er keine Lust, seinen Ausflug schon zu beenden.

OHH

Zum Glück ist dies nicht das erste Maultier, dem Waienn begegnet. Da weiß er schon, wie man sich einen sicheren Stand gegen umwerfende Knuddeleien verschafft. Angesichts des rumpelnden Stalltores, welches sich wie von Geisterhand schließt, fährt er aber doch ein wenig zusammen.
"Das ist aber seltsam! Hat man dich etwas rausgeworfen!? Nunja, das können wir später klären. Ich muss noch jemandem helfen. Magst du mitkommen?"
Der Medicus wendet sich wieder dem befestigten Unterstand zu, die Hand noch einladend auf das Maultier gerichtet. "Vielleicht habe ich sogar noch ein Zuckerchen..."

FH

Janoschs Ohren zucken, als hinter ihm das Stalltor zufliegt. Aber kein Maultier wird sich deswegen Gedanken darüber machen, dass ihm jetzt der Rückweg versperrt sein könnte.
Der freundliche Mann macht Anstalten, sich in Richtung des anderen Stalls in Bewegung zu setzen. Nun, da wollte Janosch sowieso hin, und der Zweibeiner ist eine nette Gesellschaft, zumal seine ausgestreckte Hand geradezu einlädt, ihm zu folgen. So folgt das Maultier - allerdings mit einem gewissen Abstand, der verhindern sollte, dass er unversehens am Halfter gepackt werden könnte.

OHH

Wie schön, dass Waienn seinen neuen Freund nicht erst mit schieben und ziehen zum Mitkommen überreden muss! Er geht voran und stellt sich abwartend neben die Tür, um sie hinter dem Maultier zu schließen. Nebenbei wirft er dem Patienten einen Seitenblick zu. Der scheint sich keinen Fingerbreit bewegt zu haben, sehr gut! Vielleicht schläft er gar, das wäre sicherlich das Beste, bis der Tee kommt.

FH

Nanu, in diesem Stall scheinen nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zu wohnen. Warum auch nicht - Janosch hat das schon oft genug erlebt.
Vorsichtig bleibt er in der Tür stehen, um die mannigfaltigen Gerüche aufzunehmen. Pferde, Heu, Stroh, Hafer... schön und gut. Menschen... auch in Ordnung. Weniger einladend ist die Tatsache, dass der Blutgeruch, den er an dem kleinen Mann wahrgenommen hat, hier stärker zu spüren ist.
Und dass es hier weder nach Äpfeln noch nach Mohrrüben riecht. Janosch schnaubt leise. Umsehen könnte man sich ja mal... Noch zögernd bleibt das Maultier auf der Türschwelle stehen.

OHH

Was denn jetzt? "Nun los! Herein mit dir, es ist kalt!" Zur Verdeutlichung schwingt der Pikenier ein klein wenig mit dem Torflügel.

FH

Na gut... wenn man so freundlich gebeten wird! Wo man hineinkommt, da kann man auch wieder hinaus. Außerdem ist es hier warm und gemütlich und nicht so langweilig wie da drüben.
Vorsichtig tritt Janosch auf die Stallgasse. In einer der ersten Boxen liegt ein Mann. Neugierig nähert sich das Maultier, um an ihm zu schnuppern. Ob er schläft?

CS

Mit geschlossenen Augen und in einem leichten Dämmerzustand wartet Ugdalf auf den so plötzlich verschwundenen Medicus. Doch schon nach kurzer Zeit packt ihn die Ungeduld und der Ärger über den `verweichlichten Medicus mit seinen Wucherpreisen'.
`Jetzt hab ich aber die Faxen dicke, will 5 Goldstücke haben und alles was er dafür tut sind blöde Ratschläge geben, die jedes Straßenkind hätte geben können und, das ist der Gipfel der Frechheit, mich hier einfach liegen lassen... Aber nich mit mir... Wer bin ich denn?!'
In einem Anfall von Jähzorn reißt Ugdalf die Augen auf. Mitten in der Bewegung, sich aufzusetzen, wird er des Maultiers und des damit verbundenen Geruchs gewahr. "Arrrgghhh, verschwinde hier, du Esel, du stinkst!" Zu Verdeutlichung seiner Worte fuchtelt er dabei mit dem Schwert vor Janoschs Nase herum.

OHH

Endlich! Eilig schließt Waienn das Tor hinter dem Vierbeiner. Dann begibt er sich zu seinem Rucksack, wird jedoch von der aufgeweckten Gebrochenen Rippe von seiner ursprünglichen Absicht abgelenkt. "Aberaber! Verletze das Arme Tier nicht, welches ein MAULTIER ist! Und liege endlich ruhig, sonst wirst du mehr als einen Tee brauchen, nicht innerlich zu verbluten!"

FH

Huch! Was für eine Antwort auf eine freundliche Begrüßung! Und mit kaltem Stahl wird auch noch gedroht. Die Ohren des Maultiers, eben noch voll freundlicher Aufmerksamkeit auf den Liegenden gerichtet, klappen nach hinten, und die Nase zuckt zurück. Allein, Janosch ist kein besonders schreckhaftes Maultier, und so zieht er sich mit einem raschen Schritt nach rückwärts nur gerade aus der Reichweite des übellaunigen Menschen zurück.

OHH

Nach seiner Mahnung und dem gleichzeitigen Rückzug des Maultieres beugt sich Waienn erst einmal über seinen Rucksack. Er pflegt, seine Versprechungen zu halten - auch gegenüber Tieren, und auch wenn er nur eine Andeutung zu einem Versprechen gemacht hat.
So fördert er wieder allerlei aus dem Rucksack zutage: Die bekannten Seile, Tücher, Kräuterschachteln, diversen Krimskrams, Bücher und schließlich ein kleines Beutelchen, welches sich wohl nur noch wenig Inhaltes erfreut. "Ah, dachte ich es doch!"

FH

Der Mann wird ihm mit jedem Augenblick sympathischer. Beutel mit allem möglichen Inhalt liebt Janosch ganz besonders - in Wahrheit ist es eine der liebenswertesten Eigenheiten der Menschen, solche mit sich herumzutragen; besonders, wenn sie dann auch noch so gelagert werden, dass man sie untersuchen kann.
Höchst interessiert senkt Janosch den Kopf, um jeden einzelnen der ausgepackten Gegenstände zu beschnuppern.

CS

"Ach, nu hör schon auf! Ob ich das Viech Esel oder Maultier nenn, is doch in etwa so egal, als wenn auf Maraskan ein Sack Reis umfällt. Sieh lieber zu, dass dein oller Wundertee bald fertig is und renn nich dauernd nach draussen, es zieht hier nämlich, und wenn du schon dabei bist, schaff doch bitte den stinkenden ESEL inne andere Box, möglichst weit weg!" Nach dieser außerordentlich leidenschaftlich vorgetragenen Zurechtweisung des `Weicheis' lässt Ugdalf das Schwert wieder sinken, wirft dem Maultier noch einen finsteren Blick zu und lässt sich dann vorsichtig in seine alte Position zurückgleiten.

OHH

Mann sollte wohl schnell wieder alles einpacken, bevor der vierbeinige Freund alles durcheinanderwirft und wohlmöglich irgend etwas beschädigt.
Doch der unkultivierte Söldling lenkt Waienns Aufmerksamkeit mit offensichtlichem Unfug auf sich, dass selbst die Genügsamkeit eines einfachen Pikeniers doch arg strapaziert wird. Allerdings ist es nicht Waienns Art, laut zu werden. Ruhig erwidert er auf die Punkte, die er behalten hat: "Wenn der Sack Reis kaputtgeht und ausläuft, mag es Bedeutung haben. Aber bevor du mir dann gleich erklärst, wie ich von hier aus Einfluss auf den drüben im Gasthaus kochenden Tee nehmen soll, möchtest du mir sicherlich schon einmal eine Anzahlung auf mein Honorar geben..."

FH

Das Maultier macht keine Anstalten, irgend etwas durcheinanderzuwerfen oder anzuknabbern. Aber jeder erreichbare Gegenstand wird einer sorgfältigen und vorsichtigen Untersuchung durch Janoschs Samtnase unterzogen.

CS

`WAS?! Na, dir geb ich gleich was auf dein loses Mundwerk, du geldgieriger Abklatsch eines echten Söldners. Nix tun und dann noch Geld verlangen. Obwohl, recht geschickt, sich meiner Unhöflichkeiten mit dieser einfachen Bemerkung zu erwehren, gradezu phexgefällig. Naja, egal, noch son Ding und du gehst heut zeitiger schlafen als dir leib is.'
Mit einem recht schwer einzuordnenden Grinsen, welches so gar nicht zu dem auflackernden Jähzorn in seinen Augen passen will, richtet sich Ugdalf wieder etwas auf und und erwiedert mit völlig neutraler Stimme: "Na, du hast wohl irgendwie Zwergenblut in deinen Adern oder war einer deiner Elternteile gar ein Grolm? Wie auch immer, mein restliches Geld befindet sich in meinem Mantel und der liegt zusammen mit meinem Hut drüben auf der Theke. Dummerweise bin ich schwer verletzt" - hier plaziert Ugdalf einen leichten Hustenanfall - "und außerdem hat mir der Dicke vorhin Lokalverbot für heut verordnet" - nach einer kurzen Verschnaufpause - "also musst du schon selbst rübergehn und das Zeug holn und bei der Gelegenheit kannst du gleich nach dem Tee schaun, den hat der gute Wirt bestimmt vergessen."
Nach einer weiteren kurzen Pause, jetzt mit schon wieder geschlossenen Augen und liegend, spricht er weiter. "Achja und noch was zum Überlegen auf den Weg. Wie soll etwas auslaufen, was nicht flüssig ist, was ja auf Reis bekanntermassen zutrifft?"

OHH

Wahrlich, Waienn hat schon bessere Schauspieler gesehen als diesen Söldner! So beeindruckt ihn dessen Gehuste nicht, zumal er mit seiner Unhöflichkeit wenig Gelegenheit zum Mitleid bietet.
`Ausrieseln?' Die Fangfrage verwirrt Waienn in der Tat einen Moment lang. Dann aber ist er sich doch recht sicher, es müsse wirklich auslaufen heißen, da sich der Reis ja wie eine Flüssigkeit benimmt, und dies genügt. Aber er hat keine Lust, sich mit jemandem darüber zu streiten, der ihm in der garethischen Sprache offenkundig nicht gewachsen ist.
"Gut, ich werde deine Sachen gleich holen." Da kann er auch gleich fragen, wem der Maulesel gehört. Er öffnet das kleine Beutelchen und lässt zwei Zuckerstücke herausfallen. Hach ja, der arme Marius!
Eines der Stückchen kommt wieder zurück in den Beutel, das andere bietet er dem neugierigen Maultier auf der flachen Hand an. "Huhu, schau mal, was ich habe!"

CS

`Na, da hab ich deine Fähigkeiten im verbalen Schlagabtausch doch etwas überschätzt, kleiner Mann... Mal sehn, was du dir noch so gefallen lässt.'
"Jaja, frag ruhig, wem der stinkende Esel hier gehört, HAauptsache, du beeilst dich mit dem Tee, und wenn du so nett wärst, mir gleich noch ein Bier mitzubringen... Das Geld kannst du aus dem Mantel nehmen."
Nach dieser mit beiläufigem Ton vorgetragenen Bitte ist von Ugdalf nur noch ein leichter Seufzer zu hören. Dann scheint sich sein Körper völlig zu entspannen.
`Na los! Jetzt verschwinde schon... Die Verletzung tut niederhöllisch weh, und ich will zu meinem Bündel, da ist wenigstens ein wirksamer Heiltrank drin und nicht son Kindertee, wie du ihn mir für teuer Geld andrehen willst...'

OHH

Angewidert von der Streitlust des Söldners, kommt Waienn zu dem Schlusse, dass er es wohl gewesen sein muss, der den Kampf mit dem anderen provozierte. Doch es ist nicht seine Aufgabe, zu richten. Frostig erwidert er: "Ein Bier kann ich in deinem Zustand nicht empfehlen."
Dann wendet er den gleich wieder freundlicher werdenden Blick zurück zum Maultier. Erst wird das Zuckerchen geschenkt, so viel Zeit muss sein! Und nach ärztlichem Ermessen ist auch so viel Zeit.

CS

`Jetzt hab ich ihn wohl ganz verstimmt, den Kleinen... Um so mehr Zeit lässt er sich hoffentlich mit dem Wiederkommen, bin ja schließlich nicht grad in bester Verfassung.'
Immer noch mit geschlossenen Augen und einer Stimme, die von einem baldigen Einschlafen des Sprechers kündet, antwortet Ugdalf kurz und knapp: "Hmmmm, bring trotzdem eins mit!"

FH

Sanft nehmen die Lippen des Maultiers den angebotenen Leckerbissen von der Hand des Mannes. Kaum, dass der kleine Brocken in seinem Maul angelangt ist, sinken Janoschs Ohren nach außen, die Augen schließen sich halb und das Maultier kaut mit einem Ausdruck allerhöchster Verzückung. Es ist süß, so süß! So etwas hat er schon lange nicht mehr bekommen - das ist sogar noch besser als Äpfel!

OHH

Waienn denkt nicht daran, auf des Söldners einmal abgelehnte Bierbestellung nochmals einzugehen. Im Gegenteil hat er beschlossen, vor der Bezahlung auf gar nichts mehr einzugehen, soweit dies nicht die Höflichkeit dringend gebietet, die ihm selbst ja leider nicht gegenübergebracht wird.
Freudig nimmt er den Appetit des Maultieres zur Kenntnis, streichelt ihm noch ein wenig den Hals - auch um sich selbst etwas Frieden zu gönnen. "Braver Kerl..."
Anschließend öffnet er wortlos das Tor hinaus.
Gerade ist Waienn hinausgetreten und dreht sich um, das Tor wieder zu schließen, als sein Blick auf seine verstreuten Sachen fällt. Die räumt man besser schnell ein, sonst fällt noch wer drüber oder tritt versehentlich darauf!
Eilig saust er wieder zurück und packt alles mit nur der allernötigsten Sorgfalt wieder in den Rucksack. Dieser wird in die freie Box neben der des Verletzten gelehnt, dann begibt sich der Pikenier wieder hinaus.

CS

Mit halb geöffneten Augen verfolgt Ugdalf Waienns Verschwinden und dessen erneutes Auftauchen. Je länger Waienn seinen `Ramsch' zusammensucht, um ihn wieder einzupacken, desto ungeduldiger wird Ugdalf. Der Schmerz in seiner linken Körperhälfte tobt wie ein wildgewordener Firunsbär, und Geduld gehörte noch nie zu seinen Stärken. Kurz bevor Ugdalf beschließt, Waienn überfallartig anzugreifen und das ganze `Theater' zu beenden, hat dieser endlich sein Zeug zusammen, verstaut es und begibt sich Richtung Tor.
Mit nun vollständig geöffneten Augen wartet Ugdalf auf das Geräusch des sich schließenden Tores.

OHH

Und das erwartete Geräusch erfolgt auch sogleich. Waienn dreht herum und eilt mit patschenden Schritten durch die Kälte auf das Haupthaus zu. Wie war das gleich... links oder rechts...? Genau, rechts...
Waienn wendet sich nach links Richtung Vordertür. Die nahende Magd bemerkt er in Dunkelheit und Schneegestöber nicht.
Eines wird ihm auf seinem Wege schnell klar: Auf keinen Fall wird er die Nacht im Stall bei diesem undankbaren Menschen zubringen! Im Grunde wollte er in diesem Gasthause doch nur ein leckeres Mahl, ein nettes Gespräch und eine gemütliche Bettruhe. Statt dessen wird man wegen solcher Albernheiten in die Kälte herausgezerrt!

FH

Da sein neuer Freund sich anschickt, den Stall zu verlassen und ihn mit dem garstigen Menschen alleinzulassen, und da er überdies möglicherweise noch mehr Zucker in seinen Taschen hat, sieht Janosch gar keinen Grund, länger hier zu bleiben. Mit allerschönster Selbstverständlichkeit zockelt er hinter Waienn her, bevor dieser das Tor wieder geschlossen hat.

OHH

Nanu, da geht doch jemand hinter ihm! Ruckartig wirbelt Waienn herum und rutscht beinahe auf der matschübersäten Hofpflasterung aus.
Als er sich wieder auf etwas anderes als sein Gleichgewicht konzentrieren kann, ist er sehr erleichtert: Nur das Maultier. Beim Schließen des Tores muss er wohl sehr in Gedanken gewesen sein, dass er es herausließ. Nun gut, soll es eben mitkommen und vor der Türe zum Schankraum auf seinen Herrn oder seine Herrin warten.
Waienn tut ein paar Schritte zur Straße hin, wobei er dem Vierbeiner auffordernd zuwinkt. "Komm, mein Freund!"

FH

Na also - der Mann macht keine Anstalten, ihn festzubinden oder einzusperren. Statt dessen erweist er sich als nette Gesellschaft bei dem kleinen Ausflug.
Aber was ist das!? Vor dem Eingang zum Menschenstall stehen verschiedene Zweibeiner herum, und da mischt sich in den Menschengeruch eine andere, höchst unsympathische Ausdünstung. Einer von denen ist kein Mensch, sondern etwas äußerst Bedrohliches. Und sein neuer Freund geht geradewegs darauf zu.
Ruckartig bleibt Janosch stehen, die Ohren flach an den Kopf gelegt, und lässt ein warnendes Schnauben hören.

PD

Die Magd kommt um die hintere Ecke des Gebäudes. Vorne macht sich offenbar ein Gast auf, mit seinem Tier weiterzureisen. Bedauerlich, zumal er oder sie in der eintretenden und kalt werdenden Nacht auch nicht mehr weiter als bis Solstono kommen dürfte. "Wollt Ihr nicht besser noch bleiben?" ruft sie hinüber, während sie nach dem Griff des Tores langt. "Diese Nacht werdet Ihr wohl nicht mehr weit kommen; es wird ziemlich kalt werden!"

OHH

Gerade will Waienn um die Hausecke biegen, als sein vierbeiniger Begleiter abrupt stehen bleibt. Was hat er denn? Anscheinend stört ihn etwas an den Leuten vor der Eingangstüre.
Eine verzwickte Lage, denn hinein muss Waienn so oder so. Andererseits kann er doch das Tier nicht hier allein in der Kälte stehen lassen!
Der rückwärtige Ruf einer Frau aus der Dunkelheit erlöst ihn für den Augenblick davon, nach einer Lösung suchen zu müssen. "Seid unbesorgt! Ich habe durchaus vor, mein bereits bestelltes Bett auch zu nutzen!"

FH

Hier draußen ist ja ordentlich was los. Sehr interessant das alles! Aber diese stinkende Kreatur da vorne, die sich jetzt auch noch aufrichtet, muss mit äußerster Wachsamkeit betrachtet und mindestens weiträumig umgangen werden. Irritiert scharrt Janosch mit dem Vorderhuf am Boden.

PD

"Na, dann bin ich beruhigt", gibt sie leicht scherzhaft angehaucht zurück. Was aber hat er vor, einen nächtlichen Ausflug mit seinem Tier unternehmen, bei dieser Kälte? Langsam, um noch ein wenig abzuwarten, was dieser Gast denn nun vorhat, zieht sie das Tor des Unterstands ein Stück auf.

OHH

Offenbar hat das Maultier regelrecht Furcht vor diesen Leuten. Aufgrund der nächtlichen Dunkelheit kann Waienn allerdings kaum mehr als ihre Umrisse ausmachen. Vielleicht könnte man sie ja umgehen, aber irgendwie sieht es so aus, als stünden sie ausgerechnet genau vor dem Eingang. Das wird sowieso noch ein Problemchen. Man kann ein so großes Tier ja schlecht mit in einen Schankraum nehmen!
Da setzt sich ein Teil der Leute in Bewegung. "Komm, komm!" fordert Waienn ruhig auf. "Brauchst keine Angst haben, ich bin ja da." So versucht der Pikenier, das Maultier in einem kleinen Bogen auf die Straße zu lenken und darüber hinaus auf die andere Seite, um den Entgegenkommenden, die anscheinend ein Hauptgrund für die Unruhe des Tieres sind, nicht allzu nahe zu kommen. Auch geht er extra zwischen ihm und ihnen, es seines Schutzes zu vergewissern.

Das unruhige Wesen neben sich weiter beruhigend tätschelnd, geht Waienn in sicherem Abstand an den Entgegenkommenden vorüber. Ein Rondrianer mit einem heruntergekommenen Handlanger, die einen Ork in erbarmungswürdigem Zustand mit sich führen. Welch ungewöhnliche Behandlung durch einen Liebfelder! Vermutlich sind es keine. Aber was macht ein Schwarzpelz so fern der Heimat? Tiefes Mitleid ergreift den Pikenier, doch er hat nicht das Recht, sich einzumischen, zumal wenn ein Geweihter dabei ist.
Die reglose Gestalt an der Hauswand nimmt er in der Finsternis nicht wahr, sondern gelangt nach einigen Schritten an die Eingangstüre.

Nahe des Eingangs steht ein Wagen herum, der wohl die halbe Straße versperren würde, wäre sie nicht so breit, wie es sich für Liebfelder Straßen zum Glück gehört. Waienns Kopfschütteln hat noch gar nicht richtig begonnen, als eine Gestalt dahinter hervortaucht, zu Tür schlüpft und sie öffnet. Im nun herausfallenden Halblicht kann der Pikenier vertraute Umrisse erkennen. "Leoc..." hebt er an, doch die Jägerin hat die Tür bereist wieder hinter sich geschlossen.
Was auch immer sie bei dem Wagen getrieben hat, Waienn beabsichtigt nicht, die eisige Nachtluft über Gebühr zu genießen. Zielstrebig stapft er über die Straße auf die Eingangstüre zu.

FH

Janoschs neuer Freund ist für einen Zweibeiner wirklich ausgesprochen intelligent. Er hat also auch begriffen, dass die merkwürdige Zusammenrottung da vorne besser umgangen wird. Zufrieden, aber stets wachsam folgt das Maultier dem Mann in Richtung Tür, während sich die beiden agressiven Menschen und die stinkende Kreatur eben von dort entfernen. Gut so!

OHH

Nun steht er also vor der Türe, und sein neuer Freund ist ihm vertrauensvoll gefolgt. Aber wie weiter? Natürlich nimmt man ein so großes Tier nicht mit in einen Schankraum! Da würde ihn Travia mit Recht ihre heilige Bratpfanne spüren lassen!
Ob er wohl stehen bleibt? Unschlüssig hält Waienn nach den Möglichkeiten Ausschau, ihn irgendwo anzubinden. An einem kleinen Strick soll es nicht fehlen, hat Waienn doch immer einen in der Hosentasche; allein, wohin damit? Die einzig grundsätzlich geeignete Stelle, die er erkennen kann, ist die Klinke. Das geht natürlich nicht, da man so den Eingang ziemlich blockieren würde!

FH

Au ja! Janosch hat schon immer auf eine Gelegenheit gewartet, einen Menschenstall zu erforschen. Dummerweise stellen sich die Zweibeiner immer so an, wenn man es versucht - aber dieser hier scheint eine rühmliche Ausnahme zu sein. Mit aufmunterndem Schnauben stubst das Maultier seinen neuen Freund an. Gehen wir?

OHH

Etwas Seil findet sich auch am Halfter; ebenso könnte man die Vorderläufe zusammenbinden. Allerdings kennt Waienn den Maulesel noch nicht genügend, um zu beurteilen, wie leicht der sich so behandeln lassen würde. Er zieht es vor, sich nachher mit allen zehn Fingern und ohne Hufabdruck im Gesicht zu Bett zu begeben.
Vielleicht hat man mit Freundlichkeit mehr Aussicht auf Erfolg denn mit Zwang. Bekäme man es nicht gleich zu fassen, würde es nur fortlaufen.
"Schön hierbleiben", fordert er ruhig auf und tätschelt nochmal den Hals. "Ich geh nicht weit weg und bin gleich wieder da."
So öffnet er die Tür und lässt den Blick erst vom Maultier ab, als sie hinreichend weit steht, um hineinzublicken. Es wirkt ein wenig leerer als vorhin. Nasreddin und ein paar andere Gäste scheinen schon zu Bett gegangen zu sein. Ohne die Aufgaben, die er noch zu erledigen hat, wäre Waienn gewiss auch schon recht erschlagen von der Reise, dem Klima und dem Herumgestapfe im nächtlichen Schneematsch.
Wie aber soll man nun am besten die Umfrage gestalten? Es widerstrebt dem Engasaler ganz außerordentlich, einfach in den Schankraum hineinzubrüllen. Andererseits, wenn man jeden Anwesenden einzeln befragt, mag man den rechten verpassen oder übersehen, da ja keiner von ihnen vernünftig festgebunden ist. Und vermutlich würde das Muli nicht so lange in der Kälte warten.

FH

Das war eine freundliche, aber eindeutige Aufforderung, hier stehenzubleiben. Was - will der sich jetzt allein amüsieren gehen? Brav wartet das Maultier, bis Waienn die Tür geöffnet hat, aber keine Anstalten macht, auch hineinzugehen. Was ist, traut er sich nicht?
Lärm, Wärme und viele, viele Gerüche kommen von innen. Janosch will auch sehen, was da vor sich geht! Sobald sein neuer Freund den Blick von ihm abwendet, schiebt sich Janosch unauffällig näher an die Öffnung heran und versucht unter dem Arm des Mannes hindurch einen Blick ins Innere dieses offenbar sehr vollen Menschenstalls zu erhaschen.

OHH

"Huah!" Was ist das!? Achso, der Kopf des Maultieres! Während Waienn noch die Türe offenhält - oder vielmehr ein wenig damit herumschwenkt - versucht er zugleich, das Grautier vom Eindringen abzuhalten, auch wenn das vielleicht noch gar nicht so nötig wäre. "Musst du mich so erschrecken!?"

FH

Als der Mann unvermittelt zusammenzuckt und ihm ein erschreckter Laut entfährt, zuckt auch Janosch reflexartig zurück. Erst, als er nach ein, zwei Atemzügen sicher ist, dass keine direkte Gefahr besteht, beginnt er sich wieder vorwärts zu schieben - das heißt, zunächst einmal die Nase, so weit, wie der Hals lang ist.

PD

Siona lässt das Wortgefecht der beiden Kriegsleute hinter sich, als sie um die Ecke biegt und gleich darauf vor der Tür des Ebers steht. Nur, jene ist gerade `besetzt' - der seltsame Gast mit seinem Esel, der so wirkte, als möchte er abreisen, dies aber verneinte. Was will er mit seinem Tier aber an der Tür?
Mit einem Räuspern versucht sie, auf sich aufmerksam zu machen.

OHH

Der Pikenier dreht sich nun vollends zum Muli um, wobei er unnötigerweise die Türe mit dem Rücken weiter offen hält. "Nana! Du sollst doch warten! Da drinnen gibt es nichts für dich!"
In diesem Moment hört er gegen die Geräusche von drinnen ein leises Räuspern aus dem Dunkel, woraufhin er die Magd von eben erkennt. Sich am Maultiernacken festhaltend, hebt er rücklings ein Bein und drückt die Tür damit weiter auf. "Bittesehr, gute Frau!"

PD

Scheinbar hat der Pikenier doch vor, sich bald zu verabschieden, auch wenn er vorhin anderes sagte. Warum sonst sollte er sein Tier hier an der Tür warten lassen?
"Danke", meint sie mit einem freundlichen Nicken und jongliert mit dem Tablett - aus Becher und Schüssel dampft das ehemals heiße Wasser nicht mehr so sehr - durch den Türrahmen. "Wollt Ihr nicht auch mit rein? Es wird sonst kalt im Schankraum..." macht sie den Mann noch auf das allgemeine Problem aufmerksam.

OHH

"Oh, Verzeihung! Ihr habt natürlich Recht!" Waienn tritt mit hinein und macht Anstalten, die Türe zu schließen, während er dem Maultier beschwichtigend zunickt.

PD

"Danke", kommentiert die Magd den Türschließversuch des Pikeniers. Sie blickt sich kurz um und nimmt dann zielstrebig den Weg zum Tisch am Kamin.

OHH

Das Maultier hindert ihn nicht, wie erfreulich! Um so schneller sollte er nun seinen Eigner finden. Vielleicht hätte ihm Waienn seine Lederschürze als Wärmedecke überlegen sollen. Naja, es wird ja nicht lange dauern.

Weiter...


Ausschnittliste / Ehemalige Gäste / Lageplan / Speisekarte

Redaktion und Lektorat: OHH