Theaternachwirkungen

Verfasser: Astrid Brandt, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

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Wieder hebt die Melodie an, mit der sie in die Traumwelt eingetreten sind. Nur diesmal klingt es nicht wie Vogelsang, mehr wie fallende Steinchen oder Tropfen. Diese Melodie ist auch im Eber zu hören, für diejenigen, die noch am gleichen Tisch sitzen oder gute Ohren haben.
Die Melodie wird leiser und verklingt schließlich ganz. Jana bleibt vorgebeugt, um Casha stützen zu können, wenn es nötig sein sollte, denn manchmal wird Personen bei der Rückkehr schwindelig.

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Mit geschlossenen Augen am Tisch sitzend beginnt Urszula/Casha den Raum im Eber wieder wahrzunehmen. Die leisen Geräusche, das Prasseln des Kaminfeuers. Janas Hände, die die ihren umfassen. Vorsichtig blinzelnd beginnt die Bornländerin die Augen zu öffnen. Obwohl ihr nicht schwindelg ist, hält sie die Hände weiterhin fest. Und so trifft der erste klare Blick der blauen Augen voller Dankbarkeit auf Jana.

OHH

Auch Reska erwacht - mehr oder weniger. Oder doch nicht? Ein Räkeln geht durch den Körper, aber so recht offen kann man die Augen eigentlich noch nicht nennen. Wer mag da sagen, was gehört wird und was nicht!

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Nun erlaubt Jana sich, die Leere in ihrem Inneren zu spüren. Sie war zu lange in der Traumwelt! Ihre Kraft war aufgebraucht, der Blutstein ist eingesprungen und hat ihr erlaubt, mit Lebenskraft weiterzuzaubern. Sie möchte sich zusammenrollen, allein sein und weinen. 'Selina, warum bist du so weit weg?'
Aber da ist ein anderes Paar blaue Augen, ein klarer Blick, Dankbarkeit. Wie eine Ertrinkende hält Jana sich gedanklich an diesem Lichtblick fest, während sie das Gesicht verzieht, sich zusammenkrümmt und nach Luft ringt.

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Casha will gerade zu einer Bemerkung ansetzen, als sie den aufbrandenden Schmerz, ja beinahe Verzweiflung in den Augen Janas erkennt. Die Worte bleiben im Halse stecken, stattdessen rutscht die Freiin von ihrem Stuhl und sinkt vor Jana auf die Knie. Beihnahe heftig - weil hastig - löst sie die Hände aus Janas Griff, aber nur, um die nun freien Arme um die leidende Freundin zu schlingen und sie fest an ihre Brust zu ziehen.
"Ich bin da; du bist nicht allein", murmelt sie beruhigend in Janas Ohr, während eine Hand sacht und beruhigend abwechselnd den Rücken, den Nacken oder den Hinterkopf streichelt. "Es wird wieder gut, Anioleszka, wird wieder gut..."
Das Murmeln geht nach und nach in einen leisen Singsang über. Die Worte in bornischer Sprache sind schwer zu verstehen, doch die Melodie ist sanft und beruhigend. Es handelt sich um das im Bornland weit verbreitete Lied "Moj Anioleszka przyshniak oddali", dessen Text in Garethi bedeutet:
"Mein Engelchen zieht in die Ferne, mein Engelchen scheidet von mir.
Mein Engelchen zieht in die Ferne, oh bliebe, mein Engelchen, hier!
Oh ich, oh ich, ich wollte, mein Engelchen bliebe hier.
Oh ich, oh ich, oh bliebe mein Engelchen hier!"

OHH

Nun blinzelt Reska doch mal verstolen durch die Lider. Da scheint es im Traumtheater ja ganz schön hergegangen zu sein, noch mehr, als vorhin zu erahnen! Offenbar haben sich die beiden Damen inzwischen sehr eng angefreundet. Beneidenswert.
Die Augenschlitze schließen sich einstweilen wieder.

RB

'Es geht schon wieder', sollte die Signora jetzt lügen, sich entschuldigen und auf ihr Zimmer gehen, bis dieser seltsame Anfall vorbei ist. All das tut sie nicht, denn eigentlich ist Jana viel zu müde, um zu stehen oder sich auch nur gegen den Einfall der dunklen Emotionen zu wehren.
Da ist jemand, das kann sie spüren. Da sind Berührungen, Wärme, ein fremder und doch vertraut wirkender Duft. Da sind Worte, eine Melodie. Obwohl Jana die Worte nicht versteht, erkennt sie doch den Sinn des Liedes. Die Melodie öffnet etwas in ihr und lässt all das Gute, das sie gerade spürt, in die Leere strömen und die bösen Gefühle zurückdrängen.
Doch dieses kleine bisschen Zuversicht bringt Jana dazu, sich zu wehren. Ihr Körper entspannt sich etwas, sie schlingt die Arme um Casha, um all das Gute festzuhalten und in sich hineinzusaugen. Sie lehnt ihren Kopf an Cashas Schulter und lässt all das Dunkle in Form von Tränen aus sich hinausfließen. Passend dazu verwandelt sich ihr Keuchen in ein leises Schluchzen.

AB

Nahezu erleichtert nimmt Casha wahr, wie das Keuchen in ein Schluchzen übergeht, und sie begrüßt immerlich die langsam aufkommende Feuchte an ihrer Schulter, als Janas Tränen dort das Kleid benetzen. Möge die Freundin in ihrer Nähe ein wenig Trost finden.
Den Druck des harten Gasthausbodens auf ihre Knie ignoriert sie, während sie weiterhin leise singend Trost spendet.

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Es dauert eine ganze Zeit. Aber nach und nach fließen in der liebevollen Umarmung ihrer neuen Freundin die überbordenden Emotionen in Form von Tränen aus Jana heraus und sie kann sich zunehmend entspannen. "Danke", flüstert sie von Herzen kommend, als sie zum ersten Mal den Kopf hebt. Schließlich schafft sie es, sich aufzurichten und noch leicht zitternd aus eigener Kraft zu sitzen.
Jetzt erst bemerkt sie Cashas unbequeme Position und will den Arm ausstrecken, um ihr aufzuhelfen. Dabei findet sie das Taschentuch, das sie offenbar die ganze Zeit festgehalten hat und tupft die restlichen Tränen von ihren Augen. "Es tut mir leid, auch wegen des Kleides", entschuldigt sie sich, als ihr Blick auf den dunklen Fleck an der Schulter fällt.

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Aufmerksam und ein wenig besorgt mustert Casha die Schauspielerin. Die schmerzenden Knie rufen derweil nach einer Positionsänderung. Da die Umarmung sich inzwischen gelockert hat, nutzt sie die Gelegenheit der Antwort, um sich ebenfalls aufzurichten. Mit einer fast wegwerfenden Handbewegung streicht sie über den dunklen Fleck. "Ach was, das trocknet wieder."
Mit einem leichten Ächzen erhebt sie sich und nimmt wieder neben Jana Platz. Noch immer besorgt, legt sie dann ihre Hand auf Janas Oberschenkel. "Geht es wieder? Brauchst du etwas? Etwas zu Trinken, Essen... oder einfach nur... Ruhe?"
Erst jetzt fällt der Bornländerin die veränderte Zusammensetzung am Tisch auf. Fragend schaut sie zu Reska.

OHH

Durch schmale Schlitze wurde das rührige Bild unverwandt beobachtet. Als nun der Zuschauerblick so unvermutet erwidert wird, hebt Reska die Brauen - fragend, was es denn wohl zu fragen geben mag.

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Mit einer stummen Bewegung des Kopfes deutet die Freiin auf Stühle am Tisch und wiederholt die fragende Geste der Augenbrauen, diesmal unterstützt von einem leichten Heben der Schultern.
Die Aufmerksamkeit ist dabei nach wie vor auf Jana gerichtet.

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Braucht sie etwas? Das weiß Jana im Moment selber nicht. Sie fühlt in sich hinein um herauszufinden, wie es ihr geht. Ihre Kraft ist verbraucht, nicht das kleinste Flämmchen ist noch da, Lebenskraft ist noch ausreichend da. Die Leere wird sich mit ein bisschen Zeit und Ruhe wieder füllen. Ihre Gefühle sind fürs Erste wieder im Gleichgewicht, aber sie wird daran bestimmt noch eine Weile zu kauen haben.
Allerdings macht sich eine andere Leere in Jana breit: "Ich habe einen Bärenhunger." Das Stück Honigkuchen auf dem Tisch vor ihr sieht plötzlich sehr verlockend aus. Und einen Schluck Tee, wenn auch inzwischen kalt, würde sie auch nicht verschmähen.
Die unausgesprochene Frage Cashas an Reska nimmt Jana wahr. Aber da sie sich im Augenblick nicht genau erinnert, wer wann warum wohin gegangen ist, überlässt sie die Antwort lieber Reska und greift stattdessen nach der Teekanne. Das leichte Zittern des Armes versucht sie zu ignorieren.

OHH

Fängt Urszula jetzt auch vermehrt mit unartikulierter Verständigung an? Damit ist sie bei reska an der rechten Adresse. Durch ganz ähnliches Kopfneigen wird auf die Entfleuchten, jedoch noch im Schankraum anwesenden verwiesen, dann folgt das zugehörige Achselzucken. Schließlich wird die gute Urszula ja wohl nicht erwarten, dass Reska darüber ins Blaue spekuliert, weswegen Zaünin und der Magus vorhin aufgebrochen sind. Zudem war sie ja gerade noch bei Sinnen, dies selbst mitzubekommen. Vielleicht wollten die beiden schlicht nicht beim Traumspazieren zuschauen?
Unwillkürlich schaut Reska auf Janas etwas unsichere Bewegungen.

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"Du weißt auch nicht warum sie fortgeganegn sind?" übersetzt die Freiin die Gestik der Norbardin. "Eigentlich schade, die Heilerin könnte jetzt ganz gut einen Blick auf Jana werfen. Naja, wahrscheinlich ist es nichts, was man nicht mit Wärme, gutem Essen und etwas zu Trinken wieder in Ordnung bringen könnte. Du glaubst gar nicht, wie anstrengend das sein kann, wenn man sich so lange konzentrieren muss."
Sie wendet sich fürsorglich an Jana. "Ich werde mich gleich um etwas zu essen kümmern. Du kannst auch gern von meiner kalten Keule naschen." Doch dann fällt ihr ein, dass ja Reska das schon übernommen hat. Viel wird wohl nicht mehr übrig sein. Glücklicherweise entdeckt sie dann den sich auf den Weg machenden Knecht. Gut, dann kann sie hier bei Jana bleiben und sich um sie kümmern. Nur ungern würde sie die geschwächte Schauspielerin jetzt mit Reska allein lassen. Nicht, dass Reska ihr gefährlich werden würde, aber Jana möchte bestimmt nicht allein mit einer fast fremden Person hier sitzen.
"Schau, da kommt schon jemand!" Urszula winkt theatralisch zu Alrik hinüber und schaut aufmunternd wieder auf Jana. Dabei fällt auch ihr das kaum zu unterdrückende Zittern auf. Kurz entschlossen rückt sie mit ihrem Stuhl näher an die neugewonnene Freundin heran und legt ihr zuerst das dunkelblaue Wolltuch mit den hellen Rauten und dann den Arm um die Schultern. "Halte durch."

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Beim Gedanken, von der kalten Keule zu naschen, schüttelt Jana sich innerlich so sehr, wie ihr Arm zittert. Von Casha angefeuert, hält sie aber durch und schafft es, die halbvolle Kanne zu sich zu ziehen und etwas Tee einzuschenken, ohne dass dabei ein Malheur passiert. "Es wird schon wieder", antwortet sie diesmal wahrheitsgemäß: "Das Schlimmste waren die Emotionen, durch die hast du mir hindurchgeholfen, vielen Dank dafür." Bei diesen Worten blickt die Schauspielerin ihre Sitznachbarin direkt an und transportiert den Dank auch im Blick.
"Jetzt bin ich nur noch erschöpft; ich habe mich beim Zaubern etwas übernommen, ohne es zu merken. Nun etwas essen, trinken und schlafen, dann geht es mir morgen früh schon wieder gut. Na ja, zumindest viel besser", fügt sie in einem plötzlichen Anfall von Ehrlichkeit noch hinzu. Die Wärme des Wolltuchs, das farblich erstaunlich gut mit ihrem violetten Kleid harmoniert, sowie des Armes sind wohltuend und helfen das Zittern zu verringern.
Da Alrik schon an den Tisch gewunken wird, muss Jana sich schnell entscheiden. "Was möchte ich denn?" murmelt sie und blickt auf die Speisentafel.

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Die Bornländerin lächelt warm zurück. Jana ihren Überlegungen bezüglich der Essenswahl überlassend, richtet Urszula das Wort erneut an Reska. "Und, was haben wir verpasst? Wie lange waren wir überhaupt... in diesem Traum? Das Theaterstück müssen wir uns übrigens unbedingt ansehen, wenn es dann fertig ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass Jana... also Frau d'Aminovitch es jetzt schnell fertigstellen wird." Die Worte sprudeln wieder, wenn vielleicht auch nicht ganz so unbedarft wie noch zu Beginn des Abends. Irgend etwas hat sich geändert.

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"Da bin ich mir nicht so sicher", wirft die Schauspielerin ein, die sich schnell entschieden hat, was sie essen möchte. "Du hast mir klar gemacht, dass es einer gründlichen Überarbeitung bedarf. Ich kann doch mein Publikum keinem Stück aussetzen, dem ich selbst emotional nicht gewachsen bin." Das Reden tut gut, mit jedem Wort fühlt Jana sich kräftiger und das Zittern lässt weiter nach.
"Auch ob ich die Hauptrolle selber spiele, muss ich mir noch einmal überlegen. Die Szene im Wagen könnte ich nie spielen, die würde mich immer zu sehr daran erinnern, was heute passiert ist."
Das erinnert sie an etwas anderes, das sie noch sagen wollte: "Wenn deine Tante und dein Onkel dir mal Zeit lassen, kannst du jederzeit bei mir als Regisseurin anfangen. Die Inszenierung des Prologs war phänomenal, besser als ich es mir selbst vorgestellt hatte." Inzwischen kann die Impresaria wieder strahlen.

OHH

Ganz offensichtlich erwartet Urszula keine Antwort. Von ihrer Keule ist allerdings je nach Betrachtungsweise wenig bis nichts übrig, was Reskas Blick kurz verlegen über den Tisch schweifen lässt.
Aber die Freiin plappert ja bereits unentwegt weiter. So lehnt sich Reska wieder behaglich an, faltet die Hände vor dem vollen Bauche und beobachtet weiter, was so vor sich geht.
Als Urszula sich dann doch wieder Reska widmet - oder dies zumindest zu tun vorgibt - erntet sie zunächst nur verwirrte Blicke. Will sie wirklich eine Zeitangabe? Geschehen ist ja wohl eher gar nichts. Das Thema wird ohnedem schon wieder zum Theater geändert und von der Daminowitsch aufgegriffen. Selbst, wenn Reska auf irgend etwas antworten wollte und inhaltlich könnte, so gäbe es doch kaum einmal Gelegenheit hierfür.

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Urszula nickt. Sich ein wenig im Stuhl zurechtrückend, legt sie Jana nun die zweite Hand auf den Unterarm. "Da hast du auch wieder Recht, mein Liebe. Aber jetzt hast du doch hoffentlich eine bessere Vorstellung von dem, was und wie du die Geschichte erzählen willst, oder? Und ich bin ehrlich gesagt sehr froh, wenn du nicht wie beabsichtigst selber die Rolle deiner Mutter übernimmst. Vielleicht... Vielleicht ist ein wenig Abstand, ein wenig Verfremdung ja ein gutes Mittel, um die Geschichte angemessen erzählen zu können. Muss denn jeder sogleich erkennen, dass es sich um deine Mutter und reale Geschehnisse handelt? Reicht es nicht, wenn du weißt, was der wahre Hintergrund ist?"
Die letzten Worte Janas zaubern dann eine jungmädchenhafte Röte auf die doch eher blassen Wangen der Bornländerin. "Wirklich?" Auch sie strahlt jetzt. "Na, ich kann ja mal nachfragen, was der Onkel dazu sagt... oder du leistest mir bei der Tante Gesellschaft, da hätten wir viel Zeit zum Reden und Planen." Die blauen Augen leuchten förmlich, so sehr scheint Urszula von dieser Idee begeistert zu sein.

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Die Schauspielerin scheint nicht so begeistert vom Vorschlag der Freiin: "Entschärfen, verfremden... Mir scheint, ich muss meinen ganzen Ansatz zum Theaterstück neu überdenken und mir klarmachen, was ich damit überhaupt erreichen will. Will ich mein Publikum unterhalten, will ich eine bestimmte Geschichte erzählen, oder ist es vielleicht doch nur meine Eitelkeit, die ich da auf die Bühne bringen wollte? Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt, es war einfach so eine fixe Idee in meinem Kopf. Von der Antwort hängt dann alles andere ab, auch, wie ich es inszenieren will. Dafür werde ich wohl ein bisschen Zeit und Ruhe brauchen, jedenfalls nicht mehr heute Abend."
Dann nimmt Jana Cashas anderen Vorschlag mit mehr Interesse auf: "Vielleicht hilft es mir ja, mich anschließend noch einmal mit dir zu unterhalten. Schließlich brauche ich dann eine fähige Regisseurin. Wenn du mir die Adresse deiner Tante Vernuschka gibst, können wir uns schreiben und verabreden."
Das Zittern ist inzwischen fast völlig verschwunden. Jetzt greift die Dame ziemlich sicher nach ihrem Tee und trinkt einen Schluck. Kalt und bitter, aber immerhin etwas zu trinken.

OHH

Im ersten Moment fragt sich Reska, ob es denn recht sei, jemanden so in seinem Bestreben zu verunsichern. Es birgt ja immer ganz unvorhersehbare Gefahren, anderen in ihr Leben hineinzureden. Doch die Dame scheint über Urszulas Anstöße statt dessen ja sogar dankbar, also waren sie in diesem Falle vielleicht hilfreich.
Reska bleibt bei alledem nur, es sich erneut auf dem Stuhle bequem zu machen. Für das Bett scheint es eigentlich noch etwas zu zeitig zu sein.

AB

Mit einem leisen Lachen drückt Urszula Janas Schulter, lässt aber wieder davon ab, als sie den Griff zur Teekanne bemerkt. Nicht dass noch ein Unglück geschieht.
"Die Adresse des Tantchens gebe ich dir gerne. Und ich bin sicher, dass sie nichts dagegen hat, wenn du uns in Bethana besuchst. Sie schätzt gute Geschichten, und du musst keine Angst haben; sie ist nicht zimperlich. Ganz im Gegenteil; Tante Vernuschka hat schon so manchem die Schamesröte ins Gesicht getrieben mit ihrer Ausdrucksweise."
Die Bronländerin schüttelt schmunzelnd den Kopf und hebt diesen dann, um nach dem Knecht Ausschau zu halten. Wo er nur bleibt? "Weißt du schon, was du essen willst?"

RB

Jana stellt den Teebecher vorsichtig wieder ab. Sie schmunzelt ebenfalls, als sie antwortet: "Damit wäre sie bei Selina genau an der richtigen Adresse. Und gute Geschichten kennt sie auch viele. Glaubst du, das wäre für deine Tante auch noch in Ordnung, wenn ich sie mitbringe? Selina meine ich, meine Frau. Ich verreise eigentlich nie ohne sie." Fragend blickt sie Casha an.

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Urszula wiegt den Kopf und meint dann: "Ich werde sie fragen und dir Kunde geben. Aber wahrscheinlich wäre es ihr sogar recht lieb. Sie langweilt sich doch schon genug so allein. Ein paar ferundliche Gesichter ab und zu - wer würde da nein sagen."
Ihrerseits fragend blickt sie zu Reska. "Und du? Bleibst du auch in Bethana? Oder willst du nach unserer Ankunft gleich weiterziehen?"

OHH

Bei einer Randinformation heben sich Reskas Brauen und eröffnen für Momente einen aufmerksamen Blick. Die Dame ist mit einer Frau verheiratet? Solch ein Rechtsgeschäft scheint zwischen gleichgeschlechtlichen Vertragspartnern eine ungewöhnliche Idee zu sein. Sofern es um erbrechtliche Belange ginge, müsste eine entsprechende Nachlassregelung doch eigentlich genügen. Was für ein Zweck mag also sonst dahinterstehen? Oder handelt es sich nur um eine hiesige Volkstümlichkeit?
Bei Urszulas Frage hüpfen die Brauen gleich noch einmal. Fast scheint es gar, als zögen sie diesmal den gesamten Oberkörper mit in die Höhe. Über die Zeit nach Bethana hat Reska noch gar nicht recht nachgedacht. Natürlich wird Urszula irgendwann ins Bornland zurückkehren; für Reska wäre der Rückweg hingegen wohl noch immer mit Risiken verbunden. "Weiß nicht..." bleibt daher vorerst die ehrliche Antwort. Letztendlich muss man wohl schauen, was sich vor Ort ergibt.

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Eigentlich hätte Jana von Casha mehr Reaktion erwartet, als sie berichtet, mit einer Frau verheiratet zu. Mehr so wie Reska, die für ihre Verhältnisse sehr beredt reagiert. Sie ist wohl entweder noch erfahrener, toleranter oder selbstbeherrschter als Jana bislang schon dachte. Jana freut sich; das erspart ihr die Erklärungen, die sonst an dieser Stelle immer folgen müssen.
Stattdessen nutzt sie die wandernde Aufmerksamkeit ihrer Sitznachbarin und greift nach dem Honigkuchen. Sie riecht kurz daran: Süß und würzig. Dann beißt sie ein Stückchen ab. Wie erwartet, hat die Konsistenz durch die lange Reise gelitten, ist aber immer noch weich und saftig. Die angenehme Süße des Honigs wird durch die eben gerochenen Gewürze balanciert. Insgesamt passt der Kuchen gut zum Tee, bringt Jana aber auch auf eine neue Idee. Sie lenkt ihren Blick zurück zur Tafel mit den Speisen und findet das Gesuchte. Erfreut beißt sie gleich noch einmal ab.

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Innerlich muss Urszula über Reskas wandernde Augenbrauen schmunzeln. Na, da hat sie wohl noch nicht allzuviele Besuche in einer bornischen Schwitzhütte hinter sich. Die feuchte Hitze darin lockert nicht nur die Muskeln und Glieder, sondern oftmals auch die Moralvorstellung. Rahja hätte ihre Freude daran. Von daher ist der Umstand, dass Janas Herz für eine Frau schlägt nicht weiter aufsehenerregend.
In diesem Moment blitzt eine Erinnerung auf, etwas das Jana vorhin im Traum gesagt hat. Oh, Listiger, es wird wahrlich interessant. Die Vorfreude der Bornländerin auf ein baldiges Wiedersehen mit der Schauspielerin ist mit einem Mal noch größer als zuvor - was sich in einem aus der Tiefe kommenden Strahlen in den Augen manifestiert.
Da Jana sich noch mit der Speisetafel beschäftigt, setzt Urszula erst einmal das Gespräch mit Reska fort. "Ach komm, du kannst mich doch nach der langen gemeinsamen Zeit nicht einfach im Stich lassen. Oder ist dir meine Gegenwart so überaus lästig geworden, dass du es gar nicht erwarten kannst, mich wieder los zu sein? Habe ich mich nicht immer gut um dich und Mokosch gekümmert? Hat es dir an etwas gefehlt? Fehlt dir jetzt etwas? Wir können gleich noch bestellen, sag was du möchtest!"

Inzwischen ist der Knecht an dem großen Tisch angelangt und blickt fragend in die Runde. "Kann ich noch etwas bringen?"

OHH

Gewiss wäre es Reska eine Erleichterung, hier nicht unausgesprochene Missverständnisse aufklären zu müssen. Da sie jedoch sind, was sie sind, erübrigt sich mit dem fehlenden Wissen darum auch die Freude darüber.
Mit widerum und diesmal dauerhaft erhobenen Brauen vernimmt Reska die lange Abfolge der einer vorausgestellten Bitte nachstürzenden Fragen. Diese offenkundig beidseitige Fehleinschätzung kann nun nicht übersehen werden. Reska lächelt treuherzig. Gewiss ist eine Fortsetzung des gegenwärtigen Abkommens alles andere als die schlechteste Idee. Es spricht nichts dagegen, und momentan bietet sich ja auch gar nichts sonst greifbar an.
Der abschließenden Aufforderung gilt es zunächst, eine Absage zu erteilen: Die Hände werden auf den gefühlt dickgewordenen Bauch gelegt. "Satt!" Und wie! Noch mehr, dann könnte nicht so ein zufriedenes Lächeln die Bezeugung begleiten. Ein Pfefferminzblättchen, ein einsames Kressepflänzlein gar könnte im Augenblick zuviel sein.
Doch da Urszulas anfänglichem Ansuchen so viele Worte gefolgt sind, kann nun nicht einfach mit einem einzelnen angenommen werden. "Ich bleibe gern." Mit so vollem Magen spricht es sich noch anstrengender als eh.
Gut, dass nun der Knecht um Aufmerksamkeit heischt. Wieder ein kleines Päuschen.

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Kaum hat Jana sich entschieden, steht auch schon der Knecht hinter ihr, um die Bestellung aufzunehmen. Die Bedienung in diesem Haus ist wirklich vorzüglich. Sie schluckt den letzten Rest Honigkuchen und wendet sich Alrik zu: "Du kommst genau recht", begrüßt sie ihn lächelnd. "Ich hätte gerne eine Portion Hühnereintopf und einen großen Krug heißen Apfelmost. Wenn möglich mit Gewürzen: Zimt, Nelken und wenn Ihr habt eine Kapsel Kardamom." 'Wer ist denn Mokosch?' überlegt sie, während sie lächelnd wartet, ob Alrik noch eine Frage hat.

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Hühnereintopf, heißen Apfelmost, Gewürze... Der Knecht stutzt. Zimt kennt er, aber mag er nicht, Nelken sucht er zu vermeiden. Aber was ist Kardamom? Nun, Sarina wird es schon wissen. "Ist recht", nickt er daher und schaut nun fragend auf die anderen Damen.

Zufrieden nickt die Freiin, als die Norbardin sowohl ihre derzeitige Zufriedenheit als auch zukünftige Bereitweilligkeit für einen längeren Aufenthalt in Bethana kundtut. Als der fragende Blick des Knechtes sie trifft, schüttelt sie den Kopf. "Danke, wir sind versorgt. Obwohl, eine neue Kanne Tee wäre schön. Und habt ihr Meskinnes? Wahrscheinlich nicht, aber dann doch sicher einen anderen Schnaps. Davon vier Gläschen und einen Honigtopf. Und Löffel, bitte."
Sie wirft Jana einen verschwörerischen Blick zu.

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Jana bemerkt das erwartete Stutzen des Knechtes, der sich aber schnell wieder fängt. Trotzdem fügt sie hinzu: "Wenn es nicht geht, nehme ich den heißen Most auch ohne Gewürze." Heiß und süß, ein schöner Gedanke.
Als sie Cashas Bestellung hört, muss sie ein Schütteln als Zittern tarnen. Schnaps ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Aber sie wird sich dem nicht entziehen, sondern Casha die Freude machen, nach allem, was sie für Jana getan hat. Offenbar hat die Bornländerin etwas Bestimmtes vor, weil sie noch nach Honig fragt. War nicht vorhin schon mit dem Tee ein Honigtopf auf den Tisch gekommen? Der Blick der Schwarzhaarigen irrt über den Tisch und verpasst so den verschwörerischen Blick der Blonden. Da ist ja der Honig.
Aus heiterem Himmel fällt Jana plötzlich eine Frage wieder ein, die sie schon den ganzen Abend stellen wollte. Eigentlich wollte sie Siona fragen, aber Alrik wird den Dorfklatsch ebenso kennen. Also wartet sie, bis die andere Bestellung abgeschlossen ist, und fragt dann Alrik: "Was ist eigentlich aus Irinio Wassermüller geworden? Als ich vor acht Jahren" - 'Ist das wirklich schon so lange her?' - "hier war, war er am Morgen verschwunden. Ist er wieder aufgetaucht?"

AB

Alrik stutzt erneut. Der Wassermüller? Im Augenblick weiß er so gar nicht, wovon die Dame spricht. Nachdenklich kratzt sich der Knecht den Kopf und zermartert sich das Hirn, was vor all den Jahren da wohl passiert sein mag.

Unbewusst folgt Urszula dem Blick der Schauspielerin und bemerkt dann selbst den bereits auf dem Tisch stehenden Honigtopf. Wie dumm von ihr; sie hatte ja bereits für das Würzbier danach verlangt. Doch als sie ihren Fehler eingestehen und den Knecht von der Lieferung des Honigs entbinden möchte, ist dieser bereits von Jana in ein Gespräch verwickelt. 'Ach, Jana war vor Jahren bereits einmal hier?' Interessiert lehnt sich die Freiin zurück und wartet auf die Antwort des Knechtes.

OHH

Ein Schnäpschen, ja das wird nicht nur noch reinpassen, sondern guttun und bei der Verbrennung des Mageninhaltes helfen! Was das hingegen mit dem Wassermüller auf sich hat, entzieht sich zunächst Reskas Vorstellungskraft. Es muss wohl eine wichtige Begebenheit gewesen sein, wenn sich die Dame nach so langer Zeit noch nach ihm erkundigt. Vielleicht eine Liebesgeschichte noch vor ihrer Ehe? Jagt die Dame vielleicht auf beiden Seiten des Ufers? Zum Glück schmunzelt Reska ohnehin schon genüsslich ob der Aussicht auf einen Rachenputzer, auch wenn dies nun eine geringfügig andere Note bekommt.

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Jana sieht die Verwirrung des Knechtes und versucht, ihm etwas auf die Sprünge zu helfen: "Der Wassermüller war damals mit beiden Kindern hier und hat bekanntgegeben, dass er eine Braut für Irinio gefunden habe. Der war davon aber gar nicht begeistert und hat darüber geredet, wegzulaufen und Spielmann zu werden. Am nächsten Morgen war er dann verschwunden. Ich möchte nur wissen, ob er seinen Vorsatz in die Tat umgesetzt hat, oder wieder aufgetaucht ist. Ich hatte ihm damals Hilfe versprochen, wenn er nach Vinsalt kommt, aber dort ist Irinio nie vorstellig geworden."

AB

Braut... Hochzeit... Langsam dämmert es dem Knecht. "Ja richtig... Irinio und Sabetta... da wart Ihr auch hier?" Alrik kann sich beim besten Willen nicht an Jana erinnern, wohl aber an den Trubel und die Aufregung um Irinio und Sabetta. "Naja, Irinio ist nur zwei Tage weg gewesen. Aber dann hat er versucht, sich im Mühlenweiher zu ertränken, wo doch sein Vater so gar nicht von der Verlobung ablassen wollte. Travia sei Dank hat man ihn rechtzeitig gefunden. Und dann gab es wohl ein riesen Donnerwetter - also für den alten Müller, nicht für Irinio. Haben zumindest Siona und Sarina erzählt, die haben Irinio nämlich gerettet. Und nun wird eben Melida die neue Wassermüllerin. Wo Irinio ist, weiß ich nicht, der ist damals mit Vater Travicio nach Solstono gegangen. Irgendwas mit Musik lernen oder so... "
Beinahe hilfesuchend blickt Alrik zu Jana in der Hoffnung, dass ihr diese Bruchstüke an Information reichen. "Von Vinsalt weiß ich nichts", fügt er noch halbherzig hinzu.
Die Bornländerin lauscht interessiert.

RB

"Oh wunderbar!" freut sich Jana und klatscht in die Hände. "Dann hat sich ja alles zum Guten gewendet. Zumindest am Ende. Dass es auch erst so dramatisch werden musste... Das erinnert mich an die Geschichte, die die alte Guttli damals erzählt hat, da ging es auch irgendwie ums Ertrinken. Ob die den Jungen inspiriert hat?" Die letzten Worte waren mehr an sie selbst gerichtet, als an jemand anderen. "Danke Alrik, das freut mich sehr."
"Irinio ist der Sohn des Wassermüllers", erklärt sie Casha, "und sollte nach dem Wunsch seines Vaters die Mühle übernehmen. Er war aber überhaupt nicht zum Müller geboren, sondern hatte eine Liebe zur Musik. Sein Vater wollte nur das Beste für ihn und hat nie erkannt, dass was nach seinen Maßstäben das Beste war, nicht gut für seinen Sohn war." Sie zuckt mit den Schultern. "Offenbar musste es erst dramatisch werden, bevor er es einsehen konnte. Ich wünschte, ich könnte Irinio noch einmal spielen hören und herausfinden, ob er glücklich ist. Eigentlich war er nämlich zu introvertiert für einen Spielmann. Vielleicht kann ich in Solstono Station machen und mich nach ihm erkundigen, wenn ich auf dem Weg nach Bethana bin."

OHH

So ist nun also der Teil des Abends begonnen, zu welchem Geschichten erzählt werden, bevor man schlafen geht. Trotz all der exotischen Namen unbekannter Leute lässt auch Reska sich davon berieseln, bis Parallelen zum eigenen Leben immer deutlicher werden. Oh ja! Menschen, die anderen 'nur das Beste' wollen und damit das Schlimmste aufzwingen, gibt es wohl überall. Ein Charakterzug, der Reska entgegen aller schlechten Erfahrungen stets fremd und unverständlich geblieben ist.

AB

Alrik nickt. Ja, das hat ihn damals auch gefreut. Nachdem die Damen anscheinend keine weiteren Wünsche mehr haben, wendet er sich dem letzten besetzten Tisch zu.

Auf dem Weg nach Bethana. Die Worte erfüllen Urszula, nein, Casha mit Freude. Seltsam, sie hat Jana erst heute Abend kennengelernt und doch hat sie das Gefühl, die andere viel länger zu kennen. Nun, geteilte Träume und Erinnerungen mögen diesen Effekt haben. Aber was es auch sei, Casha ist froh über diese Wendung. Derweil zupft sie ein wenig an dem wollenen Tuch, welches noch immer um Janas Schultern liegt und meint: "Du musst mir dann ausführlich von deinen Erkundigungen berichten.
Apropos berichten; ich habe da eine Frage." Sie rückt sich ein bisschen auf dem Stuhl zurecht und wirft dabei den anderen beiden am Tisch Sitzenden einen raschen Blick zu. "Dieser junge Mann im Theater, dieser Pierrot... war das reines Wunschdenken oder gibt es eventuell eine Version die ich pesönlich kennenlernen könnte? Und falls es Wunschdenken war" - sie senkt die Stimme - "ich sage es nicht weiter."

NW

Tesden steuert den Tisch mit den Damen an, um dort die zweite Teekanne abzusetzen.

RB

'Oje, was habe ich da wieder angerichtet', seufzt Jana innerlich. Sie wollte Casha doch nur die passende Antwort auf ihr aufreizendes Kleid geben und ist dabei wohl zu weit gegangen. "Ja und nein", antwortet sie nach kurzem Überlegen: "Pierrot als Person gibt es nicht, den habe ich mir tatsächlich spontan ausgedacht. Allerdings, und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich es, habe ich ihn aus mehreren Personen zusammengesetzt, die ich im realen Leben kenne. Ich habe von allen das Beste genommen und zusammengesetzt. Die kräftigen Arme stammen von einem ehemaligen Freund von mir, die modische Kleidung von einem Bekannten, der allerdings ansonsten völlig hohl ist, die salbungsvollen Worte von einem Poeten, der optisch nichts her macht. Einige davon lernst du vielleicht in Vinsalt kennen.
Aber was ich zu Irinio noch erzählen wollte" - die Schauspielerin vergewissert sich kurz, dass Alrik schon und der Wirt noch zu weit entfernt sind, um mitzuhören - "wir haben am Abend für seinen Vater ein Hörspiel aufgeführt. Er hatte für seine Familie das Zimmer neben meinem gebucht." Bei der Erinnerung muss sie schon grinsen: "Wir sind auf meinem Bett herumgesprungen, damit es schön laut knarzt und haben ihm etwas vorgestöhnt." Sie erinnert sich, dass Irinio einigen Anstoß brauchte, aber dann voll dabei war und gibt eine Kostprobe, allerdings so leise, dass sie nur hier am Tisch zu hören ist: "Oh! Ja! Oh, Irinio, du Hengst!" Hier bricht sie ab, weil sie das Lachen nicht länger unterdrücken kann.

AB

Für einen Augenblick zieht Casha einen Schmollmund, doch dann blitzen ihre Augen auf. "Ich glaube, ich kann am einfachsten auf die salbungsvollen Worte verzichten. Alles andere - nun, wir werden sehen."
Als Jana dann von dem 'Hörspiel' mit Irino berichtet, wird die Laune immer besser. Mit einem leise-anzüglichen "Ohoho..." kommentiert sie die Erzählung, nur um dann mit Jana zusammen loszuprusten.
"Oioioi, das hätte ich hören wollen... Meine liebe Jana, du bist mir ja ein gerissenes Früchtchen." In ihrer Begeisterung schlägt sie der Freundin ganz undamenhaft leicht auf den Oberschenkel.

OHH

Reska zieht immer mehr die Brauen wie leidend zusammen, derweil die Hände unschlüssig miteinander im Schoße ringen. Was die Damen da so von sich geben, ist kein unbedingt angenehmes Thema - zumindest nicht für Reska. Etwas hilflos schweifen die Blicke ab und suchend durch den Schankraum.

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Durch das Lachen und die anzügliche Erinnerung hat Janas Gesicht wieder etwas Farbe gewonnen und sie sieht nicht mehr so kränklich aus. "Das war wahrscheinlich das einzige Mal, dass der Wassermüller an dem Tag stolz auf seinen Sohn war. Wie der mich schon angeglotzt hatte, als ich das Gasthaus betrat..." Die Dame schüttelt den Kopf. Damals trug sie die Haare frei, so dass sie wie eine Wolke um ihren Kopf flogen, als sie ihn schüttelte, nachdem sie den Hut abgenommen hatte.
"Eigentlich hatte ich Irinio in mein Zimmer gelockt, um ihm anzubieten, dass ich ihm helfen könne, wenn er als Musiker nach Vinsalt käme. Und am nächsten Morgen war der Junge dann weg. Aber da er in Vinsalt nie auftauchte, wusste ich nicht, was passiert war und habe mir Sorgen und auch ein bisschen Vorwürfe gemacht, dass ich ihn angestiftet hätte."

AB

"Auf jeden Fall hast du ihn dazu inspiriert, sein Leben selber in die Hand zu nehmen." Casha stutzt kurz, als ihr bewusst wird, wie unpassend das in Anbetracht der Sache mit dem Mühlenweiher klingen mag. "Ich meine, du hast ihn dazu gebracht, für das, was ihn wirklich bewegt, einzustehen. Gegen seinen Vater aufzubegehren. Und wie wir gerade gehört haben, ist es doch am Ende gut ausgegangen.
Wer weiß, jetzt wo du weißt, dass er wirklich Musiker ist, kannst du ihn ja vielleicht viel besser wiederfinden. Vielleicht... vielleicht kannst du ja für die Eröffnung deines Theaters oder für die Premiere deines Stückes ein Musikstück in Auftrag geben, eins mit viel Flöten dabei... und dann muss man ja die Musiker probespielen lassen, um die richtigen zu finden..." Mit leicht emporgezogenen Augenbrauen wirft Casha einen fragenden Blick auf Jana.

RB

Da ist sie wieder, die stets planende - unter den richtigen Umständen bestimmt auch intrigante - Urszula, die Teil der mitfühlenden, kreativen Casha ist. "Das ist eine interessante Idee", stimmt Jana zu, und je länger sie darüber nachdenkt, desto breiter wird ihr Lächeln. In Gedanken geht sie schon die ihr bekannten Komponisten durch, wer dafür wohl in Frage käme.
"Allerdings wird das ja jetzt noch etwas länger dauern, als ich bislang dachte. Aber ich könnte ein paar meiner Freunde aus der Gauklerszene darauf ansetzen, sich nach ihm umzuhören. Schließlich muss die Nachricht von der Premiere ihn erreichen, damit das klappt. Nicht dass ich seine Dienste dafür in Anspruche nehmen wollte, aber ist das nicht ungefähr die Branche, in der dein Onkel tätig ist?"

AB

"Mein Onkel ein Gaukler?" Die Bornländerin verzieht den Mund zu einem breiten Lächeln. "Das lass Charlon mal lieber nicht hören; und glaub' mir, er hört und sieht vieles. Oder lässt hören und sehen... Aber vielleicht hast du Glück, und er hat wirklich schon von diesem Irinio und der Wassermühlengeschichte gehört. Frag ihn doch, falls er uns in Bethana besucht."
Urszula lehnt sich ein wenig zurück und betrachtet Jana mit leicht zusammengekniffenen Augen. Das Nicken, welches darauf folgt, scheint ausdrücken zu wollen, dass ihr gefällt, was sie sieht - oder denkt. "Jemand wie du, die leicht unter Leute kommt und auch weiß, wie man sich in Gesellschaft verhält, die in Vinsalt beinahe jeden kennt, würde er bestimmt gern kennenlernen.
Dich sicherlich auch, Reska", schließt sie die schweigsame Norbardin in das Gespräch mit ein. "Charlon schätzt schweigsame Beobachter sehr."

OHH

Abermals hüpfen die Brauen und strafft sich Reskas bereits wieder beinahe etwas gelangweilte Haltung. Schweigsame Beobachter, wohl um sie eben all jenes hören und sehen zu lassen, was zuvor angedeutet wurde. Klingt dies nicht nach einem Netz von Informanten? Sollte dieser Charlon ein Händler mit Informationen statt Töpfen und Schnürbändern in der Auslage sein? Unschlüssig zuckt zuerst ein Mundwinkel und gleich darauf wird doch noch ein ebensolches Lächeln daraus.

RB

'Das klingt ja fast wie ein Angebot, oder sogar zwei...' Janas Wunsch, diesen Charlon kennenzulernen, wird stärker. Jemanden zu kennen, der hören und sehen lässt, kann ein großer Vorteil sein. Sie hätte nichts dagegen, gelegentlich eines seiner Ohren zu sein, um dafür später etwas bei ihm gut zu haben.
"Dass er Gaukler sei, meinte ich nicht" - 'das sind eher die Leute, die ich fragen würde' - "sondern dass er Informationen beschaffen könnte. Da scheine ich ja nicht ganz falsch gelegen zu haben", erklärt sie.
"Wie gesagt, würde ich mich sehr freuen, ihn kennenzulernen und mehr darüber zu reden. Es wundert mich nur, mit Verlaub gesagt, wie offen du mit Informationen über ihn umgehst. In meiner kindlichen Vorstellung agiert jemand wie er eher im Geheimen und ist schwer zu finden." Oder ist er vielleicht auch nur Fassade für etwas anderes? "Aber vielleicht habe ich auch einfach zu viele Geschichten gelesen."

AB

"Wie gesagt, der Onkel hört und sieht so manches; das bringt der Woll- und Tuchhandel eben so mit sich. Und Onkel Charlon steht einem der größten, ach, was sag ich - dem größten Stoffhandelshaus in Norburg und wahrscheinlich im ganzen Bornland vor. Mit" - sie betont das Wort - "Dependenzen zum Beispiel auch in Bethana. Das Tantchen, du weißt schon. Und er sagt immer: 'Halt Augen und Ohren offen, Engelchen, man weiß nie, wofür es einmal gut sein kann. Und jemanden kennenzuzlernen, der für ihn die Mode in Vinsalt im Auge behält, da sehe ich ihn förmlich sich schon die Hände reiben. Wieso sollte ich darüber nicht reden dürfen?" Die Frage klingt vollkommen unschuldig, doch der Blick, der den von Jana und auch Reska sucht, ist ernst und vielsagend.

RB

"Die Mode in Vinsalt im Auge zu behalten, ist offensichtlich" - hier streicht die Lavendelgewandete über den edlen Stoff ihres Kleides - "etwas, das mich sehr interessiert. Und es wäre nicht einmal zusätzliche Arbeit", erklärt sie lächelnd. "Aber weil Vinsalt in der Modewelt so wichtig ist, hat dein Onkel dort bestimmt schon eine Dependence?" Die Schauspielerin spricht das letzte Wort mehr Horathi aus, ihr Blick spiegelt währenddessen genau die Aussage von Cashas Blick.

AB

Urszula schenkt der Garderobe einen bewundernden Blick. "Ja, in der Tat, und ich beneide dich darum. Bei mir muss immer das Alltagstaugliche im Vordergrund stehen. Der Onkel schickt mich gern auf Reisen, um nach seinen" - sie hält kurz inne und versucht dann, die Aussprache Janas zu imitieren - "Dependonzen zu sehen. Da ist man viel unterwegs und in den meisten Gasthäusern ist kein Bedarf für wirklich hübsche Kleider so wie deins.
So habe ich ja auch Reska kennengelernt. Weil es doch so eine weite Reise ist bis nach Bethana zum Tantchen und als Frau allein auf Reisen... Wer weiß, was da alles passieren kann. Oder was die Leute von einem denken. Und Reska ist eine wirklich gute und treue Seele. Ich hoffe sehr, dass sie es sich überlegt und auch weiterhin meine Begleitung bleibt. Der Onkel hat sicherlich nichts dagegen." Während dieser Worte hat die Bornländerin die Norbardin direkt angesehen und in ihrem Blick kann man das Vertrauen, ja vieleicht sogar mehr als das lesen, welches sie in Reska hat.
Dann wendet sich Urszula wieder Jana zu. "Ich nehme stark an, dass Onkel Charlon über die Mode in Vinsalt informiert ist, aber soviel ich weiß, konzentriert er sich mit seinen... Niederlassungen auf die Heimat. Sewerien, das Bornland... Weißt du, es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen Vinsalt und Norburg. Andere Leute, andere Sitten, anderes Essen, anderes Wetter... Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen oder aufhören soll. Aber ich denke, er wäre sehr interessiert, hin und wieder über die neuesten Entwicklungen der Vinsalter Mode informiert zu werden. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich dadurch die Gelegenheit, dass wir uns öfter wiedersehen?"

NW

Auf einem Tablett bringt Tesden die Getränke hinüber zum Tisch der Damen. Er nickt ihnen zu, während er vor jede ein Becherchen stellt. "Wohl bekomm's."

OHH

Immer mehr gewinnt Reska den Eindruck, dass es hier keineswegs noch um Tuche und Kleidung geht - auch wenn Wörter wie Depong-irgendwas den Durchblick zusätzlich verschleiern. Die nachfolgenden Komplimente lassen Reska wiederum geschmeichelt-verschämt lächeln, wenn Urszula auch offenbar nicht recht mitbekommen hat, dass die Entscheidung doch eigentlich längst getroffen ist. Auch nicht weiter schlimm. Auf die Anerkennung kommt es an.
Als dann der Wirt erscheint, wird ihm freundlich dankend zugenickt.

AB

Das Erscheinen des Wirtes und der Schnäpse unterbricht die Diskussion um Mode und weitere Bekanntschaften für einen kurzen Augenblick. "Ach, danke sehr. Was bringt Ihr denn Gutes?" fragt Urszula, während sie die kleinen Stamperl neugierig beäugt.

RB

Jana will gerade die wunderbare Unterhaltung fortführen, die überhaupt nicht von Kleidung handelt, als der Wirt auftaucht und den angedrohten Schnaps bringt. Ein ungutes Gefühl überkommt sie, als ihr der Geruch in die Nase steigt und ihre Augen zum Tränen bringt. 'Was für ein namenloses Zeug ist das denn?' Das ist kein Branntwein; den hat die junge Dame schon einige Male ertragen müssen und überstanden. Aber das hier riecht eher wie das Zeug, das die Zwerge im Norden getrunken haben, das selbst gestandene Mannsbilder in die Büsche gejagt hat. Und das auf nüchternen Magen. Misstrauisch beäugt sie die kleinen Stamperl und erwartet die Antwort des Wirtes.

NW

"Nun, es wurde nach Schnäpsen verlangt", erläutert Tesden und fährt mit einem Wink zur Speisetafel fort: "Da haben wir nur Premer Feuer im Angebot. Ist das nicht recht?" setzt er mit einem Blick auf Janas skeptisches Gesicht fort.

RB

Premer Feuer. Das ist so legendär, dass sogar Jana schon davon gehört hat. In Havena erzählte man sich, die Thorwaler würden es auf ihren Schiffen verbrennen, um sich vor der Kälte des nordischen Winters zu schützen. Also ungefähr in der gleichen Klasse wie das Gift der Zwerge.
Den Blick des Wirtes auf sich bemerkend, wendet Jana ihren Blick fragend gen Casha, schließlich hat sie diese Bestellung getätigt. Dabei konzentriert sie sich darauf, einen neutralen Gesichtsausdruck zu zeigen.

AB

Die Bornländerin - die inzwischen immer mehr das Getue von Urszula abzulegen scheint und damit auch hier im Schankraum zu Casha wird - reibt sich voller Vorfreude die Hände. "Wunderbar, das Feuer wollte ich immer schon mal probieren. Danke." Sie schenkt Tesden ein begeistertes Lächeln und wendet sich dann ihren beiden Gefährtinnen zu.
"Keine Angst, ich will euch nicht vergiften. Ich dachte nur - wer mag, kann sich damit den Most oder Tee ein wenig verstärken. Das macht man im Bronland im Winter gern. Ein heißes Getränk, ein guter Schluck Meskinnes und Honig, um das ganze zu versüßen."
Sie berührt die Teekanne und nickt zufrieden. "Gerade noch heiß genug, aber nicht zu heiß. Sonst verfliegt ja der Alkohol, und wo bleibt dann der Spaß? Jana, Reska - wer will probieren?" Jetzt schaut Casha fragend in die Runde.

NW

Tesden schmunzelt leicht. So ein Gewese wird selten um Schnäpse gemacht. Es ist drollig anzuhören, also bleibt er noch am Tisch stehen, auch wenn er hier nicht mehr wirklich gebraucht wird.

OHH

In der Tat zählt Premer Feuer nicht zu den allerleckersten Schnäpsen; hierzu mangelt es für Reskas Geschmack allzu sehr an Süße und kommt das Zeug ein klein wenig zu sehr seinem Namen nach. Als Beigabe zum Tee hingegen lässt es sich sehr gut vorstellen, zumal mit einem weiteren Tröpflein Honigs.
So gießt Reska folglich vom Tee ein und kippt hernach einen guten Schluck vom Feuer hinzu.

AB

Wie üblich ist Reska ganz Frau der Tat und bedient sich selbst. Jana scheint noch unschlüssig zu sein, deshalb beschließt Chasha, ihr die Entschiedung abzunehmen. "Ich mach dir eine kleine Portion, ganz mild." Während sie zwei Bescher mit Tee füllt, plaudert Casha weiter. "Schau, nur ein halbes Gläschen von dem Feuer... sooo... den Rest nehme ich." Schnell hintereinander entleert die Bornländerin den Rest und ein weiteres Gläschen Premer Feuer in ihren eigenen Teebecher. "Jetzt noch Honig dazu... viel oder wenig, Jana?"

RB

Obwohl der Schnaps auf dem Tisch einen gewissen Abstand von ihr hat, kitzelt der Alkohol doch unangenehm in Janas wohlgeformter Nase. Sie ist sich ziemlich sicher, dass sie dieses Feuer nicht trinken möchte. Gleichzeitig wird sie von Casha und Tesden beobachtet, sitzt also wie auf dem Präsentierteller - eine Situation, in der sie sich normalerweise wohlfühlt, die ihr aber jetzt etwas unangenehm ist. Sie beobachtet, wie Reska einen Teil ihres Schnapses im Tee versenkt. Das könnte eine Möglichkeit sein, aber dann schmeckt ja der ganze Tee danach
Da Casha momentan sehr ehrlich wirkt, schließt sich Jana ihr an: "Nichts gegen Euren Schnaps, Dom Tesden", spricht sie zuerst den Wirt an, wendet sich dann aber ihrer Freundin zu, "aber ich fühle mich noch nicht wieder ganz bei Kräften und würde deshalb lieber zunächst aussetzen. Vielleicht probiere ich einen Schluck, wenn ich gegessen habe und mich stärker fühle. Doch lasst euch von mir nicht aufhalten." Beim letzten Satz wandert ihr Blick mit einem aufmunterndem Lächeln zwischen den anderen Damen hin und her.

NW

Tesden hebt bei Janas Worten abwehrend die Hände. "Travia ist mein Zeuge, hier wurde noch nie ein Gast zum Trinken gezwungen - jedenfalls nicht von mir", antwortet er mit einem Schmunzeln. Damit sieht er nun auch die Zeit gekommen, sich vom Tisch zurückzuziehen.

AB

Die Freiin zwinkert dem Wirt bei seinen beruhigenden Worten zu. "Ich wusste, dass wir hier bei Euch in guten Händen sind, Herr Tesden. Wenn Ihr dann doch so gut wäret und uns rasch eine Kleinigkeit zum Knabbern bringen könntet, dann muss Frau D'Aminovitch nicht warten, bis der Tee mit Schuss vollkommen kalt geworden ist. Das mit dem leeren Magen ist nämlich eine sehr guter Einwand, den ich leider nicht bedacht hatte. Also, falls die Suppe noch ein bischen dauert, tun es auch Brot und Butter - nicht wahr?" Die letzten Worte sind an Jana gerichtet.

RB

Jana unterdrückt einen Seufzer bei Cashas Worten; da muss sie wohl deutlicher werden. Sie lächelt zunächst den Wirt dankbar an: "Ich habe keinen Zweifel an Euch. Doch sind die Zwänge oft nicht direkter, sondern eher gesellschaftlicher Natur. Man möchte ja niemanden beleidigen."
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich Casha zuzuwenden: "Ich weiß, du willst mir etwas Gutes tun, und ich danke dir. Ohne dich beleidigen zu wollen, würde ich dir aber noch mehr danken, wenn ich diesen Schnaps jetzt nicht trinken müsste. Ich würde es tun, um der Form zu entsprechen, aber ich hoffe, dass wir über den Punkt hinaus sind. Eigentlich hätte ich das eben schon sagen sollen, als du bestellt hast; es tut mir leid, dass ich so langsam gedacht habe. Vielleicht habe ich auch gedacht, ich könnte ihn trinken. Aber ganz ehrlich: Ich möchte es nicht." Der ehrliche, entschuldigende Blick kommt ganz ohne Schauspielerei aus.

AB

Gerade macht sich die Bornländerin daran, den Becher mit der Tee-Feuer-Mischung zu Jana zu schieben, als diese sie mit ihren ehrlichen Worten davon abhält. Die Ablehnung, welche Casha ohne weiteres akzeptieren kann und selbst Urszula nach wortreichem Hin und Her akzeptiert hätte, nimmt sie dabei fast nur am Rande wahr. Es sind die Ehrlichkeit und Offenheit sowie der Ausdruck von Vertrautheit, welche Casha so viel mehr wärmen, als es das Premer Feuer je tun könnte.
"Ganz, wie du willst", erwidert sie ebenfalls lächelnd und löst die Hand von dem Becher, welcher somit in der Mitte des Tisches stehen bleibt. Mit gedämpfter Stimme setzt sie hinzu: "Es ist niemand da, für den wir die Form wahren müssen. Der Capitano hat seinen Eindruck von uns oder zumindest von mir gefestigt, da brauche ich nicht mehr viel zu tun. Und Dom Avessandro verlangt es nicht nach meiner Gesellschaft - also brauche ich mir um ihn auch keine Gedanken mehr zu machen. Der Geweihte" - sie wirft einen möglichst unauffälligen Blick hinüber an den Kamintisch und senkt die Stimme noch ein bisschen weiter - "ist beschäftigt. Und solange wir nicht zu laut sprechen, sollte auch die müde Kriegerin nicht in ihrem Schlummer gestört werden. Wir sind also ganz unter uns, nur wir drei." Der verschwörerische Blick umfasst sowohl die Schauspielerin als auch die Norbardin.
"Wo waren wir stehengeblieben?"

NW

Tesden bremst noch einmal ab und fragt vorsichtshalber nach: "Was fehlt denn jetzt noch an Essen?"

RB

Jana ist erleichtert, dass ihre Ehrlichkeit so gut wirkt und so offen aufgenommen wird. Damit kann sie die Signora für den Rest des Abends ablegen. Interessiert folgt sie Cashas Blick und Erklärungen rund um den Schankraum und muss leise lachen, als die Bornländerin zu der Erkenntnis kommt, dass sie ganz unter sich sind.
Sie hebt kurz die Hand, um anzudeuten, dass sie gleich antworten wird, aber zunächst wartet der Wirt auf eine Antwort: "Ich hatte eben einen Hühnereintopf und einen Apfelmost bestellt, aber darum kümmert sich Alrik schon. Ich denke, das ist im Moment alles." Sie strahlt den Wirt zum Abschied noch einmal an, bevor sie sich wieder Casha zuwendet. "Du hast erzählt, dass dein Onkel hauptsächlich im Bornland tätig ist. Ich kann verstehen, dass die Vinsalter Mode bis dorthin ausstrahlt. Aber ist das wirklich der einzige Grund für sein Interesse, oder ist er in irgendeiner, vielleicht indirekten Weise auch im Lieblichen Feld tätig? Oder hat er hier Geschäftspartner?" In Janas Kopf wirbeln schon Ideen durcheinander, wie sie durch eine erfolgreiche Kooperation ihr Netzwerk in einen Teil des Kontinents ausdehnen kann, in dem sie bis jetzt noch nicht tätig ist.

NW

Mit dieser Antwort zufrieden, verlässt Tesden nun endgültig den Tisch der Damen und begibt sich wieder hinter die Theke.

AB

Erst als der Wirt sich einige Schritte vom Tisch entfernt hat, setzt Casha zu einer Antwort an. Doch bevor sie spricht, mustert sie die Schauspielerin und die Norbardin mit einem beinahe durchdringenden Blick. Mit einem kurzen Nicken, wie als hätte sie eine wichtige Entscheidung getroffen, beginnt sie zu sprechen:
"Reska - wir sind jetzt schon eine ganze Weile gemeinsam unterwegs und ich habe dich als jemanden kennengelernt, auf den Verlass ist und der auch das ein oder andere Geheimnis zu wahren weiß. Jana - wir haben uns zwar heute zum ersten Mal gesehen, aber etwas sagt mir, dass ich dir vertrauen kann. Versprecht ihr mir über das, was wir jetzt besprechen, Stillschweigen zu bewahren?"

RB

Janas Neugier ist geweckt. Außerdem ist sie erfreut, wie schnell sich ihre Beziehung zu Casha entwickelt, und geschmeichelt durch ihre Worte. So antwortet sie nur ungewöhnlich wortkarg: "Versprochen."

AB

Cashas Antwort ist ein freudiges Blitzen der Augen, während sie noch auf die Antwort der Norbardin wartet. Obwohl sie meint, nein hofft, diese bereits zu kennen.

LS

In der Tür ist ein Zwerg erschienen. Hinter ihm erhellt ein etwas unnatürlich wirkendes Licht die tanzenden Schneeflocken und dringt ein wenig in den Gastraum. Es ist recht hell und flackert weißlich Gelb.
Der Zwerg ist ziemlich durchschnittlich groß, zumindest für einen Zwergen. Er trägt einen dicken dunklen Wintermantel, der fast bis auf den Boden reicht. Darunter erkennt man schwere lederne Stiefel. Ein breitkrempiger Hut wird abgenommen und mit beiden Händen vor die Brust gehalten. Darunter kommen halblange dunkle Locken zum Vorschein. Ein Bart scheint zu einem dicken Zopf zusammengebunden zu sein, verschwindet aber unter dem Mantel. Nur wenige Schneeflocken sind auf Kargoschs Kleidung zu sehen.
Er sieht sich um und grüßt nickend in Richtung der besetzten Tische. Als ein Windstoß ein paar Schneeflocken an ihm vorbei weht, dreht er sich schnell um und beeilt sich, die Tür zu schließen. Mit schweren Schritten schreitet er Richtung Tresen.

AB

Als der Gruß erschallt, zuckt Casha ein wenig zusammen. 'Phex nochmal, du darfst dich doch nicht derart vertiefen, dass du nicht mitbekommst, wenn jemand durch die Tür tritt!' schilt sie sich innerlich.
Da der Augenkontakt mit Jana und Reska nun ohnehin unterbrochen ist, hebt die den Kopf und schaut, wer naht. "Ein Zwerg", konstantiert sie sodann, als sie sich wieder den Gefährtinnen zuwendet. "Wo waren wir stehengeblieben?"

OHH

Wiederum solches Lob von der Reiseleiterin lässt Reska für Momente in den Gedanken abschweifen. Durch den Eintritt des Zwergen und die daraufhin neue Frage würde die ursprüngliche Antwort schwerlich passen. Dennoch kann man über diese Antwort nachholend sprechen, um Urszula wieder zu ihren eigenen Gedanken zu verhelfen: "Beim Nicken."

AB

Casha strahlt. Eigentlich war sie sich sicher, doch es von Reska zu hören, bedeutet ihr sehr viel.
"Also" - sie beugt sich ein wenig nach vorn über den Tisch, um Reska und Jana gleichermaßen nah zu sein - "der Onkel... Charlon... interessiert sich nicht nur für die Mode. Was gibt es auf Gesellschaften außer der Mode noch zu Genüge? Plauderei, Plapperei, Tratsch und ab und zu... auch ein Geheimnis. Wer mit wem wann wo und warum oder auch warum nicht. Wenn man versteht, die Ohren zu spitzen... ist der Onkel gerne großzügig. Und man kommt herum. Der unverheirateten Erbin des Freiherrn von Niedernebesjepengurken stehen zumindest bei uns im Bornland viele Türen offen. Und Jana, es gibt wahrscheinlich nicht viele in Vinsalt, die sich nicht geehrt fühlen, wenn du auf ihrem Empfang oder Abendveranstaltung erschienst, oder? Und Reska, du hast bestimmt viele Ohren unter den fahrenden Händlern..."
Casha lässt ihre Worte fürs Erste einfach so stehen und wartet auf die Reaktionen der anderen beiden.

RB

Als sie das Eintreten des neuen Gastes bemerkt, verlagert sich der Fokus von Janas Neugier schlagartig auf die Tür, der sie den Rücken zukehrt. Sie folgt ihm, indem sie sich auf ihrem Stuhl sitzend verdreht wie eine neugierige Dienerin, bis sie den Zwerg erkennen kann. Über ihre Betrachtung hätte sie fast Reskas Worte verpasst. Aber zum Kichern bleibt keine Zeit, folgt doch jetzt Cashas Offenbarung. Nachdem sie den Neuankömmling kurz gemustert und ihm noch kürzer zugenickt hat, dreht Jana sich schnell zurück und beugt sich ebenfalls vor, um kein Wort zu verpassen.
"Da hast du sicherlich Recht. Auch damit, dass es nicht nur ein einträgliches, sondern auch sehr kurzweiliges und gelegentlich spannendes Geschäft ist. Nur warum sollte dein Onkel für Nachrichten aus Vinsalt großzügig sein, wenn er selber hier nicht tätig ist. Im Bornland sind die doch sicherlich nur einen Bruchteil von lokalen Neuigkeiten Wert." Bevor sie eine Antwort kriegt, schiebt sie noch eine weitere Frage hinterher: "Und stellt er bestimmte Fragen oder will er einfach alles hören, was interessant sein könnte?"

OHH

Solange die Dame Fragen stellt, muss Reska dies nicht auch tun - zumindest nicht, bis nicht eine eigene auftaucht, die von ihr dauerhaft übersehen wird.
Was aber ist zu halten von alledem? Es geht also um Informationen. Erfahrung und Hörensagen lehren, dass der Handel damit durchaus gefährlich werden kann. Da Reska selbst noch zu wenige davon hat, ist es wieder einmal das beste, einfach abzuwarten. Nichts ist verhängnisvoller als vorschnelles Handeln!

AB

"Mein 'Onkel' ist gern gut informiert, was die Konkurrenz so treibt..." Die Betonung auf dem Wort 'Onkel' ist ein wenig eigentümlich. "Vielleicht, um daraus neue Tendenzen für das heimische Bornland abzuleiten? Man will ja nicht von den Entwicklungen überrascht werden, oder? Stell dir vor, im Lieblichen Feld würden sich bunte Blumenhüte als die neueste Sommermode abzeichnen; jeder trägt sie, jeder will sie und im Bornland hält man immer noch an den letztjährigen einfarbigen Kopftüchern fest. Wäre das nicht unangenehm, derart übberascht zu werden?"
Casha holt Luft und setzt hinzu: "Und ja, Charlon will einfach alles hören - er schickt mich aber manchmal auch aus, um Antworten auf eine bestimmt Frage zu suchen..."

RB

'Oder im lieblichen Feld wird ein Heilmittel für eine Krankheit entwickelt, die sich unerkannt auch im Bornland ausbreitet', entwickelt sich der Plan in Janas Kopf, während Casha erzählt. Ja, so eine Verbindung würde dann wirklich hilfreich sein. Aber so weit ist sie noch nicht, deshalb bewahrt sie Stillschweigen darüber.
"Das wäre natürlich ein Desaster. Andererseits eine hervorragende Gelegenheit, wenn man rechtzeitig informiert war. Und am besten mit der Information schon die erste Wagenladung Hüte erhalten hat", pflichtet Jana bei. "Wie sieht das denn konkret aus? Hat er Kuriere, die die Informationen einsammeln, oder kommt er selber vorbei? Oder schickt er dich?" fragt sie hoffnungsvoll. "Und wie stellt er sicher, dass er die korrekten Informationen erhält, wenn sich beispielsweise bei Hofe schon Hüte mit Federn durchgesetzt haben und niemand mehr Blumenhüte kauft?"

AB

Reskas schweigende Zustimmung sagt mehr als tausend Worte. Chasha fühlt sich durch die vertraute Nähe zu ihrer Reisegefährtin einfach sicher und geborgen. Janas offensichtliches Interesse an der Angelegenheit erfüllt sie hingegen mit tiefer Freude. Doch jetzt wird es langsam schwierig, ihr all ihre Fragen zu beantworten, ohne zuviel zu verraten. Zum Beispiel, dass sie auf einige diser Fragen gar keine Antwort hat. Für einen kleinen Augenblick ist Casha versucht, einfach irgend etwas zu erfinden, doch das kann und will sie Jana nicht antun. Nun, zumindest die erste Frage kann sie beantworten.
"Der Onkel hat überraschend viele Handelskontakte. Meistens treffe ich einen seiner... Agenten... und tausche mich mit ihm oder ihr aus. Das ist immer sehr aufschlussreich. Was dann mit den Informationen passiert, weiß ich nicht, aber sie gelangen zu Charlon, da bin ich mir sicher. Er ist immer bestens informiert und weiß manches Mal noch mehr als das, was ich in Erfahrung gebracht habe. Das merkt man, wenn man mit den anderen spricht. Meistens richten sie Grüße von Charlon aus und neue Fragen von ihm. Und ja, es kann gut sein, dass wir uns in Zukunft dann öfter sehen."
Sie schenkt Jana ein herzliches Lächeln, welches jedoch in ein leicht schuldbewusstes umschlägt. "Ich muss dir übrigens ein Geständnis machen, Jana. Ich weiß überhaupt nicht, wie Charlon aussieht. Ich kenne nur seine Stimme..."

OHH

So langsam bekommt Reska den Eindruck, der Onkel sei lediglich ein Nenn-Onkel, keine wirkliche Verwandtschaft. Ferner, dass hier noch sehr viel mehr nicht ist, wonach es benannt wird. Solcher Verdacht trat ja vorhin bereits ein oder zwei Male auf. Das könnte anstrengend werden.
Da Reska zwar noch nie einen Blumenhut besaß, ansonsten aber gewohnt ist, Kleidung bis zu deren natürlichem Ende zu verwenden, andererseits hingegen noch die vorherige Überlegung hizuziehen kann, bleibt die Frage nach einer möglichen Übertragung offen. Wofür könnten die Blumenhüte wohl sinnbildlich stehen?
Dem verrückten Geschwurbel der Damen kann Reska ob dieses Rätsels immer weniger folgen, zumal es nicht nur so überaus lebensfern ist, sondern auch noch hin und wieder schwierige Wörter enthält.
Als Urszula jedoch mit ihrer Offenbarung bezüglich des nie gesehenen Onkels herausrückt, verschlägt es Reska nicht nur die Sprache, was wohl niemandem weiter auffallen würde, sondern für Momente auch die Gedanken. Weit aufgerissene Augen starren Urszula an. Wie soll man sich denn das nun wieder vorstellen? Verbarg sich dieser Charlon womöglich immer hinter einem Vorhang oder - noch unheimlicher - hinter einer Maske?

RB

Auch Jana ist tatsächlich überrascht von Cashas Offenbarung. "Das ist interessant", verleiht sie ihren Gedanken Worte, "er hält also sein Aussehen geheim. Wie hast du denn seine Stimme gehört? Andererseits weißt du ja einiges über ihn, beispielsweise seinen Beruf. Da es wahrscheinlich nicht sehr viele Tuchhändler in Norburg gibt, nehme ich an, dass du seine Identität kennst. Warum dann die Geheimnistuerei?"

AB

"Selbstverständlich weiß ich, wer er ist - jeder im Bornland weiß das." In Cashas Stimme schwingt unüberhörbarer Stolz mit. "Er ist Charlon Nordsend, der Leiter des BGzN."

RB

"Dann verstehe ich noch weniger, warum du nur seine Stimme kennst. Und was ist BeGeZetEnn?"
Aus den Augenwinkeln hat Jana Alrik und den Zwerg zur Tür gehen sehen. Deshalb schenkt sie deren Öffnung jetzt keine Beachtung und bemerkt so nicht den neuen Gast. Stattdessen sieht sie Casha fragend an.

AB

Casha zuckt mit den Schultern. "Seit dem Tag, an dem ich einer Einladung von Jiri Bozlai Folge leistete und die Zentrale des BGzN zum ersten Mal betrat, habe ich vielleicht ein knappes Dutzend Mal mit Charlon selber geredet. Er ist das größte Geheimnis des Bornlandes - jeder weiß, wer er ist, aber niemand kennt ihn. Es gibt in Bozzis Arbeitszimmer ein spezielles Fenster zum Nebenraum, aber anstelle der Öffnung ist eine wunderschöne Schitzerei angebracht. Man kann nur erahnen, was dahinter ist. Wenn Charlon mit mir geredet hat, dann war er stets hinter diesem Fenster. Daher kenne ich seine Stimme - und ich weiß, dass er Pfeife raucht - aber ich habe ihn noch nie gesehen."
Cahsa versichert sich nun durch einen Blick, dass die Söldnerin nach wie vor schlummert, ehe sie noch gedämpfter fortfährt: "Der BGzN ist der Bornländische Geheimdienst zu Norburg."

OHH

Geheimdienst! Auch das noch! Gerüchten zufolge hat man mit denen ja eher nichts als Ärger - sofern man sie denn zu bemerken leidträgt. Möglicherweise auch sonst, aber wie soll man solches sicher sagen! Dennoch beschließt Reska, zunächst einmal mehr zu hören. Später kann man sich immer noch davonmachen. Wäre ja nun wirklich nicht das erste Mal!

GM

Rasch schlüpft sie an den Heraustretenden vorbei ins Warme - um dann erstarrt stehen zu bleiben, als sie den Mann in Uniform erblickt, der ihr entgegenspäht.
Die beiden durchgewetzten Wolldecken, die ihr als Schutz vor der Kälte dienen, sind fast heruntergerutscht und geben den Blick auf ein zitterndes, mageres Mädchen frei, vielleicht 14 oder 15 Götterläufe alt. Ein viel zu dünnes, vielfach geflicktes Leinenkleid und Lederschuhe, die keinesfalls wintertauglich sind, lassen erkennen, dass sie aus ärmlichen Verhältnissen stammt.
Einige Stähnen ihrer zurückgebunden, braunen Haare sind entwischt und kleben feucht an ihren Wangen, die von der Eiseskälte eine unnatürliche Rötung angenommen haben. Auch die Lippen sind bläulicher als sie sein sollten. Abgesehen davon ist ihr Gesicht durchaus hübsch.
Der Blick ihrer großen, kastanienbraunen Augen ist jetzt ängstlich auf den Uniformierten gerichtet.

RB

Während Casha erzählt, beginnen Janas Augen zu leuchten, und sie nickt anerkennend: "Charlon Nordsend, das hat Stil." Sie schmunzelt einen Moment lang in sich hinein: "Das klingt fast wie ausgedacht, wie auf einer Theaterbühne. Ich kann es mir richtig vorstellen, dieses Arbeitszimmer, die Schnitzerei, aus der ein bisschen Rauch hervortritt und dahinter diese Stimme. Davor sitzt du neben Bozzi und erstattest Bericht. Und die Zuschauer fragen sich, ob Bozzi wohl weiß, wie sein Chef aussieht."
Wie immer, wenn sie den Bogen zum Theater schlagen kann, kommt Jana jetzt richtig in Fahrt: "Haben wir nicht vorhin über Fantasie und unsichtbare Hauptpersonen geredet? Hier haben wir sie wieder. Er ist die Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen; sein Name kommt sogar im Titel vor: 'Charlons Alveraniar'." Mit der Hand mimt die Schauspielerin ein Plakat, auf der der Titel steht.
"Der Alveraniar ist seine Spitzen-Agentin, die eine hinterwäldlerische bornische Adelige mimt, die von allen unterschätzt wird und zum Einsatz kommt, wenn es um die richtig kniffligen Aufgaben geht. Da könnte man glatt eine ganze Reihe mit ihren Abenteuern schreiben. Oder vielleicht muss man die auch gar nicht schreiben, sondern du kannst sie erzählen." Sie grinst Casha gutmütig herausfordernd an.

AB

Casha ist versucht Jana den Begriff 'hinterwäldlerisch' ein bisschen übelzunehmen, doch dann wird ihr bewusst, dass dies es genau auf den Punkt bringt. Oberflächlich, hinterwäldlerisch, plapperhaft... ja, das ist der Eindruck, den sie oft hinterlässt. So auch heute hier in diesem Gasthaus.
Die Idee der Schauspielerin ist schmeichelhaft, würde aber mit Sicherheit nicht die Billigung des BGzN finden. Obwohl man bei Charlon nie wissen kann. Immerhin hat er ja auch in einer blutjungen gelangweilten bornischen Kleinstadligen irgend etwas gesehen, was sonst keiner erkannt hat. Und bei Phex, er hatte recht.
Die Freiin kontert die Herausforderung mit einem schelmischen Lächeln. "Meine liebe Jana, falls ich derartige Geschichten erzählen wollte, dann nicht nur von einem Alveraniar. Zwei oder noch besser drei wären mir viel lieber. Das wäre doch auch für die Zuhörer oder Zuschauer viel abwechslungsreicher. Die Neckereien der Drei untereinander, die Freundschaft und wie sie sich in allen Lebenslagen zur Seite stehen. Vielleicht auch einmal eine Krise, an der die Freundschaft zu scheitern scheint. Oder eine der Drei hat ein pesönliches Problem, von dem sie niemandem erzählt, welches sie aber irgendwie einholt. Und die andern beiden sind zwar zuerst vieleicht enttäuscht darüber, dass sie nicht früher ins Vertrauen gezogen worden sind, stehen aber dann an der Seite ihrer Freundin." Der fragende Blick geht dabei eindeutig zu Reska.

OHH

Nur kurz nimmt Reska von dem abgerissenen, doch um so sympathischer wirkenden Mädchen am Eingang Notiz, denn am eigenen Tisch geht es itzt allzu sehr zur Sache. Schon wieder ein Wort, das Reska noch nie gehört hat.
Doch im nächsten Moment wird klar, worauf das ganze hinausläuft - wovon die Daminowitsch ureigentlich redet: Urszula als Geheimagentin! Viel zu gut passt der Gedanke, den sie da ausführt, um ihn lächelnd beiseiteschieben zu können. Prüfend wird jene gemustert, bis sie plötzlich so eindringlich zurückschaut.
'WAS?!' Deutliches Erschrecken steht in Reskas Antlitz geschrieben. Hier wird zweifelsohne gerade ein wenig zuviel angedeutet! Ob schlagartig ausgetrockneter Kehle wird erstmal hart geschluckt. Wortlos, versteht sich.

RB

Begeistert hört die Schauspielerin zu, wie die Freiin ihre Theaterideen weiterspinnt. Erst als sie Reskas Gesichtsausdruck bemerkt, fällt ihr auf, worauf sie da gerade im Begriff ist, sich einzulassen. Charlon ist kein privater Informationssammler. Das ist ein ausländischer Geheimdienst! Und wenn die Signora ihn mit Informationen versorgt und dabei erwischt wird, kann sie das Kopf und Kragen kosten, im wahrsten Sinne des Wortes. Das wäre Hochverrat und kann sie vom Titel bis zum Leben alles kosten. Das ist mehr Nervenkitzel, als sie zu ertragen bereit ist. Wie kommt sie da jetzt wieder raus?
Jana ist wieder ziemlich blass geworden, und ihr Blick geht zu dem Tee mit Schnaps, vielleicht wäre ein Stärkung jetzt doch nicht verkehrt. Sie beschließt, die Unterhaltung erst einmal wieder auf die Ebene des Theaters zurückzuführen. "Das sind brillante Ideen, liebe Casha. Ich sollte dich nicht nur als Regisseurin, sondern auch als Schriftstellerin einstellen. Das ist genau der Stoff, den die Leute sehen wollen: 'Drei Engel für Charlon'. Ich kann es kaum erwarten, das Buch zu lesen. A propos, was ist eigentlich ein Engel?"

AB

Das Unbehagen ihrer beiden Gefährtinnen bleibt der Bornländerin nicht verborgen. Vielleicht ist sie doch ein wenig zu rasch vorgeprescht, vielleicht sind beide noch nicht bereit. Oder sie hat sowohl Jana als auch Reska falsch eingeschätzt. Das wäre sehr schade, denn Casha hat sich bereits an den Gedanken gewöhnt, die beiden häufiger um sich zu haben. Aber noch ist nicht alles verloren.
Die Aussicht mit der begeisternden Impressaria zusammen Theaterstücke zu planen ist auf jeden Fall etwas, worauf Casha unbedingt Lust hätte. Charlon her oder hin.
Beruhigend streckt Cahsa ihre Hände über dem Tisch aus - jeweils eine zu Jana und zu Reska. "Habe ich euch erschreckt? Das tut mir leid. Aber ich bin es so leid, immer allein zu reisen, da sind wohl meine Bienen ausgeschwärmt, wie wir im Bornland zu sagen pflegen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn wir uns häufiger sehen könnten, einfach nur so. Niemand muss von unserm Gespräch heute erfahren, das kann ganz unter uns bleiben." Bittend schaut sie die beiden an.
"Ein Engel?" greift sie dann die direkte Frage der neugefundenen Freundin auf. "Sagt man das hier nicht? Bei uns im bornischen ist das eine gebräuchliche Koseform für junge Mädchen und Frauen... oder die Beschreibung eines sehr gütigen Menschen."
Sie überlegt kurz und setzt hinzu: "Vieleicht sollten wir den Begriff nicht für den Titel des Buches verwenden, wenn er so unbekannt ist. Was würde man denn in Vinsalt sagen? Oder bei den Norbarden?"

VW

Siona bewegt sich leise und zurückgenommen durch die Schankstube, bis sie am großen Tisch verhält und vorsichtig die Bestellung vom Tablett expediert. "Die bestellte Suppe und der Glühmost. Ich hoffe, die Gewürze sind genehm, die mischen wir nämlich nicht selbst."

RB

Die Worte der Bornländerin, wenn auch gut gemeint, beruhigen die Vinsalterin nur zum Teil. Deshalb lässt sie sich nur zu gern durch die Ankunft der Wirtin ablenken. "Wunderbar", kommentiert sie den aufsteigenden Dampf, der warmen Inhalt in beiden Gefäßen verspricht. "Es riecht vorzüglich, ich bin mir sicher, es wird gut sein, ich bin hier noch nicht enttäuscht worden."
Als sie sich von Casha ab- und Siona zuwendet, bemerkt Jana zum ersten Mal die Bewegungen, die sich bis jetzt in ihrem Rücken abgespielt haben. Statt des Zwerges steht nun ein junges Mädchen im Schankraum. Ihr Zustand deutet darauf hin, dass mit ihr eine ganze Geschichte erschienen ist. Obwohl es ihr so schon offensichtlich nicht gut geht, muss sie sich auch noch dagegen wehren, von diesem arroganten Magier bedrängt zu werden. Unwillkürlich spannt sich die Signora an, aber sie sieht auch, dass sowohl der Geweihte als auch der Wirt bereit stehen, um gegebenenfalls einzuschreiten.

VW

Die Wirtsfrau nickt und nimmt ihr Tablett auf. Nun bleibt nur noch der Kapitän und damit der verbliebene Becher mit Glühmost. Interessiert wendet auch sie sich dem Geschehen in der Mitte des Schankraumes zu, sicher, dass ihr Gatte aufkommende Probleme richten wird.

OHH

Ein unsicheres, wenngleich wohl zugleich zur Beschwichtigung gedachtes Lächeln Reskas bleibt zunäcst Reskas einzige Antwort an Urszula. Da die Wirtin den Tisch besucht und im Nachfolgenden die Aufmerksamkeit über sie hinweg nach drüben abschweift, macht dies die Situation nur für den Moment leichter. Was ist denn so Besonderes an dem Mädchen, dass man es so bestürmt? Ein bis zwei Helfer scheinen doch mehr als ausreichend. Oder geht es nur ums Gaffen?
Ein Achselzucken später entschließt sich Reska, einfach ebenfalls das süße Mädchen zu beobachten, bis sich etwas besseres bietet.

VW

Da sich das Geschehen in der Mitte der Gaststube ein wenig verlagert, ihr Gatte aber augenscheinlich bereits aktiv ist, dem Mädchen zu Hilfe zu kommen - Gast will sie vorerst nicht sagen, denn das Geschöpf sieht weder zahlungskräftig noch überhaupt liquide aus - kann Siona jetzt ihren letzten Krug mit Glühmost an den Kapitän bringen.

RB

Der Magier scheint von dem Mädchen abzulassen, das seinerseits einen Plan in Janas Rücken zu verfolgen scheint. Offenbar hat sie dabei schon mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb ist, also wendet Jana sich erst einmal wieder ab. Dabei betrachtet sie den Wirt: So wie er dasteht und beobachtet, kennt er sie nicht und hat sie auch nicht erwartet. Trotzdem ist in der Situation nichts, was ihr Eingreifen erfordert, also dreht sie sich weiter zurück und wendet sich endlich den warmen Gaben zu, welche die schon wieder davoneilende Wirtin gerade gebracht hat.
"Entschuldigt, wenn ich mich erst einmal hierum kümmere", bittet sie Casha und Reska und ergreift zunächst einmal den großen Krug Würzmost. Der Duft der Gewürzmischung ist anders als erwartet, aber durchaus angenehm, offenbar kein Kardamom, dafür aber Sternanis und etwas Zitronen- oder Orangenschale. Der Most ist so heiß, dass sie pusten muss, um sich nicht mit dem ersten kleinen Schluck die Zunge zu verbrennen. Genüsslich schließt die Signora die Augen und genießt Wärme und Gewürze.

AB

Nein, nicht ihr Tisch ist das Ziel. Das arme Ding sucht sich den entlegensten Winkel im Gasthaus. Jetzt, wo sie dem Neuankömmling mehr Aufmerksamkeit schenkt, fallen der Bornländerin zwei breite Riemen auf, die über die Schultern des Mädchens laufen. Nun ist die Neugier Cahsas endgültig geweckt, und sie verfolgt jede Bewegung des Mädchens mit den Augen. Eine Holzkiste - was wohl darin sein mag?
"Ja, iss erstmal", antwortet sie ein bisschen abwesend der Schauspielerin. Dann wird ihr bewusst, wie unhöflich das geklungen haben muss, und sie wendet sich kurz zu Jana. "Travia segne dein Mahl. Es riecht auf jeden Fall sehr schmackhaft. Ich werde derweil ein weing beobachten, was es mit diesem Mädchen auf sich hat."
Damit richtet sie ihre Aufmwerksamkeit wieder auf die Ecke mit demselben.

OHH

Wiederum löst sich alles auf - sowohl die Szene drüben als auch das Problem unangenehmer Themen am Tische. So kann es Reska einstweilen der Reisegefährtin gleichtun und dem dünnen Hemde nachschauen. Eigentlich kein netter Zug, aber sonst gibt es ja gerade nichts zu tun, und das Mädel ist wirklich niedlich.
Dann aber lässt Reska doch sich selbst scheltend den Blick auf die Tischplatte absinken. Die Kleine möchte bestimmt nicht angestarrt werden!

RB

Ein leiser Seufzer entfährt Jana bei immernoch geschlossenen Augen. Das war schon einmal gut. Sie öffnet die Augen wieder und stellt den Most leise ab.
"Sag Bescheid, wenn ich etwas verpasse", bittet sie Casha. Auf deren Neugier ist Verlass, glaubt Jana nach allem, was sie inzwischen von ihrer neuen Freundin weiß. Sie zieht den Eintopf zu sich heran. Dessen Duft erinnert sie wieder an den Hunger, den sie seit dem Zauber verspürt, und ihr Magen knurrt höchst undamenhaft. "Entschuldigung", murmelt sie und greift nach dem Löffel, um sogleich etwas dagegen zu unternehmen. Wieder muss sie pusten, weil auch diese Speise angenehm heiß ist. Trotz des Hungers wird der erste Löffel ausgiebig probiert und für gut befunden.

AB

"Hmhmm..." stimmt die Bornländerin zu. Da sie gerade dabei ist, schaut sie auch noch einmal nach dem Capitano und dem Journalisten. So ganz will sich ihr die Faszination, die die beiden füreinander empfinden, nicht erschließen. Aber vielleicht ist das auch einfach nur so eine Männersache; wenig sagen und trinken.
Langsam wandert der Blick wieder zurück zu dem Mädchen in der Ecke. Die Finger beginnen derweil, ein wenig auf der Tischplatte zu klopfen. Leise, um Jana nicht zu stören, doch für Reska deutlich verständlich. 'Vertrauen' und 'sicher'.

RB

Das Mädchen kann also nicht sprechen, kommt auch bei Jana an. Dann wird es schwierig, ihre Geschichte zu erfahren, ist aber auch nicht dringend.
Während sie den nächsten Löffel Suppe genießt, hört die Schauspielerin weiter zu, lässt sich sonst aber nicht stören. Cashas Trommeln auf der Tischplatte quittiert sie mit einem kurzen Blick; die Bedeutung versteht sie nicht. Ob sie überhaupt merkt, dass es mehr ist als ein Zeichen der Ungeduld der Bornländerin, ist ihr nicht anzusehen.

OHH

Vertrauen? Sicher? Was meint Urszula denn nun damit schon wieder! Verglichen mit ihr sieht sich Reska langsam als ausgesprochen leicht zu verstehen an.
Ihren Blicken nach jedenfalls kann man nicht entscheiden, ob sie sich auf die eineinhalb Männer drüben bezieht, auf das offenbar stumme Mädchen, welches in Reska manche Erinnerung weckt, oder ob Urszula nun wieder zum vorherigen Thema geheimer Informationsbeschaffung zurückgekehrt ist. Aus der Art der Übermittlung ließe sich wohl auf letzteres schließen. Dann könnten die beiden Begriffe ein sicheres Vertrauensverhältnis zwischen Urszula und Reska meinen.
Darob unsicher, wird einfach mal vorsichtig gelächelt und zustimmend genickt.

AB

RB

OHH

Wird fortgesetzt.


Ausschnittliste / anwesende Gäste / Lageplan

Redaktion und Lektorat: OHHerde 2020

Während der Corona-Hysterie kann es zu erheblichen Verzögerungen in der Aktualisierung kommen. Ich bitte, dies zu entschuldigen.