Die verrückte Tischgesellschaft IV: Viel Lärm um nichts

(Entstanden während der Corona-Hysterie)

Verfasser: Astrid Brandt, Julia Richling, Oliver Baeck, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

MvZ

Zaünin am Kamintisch sagt laut, dass man es in der Küche noch verstehen kann: "Aus-brüt-en! Ich will es ausbrüten, damit Tsas Sohn daraus schlüpfen kann!"

OHH

Derweil die verträumten Damen kaum eine Regung zeigen und das Fass drüben hinter dem Tresen bald im Durchgang verschwinden wird, geht es am Nachbartische wohl schon wieder um das Goldene Ei. Wenn man es ausbrüten kann, ist es wohl nicht massiv und demnach auch nicht gut verkäuflich. Seltsam, dass Reska trotz allem noch bisweilen solchen Gedanken nachhängt. Das Norbardenblut lässt sich eben nicht ganz verleugnen.

So allein am ziemlich vollen Tisch könnte man fast Einsamkeitsgefühle bekommen. Doch sind Reska solche oder vergleichbare Situationen nicht ganz neu. Die Hände werden vor dem Bauch gefaltet, die Füße unter dem Tische vorsichtig ausgestreckt, um nicht versehentlich die eingeschlafene Ritterin zu treten. Im Anschluss gleitet der Blick langsam über den Tisch. Jetzt vielleicht doch schon das Küchlein als Abschluss?

Zunehmend selbst schläfrig, blinzelt Reska ein paarmal, wodurch sich auch die Kuchenreste wieder besser sehen lassen. Was soll's! Mit einer einzogen Handbewegung verschwindet ein Stück des Backwerkes zwischen Reskas Zähnen. Ja, gar nicht schlecht, dieses Finale. Ob der weibliche Herr Avessandro den Nachbartisch wohl verlässt, weil ihn Südstädte als Thema nicht recht gefangennehmen? Solches könnte Reska nachvollziehen. Viel mehr Bewegung als die seine gibt es jedenfalls momentan nicht zu beobachten. Süß sieht er aus - und irgendwie bekümmert.
Da Reska jedoch nicht aufdringlich sein will, zumal Avessandro so in sich gekehrt wirkt, sinkt der Blick wieder auf die Tischplatte, woraufhin sich auch die Lider halb über die Augen schließen.

RB

Unvermittelt beginnt die Jana im Grünen Eber zu sprechen: Sie wiederholt was sie vorhin erzählt hat. Nicht nur die Worte sind dieselben, auch Betonung und Pausen sind exakt gleich, als würde die Zeit noch einmal ablaufen: "Stellt Euch vor, Ihr seid im Theater. Die Vorstellung beginnt. Das Licht im Zuschauerraum wird gelöscht. Der Vorhang öffnet sich. Die Bühne ist dunkel. Vielleicht sind am Rand schemenhaft ein paar Gauklerwagen zu erahnen, sonst sieht man nichts." Die Jana im Eber beobachtet Urszula. Beide Janas warten ab.

AB

Die Urszula im Eber zuckt kurz zusammen, als mit einem Mal Janas Stimme ertönt.

OHH

Soeben beinahe am Eindösen, schrickt Reska etwas auf. Was denn jetzt? Muss nun etwa doch noch aufgepasst werden? Immer solch ein Hin und Her; wie soll man sich da auf irgendwas einstellen!
Aber nein, das ist ja nur schon wieder das bereits Gehabte. Was für ein Theater! Also wirklich!
Stirnrunzelnd macht es sich Reska auf dem Stuhle wieder bequem und schließt die Lider diesmal vollständig.

RB

Jana achtet nicht auf Reska, auch nicht auf die Bewegungen in ihrem Rücken. "Die Bühne ist dunkel. Vielleicht sind am Rand schemenhaft ein paar Gauklerwagen zu erahnen, sonst sieht man nichts", reicht sie aus dem Jenseits des Theaters nach. Dann wird die Stimme der Erzählerin leiser: "Man hört Tuscheln, Schritte."

Verzweifelt schreit sie auf.

OHH

Schon fast eingeschlafen, schrickt Reska auf. Halbwach wird die endlose Stirn gerieben. War da ein Schrei? Vermutlich im Traum, oder? Falls da schon ein Traum war, denn so recht erinnern kann sich Reska nicht.
Die beiden Damen jedenfalls wirken nicht irgendwie bedroht. Höchstens vielleicht etwas angespannt. Womöglich geht es im Traumtheater gerade recht dramatisch zu. Aber auch am Nebentisch scheint man nichts Ungewöhnliches bemerkt zu haben. Jedenfalls nichts, was Reska momentan kümmern müsste.
So schließen sich die Lider wieder.

JuR

Bei Signora Jana angekommen verstärkt sich Avessandros innere Unruhe und er muss schlucken. Diese weit geöffneten Augen, der starre Blick. Avessandro bemerkt, dass sein Herzschlag zu rasen beginnt und seine Handflächen schwitzen, als er nach Signora Janas Schulter greift - fest genug, um jemanden, der eben mal eingenickt oder in tiefe Gedanken versunken ist, auf sich aufmerksam zu machen - und durch das Rauschen in seinen Ohren vernimmt er seine eigenen Stimme laut und deutlich: "Signora Jana! SIGNORA JANA!" Dass die Hand, die zu dem Arm gehört, deren Schulter er gerade nicht umfasst, Urszulas Hand hält, entgeht ihm dabei in seiner Aufregung.

RB

Als Avessandro Janas Schulter schüttelt, reagiert sie nicht, nur ihr Kopf nickt durch die Bewegung etwas vor uns zurück. Sie blinzelt, aber ihr Blick bleibt starr. Aber vor dem Schriftsteller öffnet sich, nur für ihn sichtbar, eine Tür.

JuR

'Magie!' zuckt die Erkenntnis durch Avessandros Kopf, als er vor der offenen Tür steht. Er tritt sowohl in Gedanken als auch in der Realität einen kleinen Schritt zurück und nimmt die Hand von Signora Janas Schulter.
Als das gelingt und er sich wieder voll und ganz in der Realität befindet, fühlt er schwache Erleichterung, während seine Gedanken rasen. "DOM LERANO! ICH BRAUCHE EURE HILFE!" Er selbst bleibt da und behält Signora Jana im Blick, für den Fall. Dabei fällt ihm auf, dass diese die Hand von Urszula hält. Also befindet sich wohl jene ebenfalls an diesem Ort.

OHH

Eine hohe weibliche Stimme zerrt Reska erneut aus dem Halbschlummer. Nanu, die Avessandro! Oder der! Oder... Wieso eigentlich?
Mit der Linken ratlos hinter dem Ohr reibend, um etwas wacher zu werden, betrachtet Reska die beiden Damen. Gut, die wirken trotz ihrer offenkundig unveränderten geistigen Abwesenheit noch erregter als zuvor. Aber gibt es hierfür einen anderen Grund als dass sie ein spannendes Theaterstück mit Mord und Totschlag proben?
Dass Avessandro nach dem Zauberkapitän schreit, ist sicherlich keine schlechte Idee - falls es denn überhaupt nötig sei. Eine irgend geartete Gefahr kann Reska eigentlich nicht erkennen.

DS

Der Kampf gegen das ständige Zufallen ihrer Augenlider wird in dem Augenblick von der Kriegerin gewonnen, als es am Tisch zunehmend lauter wird. Die Heilung hat sie wohl doch mehr mitgenommen als gedacht. Sie richtet sich auf und macht sich bereit, eventuell eingreifen zu können. Im Moment sieht sie jedoch keine äußerliche Gefahr.

RB

Als Avessandro die Hand von Janas Schulter nimmt, bildet sich auf Janas linkem Auge eine bunt schillernde Blase, die schnell wächst, das ganze Auge bedeckt und innerhalb weniger Herzschläge bis auf Handtellergröße anschwillt. Dafür entspannt sich ihr Gesicht etwas, das andere Auge ist nicht mehr ganz so weit aufgerissen und die Haut gewinnt wieder ein bisschen Farbe.

OB

Lerano setzt zu einem Hechtsprung an, stützt sich mit beiden weit nach vorne ausgreifenden Händen auf die Theke und zieht den Körper nach. Etwas strauchelnd und noch mit Schwung nach vorn kommt er auf dem Boden an der Ecke des Tresens auf.

AB

Urszulas Gesichtszüge im Eber haben sich wieder ein wenig entspannt, und ein leichtes Lächeln umspielt ihren Mund. Die Augen sind immer noch geschlossen, aber nicht mehr zugekniffen. Fast als würden sie jeden Augenblick aufgeschlagen.

RB

Die Blase auf dem Auge der Signora zerplatzt plötzlich wie von einem unsichtbaren Säbelhieb getroffen. Die Spur des Hiebes zeichnet sich als tiefe Wunde über ihre ganze linke Gesichtshälfte ab. Allerdings zeigt sie keinerlei Schmerz oder sonstige Reaktion darauf. Im Gegenteil, ihre sonstigen Gesichtszüge entspannen sich weiter. Ein Teil ihres Geistes kehrt in ihren Körper zurück und beginnt die Umgebung wahrzunehmen. Schon wieder sieht sie Avessandro.

OB

Mit schnellen Schritten legt Lerano die verbleibende Strecke zu Dom Avessandro zurück, dabei gedankenschnell noch der Heilerin ausweichend. Vor dem Rufer angekommen, bremst er ab, dass die Binsen auf dem Fußboden aufstieben, blickt sich eilends, aber aufmerksam um - und entdeckt erst einmal nichts unmittelbar Gefährliches. Das muss nichts heißen, wie er sehr gut weiß.
"Was!" fragt er drängend, als seine Augen kurz einmal die von Dom Avessandro treffen. Seine Linke ist weiter griffbereit erhoben. Die leisen Geräusche aus der Ecke am Fenster haben aufgehört, in den Schatten dort ist eine schwebende Bewegung auszumachen.

OHH

Angesichts der bunten Blase ist Reska dann doch für einen Moment etwas beunruhigt, aber der Dame scheint dies ja eher gut zu tun. Bei Urzula kommt offenbar ebenfalls Entspannung auf.
Der dramatisch-akrobatische Auftritt des Kapitäns zerrt Reskas Aufmerksamkeit zum Tresen hinüber. Was ist denn nur in die Leute gefahren? Vorsichtshalber rückt Reska mit dem Stuhl etwas vom Tisch zurück, falls hier gleich irgendwer Waffen, Zauber oder Fäuste schwingt - warum auch immer.

JuR

Als er Leranos Stimme hört, fühlt Avessandro, wie eine Welle der Erleichterung die Beunruhigung hinfortspült. Dann konzentriert er sich, die Frage so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig zu beantworten.
Unbewusst Haltung annehmend, beginnt er seinen Bericht: "Signora Jana stieß einen Schrei aus. Ich lief zu ihr, ihr Blick war starr und sie reagierte nicht auf Ansprache. Bei Berührung stand ich in Gedanken vor der Tür zu einer magischen Traumwelt, in der ich sah, wie eine Person, die Signora Jana glich, von mehreren Männern zu Boden gedrückt wurde. Ich beendete Verbindung, und kurz darauf entspannten sich ihre Gesichtszüge, ebenso die von Domna Urszula, deren Hand sie hält. Eine Blase erschien über Signora Janas linkem Auge und zerplatzte, zeitgleich wurde eine tiefe Wunde sichtbar. Offenbar schmerzfrei und bei einer Zunahme der Entspannung."
Während der Wiedergabe der wahrgenommenen Ereignisse behält Avessandro Signora Jana im Blick.

RB

Die klaffende Wunde in Janas Gesicht beginnt sich zu schließen. Wie unter der Wirkung eines Heilzaubers verschwindet sie ebenso schnell, wie die Blase eben entstanden ist, und nach wenigen Herzschlägen ist nur noch eine haarfeine Narbe über dem linken Auge zu sehen, die ein sehr aufmerksamer Betrachter vorher schon gesehen haben könnte. Kein Blutfleck deutet auf eine kürzliche Verletzung hin.
Im Blickfeld der Ausheilenden taucht ziemlich hektisch der Magier auf, der sie ebenso besorgt ansieht wie der Schriftsteller, der geradezu militärisch Bericht erstattet. Dank dessen versteht Jana, was passiert ist. "Es ist alles in Ordnung", antwortet sie den besorgten Herren im Eber mit noch leicht träumerisch klingender Stimme.
Dann konzentriert sie sich wieder auf die Geschehnisse im Wald, von denen im Gasthaus nichts zu bemerken ist.

OB

Lerano hört den Bericht Dom Avessandros - so präzise wie von einem Adjutanten im Generalstab - konzentriert an. Über seiner Nasenwurzel hat sich wieder die steile Falte gebildet. Sein Blick ist die meiste Zeit auf Domna Jana und ihre merkwürdigen Veränderungen gerichtet. Ungefähr im dritten Satz des Rapports kommt der Stab des Magiers herangeflogen - ohne hinzuschauen, fängt der Capitano ihn aus der Luft. Nachdem die äußerlich erkennbaren magischen Effekte bei Domna Jana offenbar zum Erliegen gekommen sind, wirft Lerano auch prüfende bis misstrauische Blicke zu den anderen Damen am Tisch. Domna Urszula scheint ebenfalls abwesend zu sein, aber die Norbardin und Domna Myrana haben sich alles bis hierher offenbar in aller Seelenruhe angeschaut, ohne einzugreifen. Stecken sie mit drin?
Gerade will Lerano Dom Avessandro danken, da beginnt Domna Jana zu sprechen. Bei ihren Worten wird die Falte auf der Stirn des Capitano noch etwas tiefer. "Es ist alles in Ordnung", äfft er den Tonfall der Adligen mit einem hämischen Säuseln nach und verdreht die Augen, "wir haben hier nur eine adlige Dame, die mit Magie herumspielt, die sie nicht beherrscht, aber sonst ist alles in bester Ordnung."
Er wirft der Dame einen finsteren Blick zu. Sein Kopfschütteln gilt allen, die an diesem Tisch sitzen.

OHH

Wunde? Überrascht schaut Reska wieder auf die heimische Dame und bekommt gerade noch rechtzeitig die letzten Reste des Verschwindens mit, ohne die verbleibende feine Narbe überhaupt zu bemerken. Ihre Worte scheinen alles zu klären, doch der Magier weiß noch eine hilfreiche Erläuterung nachzusetzen. Für seine Verärgerung hat Reska durchaus Verständnis, ahnungslos, selbst mitsamt der ebenso schuldlosen Ritterin darin inbegriffen zu sein.
Schön, dann hat sich das ja nun alles geklärt, und alle können wieder irgend etwas Sinnvolleres tun wie Bier trinken. Viel Lärm um nichts - wieder einmal.

JuR

Auch auf Avessandros Stirn treten leichte Falten, da das, was eben geschehen ist, nicht mit seiner eigenen Definition von 'Es ist alles in Ordnung' deckt. Allerdings bedeutet es wohl, dass es für ihn keinen Anlass mehr gibt, hier zu verweilen, oder?
Auf Leranos Worte hin wendet er sich an diesen: "Welche Risiken bestehen bei dieser Art von Traummagie für die Teilnehmenden? Und gibt es auch welche für diejenigen, die sich in der Nähe befinden?"

RB

Jana hört zwar die Frage, die Avessandro Lerano stellt, beschließt aber, sie vorerst zu ignorieren. Sie möchte lieber nicht darüber nachdenken, sondern widmet sich ihrer Traumwelt.

OB

"Gute Frage", brummt Lerano als Antwort zu Dom Avessandro. "Das kommt darauf an, welche Art von Magie hier überhaupt wirkt."
Er blickt die Norbardin auffordernd an, die hat das Geschehen schließlich direkt vor der Nase gehabt. "Was ist hier passiert?" Mit dem Zeigefinger der freien rechten Hand wedelt er über den Köpfen der beiden adligen Damen hin und her.

OHH

Ganz erschrocken zuckt Reska zusammen, so unvermutet und irgendwie gestreng angesprochen zu sein. Merklich klopft das Herz fester und schneller. Sich im Sitzen etwas aufrichtend und auf die Notwendigkeit einer Antwort einstellend, wird auch wieder einmal geschluckt, auf dass die Stimme nicht versage.
Passiert? Von dem abgesehen, was der Magus selbst mitbekommen hat?
Die erste Silbe kommt trotz der Vorbereitung etwas krächzend hervor: "Vorher nichts."

OB

Lerano verdreht kurz die Augen und setzt ein schmallippiges Lächeln auf. 'Nichts', das Lieblingswort von faulen Soldaten. Da könnte ein Karakil über die Baumwipfel fliegen, sie würden lieber nichts sehen als sich mit einer Meldung Ärger - oder noch schlimmer, Arbeit! - einzuhandeln. Eines der vielen Dinge, die er aus seiner aktiven Militärzeit ganz bestimmt nicht vermisst.
Aber er ist ehrenhaft entlassen, und die Frau ist Zivilistin. Sie ist wahrscheinlich wirklich der Meinung, dass nichts - oder besser: nichts Berichtenswertes - passiert ist. Also wird jetzt nicht zusammengefaltet, sondern geduldig erklärt.
"Als ich vorhin aufgestanden bin", er deutet mit der freien rechten Hand auf den Platz am Kopfende, wo noch der leergegessene Suppenteller steht, "saß Domna Urszula noch dort", nun zeigt er auf den Platz neben der Norbardin. "Jetzt sitzt sie hier", erklärt er - womöglich ein bisschen überflüssig, aber wer weiß, wie gut diese Fremde Horathi überhaupt versteht. "Also ist etwas passiert", das untermalt er, indem er mit der ungefähr auf Augenhöhe erhobenen rechten Hand, Handrücken nach oben, mit abwechselnd gekrümmtem Zeige- und Mittelfinger eine Gehbewegung andeutet.
"Sag mir einfach, was du gesehen oder gehört hast", schließt er die Aufforderung. "Auch wenn es dir unwichtig erscheint."

RB

Im Eber bleibt Jana ungerührt sitzen, während sich der Magus mit Reska unterhält. Sie hört nur zu, um etwas sagen zu können, wenn es nötig sein sollte.

AB

Im Eber reißt Urszula die bislang geschlossenen Augen auf. Sie stehen voller Tränen, die nun ungehindert und stumm über ihre Wangen rollen. Voller Entsetzen ist der Blick der im Augenblick von Qual erfüllten blauen Augen auf Jana gerichtet.

OHH

Für Momente weiß Reska nicht recht, ob der Magus seine Worte ernst meint - nicht etwa, weil er durch seine Art irgendeinen Zweifel daran ließe, sondern schlicht ob des Inhaltes. Gut, wenn er meint, das Umsetzen von irgendwem sei wichtig, dann kann das jetzt stimmlich eine ausgesprochen anstrengende Angelenenheit werden. Ihm zu widersprechen oder auch nur Zweifel am Zweck seiner Methode anzumelden, könnte gefährlich werden. Vielleicht weiß er ja sogar, was er tut.
Wimpernschlagend atmet Reska tief durch, nicht allein alle notwendigen Kräfte hierfür zu sammeln, sondern auch die zugehörigen Erinnerungen. Nervös wird über dem Auge gekratzt. Wie war das noch, als er aufstand? Der Kapitän stand etwa gleichzeitig mit Zaünin auf. Der letzte Gast war bereits eingetreten - aber saß er auch schon? Nachdenklich wandert die Linke an den Lippen entlang.
"Ich glaube, die Damen sprachen über ihr Vorhaben, sich gemeinsam im Traum ins Theater zu begeben. Dafür mussten sie nebeneinander sitzen und die Hände halten. Jene" - Reska deutet auf Signora Daminowitsch - "begann mit zwei Stimmen zu singen wie eine Elfe. Dann ist Urszula" - ratloses Achselzucken, da Reska es nicht ander ausdrücken kann - "'eingetreten'. In den Traum, meine ich."
Mit einem Blick empor versucht sich Reska darüber aufzuklären, ob der Kapitänmagus wohl soweit mit der Art der Berichterstattung zufrieden sei.

JuR

Während Lerano sich bemüht, die nötigen Informationen zu erhalten, um Avessandros Frage beantworten zu können, blickt dieser wieder aufmerksam in die Gesichter von Signora Jana und Urszula, um keine wichtige Veränderung zu verpassen. Trotz dieser Aufmerksamkeit bekommt er einen Schreck, als dann tatsächlich etwas geschieht, Urszula die Augen öffnet und Tränen über Wangen strömen. Ist in der Traumwelt etwas mit Signora Jana geschehen? Während sein Herz heftig klopft, eilt sein Blick wieder zu dieser.
"Lerano, Domna Urszula..." stammelt er dabei, um den Magier auf die Veränderung aufmerksam zu machen.

OB

Lerano hört dem Bericht der Norbardin aufmerksam zu, wie die leicht zusammengeschobenen Brauen und die steile Falte auf der Stirn beweisen. Ab und zu nickt er bestätigend, um die Frau zum Weiterreden zu ermuntern oder um auf seiner im Kopf geführten Liste einen Punkt abzuhaken. Er setzt gerade zu einer Antwort an, als der Einwurf Dom Avessandros ihn unterbricht. Der Capitano schaut nun ebenfalls zu der weinenden Urszula, allerdings mit ungerührter Miene. Er mustert sie einige Herzschläge lang, dann wendet er sich wieder an die Norbardin.
"Du hast mir sehr geholfen", lobt er. Er hebt die freie rechte Hand ungefähr auf Kopfhöhe, den Handrücken Reska zugewandt. Nun streckt er zunächst den Zeigefinger aus. "Erstens: sie ist aus freien Stücken in diesen Zauber eingetreten. Sie wusste, worauf sie sich einlässt. Zweitens" - zum Zeigefinger gesellt sich der Mittelfinger - "Domna Jana hat selbst einen Zauber gewirkt, wir müssen also nicht nach einem Artefakt oder dergleichen suchen. Drittens" - nun hebt sich auch der Ringfinger - "scheint es mir keine dämonische Magie zu sein, denn dann hättest du den Gesang gewiss nicht mit dem von Elfen verglichen. Und viertens" - nun wird auch noch der kleine Finger erhoben, der Daumen bleibt in die Handfläche gedrückt - "ist es offenbar keine echte Erinnerung, sondern nur Theater."

RB

Da Jana mit einem Teil ihrer Aufmerksamkeit den Vorgängen im Eber folgt, sieht sie, wie Urszula die Augen aufreißt und ihr die Tränen kommen. Eine Reaktion, für die sie volles Verständnis hat. Nur die Tatsache, dass sie diese Erinnerung schon so oft gesehen hat, verhindert, dass es ihr ebenso geht. Mit der freien Hand öffnet sie ihr Handtäschchen und kramt darin herum. Endlich findet sie ihr Taschentuch und reicht es der gegenüber Sitzenden. Währenddessen lauscht sie der Aufzählung des Magiers, hält es aber nicht für nötig, seinen Irrtum unter viertens aufzuklären.

OHH

In der Tat, bei Urszula scheint es dramatisch herzugehen. Wer war da noch gleich gestorben? Die Mutter Daminowitsch wohl jedenfalls.
Des Magiers Lob hingegen löst in Reska vor allem erst einmal tiefe Erleichterung aus. Er wird nicht angreifen oder umherzaubern, und er wird wohl auch nicht mehr hören wollen, wie er vorhin im Anschluss mit dem Knecht das Fass rausschleppte und dergleichen.
Seine Aufzählung schließlich zeugt von einer beeindruckenden Fähigkeit zu Systematik und Schlussfolgerungen, zu wecher Reska nur freundlich anerkennend nicken kann. Den Hauptanteil des Lächelns macht allerdings noch immer die Freude darüber aus, diesen augenscheinlich recht wehrhaften Mann nicht irgendwie verärgert zu haben. Dass es nach Reskas Auffassung wohl am ehesten um eine Mischung aus Erinnerung und Theater geht, erscheint hierbei vollkommen nebensächlich.

AB

Obwohl ihre Augen offen stehen, scheint die Bornländerin das angebotene Taschentuch nicht wahrzunehmen. Beide Hände bleiben unverändert auf Janas Hand liegen - wobei sich der Griff langsam zu lockern scheint.

RB

Jana hat Verständnis dafür, dass Urszula das Taschentuch übersieht, es braucht etwas Erfahrung, um die eigene Aufmerksamkeit zwischen Traum und Wirklichkeit zu teilen. Also beugt sie sich vor, wobei sich die Hand auf dem Tisch, mit der sie Kontakt hält, nicht bewegt und tupft zumindest die Tränen, die bis auf die Wangen gelaufen sind, ab. Dabei ist sie vorsichtig und sanft, um die andere nicht zu erschrecken.

AB

Im Eber hebt Urszula wie in Zeitlupe die zuoberst liegende Hand und führt sie an ihre Wangen. Als sie dort auf Janas Hand mit dem Taschentuch trifft, verhält sie und lächelt schwach.

RB

Jana tupft gerade die Träne von der zweiten Wange, als Urszulas Hand ihre trifft. Sie lächelt ebenfalls und dreht ihre Hand, so dass die Bornländerin das Taschentuch fühlen kann und nur die Hand schließen muss, um es zu greifen. In der Hauptsache gilt ihre Aufmerksamkeit aber weiterhin der Erinnerung.

JuR

"Ah, Theater", wiederholt Avessandro deutlich erleichtert, nachdem er Leranos Bericht aufmerksam zugehört hat. Dann geht es gewiss um das Stück um Signora Janas Mutter, was eine Erklärung für den Schrei und die Tränen liefert. "Auf Freiwilligkeit beruhend und keine Gefahr für die Teilnehmenden und für andere."

OB

Lerano nimmt die beiden sitzenden Damen noch einmal in Augenschein, mit prüfendem Blick und gerunzelter Stirn. "Sieht ganz danach aus", sagt er mit einem bedächtigen Nicken.
Dann schnaubt er aus, brummt noch einmal verächtlich "Theater" und schüttelt - mit Blick auf Domna Jana - missbilligend den Kopf. Mit einem tiefen Einatmen hebt er den Kopf wieder, so dass er Dom Avessandro ansehen kann. Dort zieht er immerhin die Mundwinkel zu einem kurzen, eher freudlosen Lächeln hoch.

JuR

Avessandro erwidert dies mit einem warmen, mitfühlenden Blick, dann hebt er in einer um Warten bittenden Geste die Hand.
In Richtung der am Tisch Sitzenden sagt er deutlich vernehmbar: "In diesem Fall entschuldige ich mich für die Störung, die Damen, und wünsche noch einen guten Abend und eine geruhsame Nacht!"
Dann wendet er sich wieder Lerano zu und lässt die Hand sinken, ehe er leise erwidert: "Ihr klingt, als würdet Ihr das zutiefst missbilligen. Möchtet Ihr darüber reden?"

AB

Instinktiv schließen sich die Finger Urszulas um das weiche Tuch, als sie dieses berühren.

OB

Bei Dom Avessandros Entschuldigung an die Damen verdreht Lerano wieder die Augen, schüttelt leicht den Kopf und schnaubt leise aus.
Auf die Frage seines ehemaligen und offenbar zukünftigen Tischgenossen antwortet er mit einem sachten Nicken und erwidert: "Mit Euch? Gern. Wo sitzt Ihr?" Offenbar hat er nicht vor, an seinen Sitzplatz am großen Tisch zurückzukehren.

AB

Als Jana ihre Finger um das Taschentuch und Urszulas Hand schließt, entfährt dieser ein kleiner Seufzer und die Augen schließen sich wieder. Die Tränen beginnen zu versiegen.

JuR

"Gegenwärtig nirgendwo", erwidert Avessandro und sieht sich dabei im Schrankraum um. "Ich würde den Tisch in der Nähe der Treppe bevorzugen", fährt er nach abgeschlossener Begutachtung der Örtlichkeiten fort.

OB

"Von mir aus gern", erwidert Lerano. Sein Blick ruht einen Moment länger auf dem Tisch, dann zucken seine Mundwinkel wieder, als würde ihm bei diesem Anblick etwas Erheiterndes einfallen. "Geht nur schon vor, ich komme gleich nach", setzt er hinzu und macht sich auf den Weg, zunächst aber offenbar Richtung Theke.

OHH

Ein wenig gerührt beobachtet Reska die Szene mit dem Taschentuch. Als die eineinhalb Herren den Tisch zu verlassen beginnen, ist die ganze gehaltlose Aufregung wohl endgültig vorüber. Wie schön! Auf all das kann Reska ein wenig Langeweile gut gebrauchen.

Weiter...


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Redaktion und Lektorat: OHHerde 2020