Tischbesuche

Verfasser: Astrid Brandt, Matthias von Zedlitz, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

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Urszula hat inzwischen das Wiedererscheinen sowohl des Capitanos als auch der Dame D'Aminovitch durchaus bemerkt. Kurz unterbricht sie die Konversation mit Reska, um mit einem einladenenden Lächlen zur Theke hinüberzuwinken. Immerhin steht ja noch eine Einladung im Raum.
Zur Norbardin gewandt sagt sie: "Schau, da sind der Capitano und Frau Jana. Vielleicht mag ja einer der beiden noch zu uns kommen. Ich hatte Honigkuchen versprochen, den letzten Rest aus der Heimat. Sollte sich einer dazu entscheiden sich hierher zu setzen, müsste ihn einer aus dem Zimmer holen. Du hast doch nichts dagegen, oder?"
Die Finger sagen indessen 'Ja, Übung macht den Meister. Aber stille Wasser sind tief und werden oft unterschätzt. In dir steckt mehr als du zeigst.'

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Kaum ist die Tür geschlossen, huscht Zaünin zwischen Myranas und Avessandros Tischen hindurch, geradewegs auf den Tisch mit der Bornländerin und der Norbardin zu. Unterwegs zieht sie das Kupferarmband wieder so weit zurück, dass es locker am Handgelenk baumelt. Vor den beiden ungleichen Damen aus dem Norden kommt sie zum Stehen und sucht Augenkontakt mit der Freiin.

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Hinten in der Ecke löst Domna Panemareiken eine Hand aus der Unterhaltung und winkt ihr zu. Damit ist die Entscheidung gefallen. Jana lässt ihre Idee, sich dem Capitano vorzustellen, fallen und nickt nur ebenso freundlich zurück. So schreitet die Signora am Knopflosen vorbei in Richtung der Einladenden. Als dann aber plötzlich die Heilerin an ihr vorbeiläuft, bleibt sie abrupt stehen und beobachtet, was dort passiert.

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Dem Blicke und den Worten Urszulas folgend, schaut auch Reska kurz zum Tresen. Zwei schnatternde Damen könnten ein wenig Pause gewähren. Ob sie auch ein interessantes Schauspiel bieten werden, wird sich schon zeigen.
Aber Honigkuchen aus der Heimat? Derweil sich Honig erfahrungsgemäß ewig hält, ist es mit Teigwaren eher nicht so. Demnach darf man gespannt sein, wir hart das Gebäck inzwischen sein mag. Nun, das muss die Freiin selbst wissen. Dass sie jedoch mit nichts dagegen haben wohl meint, Reska solle die Beschaffung übernehmen, scheint offenkundig. Adeliges Höflichkeitsgeplapper. Das darf man ruhig einen Moment lang ignorieren, bis Klartext gesprochen wird.
Wiederum überraschend schnell weiß Urszula durch Komplimente zu besänftigen. Gewiss mag in jedem mehr stecken, als man selbst in Jahren Bekanntschaft erkennen kann. Dennoch lächelt Reska geschmeichelt - wiederum nur für einen flüchtigen Moment, da plötzlich statt der anderen Dame und des Kapitäns eine ganz Unerwartete am Tische steht und etwas von Urszula zu wünschen scheint.

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Das Lächeln auf dem Gesicht der Bornlaenderin wird noch herzlicher, als sie erkennt, das Jana ganz offensichtlich beabsichtigt, sich zu ihr zu gesellen.
"Ach wie schön. Reska, meine Gute, würdest d..." Das Hinzutreten der gerade im Gehen begriffen gewesenden Heilerin lässt Urszula mitten im Wort abbrechen. Erstaunt hebt sie den Blick und schaut Zaünin fragend an. "Ja bitte?"

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Zaünin nickt Urszula mehrfach leicht zu, während sie ihr feierlich kundtut: "Es schneit noch."

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Jana bemerkt, dass sie direkt neben dem Tisch stehengeblieben ist, an dem Avessandro noch allein sitzt. Also nutzt sie die Gelegenheit und spricht ihn an: "Dom Avessandro, wenn es Euch recht ist, lasse ich Euch Euren Tee wie gewünscht mit dem Capitano einnehmen und werde während der Zeit die Einladung der Freiin Panemareiken wahrnehmen. Vielleicht können wir ja nach dem Tee mit der Arbeit beginnen." Sie spricht in normaler Lautstärke, so dass ihre Worte auch am Nebentisch zu hören sind. Während Jana Avessandro auf seine Antwort wartend ansieht, richtet sie einen Teil ihrer Aufmerksamkeit auf die Aktivitäten an jenem Tisch.

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"Es ist mir recht", bestätigt Avessandro zunächst knapp, aber freundlich. Dann fügt er hinzu: "Ich wünsche Euch ein erquickliches Honigkuchenessen mit Domna Urszula und Domna Reska."

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Überrascht reißt Urszula die Augen auf und klimpert einige Male mit den Augenlidern. Wie bitte? Was soll das denn jetzt? Entschuldigend blickt sie an der Heilerin vorbei zu der wartenden Jana, deren Worte an Avessandro durchaus gehört worden sind. 'Nur noch einen kleinen Augenblick Geduld bitte' scheint der Blick zu sagen.
Dann wendet sich die Freiin wieder Zaünin zu und will schon zu einer leicht erbosten Erwiderung ansetzten, als sich eine Erinnerung meldet. War da vorhin nicht etwas, beinahe im Vorübergehen? Richtig, eine unbeantwortete Frage. Huldvoll wandelt sie daher das Recken des Kinns in ein Neigen des Kopfes um.
"Ich danke für die Auskunft. Wie gut, dass die Götter uns ein gastfreundliches Dach beschert haben. Möge der Aufenthalt für Euch ein angenehmer sein..." Wie war doch gleich der Name gewesen? "Tsaunin?" In der Stimme klingt eine leichte Frage mit ob der Richtigkeit der Aussprache.

OHH

So, so, es schneit also. Reska muss sich sehr zusammennehmen, um nicht lauthals über das kauzige Weib loszuprusten. Solches könnte in mehrerlei Hinsicht unangenehme Folgen mit sich bringen. Ein Zucken der Mundwinkel hingegen lässt sich nun kaum noch unterbinden und verbraucht dennoch sämtliche Geisteskraft.

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Zaünin, die sich schon wieder umwenden und ihrer Patientin widmen wollte, sieht sich unvermutet von der Freiin in ein Gespräch verwickelt. 'Es ist erstaunlich und schön, wie freundlich hier alle zu mir sind. Und jetzt thematisiert die Gurkenfrau auch noch die Güte der Götter. Wie überaus umsichtig von ihr! Nun, erwartungsgemäß ist sie sichtbar erfreut über meinen ganz aktuellen Wetterbericht, wofür auch immer sie ihn braucht.'
Dann wird ihr Name - nicht gänzlich korrekt, aber eindeutig zu erkennen - von Urszula ausgesprochen und auch noch so seltsam betont, als wolle sie etwas andeuten. 'Wahrscheinlich erwartet sie, dass ich sie im Gegenzug mit ihrem Namen anrede, der so fürchterlich lang ist und den ich nur einmal gehört habe. Das kann nur schiefgehen. Also lieber geradeheraus.' Mit einer leichten Verbeugung erwidert Zaünin daher: "Und ebenso für Euch, edle Dame. Wie darf ich Euch ansprechen?"

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Nicht zum ersten Mal an diesem Abend preist Urszula innerlich den Vorteil einer noverbalen Konversation und schätzt sich glücklich, nicht nur eine sondern gleich zwei darin ebenfalls bewanderte Gesprächspartnerinnen gefunden zu haben. Wenn die Dame D'Aminovitch jetzt vielleicht auch noch recht fingerfertig wäere... Urszulas Gedanken schweifen für einen Augenblick ab. Vor ihrem inneren Auge sieht sie Reska, Jana und sich selbst in einem Schankraum - jede für sich und gut im Raum verteilt - im Gespräch oder mit der Beobachtung der Gäste beschäftigt und sich über die Erkenntnisse mit kleinen Fingerzeigen austauschend. Zu dritt wären sie sicherlich auch in der Lage, jeder Situation Herr zu werden. Ach, Charlon hätte sicher seine Freude daran. Vielleicht sollte sie ihrem nächsten Bericht eine kleine entsprechende Notiz beifügen.
Doch jetzt ist nicht der Ort und vor allem nicht die Zeit, sich solchen Überlegungen für die Zukunft hinzugeben. Jetzt ist es Zeit, die Frage der Heilerin zu beantworten. Die Bornländerin holt tief Luft. "Ich bin Urszula Freiin Panemareiken zu Niedernebensjepengurken, welches im schönen Bornland in der Baronie Sjepengurken zwischen Niedersjepengurken und Nebensjepengurken liegt und bitte nicht mit Nebenniedersjepengurken verwechselt werden darf, welches auf der anderen Seite der Straße liegt, die von Ouvenmas nach Notmark führt. Aber bitte, nennt mich einfach Urszula."

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Bislang kam es auf der Reise ja zu keinerlei Überfällen. Doch der neuerliche Redeschwall Urszulas erzeugt in Reska nicht nur Mitleid mit der wunderlichen Wetterfrau, sondern auch mit etwaigen künftigen Räubern, welche die Freiin wohl einfach totreden könnte, sobald ihr der erbarmungslose Sinn danach steht.
Da letztere jedoch schlussendliches Erbarmen oder zumindest ein Entgegenkommen zeigt, kann sich Reska erneut der Verwunderung zuwenden, welche dieses beiderseits eher inhaltslose Gespräch noch immer hervorruft. Oder sollte dies alles nur Tarnung sein? Aufmerksam werden die Gesten der beiden Gesprächsbeteiligten in Augenschein genommen, doch lässt sich hier momentan allzu wenig entdecken. Ob der Austausch bereits stattgefunden hat?

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Vor Zaünins geistigem Auge entsteht eine Landschaft mit Hügeln und Niederungen, die geprägt ist von riesigen Gurkenfeldern. Gurkenfelder auf den Hügeln, Gurkenfelder in den Tälern, Gurkenfelder neben den Hügeln, Gurkenfelder neben den Niederungen und Gurkenfelder zwischen den anderen Gurkenfeldern. Eine ziemlich eintönige Landschaft. Kein Wunder, dass die Dame auf Reisen ist und dabei - trotz der Eiseskälte draußen - einen so gut gelaunten Eindruck macht. Ihre Tischgenossin wirkt - dem Zucken ihrer Mundwinkel zufolge - als sei sie ebenfalls sehr fröhlich. Vielleicht kommt sie ja aus der gleichen trostlosen Gegend.
Während sie Urszula zuhört und über ihre eigene Antwort nachdenkt, steht Zaünin aufrecht und regungslos da. Ihr Blick wandert nur kurz einmal zu Reskas Gesicht und hängt ansonsten an dem von ihrer Gesprächspartnerin. Gebärdensprachtechnisch könnte man sie wohl mit einer Taubstummen vergleichen.
"Vielen Dank, Domna Urszula. Möge Tsa niemals Langeweile bei Euch aufkommen lassen." Damit nickt sie erst Urszula und dann Reska zu. "Und bei Euch auch nicht."
'Das war eine angenehme Unterhaltung.' Sie will sich gerade zu Myrana umwenden, als der Heilerin ein Gedanke kommt: Diese zwei Damen hier kommen von weit her und haben bestimmt auf ihrer Reise viel gesehen und einige Geschichten gehört. Mit abwechselden Blicken zu Urszula und Reska setzt Zaünin daher noch nach: "Bevor ich mich wieder um die Verletzte kümmere, habe ich noch eine Frage an Euch beide: Wisst Ihr, wo ein goldenes Ei ist, etwa so groß?" Dabei hält sie die Handflächen einen knappen Spann weit voneinander entfernt.

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Zumindest freundlich ist sie ja, diese Tsa-Unin, oder wie sie heißt. Für einen Moment scheint es, als wolle sie gar nicht auf Erwiderung warten und schon wieder davonsausen - möglicherweise, noch anderen vom sagenhaften Anhalten des Schneiens zu berichten. Zumindest das Nicht Warten tritt vermittels ihrer ebenfalls überraschenden Frage ein. Goldene Eier. Was fällt den Leuten noch alles ein? Aber die Suche seinerzeit nach den magischen Steinen und Kraftlinien von Reska und ihren damaligen Reisegefährten war ja im Grunde auch kaum zu glauben.
Ach so, ja, die Frage. Mit einem Kopfschütteln wird verneint.

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Jetzt legt sich die hübsche Stirn der Bornländerin in nachdenkliche Falten. "Ein goldenes Ei? Also ein wirkliches Ei wie von einem Huhn - aber dann wäre es nicht so groß, wie Ihr anzeigt, also muss es von einem anderen Tier sein, und ich kenne keinen Vogel, der so große Eier legt, selbst Gänseeier sind deutlich kleiner - also ein echtes goldenes Ei dieser Größe habe ich noch nie gesehen. Man erzählt sich aber manche Geschichte, über Goldstücke die groß wie Eier sein sollen, aber auch ein solches habe ich noch nie gesehen." Mit freundlichem Bedauern schüttelt auch Urszula den Kopf.

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"Schade!" Nach einer erneuten, leichten Verbeugung zu Reska und Urszula, wendet sich Zaünin um und bemerkt den stehenden Lerano und die sitzende Myrana im Gespräch. Während die Verletzte ihre Geschichte erzählt, tritt Zaünin an deren Tisch und bietet dem Capitano mit einem Zunicken und einer deutenden Hand an, auf ihrem Stuhl Platz zu nehmen.

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Ungewohnt ernst schaut Urszula der fortgehenden Heilerin nach. So ein Mensch wie Zaünin ist ihr bislang noch nie untergekommen. Duch die fehlende Körpersprache nur sehr schwer einzuschätzen. Erneut den Kopf schüttelnd bemerkt sie zu Reska: "Seltsam, sehr seltsam."
Doch dann erhellt sich ihre Miene und sie stützt die Hände vor sich auf die Tischplatte. "Da kommen wir doch lieber zu etwas Erfreulichem, wie zu Beispiel die Aussicht auf ein nettes Gespräch bei Tee und Honigkuchen. Wärst du so nett, das kleine Päckchen aus meiner Satteltasche zu holen, das in Wachspapier eingeschlagene?" Sie nimmt die linke Hand vom Tisch und holt den Zimmerschlüssel aus der Rocktasche. Diesen über den Tisch zu Reska schiebend, fährt sie fort: "Danke Dir. Ich werde derweil Frau D'Aminovitch an unseren Tisch bitten." Letzteres Vorhaben unterstreicht sie, indem sie Anstalten macht, sich zu erheben.

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Nun tut Urszula ja gerade so, als seien ihr goldene Hühnereier hingegen nahezu geläufig!
Ob dieser Tsa-Unin das Geschwätz zu lang geworden ist, dass sie so zweisilbig wieder verschwindet? Ebensogut mag sie etwas wortkargerer Natur sein - wer hätte für solches mehr Verständnis als Reska! Allerdings drückt sich die Frau durch Gesten und Mimik ebenso sparsam aus. Vielleicht, weil sie keine Konkurrenz bei ihrer Goldsuche haben möchte, aber dann wären solche Fragen wirklich ein wenig unvorsichtig. Entsprechend ist ein Nicken auf Urszulas erste Feststellung angebracht.
Aha, da kommt die eindeutige Aufforderung als Frage getarnt. War ja klar. Reskas zweites Nicken fällt noch beiläufiger aus, da Urszula ja wohl eh keine Antwort erwartet, sondern Taten. So erhebt sich denn auch deren Begleitung, dabei den Schlüssel ergreifend.

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Redaktion und Lektorat: OHH 2019