Fragespiel

Verfasser: Astrid Brandt, Oliver H. Herde und andere

AB

Geruhsam und die hilfsbereiten Geister meidend, schlendert Urszula hinüber an den Tisch, an dem sich Reska zu langweilen scheint.
Nach kurzer Überlegung lässt sie sich so nieder, dass sie den Schankraum im Blick halten und gleichzeitig ohne allzu laut zu sprechen mit Reska reden kann.
"Ganz schön aufregend mit einem Mal", konstatiert sie mit einem Seitenblick auf die Weggefährtin. "Konntest du schon etwas zu Essen und Trinken bestellen?"

OHH

Mit Urszulas Herannahen ist die Kellergastexpedition einstweilen vergessen. Unwillkürlich lehnt sich Reska nur für einen ersten Moment ein wenig fort, als die Freiin so nahebei platznimmt.
Deren Worte lassen Reska sich mit einem Zucken leicht aufrichten. Da war ja noch was, das ganz in Vergessenheit geraten ist! "Keine Gelegenheit", genügt als Erklärung. Dass die Wirtsleute erst abwesend waren und nun anderweitig beschäftigt sind, hat Urszula ja mitbekommen können.

AB

"Hmmm..." Die Freiin ist ungewöhnlich einsilbig. Ihre Aufmerksamkeit ist derzeit von dem Schauspiel an und um den Kellerabgang gefesselt. Der Wirt, der Knecht, der vermeintliche Knecht und der Gast mit der Verabredung scheinen ein gemeinsames Problem zu haben. Worum es wohl gehen mag?
Um das eine Wort nicht allein dastehen zu lassen, fügt sie noch "Nun ja" hinzu.

OHH

Danach befragt, würde Reska ein 'Hm' mit beliebig vielen Ms wohl eher nicht als Wort betrachten, wenn auch als oftmals durchaus aussagekräftige Äußerung. Eine Überlegung, welche aus Unkenntnis der Voraussetzung nicht stattfinden kann.
Statt dessen fühlt sich Reska ob des sparsilbigen Momentes der Reisegefährtin zu einem verhaltenen feinen Schmunzeln herausgefordert. Dann schweift der Blick dem Urszulas folgend zurück zum Tresen. Aufgrund der so erheblich zugenommenen Personenzahl im Schankraum ist das Gespräch drüben tatsächlich erheblich weniger leicht zu verfolgen, zumal einer der Teilnehmer aus den Tiefen der Erde das Seine beiträgt.
Ein wunderlicher Nachmittag, wirklich!

AB

Für einen kurzen Augenblick scheint es, als würde sich die Bornländerin ebenfalls der schweigenden Beobachtung hingeben. Doch nicht lange, und sie ergreift erneut das Wort.
"Sollen wir jetzt einfach warten, bis jemand der Wirtsleute vorbeikommt? Oder ist es besser wenn wir noch einmal hinüber an die Theke gehen? Ich hatte dem Wirt schon beim Abholen des Zimmerschüssels gesagt, dass ich ein Würzbier trinken würde, aber ich fürchte, bei der Verwirrung, die da um die richtige Zimmernummer geherrscht hat, ist das vollkommen untergegangen. Seltsam, aber irgendwie scheinen heute alle ein wenig abwesend zu sein. Muss am Wetter liegen, oder nicht?"

OHH

Ein freundliches Nicken ist die Antwort. Ja, das Wetter, der zu erwartende Sturm. Der Wind heult ja bereits zunehmend um die Hausecken und durch die eine oder andere Ritze.
Aber was den Umgang mit dem Gasthauspersonal angeht, stellt sich Urszula schon ein wenig umständlich an. Immer noch darüber lächelnd, schaut Reska wieder zur Theke und hebt Aufmerksamkeit heischend die Hand.

AB

Es ist doch zum Aus-der-Haut-Fahren! Urszulas Augen verengen sich, als sie Reska in Augenschein nimmt. Macht sie das mit Absicht?
"Du kannst schon mehr als zwei Worte am Stück sagen, oder?" Vorsichtshalber fügt sie noch hinzu: "Und das ist keine Frage sodern eine Feststellung. Und wage es nicht, jetzt einmal mit drei oder vier Worten zu antworten. Oder fünf oder so. Ich meine eine wirkliche Konversation, Reska, ein Gespräch, einen Austausch von Worten und Gedanken." Der Blick ist herausfordernd, beinahe anklagend.

OHH

Genau genommen hat Reska eben doch überhaupt nichts gesagt. Angesichts Urszulas sichtlicher Verärgerung scheitet eine solche Feststellung als Antwort trotz ihrer Länge von mehr als fünf Wörtern ebenso aus wie ein dem ersten Impuls folgendes fröhliches Nicken. Statt dessen breitet sich ehrliches Erschrecken auf dem noch jungen, im Kieferbereich ein klein wenig kantigen Antlitz ab. Wimpern klimpern. Erst einmal schlucken!
"Das" - ein leises Räuspern unterbricht für die Dauer eines weiteren Wimpernschlages - "tut mir leid, aber... worüber soll ich denn reden?" Tatsächlich wirkt Reska nun fast ein wenig verwirrt und darob aufgebracht. Vielleicht auch über den Zwang, nur um des Sprechens willen sprechen zu müssen.

AB

Die Augenbrauen schieben sich voller Erstaunen nach oben. Reska spricht! Jetzt nur nichts Falsches oder zuviel sagen, damit das zarte Pflänzlein der Kommunikation nicht erdrückt wird.
"Ach, zum Beispiel was dich aus der Heimat hierher verschlagen hat", meint die Bornländerin möglichst unverfänglich.

OHH

Volltreffer. Genau über dieses Thema möchte Reska aus guten Gründen weniger sprechen als über jedes andere. Aber zum Glück gibt es auch eine offensichtliche Antwort, die Urszula eigentlich längst kennt: "Du." Aus gleich mehreren Ursachen unsicheres Lächeln begleitet dies.
Damit die Freiin aber nicht gleich wieder über die Wortanzahl schimpft, wird eilig angefügt: "Dein Auftrag." Ob das genügt? Man könnte noch ein paar Synonymphrasen hinterherwerfen wie: 'Dein Reiseziel; dein Wunsch nach einer Begleitung', doch könnte dies ebenso den Eindruck erwecken, Reska mache sich über die Auftraggeberin lustig.

AB

"Ich?" Das Erstaunen in Urszulas Stimme ist unüberhörbar. "Aber wir sind doch erst... warte mal, wo war das gleich... Also da war ich doch schon eine Weile unterwegs. Und du auch, ich meine du hast ja nicht daheim am Herd darauf gewartet, dass ich komme und dich frage, ob du mit mir gen Süden reisen willst."
Die bornische Freiin schüttelt den Kopf. "Nein, meine Gute, die Antwort zählt nicht. Also - was hat dich aus deiner norbardischen Heimat in dieses bornländische Kaff verschlagen, in dem wir uns getroffen haben?"

OHH

Nun wird es schon ein klein wenig haariger, wenn man trotz allem nicht lügen möchte, was man bereits buchstäblich daran sehen könnte, dass sich Reska etwas unschlüssig mit dem Fingerkamm durch die geteilte Haartracht streicht. Es ist ohnehin immer am klügsten, so dicht wie möglich an der Wahrheit zu bleiben, will man sich nicht irgendwann selbst widersprechen oder im selbstersponnenen Netz gefangen sein.
Also nicht hier, sondern dort... Was hat Reska da eigentlich getrieben? Nichts Besonderes eigentlich. "Der Handel", zugegebenermaßen halbherzig. Doch Urszula möchte ja viele Worte haben, ein Gespräch! "Die meisten Norbarden sind nicht sesshaft." Was der Freiin gewiss bekannt sein sollte.
Etwas hilfesuchend schaut Reska zur Theke. Etwas zu Trinken wäre jetzt bald überaus nützlich.

AB

"Ach so, der Handel. Womit handelst du denn, beziehungweise womit hast du damals gehandelt? Felle waren es sicherlich nicht, das wäre mir aufgefallen. Mein Vater ist nämlich Fellhändler, musst du wissen - oder habe ich das schonmal erzählt? Manchmal vergesse ich, was ich schon erzählt habe und was nicht."
Das Plappermäulchen ist wieder in Fahrt und lenkt so von der Tatsache ab, dass die Freiin das Unwohlsein der Norbardin nicht nur bemerkt, sondern genauestens beobachtet. 'Nicht gelogen und doch nicht die ganze Wahrheit. Du bist eine Meisterin darin, nichts zu sagen, gute Reska. So jemanden wie dich könnte ich gut an meiner Seite gebrauchen.'

OHH

Es ist ohnehin nicht Reskas Art, besonders rasch auf üblicherweise komplexer zu beantwortende Fragen zu reagieren, doch wechseltt Urszula zudem allzu schnell das Thema. Was versteckt sie hinter all den Worten, die sich so auffällig selbst wiederholen, als wäre das Vertreiben der Stille ihr einziges Ziel? Vielleicht lediglich der Wunsch, unterschätzt zu werden. Dies wirft dann allerdings die nächste Frage nach dem Grund hierfür auf.
Apropos Fragen: Zu der zweiten wird bloß beiläufig genickt, denn sonderlich ernst erscheint sie unter Berücksichtigung der vorangegangenen Schlussfolgerungen nicht. Die andere einfach zu vergessen, traut sich Reska noch nicht wieder - später möglicherweise kann man sich solches erneut erlauben, wenn das überbordende Redebedürfnis der schnatternden Freiin einstweilen befriedigt ist.
"Mit fast allem", erwidert Reska mit einem leichten Schnarren tief in der kragenummantelten Kehle. "Felle weniger, da sie recht groß sind..." Das sanfte Ausklingen der Worte scheint keine weiteren anzukündigen, sondern Urszula Raum für eigene anzubieten.

AB

"Ach, An- und Verkauf, so wie es sich ergibt, also? Eine Gelegenheitshändlerin, wie man so sagt, zumindest in Norburg. Wie überaus praktisch, denn man findet überall etwas zum An- und Verkaufen. Allerdings habe ich seit wir zusammen reisen keinerlei Handel gesehen..."
Urszula schlägt erschrocken die Hände vor den Mund. "Oh nein, habe ich dich etwa davon angehalten? Du hättest doch einfach was sagen können!" Der seltsame Klang von Reskas Stimme wird zur Kenntnis genommen. Ist ihr dies schon vorher aufgefallen? Hat sie es nur einfach nicht wahrgenommen? Aber gerade jetzt, in diesem Augenblick kommt der Bornländerin einfach alles was Reska sagt, nicht sagt oder tut äußerst verdächtig vor.

OHH

Für einen winzigen Moment fragt sich Reska, ob Urszula nun wohl auch die Worte anderer zu wiederholen beginnt. Dann wird zu deren anschließenden Feststellungen in unwillkürlicher alter Gewohnheit genickt, sowie zur Frage mit beruhigendem Lächeln und einer wischend abwehrenden Handbewegung der Kopf geschüttelt.
Erst zuletzt erinnert sich Reska verzögert an Urszulas Mahnungen und Forderungen von vorhin. Erkennend hüpfen die Brauen empor. "Nein, nein..." Aber wie weiter? Jede Ergänzung scheint weitere Erklärungen nach sich zu ziehen. Das ist Reska dann doch erst einmal zu anstrengend. Eigentlich sollte doch klar sein, dass Urszulas Brot und Lohn für die Zeit der gemeinsamen Reise weitere Arbeit unnötig macht.

AB

"Den Göttern sei Dank, das wäre mir jetzt wirklich unangenehm gewesen." Urszula zieht während sie spricht den geflochtenen Zopf nach vorn über die linke Schulter, so dass die Gravur auf der Brosche gut sichtbar ist, und spielt wie gedankenverloren mit den hervorguckenden Haarspitzen.
"Ich..." Sie bricht ab und lässt den Blick in Richtung Theke schweifen.

OHH

Nanu, wird Urszula nun ihrerseits wortkarg? Das wäre wirklich mal was Neues! Jedenfalls scheint sie Reskas kurze Antwort nicht mehr übelzunehmen. Womöglich kann man wieder zum Gewohnten zurückkehren.
Nach einem lediglich kurzen Blick auf das bebiente Wabenmuster der Spange - sollte Urszula etwa ebenfalls Mokoscha anhängen? - folgt Reskas Aufmerksamkeit der Tischgefährtin zum Tresen hin. Ach ja: nochmal die Hand heben, da der erste Versuch allerseits so überaus unbeachtet blieb!

AB

Das Verstummen der Bornländerin ist auf den Auflauf an der Theke zurückzuführen. Dort haben sich inzwischen fast alle Gäste des Ebers versammelt - bis auf die angeschlagene Reiterin sowie Reska und sie selbst. Es scheint einiges Hin und Her zwischen der Dunkelhaarigen und den Wirtsleuten zu geben, in welches dann offenbar Dom Avessandro irgendwie mit hineingezogen wird. Der interessante Capitano macht zudem ein eher verdutztes Gesicht, was darauf hindeutet, dass er von dem Gesprächsgegenstand eher überrascht ist. Da allem Anschein nach auch noch Zimmerschlüssel im Spiel sind, welche auf der Theke hin- und hergeschoben werden, kann es sich eigentlich nur um Paarungen für die Nacht handeln. Na, das verspricht ja ein äußerst interessanter Abend zu werden.
Neben all diesen Beobachtungen nimmt Urszula dann doch Reskas Bewegung wahr. "Na, hoffen wir, dass uns einer von den Wirtsleuten sieht. Die sind ja voll und ganz mit der Zimmereinteilung beschäftigt, die Armen. Wer da wohl mit wem oder auch nicht zusammenziehen will? Ich tippe ja auf die Schwarzlockige und den schmucken Capitano. Oder doch der Dom und die Dame? Wo sie doch wahrscheinlich eh aufeinander gewartet haben?"

NW

Tesden hat auch die erhobene Hand an einem der Tische registriert. Da sich der Kuddelmuddel hier nun aufgelöst hat, wird er wohl nicht mehr gebraucht. Er umrundet die Theke und hält auf Reska und die Freiin zu.

OHH

Gibt es da was umsonst? Jedenfalls scheint Reskas zweiter Versuch zunächst ebenso erfolglos wie der erste, weswegen die Hand wieder auf den Tisch hinabsinkt. Nun könnte man aufspringen und sich ins Getümmel werfen - oder man wartet einfach. Da, schon entschwindet der schuhwerklose Kapitän die Treppe hinauf, gefolgt von dem steifgefrohren wirkenden Kutscher.
Derweil versucht Urszula offenbar ein kurzweiliges Rätselspiel zwecks Zeitüberbrückung zu eröffnen. "Ich weiß nicht", erwidert Reska misstrauisch. Irgendwie wirkt das alles so... so... als fehlten noch ein paar Informationen, bevor man sich festlegen sollte. Ein klein wenig beugt sich Reska seitlich dem Tresen zu, als würde es dadurch leichter, die Stimmen zu sortieren.

NW

Auf halbem Weg zu der Freiin mach Tesden noch einmal kehrt, um die fast vergessene Teekanne wieder aufzunehmen. Mit dieser folgt er zunächst Dom Avessandro zum Kamintisch.

JuR

Am beim Kamin stehenden Tisch angekommen, stellt Avessandro den Becher an seinen alten Platz zurück. Anschließend setzt er sich selbst wieder wie zuvor an den Tisch - wobei er sich darin übt, dies möglichst geräuscharm zu vollbringen.

NW

Tesden nickt Avessandro zu, während er seinen Becher wieder mit Tee befüllt. Kurz bleibt der Wirt noch stehen, um zu sehen, ob der Gast sonst noch ein Anliegen an ihn hat.

OHH

Derweil sich am Tresen weiterhin allerlei auflöst, bis nur noch eine Einzelperson verbleibt, was das Belauschen eines Gespräches endgültig verunmöglicht, erreicht der Wirt nach einem Zwischenspiel des Hins und Hers ein anderes Ziel, als Reska erwartet hat. Also wirklich!
Der norbardische Körper richtet sich wieder auf, der etwas verdrossene Blick kehrt erneut zu Urszula zurück. Hat sie was gesagt? Nein, wohl nicht.

AB

Die Freiin ist ebenso erstaunt wie die Norbardin, als der Weg den Wirt nicht wie erwartet direkt zu ihr und Reska an den Tisch führt. Mit gerunzelter Stirn wendet sie sich an ihre Begleiterin. "Ich bin verwundert, dass es so lange dauert, bis jemand an unseren Tisch kommt. Vielleicht hätten wir uns doch direkt an die Theke setzten sollen. Aber das wird auf die Dauer unbequem, fürchte ich."

NW

Der Gast scheint alles Nötige zu haben, so macht sich Tesden jetzt doch auf zum Tisch der Freiin, die immer noch gut gefüllte Teekanne in der Hand.
"So, was kann ich für die Damen tun?"

AB

Ein strahlendes Lächeln überzieht das Gesicht der bornischen Freiin, und sie holt tief Luft. "Oh, eine ganze Menge, guter Herr Wirt, eine ganze Menge. Obwohl - Ihr habt ja schon viel getan, da Ihr und ein Zimmer in Eurer Herberge zur Verfügung gestellt habt. Ein sehr angenehmes Zimmer, soweit ich es bislang beurteilen kann. Travias Dank dafür. Doch jetzt benötigen wir Eure Hilfe um Hunger und Durst zu bekämpfen. Ist das Tee, den Ihr da in der Kanne habt? Das wäre für den Anfang sicherlich sehr angenehm. Und danach hätte ich gern ein gut gewärmtes Bier mit ein wenig Honig darin. Natürlich brauchen wir auch etwas zu Essen... lasst mich überlegen... Braten und eine Suppe vielleicht?"
Fragend schaut sie erst Tesden, dann Reska an.

OHH

Was ist eigentlich alles schiefgelaufen, um ein sich Niederlassen am Kamintisch bei dem Fräulein in Männerkleidung und mutmaßlich auch wieder dem anscheinend etwas humorlos humorvollen Kapitän zu verhindern? Soeben will Reska Luft holen, auf Urszulas Sitzplatzüberlegungen zwecks angeforderter Unterhaltung irgendeine Kleinigkeit beizusteuern, da naht der Wirt doch noch und erübrigt dieses Thema einstweilen.
Der einerseits kurze, andererseits lange Wortwechsel wird verfolgt und schlussendlich auf Urszulas an Reska gewandte und nicht ausgesprochene Frage mit einem ein wenig schüchternen freudigen Nicken und Lächeln abgesegnet.

NW

Während die Freiin weiterredet, hat Tesden bereits zwei der auf dem Tisch bereitgestellten Becher umgedreht und mit Tee befüllt. Kurz gerät er ins Stocken: Warmes Bier mit Honig? Naja, jedem Tierchen sein Plaisierchen.
Als er sich sicher ist, dass Urszula vorerst nichts weiter sagen möchte, holt Tesden Luft und antwortet: "Ich werde mal schauen, ob sich das mit dem Bier machen lässt. Diese Art Genuss ist in unseren Breiten nicht gerade üblich..." Ein leichtes Schmunzeln begleitet diese Worte. "Unser Tagesgericht ist Kohlsuppe, die kann ich Euch warm und wärmstens empfehlen. An Braten hätte ich Ochsenkeule anzubieten."

OHH

Ein kaum verändertes, allenfalls noch heller gewordenes Leuchten strahlt dem Wirte aus Reskas Augen entgegen. Wieder wird eifrig genickt. Ja, die gute Urszula ließ sich bislang nicht lumpen, sofern die Umstände es zuließen. Natürlich gibt es am Wegesrand auch immer mal schlechtere Gaststuben.
Für einen Moment glaubt Reska, die angekündigten Gerichte bereits erschnuppern zu können.

AB

Die Zustimmung der Norbardin ist unübersehbar, und so bleibt Urszula nur eins. "Das klingt alles ganz wunderbar, Eberwirt, ganz wunderbar. Dann fangen wir mit der Suppe an und lassen uns danach die Ochsenkeule munden. Und ich bin überzeugt, dass Ihr das mit dem Bier hinbekommt. Nur kochen sollte es nicht, das verdirbt den Geschmack dann doch."

NW

Tesden nickt zu den Worten der Freiin. "Ich kümmere mich darum." Damit macht er auch schon kehrt und eilt davon.

OHH

Ein wenig runzelt Reska die in der Mitte wegen der Norbardinnenfrisur ja endlos hohe Stirne. Wirklich, die gute Urszula hat Ideen! Bier kochen! Absurd.
Kurz wird noch dem fortsausenden Wirt nachgeschaut, auch wenn man da nicht mehr viel zu sehen bekommt. Da mag es nicht mehr lang dauern. Versonnen stützt Reska das Kinn wieder in die Linke. Ochsenkeule!

AB

Auch Urszula gibt sich der Betrachtung hin, allerdings mehr der des Gastraumes beziehungsweise der darin befindlichen und fehlenden Gäste. Die verunglückte Reiterin wird an dem Tisch neben der Tür versorgt. Das wird mit Sicherheit noch eine Weile andauern und bedarf derzeit anscheinend keiner größeren Aufmerksamkeit durch die Freiin.
Herr Avessandro sitzt wieder an dem kleinen Tisch, an dem er vorhin ausdrücklich keine weitere Gesellschaft wünschte, um sich auf seine Verabredung zu konzentrieren.
Sowohl der Capitano als auch die durchaus beeindruckende Dame D'Aminovitch sind nach oben gegangen. Es wird interessant werden, zu beobachten, wie sich die Sitzordnung am Tisch des Herrn Avenssandro bei der Rückkehr der beiden ordnet, denn da der Capitano zum Zeitpunkt der Äußerung ob der zu erwartenden Verabredung bereits anwesend war, kann er dieselbe nicht sein. Unter der Annahme dass die Dame D'Aminovitch nun selbige Verabredung darstellt, müsste der Capitano - der früheren Logik des Herrn Avessandro folgend - sich einen anderen Sitzplatz suchen. Es sei denn - und an dieser Stelle legt Urszula die Stirn ein wenig in Falten - es sei denn, die Äußerung von vorhin bezog sich explizit und ausschließlich auf sie selbst. Aber das wird sich in naher Zukunft ja zeigen.
Bis dahin gilt es, der guten Reska noch ein wenig auf den Zahn zu fühlen. "Ein Bier für deine Gedanken", wirft Urszula den Handschuh in den Ring.

OHH

Man könnte meinen, Reskas Brauen suchten die haarlose Schneise auf ihrem Haupte zu füllen. Sollte das Bier in mehr oder weniger beliebigem Umfange nicht eigentlich bereits Entlohnung für Reskas Begleitung sein? Aber die Gedanken darf Urszula gern erfahren: "Ochsenkeule!" Ein freudiges lächeln begleitet das zwar einsame, aber doch immerhin vielsilbige Wort.

AB

Ein tiefer Seufzer entringt sich Urszulas Brust, welche angelegentlich schwer auf- und abwogt. Ochsenkeule, was sonst. Typisch Mann, denkt immer nur ans Essen. Mit einem Mal ist die Freiin innerlich hellwach. Wieso kommt ihr jetzt gerade diese Assoziation in den Sinn?
Unter Kopfschütteln sagt sie: "Was soll ich denn nur mit dir machen? Ein-Wort-Sätze tagein, tagaus. Ist dir meine Gegenwart so zuwider, dass du mich mit verbaler Nichtachtung strafst? Du musst ja nicht ellenlange Romane erzählen - ich weiß, dass ich manchmal dazu neige, aber diese kleine Marotte wirst du mir hoffentlich verzeihen - aber ein klein wenig mehr Kommunikation würde ich mir schon wünschen. Ich hab mich doch so an deine Gesellschaft gewöhnt, da wäre es doch jammerschade, wenn sich unsere Wege demnächst wieder trennen würden."
Währenddessen rasen die Gedanken. Dass ihre Weggefährtin etwas verbirgt, ist schon lange kein Geheimnis mehr, aber sollte es etwa... Der Blick Urszulas huscht hinüber zum Kamintisch und wieder zurück zu der Norbardin.

OHH

Trennen? Völlig verdattert glotzt Reska die Freiin aus großen Augen an. Als so schlimm empfindet jene die Pausen zwischen ihrem Geplapper? Wie wäre es ihr wohl in der Zeit der Stummheit ergangen? Bei allem gehässigen Trotz sitzt der Schreck doch tief, denn die Gewöhnung beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Das kann sie doch nicht machen! Doch, natürlich könnte sie!
"Entschuldigung", kommt es kleinlaut und ein klein wenig heiser. "Ich habe doch nur ein Problem mit meiner Stimme..." Dies wird Urszula ja schon des öfteren aufgefallen sein. Es ist immer am besten, so nah wie irgend möglich an der Wahrheit zu bleiben. So beweist es jede Erfahrung.
Begierig wird der kleine durch eine Ritze geblasene Lufthauch von draußen eingesogen. Was ist das hier drinnen nur für eine Hitze! Sicher geht es Urszula genauso, da sie kurz zum Kamin hinüberlugt.

AB

Phex sei gepriesen, eine Reaktion! Für einen klitzekleinen Moment sonnt sich Urszula in dem beinahe greifbaren Unglauben ihres Gegenübers. Dann aber beschleicht sie ein Gefühl des Unbehagens. 'Bienchen, du musst deine Worte mit Bedacht wählen.' Das hat ihr die Muhme doch immer wieder gesagt. Nun, unbedacht waren ihre Worte nicht, aber vielleicht dann doch zu stark. Hat sie Reska und den Grund ihres Schweigens falsch eingeschätzt?
Mit einer beinahe impusliven Geste legt sie der Norbardin die Hand auf den Arm. "Probleme sagst du? Eine Verletzung von früher?" Sie lehnt sich ein wenig nach vorn. "Ich hab das schon manches Mal bemerkt, dass deine Stimme immer wieder ein wenig anders klingt. Und recht kratzig. Was ist denn passiert?"

OHH

Ob der ein wenig hastigen Bewegung Urszulas zuckt auch Reska ein klein wenig, doch wird die Berührung zugelassen. Eigentlich ist sie eben doch eine ganz Liebe, wie man sieht. Nun nur nicht unnötige Traurigkeit heraufbeschwören! Solches täte Reska arg leid und wäre darüber hinaus gar zu unnorbardenhaft.
Drum breitet sich ein gerührtes Lächeln auf Reskas weichem Antlitz aus. "Nichts ist passiert. Es ist ein Geburtsmakel." Erwähnungen der stummen Zeit würden die Sache nur verkomplizieren. Es ist auch ohne diesen Punkt letztlich wahr.

AB

Voller Anteilnahme blickt die Bornländerin die Norbardin an. "Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was das für dich bedeutet. Nicht kommunizieren zu können - nein, nicht reden zu können, wäre für mich, glaube ich, fürchterlich." Die blauen Augen blicken ernst und auch der Klang der Stimme ist anders als sonst. Wahrhaftiger?
Die Hand bleibt unverändert auf dem Arm der anderen - ohne Druck oder Zwang, eher wie ein ehrliches Angebot der Anteilnahme.

OHH

Ja, das kann sich Reska lebhaft vorstellen! So ein unruhiges Wesen, die Urszula! Aber wieviel davon ist echt?
Zugleich rührt und beschämt deren Mitgefühl auch. Entsprechend lächelnd legt Reska die eigene Hand auf die ihre. "Nicht so schlimm", klingt es warm und ein klein wenig rauh.

AB

"Ach Reska!" Mit diesem leisen Ausruf legt Urszula ihre zweite Hand nun wiederum auf die Hand der Norbardin. Dabei berührt zuerst der Handballen und dann jeder Finger einzeln - angefangen beim kleinen Finger - den Handrücken und bleibt dann liegen. Nach einer kurzen Pause streicht Urszula mit dem Daumen zweimal und dann nochmals zweimal ganz leicht über Reskas Handrücken. Der Blick der blauen Augen ruht unverwandt auf dem Gesicht der Norbardin.

OHH

Was wird das denn jetzt? Für ein Einfangen ist Urszulas Bewegung eigentlich zu langsam; dennoch laufen Reskas erste Gedanken genau darauf hinaus, als nun auch die Linke gleichsam gebunden ist, nachdem bereits der rechte Unterarm unter dem gesamten Stapel ruht. Auf die Dauer könnte das unbequem werden.
Aber moment mal! Nach dem ersten Unbehagen wird Reska klar, dass hier möglicherweise mehr, beziehungsweise etwas ganz anderes geschieht: Dies alles könnte wohl die Zeichensprache Atak sein, oder vielmehr genauer deren norbardische Dialektvariante. Immer vorausgesetzt, hier liegt keine Missdeutung zu, was ob der Wiederholung kaum anzunehmen ist.
Nicht allein aus Überraschung, sondern auch abgelenkt durch die Verwunderung, warum Urszula auf diese Weise ihre letztlich nicht angezweifelte Freundschaft bekundet, antwortet Reska statt des zugehörigen Zeichens mit einem leicht verstörten Nicken.

AB

Im ersten Augenblick ist Urszula enttäuscht üeber Reskas Reaktion, doch dann fällt ihr siedendheiß auf, dass ihr Gegenüber ja keine Hand frei hat. Beinahe entschuldigend lächelnd nimmt sie ihre obere herunter.
"Das beruhigt mich, dass du das so siehst", nimmt sie den Gesprächsfaden wieder auf. "Was genau war denn das Problem? Eine Verletzung ja nicht, also haben die Götter es nicht anders gewollt? Wie hast du das überwunden? Was haben die Heiler getan? Oder waren es gar nicht die Heiler, ist es einfach so besser geworden?" Die Freiin hält erschrocken inne und fragt "Gab... also konntest du... konntest du vielleicht sogar gar nicht reden?"
Die Finger bringen derweil zum Ausdruck, dass Urszula den Umstand, dass auch Reska anscheinend der norbardischen Gestensprache mächtig ist, sehr zu schätzen weiß.

OHH

So viele Fragen auf einmal! Am Ende weiß Reska schon nicht mehr recht, wie die ersten lauteten. Ebenso unschlüssig werden die neuen Gesten beobachtet. Was soll man denn nur darauf erwidern! Dass man sich freut, dass sie sich freut? Doch nein! Es gibt ja eine ganz andere Möglichkeit: die Beantwortung jener Fragen, welche Reska noch zusammenbringt.
So sprechen nun die Hände: 'Richtig, es war etwas Angeborenes, das ich durch Übung verbessern konnte.' Dieser Schuss, so fällt Reska leider erst im Nachhinein auf, könnte leicht nach hinten losgehen, sofern Urszula sich nun zur Übungsleiterin berufen fühlen sollte.

Weiter...


Ausschnittliste / anwesende Gäste / Lageplan

Redaktion und Lektorat: OHH 2019