Der junge Geweihte und das Meer

Verfasser: Oliver Baeck, Oliver H. Herde und andere

OB

Bosper schüttelt sich, als müsste er gerade die Ameisen loswerden, die über seinen Bauch krabbeln. Während der Kapitän kaut, sinniert der Geweihte: "Bei Raubkatzen hätt' ich ja früher höchstens an den Sonnenluchs gedacht. Und die größten Echsen waren die Nattern im Hesindetempel. Aber ich hab schon mitbekommen, dass das Getier da unten größer ist..."

OHH

Breit grinst der Kapitän über die liebenswürdige Unerfahrenheit seines Tischgefährten. "Ja, wirklich!" tönt er mit noch halb gefülltem Munde. "Da gibt es Libellen, so groß, dass man sie zum Apportieren von Schuhen abrichten könnte!" Sein anschließendes Lachen gewährt wieder einmal tiefe Einblicke, welche wohl allenfalls einen Zahnbrecher interessieren mögen.

OB

Bosper lächelt bei der Beschreibung des Kapitäns, sagt aber erst mal nichts dazu. Wenn er nicht aufpasst, dann überschreitet der Herr Kvalor bald die Grenze von der lustigen Geschichte hin zur Lüge. Das will er als Geweihter natürlich nicht.
"Ich würd' von euch noch gern mehr über das Meer hören", sagt er deshalb. Einmal, weil es vom Thema ablenkt. Und außerdem will er es ja wirklich wissen.

OHH

"Ach so?" stutzt der Kapitän und fürchtet ein klein wenig, der Junge möge noch gleich hier seekrank werden, wenn er nun allzu viel von brausenden Wogen und eiskalten Winden hört. "Ja nun, es gibt noch mehr Meer, das ja. Habt Ihr denn etwas Bestimmtes im Sinne, das Ihr zu wissen trachtet? Über die Eigenheiten der zyklopäischen Inseln und ihrer See wüsste ich eher nur Allgemeines zu berichten."

OB

Bosper zuckt ratlos mit den breiten Schultern. "Ich weiß ja so ziemlich gar nix übers Meer", sagt er, "drum weiß ich auch nicht, wo ich überhaupt anfangen soll mit meinen Fragen. Euern Rat von vorhin werd ich mir jedenfalls schon mal zu Herzen nehmen - das Meer kennenlernen, vom Strand aus. Ist Kuslik dafür ein guter Ort?"

CD

Gemächlich folgt Rovena ihrer Zimmergenossin und lässt ihren Blick umherschweifen. Mit einem halblauten "Guten Morgen!" grüßt sie dabei in den Schankraum.

OHH

Als Rovena wieder auf der Brücke erscheint, nickt der Kapitän ihr kurz zu. Da sie in Begleitung ist, bleibt ihr Ziel noch unklar.
Aber der Geweihte hat eine Frage gestellt! "Nun, gewiss ist Kuslik so gut wie fast jeder andere hierfür. Ich erinnere mich jetzt nicht genau an den Strand, aber der wird schon nicht allzu steinig sein", schmunzelt er. "Einfach ausprobieren! Auf See weiß man ja auch nicht immer im Voraus, was kommt. Man muss beweglich bleiben und sich der Situation anpassen."

OB

"Auch wieder wahr", nickt Bosper bedächtig. "Ich werde in Kuslik sowieso einige Zeit zubringen. So schnell lässt mich die Lichthüterin bestimmt nicht wieder weg. Da kann ich dann für mich selber schauen, wie ich das mit dem Meer am besten hinkriege."

OHH

Der Kapitän lächelt wohlwollend und nickt dazu. "Genau, Euer Gnaden. Und solltet Ihr schwimmen können, probiert doch ruhig auch dies einmal in seichtem Gewässer aus. Kostet einmal vom Salzwasser!" fällt ihm schließlich auch noch begeistert ein. "Das ist ein ganz besonderer Geschmack. Aber Vorsicht! Beim ersten Mal ist die immer geboten, so auch hierbei. Zunächst einmal ein Schlückchen, welches Ihr für einen Moment im Munde behaltet, bevor Ihr über schlucken oder nicht entscheidet."

OB

"Bis jetzt hat's gereicht, um im Teich auf der Rossweide Wasser zu treten", gibt Bosper schulterzuckend zu. Dann liegt ihm aber eine andere Frage auf der Zunge, als der Kapitän gerade vom Geschmack des Wassers spricht: "Warum ist Meerwasser eigentlich salzig?"

OHH

Da hüpft des Kapitäns sichtbare Braue und die Klappe auf der anderen Seite gleich mit. "Tja, nun... Ich würde mal annehmen, dass das Wasser viel Salz enthält. Aber was sich der Herr Efferd dabei gedacht haben mag, weiß ich leider nicht zu berichten - es sei denn Ihr möchtet das eine oder andere Seemannsgarn hierzu hören."

OB

Bosper wägt das Angebot des Kapitäns sorgfältig ab. "Seemannsgarn... Heißt es so, weil es zusammengesponnen ist? Ich möcht Euch nicht auffordern, Lügen zu erzählen. Aber wenn's Legenden und Geschichten sind, aus denen man einen wahren Kern rausschälen kann, dann nur zu."

OHH

Ratlos streicht sich der Kapitän mit seinen viereinhalb Fingern durch den struppigen Bart. "Herrje, Euer Gnaden! Ich weiß nicht recht, ob ich es verantworten soll, über solche Fragen der Kernhaftigkeit zu entscheiden! Die meisten Erklärungen sind gewiss kurzweilige Ammenmärchen. Ob beispielsweise der Herr Efferd schlichtweg bei einem Mahle seinen Salzstreuer fallenließ, vermag Euresgleichen aus dessen Kirche fraglos wesentlich besser und verbindlicher zu beurteilen. Aber wenn es so war, darf man vermutlich einen blassrosanen in gewundener Muschelschneckenform annehmen, welcher niemals leer ist..." Zu der letzten Bemerkung zeigt sich ein fröhliches Schmunzeln.

OB

Bosper muss auch schmunzeln. "Da müsste die gute Frau Travia aber mit ihm schimpfen, dass er so nachlässig mit dem kostbaren Gewürz umgeht ..."
Dann wiegt er nachdenklich mit dem Kopf. "Aber eigentlich möcht ich doch meinen, dass es kein Missgeschick war. Wenn der Herr Efferd das Meer salzig gemacht hat, dann hat er sich bestimmt was dabei gedacht."

OHH

"Nun, wer weiß schon um die alveranischen Gespräche", entgegnet der Kapitän, "oder die alveranischen Absichten!" Dann hüpft seine Braue mitsamt der benachbarten Klappe, als ihm aufgeht, dass sich ein Vertreter der Götter auf Dere bei solchen Äußerungen unbehaglich zurückgesetzt fühlen könnte. "Außer womöglich jenen, die sich alltäglich damit befassen", ergänzt er daher eilig mit einem gewinnenden Lächeln und einer auf den Geweihten weisenden Handbewegung. Zugleich sucht er nach Legenden, welche möglichst ohne Götter und Dämonen auskommen und somit unbefangeneres Gebiet versprechen.

OB

"Wissen ist zuviel gesagt", wehrt Bosper bescheiden ab. "Ich bemüh mich. Und manchmal versteht man einen kleinen Zipfel." Dann beißt er mal wieder einen Happen von seinem Brot ab. Da hat der Kapitän jetzt die Gelegenheit, was zu erzählen.

OHH

'Ist ja auch nicht sein Tisch', fährt es dem Kapitän durch den Sinn, doch nach außen hin wird dies umformuliert: "Nun, Ihr seid ja auch für ein anderes Gebiet zuständig, sozusagen."
Der Anblick des kauenden Geweihten ruft den Appetit in Erinnerung - nicht einen auf den Priester, sondern auf das Frühstück. Daher schiebt auch der Seebär sich einen ordentlichen Happen in den Rachen. Der als Nachtisch geplanten Grütze gilt ein kurzer Seitenblick, als wolle er schauen, ob sie noch an ihrem Platze harrt. Dann betrachtet er wieder sein Gegenüber. Will der nun Märchen oder nicht? "Möglicherweise" - er muss erst einen Teil herunterschlucken, bevor er mit weiterhin recht vollem Munde recht geübt weiterspricht - "wäre die Meinung eine Gewürzhändlers für Euch von Interesse, welche etwas gelehrter daherkommt?" Nun kann erst einmal rasch weitergemahlen werden.

OB

Bosper setzt zu einer Antwort an. Im letzten Moment besinnt er sich. Erst mal kauen und schlucken, dann reden. "Wenn's ein Gewürzhändler ist, dann kennt er sich mit sowas aus. Das würd mich auf jeden Fall interessieren."

OHH

"Wohlan..." rückt der Kapitän sich bedeutungsvoll auf dem Stuhl zurecht, obgleich ihm der Wert jener Spekulationen ungesichert erscheint. "Er war Mitreisender auf unserer Potte in meiner kurzen Zeit dort als Maat. Brabaker wie ich, übrigens.
Er meinte einmal, das Salz käme aus Minen auf dem Meeresgrunde und löse sich dort langsam auf und verteile sich im Wasser über die Meeresströmungen. Wobei er es ausdrücklich offen lassen wollte, ob dieser Vorgang womöglich bereits abgeschlossen sei oder über kommende Jahrhunderte der Salzgehalt noch ansteige."

VW

Gemessenen Schrittes, wie es sich für die Hauptperson eines Charakterstückes gehört, gleitet die Dame langsam und bedächtig die Treppe hinab, den Schankraum im periphären Blick, aber nonchalant den gesamten Speiseraum grüßend. Kurz bleibt sie stehen, als sie der enteilenden Köchin gewahr wird, die Stirne gerunzelt, was die Frau zu derartiger Eile antreiben könnte. Doch der kurze Halt wird gekonnt überspielt, indem ein weiteres Mal freundlich der Gaststube die volle Aufmerksamkeit zugebilligt wird. Dann geht es, tänzerischen Schrittes, weiter die Stufen hinab.

OB

Bosper nickt bedächtig. "Salzminen, hm..." Klingt erstmal nicht verkehrt. "Aber wer soll die denn angelegt haben?"

VW

Gemächlich folgt die Dame der Treppe in den Schankraum. Ein orientierender Blick, ein kurzes Nicken in die Runde, wobei ihr Blick jeden Einzelnen einzufangen scheint, dann die Überlegung: Zur Theke und dort die Bestellung aufgeben oder sich an einen Tisch setzen und warten?

OHH

Da kommt ja wieder diese interessante alte Dame von gestern Abend herab! Freundlich nickt der Kapitän ihr zu, da er für einen Moment das Gefühl hat, direkt angesprochen zu sein.
"Hm? Oh! Angelegt...? Muss die jemand anlegen? Ich dachte, sie seien einfach da. Von mir aus mögen sie von irgendwelchen Göttern angelegt sein, wenn Ihr dies meint - Euer Gnaden. Allerdings fehlt mir die geistliche Schulung, die Zuständigkeit für Salz zu beurteilen. Es wird wohl nicht Travia sein, vielleicht aber Ingerimm? Freilich müsste dies möglicherweise vor der Schaffung der Meere geschehen sein, da der Schmied wohl allzu wenig für Wasser übrig hat, es sei denn zum raschen Erkalten des Werkstückes."
Hoffentlich gerät das Gespräch nicht immer tiefer in solche sakralen Themen hinein! Am Ende bekommt das Jungchen doch noch Lust aufs Zündeln...

VW

Das freundliche Lächeln wird erwidert, ehe die Dame zu einem Etschluss kommt und sich am mittleren Tisch niederlässt. Dann schaut sie auffordernd in Richtung der Theke, hinter welcher der Wirt steht. Dieser hat zwar bereits zwei Kunden, die scheinen aber noch nicht einig, wie die Blicke auf die Tafel mit den Speisen verrät. Vielleicht lässt sich der Wirt dann ja darauf ein, sie selbst vorzuziehen, was sie mittels Blicken zu befördern anstrebt.

OB

Wieder hört Bosper den Worten des Kapitäns aufmerksam zu. Viel zum Nachdenken sagt der da. Vor Erschaffung der Meere? Waren die nicht schon immer da?
"Ich glaube", sagt der Geweihte und schluckt noch rasch den letzten Bissen runter, "vielleicht geht's gar nicht so ums Woher. Also, wie das Salz ins Meer kommt. Sondern ums Wozu. Wenn man das meiste, was es an Wasser gibt, nicht trinken kann - dann ist vom Rest jeder Tropfen kostbar. Also geht man besser damit um."

OHH

Immerhin, ein erwiderndes Lächeln. Mehr kann ein altes Wrack ohne Schatz wohl nicht von so einer feinen Dame erwarten. Dennoch wäre es ja hübsch gewesen, wenn sie sich zum Beispiel des Geweihten wegen mit an den Tisch begeben hätte. Speist wohl lieber allein oder erwartet noch wen.
Wider richtet sich das Auge auf besagten Praiosdiener und drückt vermittels erweiterter Öffnung und mit Hilfe erhobener Braue ein gewisses Erstaunen aus. "So vermeint Ihr, der Herre Efferd möge die See versalzen haben, um den Menschen eine höhere Achtung vor den Flüssen hervorzulocken?"

OB

"So ungefähr", erwidert Bosper. Nachdenklich ergänzt er: "Und ich finde, man kann auch noch an was anderes denken: Wasser ist kostbar - das weiß jeder, der schon mal richtig Durst hatte. Und Salz ist auch kostbar. Aber zwei Kostbarkeiten zusammen sind wertlos."

OHH

Da muss der Kapitän erst einmal die Braue heben, wo sie auch einstweilen bleibt wie ein Segel unter Südwind. Das sind ja alles ganz neue Ansichten für ihn. Zumal er Wasser und Salz eher als notwendig denn als kostbar bezeichnet hätte. Sicher, an manchen Orten muss man für das eine oder andere reichlich Münzen abzählen. Auf hoher See kann beides knapp werden, wenn es nicht gelingt, sie voneinander zu trennen. Fredo und der Jahrmarktsfuchtler hatten da ja so ihre Theorien, aber zum Glück waren man nie darauf angewiesen, derlei auszuprobieren. Das klang allzu aufwändig und ineffektiv.
Doch zurück zu der ersten Idee: "So würde der Herr Efferd die Menschen womöglich gar nicht recht gern auf seinen Meeren, sondern lieber auf den Flüssen sehen?" Mancherlei Sturm könnte dies untermauern.

OB

"Ne, ich denk schon, dass die Seefahrt efferdgefällig ist", sagt Bosper mit ein bisschen Unsicherheit in der Stimme - er als Landratte kann sich da eigentlich kein Urteil erlauben. "Sonst gäb's nicht so viel davon."
Er überlegt noch ein wenig, aber seine Ideen wollen einfach nicht zusammenpassen. "Ich muss es mir wohl selber anschauen, bevor ich's versteh."

OHH

Viel Seefahrt ist ein gutes Argument - es sei denn, Efferd und andere Meeresgottheiten seien sich uneins zerstritten und jeweils für sich nicht stark genug, jeden Kahn zu versenken. Nach Zwist sieht es ja ohnehin aus, was bei all den Göttern, Halbgöttern und Dämonen ja auch kein Wunder ist. Zudem kann sich der Kapitän schwer vorstellen, wie ein noch so mächtiges Wesen an mehreren Dingen gleichzeitig arbeiten sollte, wenn jene hunderte von Meilen trennen. Aber wie auch immer; was weiß er schon!
"Ja, die eigene Betrachtung ist sicherlich bei den meisten Sachverhalten eine Voraussetzung." Dies mag zugleich eine Erklärung für Kvalors Unverstand bieten: Es geruhte noch kein Gott oder Dämon, mit ihm direkte Bekanntschaft schließen zu wollen. Es sei denn, der eine oder andere Rondrikan sei einer in solcher Verkleidung gewesen.

OB

Bosper kaut erst auf seinem Brot, dann auf einer Frage herum. Er hat nun in seinem Leben schon eine Menge Zeichen gesehen und gedeutet. Aber selbst wenn Gevatter Boron ihm noch fünfmal zwölf Jahre schenkt, wird es nicht reichen, um alles zu verstehen. Wie sieht es bei dem Tischgenossen aus, der schon ein paar mehr Jahrzwölfte auf dem Buckel hat?
"Versteht Ihr das Meer?" fragt er scheinbar unvermittelt.

OHH

Wieder hüpft die Braue, diesmal gleichsam so stark, als würfe sie den Kapitän rücklings - jedenfalls lehnt er sich erst einmal wieder zurück und kauft dann seinerseits noch ein wenig zuende. Dies weniger, um höflich den Mund zum Sprechen frei zu haben, als für eine kurze Überlegung.
"Ein gutes Stück weit, das möchte ich meinen. Gewiss mehr als viele. Aber dies gilt für das Südmeer, wohlgemerkt. Wir kennen drei Meere, die auch jeweils untergliedert werden können, je nach genauerer Gegend."

OB

"Also ist Meer nicht gleich Meer?" fragt Bosper ein bisschen erstaunt nach.

OHH

"Oh nein!" erwidert der Kapitän, indem er sich vorbeugt und mit beiden Armen zwar nicht wild gestikuliert, aber doch eine unterstreichende Bewegung andeutet. "Je nach Küstenverlauf oder offener See gibt es verschiedene vorherrschende Strömungen und Winde. Auch die Tiefe spielt stets eine Rolle. In zu flachem Wasser kann das Schiff auflaufen. Solche Stellen kann es auch an ganz unvermuteten Stellen fernab der Küsten geben oder bei manchem Archipel. Im Südmeer gibt es auch Tangfelder, welche eine Weiterfahrt behindern können. Ferner hat natürlich jedes Meer eigene Klimabereiche und eigene Tierwelten."
Schon holt er Luft für weiteres, aber das hebt er sich dann doch einstweilen auf. Möglicherweise möchte das Jüngchen ja auch erst einmal Luft holen.

OB

Bosper hört aufmerksam zu. Wenn ihn die Nähe des Kapitäns stört, dann merkt man es ihm auf alle Fälle nicht an. Vielleicht hat er schon Schlimmeres gerochen als einen frisch gewaschenen Seebären.
"Da sagt Ihr was", erwidert er dann. "Ich hab schon so oft gehört, dass es in unserer Kirche verschiedene 'Strömungen' gibt. Jetzt weiß ich endlich, woher das eigentlich kommt."

OHH

Noch nie hat sich der Kapitän Gedanken darüber gemacht, dass viele Begrifflichkeiten und Redewendungen der Seefahrt auch in die Sprache der Landratten Aufnahme finden. Anerkennend nickt er und streicht sich den Bart. "Ja, sowas! Da mögt Ihr recht haben! Pottsdonner, das finde ich interessant! Gibt es noch mehr solche Sprachbeute unter der Landbevölkerung?"

OB

"Hab ich selber noch nie drüber nachgedacht", antwortet Bosper. "Werd ich wahrscheinlich selber erst merken, wenn ich das Wort dann von Seeleuten höre. Hm. Vielleicht am ehesten noch was mit Fischen. 'Im Trüben fischen' oder so."

OHH

Ein Nicken des Kapitäns bestätigt dessen Verständnis bezüglich bislang nicht erfolgter sprachwissenschaftlicher Erörterung. Fischer hingegen erscheinen ihm nicht unbedingt im engsten Sinne als Seeleute, dennoch erwidert er erfreut: "Vortrefflich!" Immerhin fällt ihm selbst ja auch noch kein besseres Beispiel ein. So gerne würde er etwas vom Stapel lassen, aber einstweilen scheint er getrandet, geradezu auf Grund gelaufen. Das Auge weitet sich. "Pottsdonner, ich glaube, mir fallen gerade noch welche ein!"

OB

"Dann lasst mal hören, Herr Kapitän", erwidert Bosper. "In diesen Wörtern muss eine Menge Wahrheit stecken, wenn sie auch für andere Dinge passen."

OHH

"Nun, ich bin nicht ganz sicher", räumt der Kapitän ein, "ob die Redewendungen des irgendwo Strandens oder Aufgrundlaufens aventurienweit verwendet werden oder nur in den Küstenstädten des Südens. Insbesondere ersteres wird da ganz gern benutzt."

OB

"'Auf Grund laufen' hab ich am Yaquir auch schon gehört", überlegt Bosper laut. "Sandbänke hat's ja im Fluss genauso. Aber wenn's übertragen gemeint ist, würd man im Garetischen dazu wohl eher 'sich verrennen' oder 'in eine Sackgasse geraten' sagen." Er grinst ein bisschen bei dem folgenden Gedanken: "Straßen hat's auf dem Wasser ja nicht."

OHH

Die Information über Garethische Sprachgewohnheiten nimmt der Kapitän kommentarlos zur Kenntnis. Was sollte er auch dazu äußern! Doch den letzten Nachsatz kann er so nicht recht stehen lassen. "So würde ich es nicht formulieren, denn nicht nur bei Flüssen, auch auf hoher See spricht man bisweilen von Wasserstraßen, wenn es um vielbefahrene Routen geht."

OB

Über diese Bemerkung muss Bosper offenbar etwas nachdenken. "Wasser-straßen", wiederholt er sinnierend. "Klingt komisch für mich. Weil Straßen doch was sind, was man baut."

OHH

Ein guter Einwand, dennoch sucht der Kapitän sogleich nicht nur nach einer Erklärung, sondern auch nach Gegenbeispielen. "Es ist wohl mehr so eine Art Metapher, eine Wortübertragung. So etwas gibt es doch häufiger." Allerdings steht er diesmal etwas standfester auf dem Tau, was die Beispiele angeht.
Allerdings ist er niemand, der rasch aufgibt. "Ah, vielleicht habt Ihr schon einmal davon gehört, das man sich einen Ast lachen könne." Vielleicht nicht das passendste Exemplar, aber als Sprachwissenschaftler ist Kvalor ja noch Einsteiger.

OB

"Ich lach mir'n Ast und setz mich drauf und baumel mit'n Beinen", gibt Bosper schmunzelnd zurück. "Kenn ich. Keine Ahnung, wo das herkommt."

OHH

Nachdenklich kratzt sich der Kapitän an der gerunzelten Stirne. "Möglicherweise von den Mohas, den Waldmenschen." Die Ergänzung mag nützlich sein, falls der Geweihte den Begriff jenes Volkes nicht kennt.
Dann beugt er sich einer Idee folgend mit einem vorsichtigen Seitenblick auf den Elfen drüben etwas zu seinem Gesprächspartner vor und setzt wesentlich leiser hinzu: "Oder von den Spitzohren? Womöglich können die das wirklich!"

OB

"Vielleicht nicht mit Lachen", grübelt Bosper laut vor sich hin. "In meiner Heimat hat's ein paar Elfendörfer. Ziemlich verstreut, findet man gar nicht. Aber ich habe gehört, dass sie Bäume verzaubern können. Mit ihren Liedern, sagt man."

OHH

Bedeutungsvolles Nicken des Kapitäns ist dessen erste Antwort. "Da seht Ihr es, Euer Gnaden!" raunt er immer noch gedämpft. "Lachen und Singen sind ja doch Tätigkeiten, welche bisweilen durchaus zusammengehören." Nun stellt er sich die Elfen nicht gerade in einer Hafenschenkensauferei vor, aber die werden schon irgendeine andere, eigene Art zu Feiern haben.
Tratscht da nicht jemand über einen Kapitän? Im Zweifelsfall wäre wohl Kvalor gemeint. Aufmerksam geworden schaut er Richtung Theke, wo die Quelle der Worte und somit seiner Mutmaßungen in Gestalt von Rovena und einer dem Anschein nach recht guten Bekannten von ihr weilt.

OB

"Stimmt", sagt Bosper. "Jedenfalls pustet beides einen mal ordentlich durch, und das kann bestimmt nicht schaden."
Kaum hat er's gesagt, kommen ihm aber Dispute in den Sinn. Wie war das noch mit Lachen im Tempel? Mutter Praiadne hat ihn immer getadelt, wenn es am nötigen Ernst fehlte. Aber erreicht man die Herzen der Menschen nicht viel besser, wenn man sie ein bisschen zum Lachen bringt?
Der Geweihte wiegt den Kopf hin und her. Sein Blick geht von links nach rechts und wieder zurück. So als würde er aufmerksam zuhören, wenn kluge Leute reden.

OHH

Da der Geweihte spricht, ist es nicht an des Kapitäns Aufmerksamkeit, länger am benachbarten Tresen zu verweilen - zumindest nicht in Gänze. Das linke Ohr wird genügen. "Wahrlich, da sagt Ihr ein wahrhaftiges Wort! Freudlos geht der Mensch zugrunde. Ich nehme an, das gilt für alle höheren Lebewesen. Man sehe sich nur die Delphine an!"

OB

Bosper dreht sich verblüfft zum Kapitän. "Delfine? Das müsst Ihr mir jetzt erklären." Wenn man aus dem Binnenland kommt, kennt man Efferds heiliges Tier nur vom Sternenhimmel.

OHH

Großmütig lächelnd, weil er dem Jungchen gleich noch weitere Lehre erteilen darf, räkelt sich der Kapitän auf seinem Platze kurz zurecht und erwidert dann: "Tjaaa... Ich kann mir wohl denken, dass Eure Gnaden noch keinen hat lachen hören. Das ist ein recht fröhliches Volk, und obendrein sehr menschenfreundlich. Drum ist auch mal einer fast eingegangen, als ihn ein Grande Al'Anfas hat fangen lassen."
Zwar mag dieses Thema den Elfen drüben nicht mehr berühren und ihn somit auch schwerlich beleidigen. Dennoch ist jenem, der einmal auf einer Insel Plantagenarbeit für das Sklavenhalterpack hat leisten müssen, schon wieder die Stimme vertraulicher geworden. Auch in den südlichen Häfen wusste man nie so recht, ob nicht ein Spion dieser Brut mithört.

OB

Bospers großen Augen sieht man an, dass der Kapitän da gerade mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat. "Volk? Fröhlich? Menschenfreundlich? Also, das MÜSST Ihr mir jetzt genauer erklären."

OHH

Dass der Realismus der Tierdarstellungen in Tempeln doch sehr von den Erfahrungen und auch den Absichten des jeweiligen Künstlers abhängt, ist dem Kapitän selbstverständlich nicht unbekannt. Um so weniger können solche Figuren oder Bilder den Charakter oder die Laute eines Wesens wiedergeben.
"Diese Tiere sind durchaus erstaunlich vernunftbegabt, will ich meinen. Oft schon sind sie dem einen oder anderen Ertrinkenden zur Hilfe geeilt. Auch merkt man deutlich, dass sie ebenso spielen können wir Kinder - im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen ihr Körper bietet, natürlich."

OB

"Das würd ich gern mal mit eigenen Augen sehen", sagt Bosper. "Gibt es Delfine vor Kuslik?"

OHH

"Südlich genug sollte es sein", überlegt der Kapitän. "Sie mögen es gern warm, die klugen Biester." Sein Lächeln beweist den liebevollen Charakter dieses scheinbaren Schimpfwortes. "Aber davon ab sind sie in allen Meeren verbreitet, soweit ich weiß. Nur freilich nicht unbedingt so zahlreich, dass man bloß an eine Küste zu treten braucht und einem gleich einer entgegenspringt."

OB

Bosper lauscht weiterhin gebannt. Grad als er sich vorstellt, wie ihm beim Strandspaziergang in Kuslik ein Delfin begegnet, da macht der Kapitän die Hoffnung aber schon wieder fast zunichte. Etwas ernüchtert kommt der Geweihte auf den Boden der Tatsachen zurück. Und da fällt ihm auf, dass ihm ein ziemlich wichtiger Schnipsel noch fehlt.
"Wie groß sind Delfine eigentlich?" Bei den heiligen Tieren der Zwölfgötter ist die Spanne ja ziemlich weit, so zwischen Eidechse und Stute.

JaR

Die Bardin wartet keine weitere Antwort ab und geht die wenigen Schritte zu dem Tisch, an dem sich Bosper und der Kapitän unterhalten. Am Tisch angekommen, sagt sie erst einmal nichts, um niemandem ins Wort zu fallen.

OHH

"Hui, na wenn du so fragst", lacht der Kapitän", dann zumindest nicht so unterschiedlich wie Haie!" Noch ein wenig mehr zu lachen, wird wohl erlaubt sein, zumal er sich bewusst ist, wie wenig der Bursche als Paradelandratte wohl mit einer solchen Information anfangen können wird.
"Mal ernsthaft, J... Euer Gnaden: Würdest du bei Pferden auch so fragen? Natürlich gibt es verschiedene Sorten! Die meisten messen wohl so zwei bis zweieinhalb Schritt Länge, aber manche erreichen ohne weiteres deren" - eine Bewegung lässt ihn kurz aufschauen - "vier!"
Holla, die junge Schönheit, Rovenas Freundin! Ein Prachtweib, fraglos. Für einen erfahrenen alten Seeknochen wie Kvalor allerdings inzwischen eher was zum Anschauen als zum Träumen.

OB

Bosper lächelt ein bisschen säuerlich. Passiert öfter mal, dass man ihn nicht richtig ernstnimmt, weil er noch so jung ist. Was soll's, die Leute wissen's halt nicht besser. Immerhin, eine Antwort gibt ihm der Kapitän auf seine Frage. Da zieht der Geweihte staunend die Augenbrauen hoch. So groß hätte er sich die Delfine bestimmt nicht vorgestellt.
Aber der Kapitän hat selber eine Frage gestellt, und die will Bosper ordentlich beantworten: "Bei Pferden würde ich's nicht fragen, weil ich die kenne. Und selbst wenn ich noch keins gesehen hätte, dann wüsst ich wenigstens, dass Menschen auf ihnen reiten oder dass sie Karren ziehen. Da hätt ich wohl eine Ahnung, wie groß sie dafür sein müssen."
Dann bemerkt auch er, dass jemand an den Tisch getreten ist. Eine leichte Röte huscht über seine Wangen, als er die Gäste erkennt. Mit einem kurzen Seitenblick zum Kapitän - sieht nicht so aus, als würde der was dagegen haben - sagt Bosper: "Wollt Ihr Euch zu uns setzen?" und deutet auf die freien Stühle.

JaR

Das Gespräch von Seemann und Geweihten ergibt für die Nivesin nicht wirklich Sinn, außer dass es irgendwie um die Größen von Pferden zu gehen scheint. Nun, das mag sich vielleicht aufklären, aber da Bosper sie an den Tisch einlädt, ist das ein Problem für später.
"Sehr gerne", erwidert sie, während sie noch ein Stück weitergeht und dann auf dem Stuhl Platz nimmt, von dem aus sie die Theke im Blick haben kann.

NW

Nachdem die Damen sich jetzt für einen Tisch entschieden haben, folgt Tesden ihnen unauffällig, um dort angekommen zwei Becher mit Tee zu befüllen.

OHH

Für den Kapitän gibt es noch keinen Anlass, das Gespräch zu beenden, solange die Mädels und der Wirt sich nicht einmischen. An Deck muss man auch gegen den Sturm anschreien, da wird er das hier auch in Ruhe zuendebringen, und wenn es nur um die Klärung eines kleinen Missverständnisses geht: "Ich meinte ja, dass es auch bei Pferden Unterschiede gibt, soweit ich weiß - sehr kleine und sehr große." Dabei deutet er ausgerechnet mit dem Haken verschiedene Höhen an, die jedoch fraglos nicht wörtlich oder vielmehr bildlich zu nehmen sind, käme er doch im Sitzen schwerlich an die Schulterhöhe der meisten Pferderassen, mag er sie nun benennen können oder auch nicht.

OB

Mehr Fragen zu Delfinen fallen Bosper erst mal nicht ein. Aber das ist eine gute Gelegenheit, die beiden neuen Tischgenossinnen ins Gespräch zu holen. "Der Kapitän erzählt mir grad vom Meer", erklärt der Geweihte den Frauen.

JaR

"Habt vielen Dank", sagt die Bardin zu dem Wirt, der den Tee für sie und Rovena an den Tisch bringt.
Danach kehrt ihre Aufmerksamkeit wieder zu dem Gespräch der anderen zurück, wobei sie versucht, die gehörten Dinge miteinander in Verbindung zu bringen. Bospers Erklärung hilft dabei nicht wirklich weiter, denn was haben Pferde, von denen der Kapitän spricht, mit dem Meer zu tun? Gerade rechtzeitig, bevor sie eine entsprechende Frage ausspricht, wird der jungen Frau klar, dass da noch ein kleines, aber wichtiges Wort gesagt wurde - nämlich 'auch'. Das klärt zwar das eine Rätsel, aber wirklich mehr Sinn ergibt das Gehörte damit immer noch nicht.
"Das ist interessant", antwortet sie dann, wobei offen bleibt, auf wessen Worte sie sich dabei bezieht, denn ihr Blick ist zuerst nur auf den Tee gerichtet.
Erst danach hebt sie den Blick und sieht den Kapitän direkt an. "Leider fühle ich mich auf Schiffen nicht wohl, so dass meine Erfahrungen mit dem Meer auf das beschränkt sind, was man in Hafenstädten oder am Strand davon sieht. Aber das heißt natürlich nicht, dass mich das Meer nicht interessiert."

NW

Da alle am Tisch wunschlos glücklich zu sein scheinen und sich auch die Damen bereits in das laufende Gespräch eingeklinkt haben, geht Tesden mit der mittlerweile fast leeren Kanne zur Theke zurück.

OHH

Kurz zucken die sichtbare und die klappenverdeckte Braue des Kapitäns aufeinander zu. Dass er in diesem Hause keine neuen Matrosen finden würde, hat sich ja bereits lange abgezeichnet. Vielleicht war es von Anfang an nicht zu erwarten, weil man hier schlicht zu weit von der Küste entfernt ist. Entsprechend unwahrscheinlich bleibt die Aussicht, auf jemanden aus der alten Mannschaft zu treffen, bevor Kvalor endlich wieder die Küstenbereiche erreicht. Deswegen jedoch zu Fuß dorthin aufzubrechen, fällt ihm freilich nicht ein. Solange Rovena das einzig gesicherte und obendrei kostenlose Transportmittel bietet, wird er sich ihren Irrfahrten unterwerfen müssen.
Aber das Mädel wartet sicherlich auf eine Reaktion. "So ist es also ein rein theoretisches Interesse, wenn ich recht verstehe. In welcher Form und woraus entstanden, wenn ich fragen darf?"

OB

"Da wisst Ihr mehr vom Meer als ich", wirft Bosper auf die Bemerkung der schönen Frau ein und schmunzelt selbst, weil's so lustig klingt. Aber das Gespräch überlässt er gern dem Kapitän, der weiß nämlich noch mehr vom Meer.

JaR

Auch Nakila schmunzelt beim Wortspiel des Geweihten, doch kehrt ihre Aufmerksamkeit rasch zu dem Kapitän zurück. Mit einer Rückfrage nach ihrem Interesse hat sie nicht gerechnet, so dass sie dazu nicht sofort etwas sagt.
"Das ist eine gute Frage", antwortet sie schließlich, "aber sie hat eine ganz einfache Antwort: Ich bin Bardin und Geschichtenerzählerin und als solche einfach sehr, sehr neugierig. Wenn es dann noch um Gegenden geht, die ich eher nicht selbst besuchen werde, dann interessiert mich das noch mehr - wie eben das Meer."

OHH

'Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr.' Kennt man ja hinreichend. Dem Kapitän weiß dies kein Schmunzeln zu entlocken, zumal er es erst aus dem Gegrinse seiner Tischgefährten recht bewusst gewinnt.
Eine Bardin auf beständigem Materialfang also. Nun besser kein Wort mehr von dem Schatz! Mitsuchen würde sie ja nach eigener Aussage selbst nicht wollen. Rovenas Einstellung schien ja ebenfalls eine zumindest gespaltene. Wie hingegen würde wohl als drittes der Geweihte des Praios dazu stehen? Immerhin stammt alles aus Raubzügen.
"Ahja", ist nach all diesen Überlegungen zunächst die einzige Schlussfolgerung; allzu allgemein sind des Mädels Aussagen. So unbestimmt, dass er nicht einmal weiß, ob sie auch gerade jetzt etwas hören möchte, geschweige denn, was im Einzelnen denn überhaupt.
Sein etwas ratloser Blick schweift zur Breischüssel hinab. Darauf hat er jetzt Kohldampf! So zieht er sie heran, höflicherweise dabei freundlich wieder das Mädel ansehend, damit es sich nicht beiseitegestellt vorkommt.

OB

Bosper gönnt dem Kapitän die kleine Pause und den Brei. Drum nimmt jetzt er den Gesprächsfaden wieder auf. "Warum zieht's Euch denn nicht ans Meer?" fragt er die Bardin. "Von hier aus is' es doch nicht mehr weit."

JaR

"Tatsächlich bin ich von Bethana aus nach hier gekommen", antwortet die Bardin, "und vorher bin ich an der Küste entlang nach Norden gereist. Da habe ich das Meer durchaus oft zu Gesicht bekommen. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht mag oder nicht sehen will - ich fühle mich einfach nur auf Schiffen nicht wohl." Nach einem Blick zum Kapitän ergänzt sie: "Das liegt natürlich nicht an den Menschen auf den Schiffen, sondern eher an dem vielen Wasser ringsherum."

OHH

Vergnügt schmunzelt der Kapitän vor sich in und schluckt zumindest den Hauptteil des Mundinhaltes herunter, um hinreichend deutlich sprechen zu können: "Ich habe auch zu keiner Zeit angenommen, eine Meeres- oder Schiffsabneigung könne wesentlich auf den einen oder anderen Seefahrer zurückzuführen sein." Man kennt die Landratten ja halbwegs.
Schwupps, verschwindet der nächste Löffel Breis in seinem aufgesperrten Rachen.

OB

"Da habt Ihr mir etwas voraus", sagt Bosper zu der Bardin. "Mir steht die Schiffsreise erst noch bevor. Aber der Kapitän hier hat mir schon ein paar richtig gute Ratschläge gegeben."

JaR

Die Bardin sieht den Geweihten etwas verwirrt an, bis ihr klar wird, dass man 'an der Küste entlang' in Zusammenhang mit der Seefahrt auch etwas anders verstehen kann. "Die kann ich Euch nicht geben und ich habe Euch da auch nichts voraus. Ich bin entlang der Küste gereist, aber schön sicher und trocken auf dem Land."

OB

Auch Bosper stutzt kurz. Wie schnell doch ein Missverständnis entstehen kann! Und wie rasch man jemanden einen Lügner nennen könnte, bloß weil man nicht versteht, was er eigentlich meint.
"Na, das werd ich nicht können", entgegnet er. "Auf die Zyklopeninseln komm ich wohl nicht zu Fuß."

CD

Bosper und Kvalor freundlich zunickend, hat Rovena auf dem verbliebenen Stuhl am Tisch Platz genommen und lauscht schweigend dem Gespräch. Schließlich ist es recht schwer mitzureden, wenn man nicht weiß, wovon gerade geredet wird. Schnell wird das Thema der Unterhaltung klar. Dennoch widmet sich die Blonde erst einmal dem Tee und nimmt einen Guten Schluck aus dem Becher, während sie das Gespräch weiter verfolgt.

OHH

Über das Lob des Geweihten zufrieden vor sich hin schmunzelnd, schiebt der Kapitän den nächsten Löffel in den Mund. Ach, lecker! Ein gut beginnender Tag! Da wird sich auch alles Weitere vielleicht bald finden.

OB

In das beredte - oder gefräßige - Schweigen am Tisch spinnt Bosper seine Bemerkung fort: "Manchmal kann man sich's halt nicht aussuchen, wie man reist."

JaR

"Das stimmt wohl", erwidert die Bardin, "und leider sorgt das auch dafür, dass manch interessanter Ort unerreichbar bleibt." Sie nippt kurz an ihrem Tee. "Die Zyklopeninseln würde ich auch gerne einmal besuchen, aber solange mir niemand ein fliegendes Pferd schenkt, werde ich das wohl nicht tun können."

CD

Rovena schmunzelt bei den Worten der Bardin. Immerhin hatte Bosper ja erst am Vorabend von einer fliegenden Mitreisegelegenheit erzählt - wenn auch von einer, die nun wahrlich nicht alltäglich ist. Aber das sind fliegende Pferde ja auch nicht unbedingt.
"Hmm... da können Rosinante und ich wohl eher nicht weiterhelfen", meint die Blonde dann, "Rosinante ist ja eher fürs gemächliche Überlandreisen zu haben. Wasser mag sie auch nicht so, wenns nicht gerade der Wassertrog ist."

OHH

Fast könnte man meinen, die Herrschaften sprächen vom Kapitän und seinem gesunkenen Schiff, da es um eingeschränkte Reisefreiheit geht. Mit einem fliegenden Ross könnte er wenig anfangen, denn mag es zur Hebung eines Schatzes vielleicht eine Mannschaft unnötig machen, so wird es kaum genügen, diesen dann auch abzutransportieren, wenn es nicht zugleich einen unerwarteten Laderaum unter dem Sattel birgt.
Ob er nach der Abfahrtszeit fragen soll, wo sie doch gerade bei dem Zugpferd angelangt sind? Letztendlich kommt es schwerlich auf ein paar Stunden an, also braucht es auch keine Hetze. Erst einmal die Schüssel leeren.

OB

"Habt Ihr etwa auch Angst vor dem Wasser?" fragt Bosper die Bardin mitfühlend. "Dann hört mal auf den Kapitän, mir hat er schon ein ganzes Stück weitergeholfen."

OHH

Für die lobende Anerkennung dankend nickt der Kapitän dem Geweihten fröhlich zu. Dann schweift sein Blick zurück in eine Schüssel, welche mancher vielleicht als so gut wie fast leer ansehen würde. Aber es war viel zu lecker, um mit den Resten nicht gebührlich zu verfahren, quasi als Würdingung der hiesigen Kochkünste. Außerdem macht wahrhaftige Gründlichkeit nicht solchen Lärm wie eine mit bloßem Löffel. So wird selbiger beiseitegelegt und die Schüssel hemmungslos zum Munde geführt.

JaR

"Vor dem Wasser weniger", antwortet die Bardin, "eher vor dieser endlosen Weite des Meeres und dem Geschaukel."
Sie blickt in Richtung des Kapitäns. "Gibt es etwas, das dagegen wirkt?"

OHH

Braue, Augenklappe und Mundwinkel des Kapitäns heben sich. "Oh ja!" versetzt er breit grinsend. "Gewöhnung!" Dann legt er den Kopf etwas schief und fügt beruhigend an: "Frische Luft hilft in jedem Falle auch. Viele Leichtmatrosen begehen den Anfängerfehler, sich bei Übelkeit in ihre Kojen zu verkriechen. Dort kann es nicht besser werden. Zudem könnte man sich bereits vor Fahrtantritt an die zu erwartende Kost gewöhnen..." Womit man schon wieder bei der Gewöhnung wäre.
Ja, ja. Das hat er alles schon gesehen. Ich schillerndsten Farben. Die Fische ebenso wie das Fischfutter, welches ihnen entgegengekotzt wurde.

OB

Schon wieder stellt Bosper fest, dass er nichts weiß. Vom Meer jedenfalls. Erst das mit den Delfinen und jetzt das Essen. "Wie, 'gewöhnen'?" fragt er verwirrt. "Was gibt's denn da zu essen an Bord?"

JaR

Die Bardin hört aufmerksam zu, doch dann schüttelt sie den Kopf. "Ich glaube, dass das nicht mein Problem ist. Ich finde das Schaukeln zwar nicht sehr angenehm, aber davon wird mir nicht schlecht. Es ist vielmehr so, dass ich mich auf dem Wasser einfach nicht wohl fühle." Das ist zwar eine gehörige Untertreibung ihrer Ängste, doch es ist auch nicht einfach, Ängste wirklich zu beschreiben.

OHH

Wem zuerst zu antworten ist, braucht der Kapitän nicht zu überlegen: Mancher würde sicher dem geweihten allein deswegen den Vorzug geben, weil er eben ein solcher ist. Zudem hat er zuerst gefragt und sein Anliegen scheint leichter zu bedienen als das der Hübschen.
"Auf einem Schiff kann es nur Nahrung geben, die sich eine Weile hält - zumindest, wenn es nicht nur die Küste entlang segelt und jeden Tag im nächsten Hafen angelangt. Zwieback, Äpfel... So Dinge." Sicherlich weiß Seine Gnaden selbst, was lange frisch bleibt. Alles aufzuzählen, würde das Mädel allzu lange warten lassen.
Ihm wendet sich Kvalor nun zu. "So gibt es einen weniger fassbaren Grund? Furcht vielleicht? Dann wäre die Frage, woher diese kommt - und Gewöhnung schon wieder ein nicht zu unterschätzendes Mittel." Die letzten Worte fließen eher beiläufig daher, ist ihm die Ungeduld junger Leute doch durchaus bewusst.

OB

Bosper schaut ein bisschen überrascht. Aber klar - auf See läuft man nicht jeden Abend einen Hafen an, damit man gemütlich an Land schlafen kann. Wie weit ist es eigentlich bis zu den Zyklopeninseln? Irgendwie hat er sich immer vorgestellt, dass er da morgens lossegelt und abends am Ziel ist. Das muss er erst mal rauskriegen, wenn er dann in Kuslik ist.
"Tja, da gibt's wohl keine Abkürzung", brummt er.

OHH

"Potstausend; das habt Ihr schön gesagt, Euer Gnaden!" stimmt der Kapitän fast ein wenig verträumt mit ein, da er dessen Worte nicht nur auf die eigenen bezieht, sondern zugleich auch auf die unverändert bevorstehende Suche nach Mannschaft und Schatz. Zuvor gilt es noch, diesem Mädel ein wenig zu helfen. Immerhin ist es eine Freundin der Steuerfrau Rovena. Dann eine Irrfahrt über Land - das kann was werden! Doch wer weiß, was dabei herauskommen mag! Womöglich hat es ja doch den einen oder die andere so weit ins Landesinnere verschlagen oder es gibt jemand anderen zu finden, den mitzunehmen sich lohnt. Wie dem auch sei. Solche Kleinigkeiten werden diesen alten Seebären nicht aufhalten und nicht umbringen, wie man ihm vielleicht ansehen mag. All die anderen haben es ja auch nie geschafft.
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Redaktion und Lektorat: OHH 2019