Märchenhaft II

Verfasser: Günter Hölscher, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

GH

Vorsichtig nimmt der mit einem dunkelgrauen Gehrock, einer gleichfarbigen Weste und einem blütenweißen Hemd bekleidete beleibte Mann das dicke Buch in seine Hände. Als halte er eine Kostbarkeit in seinen Händen, hebt er es und legt es fast ein wenig ehrfürchtig auf den Tisch, direkt am Platz des Kapitäns. Natürlich hat er sich mit den Augen noch einmal vorher versichert, dass sich dort weder Staub noch Essens- oder Getränkeflecken befinden. Der hellbraune Ledereinband soll schließlich keine solchen davontragen.
Nun liegt es da, wartet darauf, geöffnet zu werden wie eine Schatztruhe voll von Preziosen, oder wie ein gesottener Vogel, der tranchiert werden möchte, um seine köstliche Füllung freizugeben.

OHH

Voll Verdatterung glotzt das Auge auf den Folianten hinnieder. Soll er etwa höchstselbst...? Dies zeugt von hoher Anerkennung und Vertrauen, welche der Herr Tellicherri dem Kapitäne entgegenbringt. Zweifelsfrei hat jener natürlich auch allen Grund hierzu, ist dieser doch ein überaus redlicher Pirat und darüber hinaus dem liebenswert weltfremd wirkenden Neureisenden bislang überaus zugetan. Solche Geste vermag dies noch zu vertiefen.
Gleichwohl in gebührlichem Zögern hebt der Einhändige dieselbe und erstattet höflich die zugehörige Frage: "Darf ich wirklich...?"

GH

"Aber natürlich dürft Ihr!" versichert der kleine Herr dem höflichen Frager, gerade als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. "Ihr seid doch den Umgang mit Büchern gewöhnt. Und die, deren Pflege ich übernehmen durfte, standen so lange einsam."
Er bleibt noch ein wenig stehen, damit er an der Freude des Seemans teilhaben kann, wenn dieser das Schatzkästlein vor sich öffnet. "Nicht nur wir Menschen sollten unter die Leute kommen", sagt er mit feinem Lächeln. "Büchern tut es genauso gut, wenn man sich um ihr Inneres kümmert und ihre Seele nicht mehr einsam ist."

RB

Das ganze Getue um das Buch macht die Sache nun doch interessant genug, dass Thorkar sich etwas nach vorne lehnt und zuschaut.

OHH

Ein rechter Philosoph, der gute Mann! Das breite Lächeln des Kapitäns gerät zu einem Schmunzeln, als er Thorkars Reaktion bemerkt. Vermutlich ließe sich auch die Angelegenheit mit dem Schatze noch faszinierender verkaufen - ob man dies möchte, kann man ja noch schauen.
"Alsdann..." erwidert der Seemann feierlich wieder dem Buchinhaber und schlägt selbiges ganz kultiviert nicht etwa irgendwo auf, sondern lediglich den vorderen Klappdeckel, damit auch ja keine Seite übersehen werde.

GH

'Alsdann' hallt es warm im Inneren des Buchbesitzers nach. Auch das Öffnen eines Folianten ist nichts anderes, als ein kleines Ritual, das man feierlich, wenn vielleicht auch nicht mit einer Ouverture, aber doch mit einem kleinen Auftakt begehen sollte, bevor sich der Vorhang in eine märchenhafte Welt hebt.
Teilnahmsvoll und lächelnd schaut der kleine Herr der kultivierten Verrichtung des Größeren zu. Dieser Mann weiß genau, was er tut.
Die Doppelseite hinter dem Klappendeckel ist, wie gewöhnlich, ein wenig dicker und aus beinfarbenen Papier, auf dem sich in blasser Farbe tulamidische ineinander verschlungene Ornamente befinden. In derartig kunstvoller Weise, als schienen sie nur aus dem Hintergrunde durch das Material, auf dem sie aufgebracht sind, hindurch. In der Mitte der rechten Seite befindet sich eine mit schwarzer Tinte sorgsam und säuberlich geschriebene Widmung in kräftiger und doch eleganter Handschrift: 'Für Phionas'.
Der stehende Zuschauer nickt andachtsvoll.

OHH

Ein Name wie Phionas klingt nun eben nicht gerade dem Abraxas ähnlich, dass man beides verwechseln könnte. Möglicherweise stammt er dem zyklopäischen Raume, in welchem sich der Kapitän leider nicht gar so gut auskennt. Wie auch immer. Es wäre ja auch unwahrscheinlich, dass der Verfasser dieses Werkes es einem wenngleich freundlichen Buchhalter oder Verwalter widmet - insbesondere, da es vermutlich älter ist als jener.
Derweil er bedächtig umblättert, erkundigt sich Kvalor: "Wisst Ihr, wen man sich bei diesem Phionas vorzustellen hat?"

VW

Mit schwer beladenem Tablett steuert die Wirtsfrau den Kamintisch an, um dort das überbordende Bord abzustellen und beherzt nach den ersten beiden Bierkrügen zu greifen. "Hier zuerst einmal das Bier. Wer bekam den Wein?" Denn im Ausschlussverfahren sollten diejenigen, die ohne Wein dasitzen, die Biertrinker sein.

OHH

Eine viereinhalbfingrige Hand hebt sich. "Das sollte dann wohl ich sein", lächelt der Kapitän vom Buche zur Wirtin aufblickend. Die Leute hier sind ja wirklich erfreulich behende bei der Sache. Bier hält seinen Mund nämlich zumeist nicht lang feucht.

RB

Auch der Thorwaler hat mit ins Buch geschaut. Solche Dinger sieht er nicht oft aus nächster Nähe, deshalb hat er genau betrachtet, was es zu sehen gibt und wie der Käpt'n damit umgeht.
Als das Bestellte so schnell auftaucht, wendet er sich aber der Wirtin zu. Er ist etwas überrascht, dass nicht Winisara die bei ihr aufgegebene Bestellung ausliefert, aber der Geschwindigkeit nach ist das Wirtshauspersonal gut eingespielt, und dann ist ihm egal, wer sein Bier bringt.
Er setzt seinen eigenen Humpen an, um ihn schnell leerzutrinken. Als er aber merkt, wie viel Inhalt noch darinnen ist, verwirft er den Plan und nimmt nur einen großen Schluck. So schnell steht dieses Bier ja zum Glück nicht ab.

VW

Die Wirtsfrau nickt, stellt den Wein vor den Kapitän und verteilt dann das Bier an die übrigen Gäste. "Das Essen kommt gleich", verweist sie, "und hier ist dann auch der Truhenschlüssel für den Platz im Schlafsaal." Ergänzend legt Siona den Schlüssel neben den ihr noch unbekannten Gast. "Wohl bekomm's."

GH

Eine Zeitlang hat der gemütliche Mann gestanden und gleich dem Kapitän auf die erste aufgeschlagene Seite geschaut. Die Frage, die jener stellte, hat seine Gedanken zum Spazierengehen gebracht und sein Herz zum Träumen verleitet.
Doch nun, wo die Bedienung an den Tisch getreten ist, ist nicht der rechte Augenblick für eine Antwort an den Seefahrer. Wohl aber für eine Verneigung in Richtung der älteren Dame, die wohl die Wirtin des Hauses sein mag. "Ich danke in Travias Namen", sagt er lächelnd mit ein wenig verschämten Augen ob seiner geistigen Abwesenheit. "Für den Schlafplatz und das Bier. Wozu dient der Schlüssel, wenn die Frage erlaubt ist?" Denn dass ein Schlafsaal eine verschließbare Tür hat, wo doch die meisten Gäste sich zu unterschiedlicher Zeit dorthin begeben werden und durch Türenklappen einander nur stören, scheint ihm ein abwegiger Gedanke. Eine echte Sicherheit wäre so eine Tür wohl in keinem Fall.

OHH

Ein Truhenschlüssel? Es scheinen hier immer mal wohlhabende Gäste einzukehren, wenn solches nötig ist. Oder besonders viele Diebe. Als Kapitän ließe sich vielleicht am ehesten der Dreispitz sicher verwahren, sinnvoller noch das Kartenstück, welches dort drinnen jedoch nicht vergessen werden darf. Die Krücke wird vermutlich nicht hineinpassen. Wie auch immer.
Ob der kleine Herr gedanklich aus Zyklopäa anreisen muss? Aber eher, als was man mit einem Truhenschlüssel verschließt, mag auch er meinen, wozu dieses notwendig sei. Das kann man sich für alle Fälle ja mal anhören.

VW

Die Wirtsfrau lächelt: "Es hat hier immer wieder Gäste, die ihre Sachen wegschließen wollen. Deshalb haben die Truhen, welche neben den Bettstätten stehen, ein Schloss, das man verschließen kann." So müssen die Wirtsleute nicht alles an sich nehmen und im Zweifel dafür haften, wenn etwas wegkommt, denkt sie sich.

RB

"Danke", bedankt sich der Thorwaler, als die Wirtin das Bier vor ihm abstellt. Dann stellt er seinen fast leeren Krug neben den vollen und lauscht der Erklärung.
Ach ja, den Schlüssel hat er auch noch irgendwo. Er selbst glaubt ja eher an Äxte als Schlösser, um etwas zu sichern. Und er hat noch kein Schloss gesehen, das einer Axt lange standgehalten hätte. Im Langhaus in Skálfjördur gibt es keine Schlösser, dafür aber Skaparmanr mit Äxten. Da hat sich noch kein Langfinger reingetraut.

GH

Jaha, die Erklärungen der Wirtin versteht der kurzgewachsene Gast allzu wohl. In einem Wirtshaus nehmen natürlich auch Zeitgenossen Quartier, denen das Leben möglicherweise übel mitgespielt hat und denen es nicht so gut geht, wie etwa ihm selbst. Hinter Namen und Ziffern in den Lohnbüchern, die er zu warten hatte, hat er sich stets bemüht, sich Schicksale zu denken. Und nach und nach immer mehr verstanden, dass das Essen vor der Moral kommt. Und dass viele Menschen getrieben sind, von Not oder Angst oder Zielllosigkeit. Von Hunger - und im schlimmsten Fall von Gier. Zuletzt sind ihm die Augen aufgegangen, dass er selbst zu diesen heimatlosen Wanderern im Leben gehörte, trotz sicheren Einkommens, Bescheidenheit und einer Wohnung.
Er nickt still zu dem Gehörten. Seine Truhe braucht nicht mehr verschlossen zu werden. Dennoch steckt er den Schlüssel in seine Rocktasche. Ordnung soll sein. 'Armer reicher Phionas', geht es ihm durch den Kopf, da er dem Vergangenen nachsinnt.

VW

Kurz war es Siona, als würde der neue Gast noch etwas sagen wollen, da er aber schweigt, hält sie es für angeraten, die weiteren Bestellungen zu verbringen. So nickt sie noch einmal freundlich in die Runde und nimmt dann das Tablett wieder auf. Den fast leeren Bierhumpen belässt sie am Tisch. Wenn er auf ihrem Rückweg endlich der Neige entledigt ist, kann sie ihn ja mitnehmen.

OHH

Furchtsame Gäste also - nichts weiter. Dann kann sich der Kapitän ja nunmehr wieder dem Buche widmen. Soeben will er umblättern, als sein Blick noch einmal auf den Namenszug fällt und daraufhin erneut emporgerichtet wird. Ob der gute Herr Tellicherri noch etwas dazu sagen möchte? Immerhin lag seine Schweigsamkeit hierzu wohl nur an der Unterbrechung durch die Bewirtung.

GH

Das unendlich leise Geräusch, mit dem sich die erste Seite von ihren Nachfolgerinnen löst, reicht aus, um Gedanken und Zunge des Herrn in den besten Jahren wieder in den gegenwärtigen Augenblick zurückzuholen.
"Um Eure Frage wieder aufzunehmen", spricht er, während er den Blick vom Buch zum Blätterer erhebt. Dann atmet er aus. "Ja, ich weiß all zu gut, wen man sich bei diesem Phionas vorzustellen hat." Die Aussprache, die er dem Namen angedeihen lässt, verrät nichts Zyklopäisches. Das 'i' ist dunkler und klingt fast wie ein 'ei'. So wie er aus dem 'o' auch beinahe ein 'u' macht. "Der, welcher er war, steht an Eurer Seite."

OHH

Die Seite verbleibt zwischen den Fingern in der Schwebe. 'Pheiunas?' Nicht nur die sichtbare Braue hebt sich, wie man anhand der Aufwärtsbewegung der Augenklappe vermuten darf. Diese unerwartete Aussprache, welche mutmaßlich irgendeinem Dialekt zuzurechnen ist, auf welchen der Kapitän nicht auf Anhieb kommt, irritiert selbigen dermaßen, dass er auf die schließende Bemerkung hin neben sich zur Rechten schaut. Die Krücke wird der kleine Herr kaum meinen - nicht nur, weil sie sprachlich gesehen weiblich ist.
Dann durchzuckt den Seemann ganz sichtlich eine Erkenntnis, und er schaut wiederum auf. Natürlich! Alles hat zwei Seiten, auch Kvalor, und auf seiner Linken steht ja tatsächlich jemand: der Sprecher selbst! "Äh, ach!"
Nach kurzem Sortieren der Gedanken spricht er diese aus: "Ihr selbst also? Ich würde nicht vermutet haben, dass Ihr Euren Namen dereinst ändertet, aber vielleicht ist es ja auch nur ein zusätzlicher Vor- oder Spitzname?" Nebenbei blättert er um, ohne seinen Blick bereits wieder hinabzurichten.

GH

Der grauhaarige Herr legt die Hand aufs Herz und verbeugt sich in Richtung des Aufschauenden. "Phionas Pfefferkorn" - den zweiten Namen spricht er eben so aus, wie man es auf Garethi tut, und erhebt seinen Leib danach von der Verneigung - "der war ich."
Nach einer Atempause fährt er fort: "Beileibe kein Spitzname. Ich erhielt ihn mit dem Nachnamen zusammen von meiner Frau Mama, damit jedermann hören konnte, wessen Sohn ich sei. Sie erhoffte sich wohl, auf diese Weise sicherzustellen, dass dieser Sohn einen ehrbaren Beruf ergreife. Was ihr ja auch für ihre Lebenszeit und einen langen Teil der meinen geglückt ist." 'Und ziemlich langweilig war.' Der letzte Gedanke entlockt seinen Zügen ein kaum sichtbares Schmunzeln, während die graublauen Augen ernsthaft bleiben.

OHH

Irgend etwas weckt in Kvalor Hullheimer das Gefühl, sein Gegenüber sei gelinde amüsiert. Worüber jedoch, entzieht sich vollends dem einäugigen Betrachter, welchem bereits die nächstliegende Frage über die Zunge rollt: "So ist folglich Abraxas Tellicherri ein angenommener Name?"

GH

"In der Tat", nickt der Träger jenes Namens. "Oder noch besser, ein mir zugeflogener und zugewachsener. Gewissermassen ist mir der alte Name zusammen mit der seligen Frau Mama abhandengekommen." Der kleine Herr scheint über jenen zuerstgenannten Verlust nicht gar so unglücklich zu sein.
Denn wieder umspielt ein kleines Schmunzeln seine Lippen. "So etwas kann passieren, wenn man ein Haus voller wunderlicher Bücher erbt. Man geht hinein und kommt als ein anderer wieder hinaus."

RB

Fast gebannt hat Thorkar auf das Buch gestarrt in Erwartung dessen, was die nächste Seite zeigen möge. Die unerwarteten Offenbarungen des Herrn, der doch nicht so kompliziert heißt, wie er sich vorgestellt hat, lassen ihn aber aufblicken.
Während er den kleinen Mann noch einmal eingehend betrachtet, bemerkt Thorkar, wie sich die Tür öffnet und eine nicht minder interessante wenn auch komplett gegensätzliche Gestalt eintritt. Misstrauisch mustert der Thorwaler den Elfen, aber da von ihm keine Gefahr auszugehen scheint, wendet er sich wieder dem bei ihm Stehenden zu. Zumindest ist das sein Plan, bis sein Blick an der in der Nähe der Tür sitzenden Bardin hängenbleibt.

OHH

Mitten in einem solchen Gespräch achtet der Kapitän weniger auf eintretende Gäste, solange sie die Situation an Deck nicht maßgeblich beeinflussen. Immerhin ist es ja nicht gar so wahrscheinlich, dass augerechnet hier einer seiner Leute hereinweht. Als dann jedoch der Eindruck entsteht, der Neuankömmling würde gleich von mehreren im Schankraume betrachtet, zuckt Kvalors Blick doch einmal kurz zu dem Elfen und wieder zurück - und wieder zu dem Elfen. Derlei Spitzohren hat er noch überaus selten gesehen. Wie auch immer; den Lulatsch kann er nachher bestimmt noch genauer in Augenschein nehmen, und an Bord ist sowas wohl eher unpassend.
Und Thorkars Augennmerk gilt bereits wieder der Damenwelt. Ein schiefes Schmunzeln gilt ihm.
Dann wendet sich der Seebär mit einem "Äh" wieder an den Vielnamigen, seinen vorherigen letzten Gedanken aufsuchend. "Ach, ahja! Sollen wir demnach davon ausgehen, Ihr habet Euren neuen Namen in einem Buche erworben?" Möglicherweise handelt es sich ja um irgendeinen Helden, dem dieser hier nachzueifern sucht.

GH

Der Blick des wohlbeleibten Mannes ist zum einen fest auf den Buchblätterer, zum anderen in sein eigenes Inneres gerichtet, so dass er den ohne Frage Staunen weckenden neuen Gast gar nicht bemerkt.
So antwortet er geradeweg auf die Frage, die ihm gestellt ist: "Davon sollen wir in der Tat ausgehen. Das erste Buch, das mir inmitten meines Erbes in die Hand kam, gerade wie ein zugeflogener Vogel, war kein so schweres, wie jenes, das ich heute dabei habe." Wieder kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Was ein Glück war, denn es fiel mir aus dem Regal zu, an dem mein Fuß sich stieß. Es war leicht und handlich, wie es ein Buch für Kinder sein soll. Und vielleicht deswegen so zutraulich."
Mit einem nachdenklichen Nicken fügt er an: "Vielleicht war es auch hungrig, gelesen zu werden. Denn mit den Büchern ist es, wie mit den Menschen. Meist glaubt man wohl, allein die Großen hätten Wichtiges zu sagen."

OHH

Bezaubernd, wie dieser kleine Mann die Welt der Bücher sieht! Entsprechend gerät das Lächeln des Kapitäns kurzfristig zu einem Schmunzeln, bevor er ganz ernsthaft erwidert: "Da habt Ihr wohl recht, doch ist dies ein Fehler der Menschen, nicht der Bücher."
Er lehnt sich etwas zurück und lässt einstweilen von diesem großen Bande ab, sich mit dem abwesenden Verwandten zu beschäftigen: "Jenes kleinere Buch hat Euch gewiss mehr als nur einen Namen verraten, da es Euch so beeindruckte."

GH

"Es verriet mir den Namen eines Raben", antwortet der kleine Mann unumwunden. "Und ich fand, das war ein guter Name für einen, der zu alt ist, um auf eigene Abenteuer auszuziehen, doch nicht zu alt, um anderen zu raten, es zu tun."
Da es eigentlich keinen weiteren Anlass gibt, noch zu stehen, lässt er sich auf seinen Schemel nieder.
"Ein guter Name für einen, der sich durchaus vorstellen mag, ein wenig auf dem Besen einer jungen Hexe mitzureisen, dabei Kandis zu essen und die Welt von oben zu sehen", schmunzelt er erneut versonnen.

OHH

Einige ganz buchstäbliche Augenblicke lang steht dem Kapitän der Mund offen; fast ist er versucht, zu lachen. Was erzählt dieser Kerl für Geschichten! Ein Rabe mit Kandis und eine Hexe, welche wohl keinem der beiden Abraxasse jegliches Misstrauen oder gar Furcht entlockt. Aber als gemeinhin offenherzig hat sich jener vor ihm ja bereeits mehrfach angedeutet.
"Tatsächlich! Manchem wird ja bereits in einem Mastkorb schwindelig", gibt Kvalor zu bedenken, jedoch wird Herr Tellicherri - den anderen, eigentlich älteren Namen hat der Seebär schon wieder halb vergessen - schon wissen, was er verträgt und was nicht. Immerhin gibt es hohe Gebäude, wo man solche Angste erproben kann. Im Liebfeld womöglich mehr als andernorts.
"Aber da es Euch an geeigneten Schwingen fehlt, wäre so eine Mitreise vermutlich eine akzeptable Alternative, sofern nicht ein viel bequemerer fliegender Teppich zu erlangen sei."

GH

"An geeigneten Schwingen fehlt es nicht in einem Haus wie dem Heim all dieser Bücher", antwortet der kleine Herr, als sei dies die ernsthafteste Disputation, die man sich denken kann. Fast erstaunt ruhen seine graublau funkelnden Augen auf dem Gesprächspartner. Manchmal ist es mir, als glichen die Deckel meiner papiernen Gefährten Flügeln und ihre Seiten Federn. Ist es nicht so, dass uns alle kleinen und großen Geschichten, Erklärungen und Sachverhalte uns zufliegen und unseren Gedanken selber Schwingen verleihen, so dass sie uns Schätze mitbringen aus all den Gebieten, die unsere Augen womöglich noch nie gesehen haben?" Beinahe schwärmerisch und wohl ihm selbst nicht recht bewusst begleiten die Hände die Worte des Silbergelockten.
"Mein fliegender Teppich ist die Phantasie. Und dennoch kann ich nicht leugnen, dass auch mein Körper sich gerne eine Reise auf solch einem Gefährt gönnen würde. Etwa an den Ort, von dem mein zweiter Name stammt."

RB

Nachdem er sich einen sprichwörtlichen Augenblick am Anblick der Bardin erfreut hat, schwenkt Thorkar seinen Blick zurück zum eigenen Tisch. Dabei bemerkt er zwangsläufig Winisara und den Elfen. 'Die braucht aber viele zum Umarmen', denkt er kaum überrascht und überlässt sie ihrer Zweisamkeit.
Derweil entgleitet ihm der Gesprächsfaden am eigenen Tisch. Bei Schwingen muss er an Poly denken, aber die Papagei und Maatvogel würde sich wohl selbst dann nicht für Bücher interessieren, wenn sie von ihrem Lieblingsgetränk Nordvindr handelten.
Die letzte Bemerkung des mehrfachen Buchbesitzers erfordert etwas Nachdenken, bis der Thorwaler darauf kommt, dass der kleine Herr sich offenbar dahin wünscht, wo der Pfeffer wächst. Dem Wunsch will sich Thorkar nicht anschließen, sorgt der Silbergelockte doch gut für Unterhaltung und Bier.

OHH

Zunächst wird der Kapitän zu dem einen oder anderen Einwand verlockt, doch löst der kleine Kerl den Unterschied zwischen Phantase und Realität ja dann doch noch höchstselbst auf.
Anders als Thorkar vermutet Kvalor im Namen Abraxas den gemeinten zweiten, denn chronologisch gesehen ist er dies. Theoretisch könnte auch auf den einen oder anderen Nachnamen abgezielt sein, aber dann würde die Auswahl schon schwieriger - es sei denn, es gehe um den zweiten Zweitnamen, welcher zwar liebfeldisch klingt, doch haben die südländischen Ohren vorhin ja schon einmal getrogen.
'Auf einen Besen?' möchte der Freibeuter bereits erkunden, jedoch wäre dies ja das Fluggefährt, nicht der Zielort. Das Liebfeld scheidet hingegen aus einem noch viel einfacheren Grunde aus: Man ist bereits dort! "Und der wäre?" bleibt die einzige Möglichkeit, dies ohne langes Raten zu erfahren. Wieder wird sich vorgebeugt, um alsbald endlich in der Betrachtung des Buches fortzufahren.

GH

Von den so unterschiedlichen Überlegungen des Nordmannes und des Kapitäns ahnt der Mann mit den vielen Namen nichts; stattdessen versucht er, sich die Düfte des angesprochenen und doch noch unbenannten Ortes vorzustellen und schließt die Augen. Gerade als er sich diesen Platz mit viel Grün auszumalen beginnt, reißt ihn die Frage des Seebärs aus seinen Betrachtungen - und die noch nicht erschaffene Welt seiner Phantasie versinkt im Irgendwo, da er die Lider wieder öffnet.
"Ihr dürft raten", antwortet der kleine Kerl dem Buchbetrachter. "Mein neuer Nachname ist nichts weiter als eine Unterart des alten. Und, wie mir das Kochbuch, das ich als Zweites in die Hand bekam, erklärt hat, die würzigste von allen. Sie wächst zwischen zwei Inselgruppen, von denen die westliche mit raubender und die östliche mit stechender Gefahr droht. In selbigem Buch war auch dankenswerterweise eine Karte, auf der ich mir das genau angesehen habe. Aber Ihr wart wahrscheinlich schon selber dort." Sein Buchhaltergedächtnis kommt Herrn Tellicherri hier einmal wieder zugute, und er freut sich an diesem kleinen Spiel.

OHH

Demnach wäre Tellicherry eine Pfeffersorte, von welcher dieser Kapitän noch nie gehört hat. Allerdings ist er ja auch weder Gewürzhändler noch Smutje jemals gewesen. Pfeffer ist Pfeffer und Salz ist Salz.
Sogleich durchsucht Kvalor allelei Kartenwerk in seinem Kopfe. Raubend und stechend. Beides mag ja allzu oft zusammenfallen. So wie der Räuber gern mal zusticht, raubt der Moskito mit seinem Stiche ebenfalls. Aber wenn der kleine Kerl den Unterschied so betont, wird er wohl genau diese Unterscheidung meinen. Wo also finden sich Piraten, wo blutlüsternes Ungeziefer? Überall im Süden, möchte man meinen. Keine allzu große Hilfe also.
"Wahrscheinlich", erwidert der Weitrgereiste daher erst einmal unverbindlich. "Aber so recht weiß ich noch nicht, wo ich dies verorten soll. Es erscheint mir bemerkenswert, in einem Kochbuch eine Seekarte zu finden - solches hätte ich nicht erwartet, jedoch bin ich auch kein Fachmann für derlei Literatur. Andererseits mag es Seeräuber und bissiges Kerbgetier in der Südsee allerorten zu finden geben. Wenn die Pflanze hingegen zwischen zwei Inselgruppen gedeiht, so möglicherweise ja auf dem Meeresgrunde..." Oder auf einem einsamem Eiland in der Mitte. Auch derer gibt es zahlreich.

GH

Die Bemerkung Freund Hullheimers zaubert ein fröhliches Lachen auf das Gesicht des Mannes mit dem würzigen Namen. "Oh gewiss, ich kann mir vorstellen, dass auf dem Meeresboden manch Köstliches wächst. Nicht umsonst war in demselben Buch auch von Meeresfrüchten die Rede."
Einen kurzen Augenblick trägt der Teppich seiner Phantasie den kleinen Herrn hinab in ein tiefblaues Reich, in dem fischbeschweifte Wesen von tangigen Bäumen eine reiche Ernte lesen. Doch allsogleich, um das Gespräch nicht zu verzögern, taucht er aus diesen Gründen wieder auf.
"Soweit ich es recht behalten habe, gedeihen diese kleinen scharfen Beeren, nach denen ich nun heiße, aber auf dem Trockenen. Und zwar auf einer zwischen den Piraten- und den Moskitoinseln liegenden Gruppe von drei Eilanden mit dem selbstredenden Namen 'Gewürzinseln'.
Mein Vater hat im Einband vermerkt, dass er dieses Buch von einem blinden Navigator und einem Schiffskoch ohne Zunge erworben hat. Beide sind wohl in die Hände von Seeräubern geraten und konnten danach ihren Berufen zur See nicht mehr nachgehen. Ein scheußliches Schicksal, das diese beiden Armen erlitten haben." Einen Augenblick schweigt er und schlägt mitfühlend den Blick zur Erde.

OHH

Ein feiner Grund, sich an die Stirne zu klatschen, was der Seeirrfahrer auch sogleich vollführt. Gut, jene Inseln liegen auch schon recht weit draußen und Kvalor empfindet diese Gruppierungen als recht willkürlich, weswegen er selbst sie eigentlich nie benutzt, aber dennoch hätte er sich nicht so leicht von der Märchensprache des Gewürzigen verwirren lassen dürfen! Ist es Müdigkeit? Betrunken kann er unmöglich schon sein!
"Ein Koch ohne Zunge kann allerdings immer noch kochen", befindet der Kapitän. "Um so mehr, wenn er lange Erfahrung mitbringt. Was andererseits natürlich kein Grund ist, einen solchen Verlust nicht furchtbar zu finden."
Kein schönes Thema. Besser, er schaut endlich, was auf der nächsten Seite zu finden ist. Nebenher murmelt er zu sich selbst: "Ein guter Navigator hat die Karten eh im Kopf..." Durchaus; dieser unvollständige Mensch weiß, dass sich letztlich fast jeder Körperteil verschmerzen lässt, wenn es nur unbedingt sein muss - außer wohl der Kopf, und der Rumpf erscheint auch unerlässlich mitsamt dem verbindenden Halse.

GH

Das Stirnklatschen des alten Seebären quittiert der kleine Herr mit einem unmerklichen Augenblitzen voll Güte. Solche Gedankenaufälle sind doch allzu menschlich.
"Und so war es auch, trotz aller Furchtbarkeiten", beeilt er sich umso mehr, den Nachbarn in seinen zutreffenden Worten zu bestärken. "Der Koch kochte und der Navigator erledigte die Einäufe auf dem Markt. Da die beiden sich verschreckt fühlten, nach solchen Erlebnissen weiter zur See zu fahren, hatten sie eine Kneipe eröffnet mit dem bemerkenswerten Namen 'Zum tauben Affen'. Selbiges Klettertier war nämlich der Dritte im Bunde. Und in jenem gastlichen Haus muss es meinem Vater irgendwie gelungen sein, das Kochbuch dieses seltsamen Trios zu erwerben."
Interessiert blickt er mit Freund Hullheimer auf die Titelseite der Märchensammlung, auf welcher mit Rötelstift gezeichnet ein mächtiger Dschinni prangt, der aus einer am unteren Rand der Seite auf dem Boden stehenden Lampe steigt und mit ausgebreiteten Armen alle Buchstaben des langen Namens in Reihe und Ordnung hält: 'Geschichten aus tausend und einem Rausch'.
Über all dies entgeht ihm ganz das Nahen seines Abendessens.

RB

Die Aufmerksamkeit des Thorwalers ist inzwischen zum eigenen Tisch zurückgekehrt. Er lauscht mit mildem Interesse dem Gespräch der älteren Herren, das sich um Gewürze, südliche Inseln und taube Affen dreht. Währenddessen hat er Gelegenheit ins Buch zu schauen und die vielen Buchstaben des Dschinns zu entschlüsseln. Da er den Titel schon kannte, bringt das keine großartige neue Erkenntnis.
Ein Dschinn fehlt im noch in der Sammlung seiner Tätowierungen. Allerdings lässt er nur Gegner auf die von ihnen geschlagenen Narben tätowieren. Ob nach dem Kampf gegen einen Dschinn noch genug zum Tätowieren von ihm übrig wäre?

OHH

Was haben die nur alle mit ihren Kochbüchern! Wenn der Kapitän ganz vereinzelt mal etwas zubereiten musste, so hat er eben einfach alles Vorhandene in einen Topf oder eine Pfanne geschüttet, und es hat ihm stets vorzüglich gemundet - ganz ohne jegliches Rezept. Ob der Affe wohl an dem Werk mitgearbeitet hat? Auch keine groteskere Vorstellung als das Verfassen von Kochbüchern überhaupt. Wie auch immer. Man könnte fragen, was Vater Pfefferkorn mit solchem anzustellen beabsichtigte, aber es soll ja niemand beledigt werden.
Besser, man widmet sich wieder dem anwesenden Buche, sei es aus Höflichkeit ihm gegenüber oder aus ureigenem bescheidenem Interesse. Eine liebevolle Zeichnung, fraglos. Lächelnd werden einige Details in der Strichführung begutachtet, dann blättert Kvalor weiter, da er mit diesem Bande nun auch nicht unbedingt den gesamten Restabend verbringen, sondern einen Eindruck gewinnen will. Selbiger ist bislang recht ordentlich.

VW

An ihrem Herzensschatz vorbei strebt die Wirtsfrau dem Tisch mit den Büchernarren zu. Wobei, wenn es nach ihr ginge, würde dieses Werk schleunigst vom Tisch verschwinden. Immerhin wird hier gegessen und getrunken, und wie schnell landet der eine Fettfleck oder der andere Weinkreis schnurstracks mitten im schönsten Werk. Nicht, dass es sie etwas anginge, aber so etwas gehört sich einfach nicht. Aber das ist ja das Buch des Gastes, und der sei hier Horas.
Solcherart Gedanken mit sich herumtragend, wird der Vogel dann doch so schwer, dass Siona erleichtert ist, als sie ihn - neben dem Buch - abstellen kann. "Hier das gewünschte Huhn. Wohlschmecken."
Mal sehen, ob die Bierhumpen sich inzwischen geleert haben, damit sie sie direkt wieder mitnehmen kann.

GH

Nun allerdings gilt es für den munter plaudernden gemütlichen Mann, einen Augenblick im Strom des Erzählens innezuhalten. Denn wie ein nebeldampfendes Eiland erhebt sich vor seinen Augen die Platte mit dem gebratenen Huhn und senkt sich ihm im nächsten Augenblick schon anlandend entgegen. Vorerst kann er sich aber nicht der Entdeckung soßentriefender Gipfel noch dem betörenden Odeur widmen. Denn es gilt, den Blick noch höher zu lüften, um der Geberin mit strahlenden Augen entgegenzublicken.
"Wie das duftet!" ruft der kleine Herr aus, wobei er die Hände voll Wonne streckt. "Eine Insel, ein Rastplatz würziger Genüsse, dessen bin ich sicher. Habt Dank in Travias Namen!" Als hätte er dazu noch die Gedanken der Wirtin eraten, oder einfach nur aus gewohnter Sorgfalt, beeilt er sich vorsichtig, das kulinarische Kunstwerk aus der Reichweite des literarischen zu rücken.

VW

Man sieht der Geberin der Genüsse die Freude an, dass dem Werk so viel Gutes wiederfährt. "Lasst es Euch schmecken."

OHH

Ganz bewusst kurz wird der Blick auf das leckere Mahl gerichtet, dann wieder auf die jüngst geöffnete Buchseite, von welcher sich der Kapitän Ablenkung verhofft. Gegen den herrlichen Duft wird sie aber wohl leider schwerlich ankommen. Wird Zeit, dass er den Schatz hebt!

VW

Ein letzter schneller Blick, auch in die Becher, die aber alle noch über die Neige gefüllt scheinen, dann wendet sich die Wirtsfrau zum Gehen.

GH

Voll Vorfreude beugt sich der Genussbeschenkte vor, schließt die Augen und versenkt sich in die Duftverheißungen, die von dem Speisenteller ausgehen. Ein Hauch von Süße, eine Ahnung von Zitrone, eine Gewissheit von frischen Gartenkräutern und die beißende Würze von wildem Pfeffer umwehen sein Riechorgan. Und liegt da nicht gar eine Prise von Kanel und Kor-Riander in der Nebelluft dieser dampfenden Insel? Die Wangen des kleinen Mannes röten sich ein wenig, und es ist schwer zu sagen, ob der Genuss oder die Wärme, in die er eingetaucht ist, dies verursachen.
Allzu spät fällt ihm ein, dass man der Wirtin dankend hinterhernicken sollte. Er öffnet die Augen und tut dies - doch da ist sie schon davon.
Seine Hand strebt zum Bierkrug. Doch zugleich wendet sich sein Blick Freund Hullheimers Betrachtungen zu. Auf der Seite, die nun geöffnet ist, sieht man die Häuser einer Tulamidenstadt, viereckige Wohnhäuser, Tempel mit zwiebelförmigen Kuppeln und einen prächtigen Palast, alles von einer wehrhaften Stadtmauer umgeben. Die Kulisse liegt im Schein einer untergehenden Sonne - und je länger man hinschaut, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das Bild werde von Augenblick zu Augenblick dunkler. Oder ist dies eine Täuschung der Sinne? Vielleicht ebenso, wie dass sich die mit schuppigen Panzern und spitzen Helmen bewehrten bärtigen Krieger, die auf der Mauer patroulieren, langsam voranbewegen. Und dass der fliegende Teppich, auf dem ein junger Mann mit Weste, Pumphosen und Turban sitzt, langsam am Himmel über die Szenerie hingleitet.

OHH

Welch wunderhübsches Panorama! "Wahrhaft ein begnadeter Künstler, der dies..." setzt Kvalor an, dann stutzt er. Das Auge blinzelt ein paarmal verdutzt. Kann dies sein?
Um sicherzugehen, beugt er sich näher über das Bild und setzt gar seinen Zeigefinger unterhalb des fliegenden Teppichs, um einen eindeutigen Bezugspunkt festzusetzen und so der Sache Grund zu erkunden.

GH

Mit einem kleinen Lächeln nimmt der rundliche Herr das Erstaunen des Bildbetrachters wahr und nickt. Dabei zieht er sacht das Gerstensaftgemäß in seine Nähe. "Sie bewegen sich, nicht wahr?", fragt er wie beiläufig. "Ein gutes Buch ist wie ein Spiegel."
Versonnen hat er den Krug gehoben und schaut hinein.

RB

Das Bild der Stadt auf der nächsten Seite scheint irgendwie zu dem Dschinn zu passen. Der gebratene Vogel andererseits würde gut in den Bauch des Thorwalers passen. Sein eigenes Essen scheint schon Ewigkeiten her zu sein, und das Bier erzeugt neuen Appetit. Aber er hat nicht genug von seinem Schatz mitgenommen, um es hier mit vollen Händen ausgeben zu können. Schließlich hat er noch einen langen Weg vor sich in eine Gegend, die wahrscheinlich ähnlich aussieht wie das Panorama im Buch.
Damit wendet Thorkar sich wieder dem Betrachten zu. Zunächst entspannter, weil hier keine Buchstaben entschlüsselt werden müssen. Dann kneift er aber doch die Augen zusammen. Eigentlich wollte er den Eindruck von Bewegung dem Alkohol zuschreiben, aber als der Buchbesitzer es bestätigt, wird jener vom jungen Handwerker fragend angesehen.
"Was ist das für eine Magie?" Eine kräftige Hand schließt sich um die Amulette, die auf der muskulösen Brust ruhen.

GH

Der Mann in den besten Jahren sieht von der Tiefe des Kruges auf, und seine Augen scheinen ins Nirgendwo zu schweifen. Vielleicht auch in eine Welt, die sich den Blicken entzieht. "Das habe ich mich oft gefragt", spricht er halblaut. "Vielleicht ist es der Zauber des Lampengeistes. Vielleicht aber auch der Zauber Eures Geistes, und Ihr selbst seid der begnadete Künstler." Wie abwägend wiegt er das Haupt.
"Wenn wir die Seiten im Inneren eines guten Buches zu bewegen vermögen, dann vermag vielleicht auch ein Buch, die guten Seiten in unserem Inneren zu bewegen und etwas tritt zu Tage, von dem wir gar nichts ahnten, das uns verzaubert."
Nun blickt er zu dem Nordmann und nickt ihm zu voll Ruhe. "Dies hier ist ein gutes Buch."

OHH

Fast möchte man vermeinen, das Buch sei durch den vorseitig abgebildeten Flaschengeist höchstselbst überreicht worden. Jedenfalls fühlt sich der Kapitän zunehmend ein wenig von der eigentlich so phantasievollen Rätselsprache überfordert. Thorkar als magiekundiger Bildbeweger? Das erscheint wenig glaubhaft. Eher mag es sein, dass das Buch auf seine Betrachter zu reagieren vermag.
Unschlüssig und ein wenig müde reibt sich Kvalor das Auge. "Beeindruckend", ist zunächst einmal alles, was er hierzu kundzutun versteht.

RB

Etwas befremdet und argwöhnisch blickt der Nordmann wieder auf das Buch. Er sieht sich selbst gerne als Künstler, allerdings eher mit stabilen Materialien wie Holz und Metall, aus denen er ebenso formschöne wie nützliche Gegenstände herstellt. Die Vorstellung, dass dieses Buch in ihn hineingreift, um dort etwas zu bewegen, behagt ihm allerdings nicht. Er blickt es an, als erwarte er einen Arm, der hinauswächst, um sich in seine Brust zu bohren. Er lässt die Amulette los und kratzt sich, als es dort juckt, wo der Arm eindringen würde.

GH

"Ja", bestätigt der silberhaarige Herr, während seine Augen nun wieder zu der dampfenden Köstlichkeit vor ihm wandern. "Beeindruckend. Aber möglicherweise weniger spektakulär, als wir meinen. Speis und Trank gehen ja auch in uns ein und bewegen etwas in unserem Inneren, ohne dass wir das für Magie halten würden."
Vor allem sollte gutes Bier kalt getrunken und guter Braten warm gegessen werden. Wenn man zu lange wartet, wird's umgekehrt und beeinträchtigt den Genuss. Deswegen beeilt sich der wohlbeleibte Mann nun auch, seine Mahlzeit in Angriff zu nehmen, auch wenn er sich einen letzten Satz nicht verkneifen mag: "Und was sind Buchstaben und Bilder anderes, als Nahrung für die Seele?"
Er hebt den Krug und wendet sich nacheinander zum Kapitän und zum Thorwaler. "Auf den Zauber des Lebens - und dieses Abends!"

OHH

Diesen Vergleich versteht der Kapitän nun gar nicht recht nachzuvollziehen. Welche Suppe würde wohl ihren Geschmack nach jenem richten, der sie zu verzehren beginnt? Müsste sie nicht ihre Zusammensetzung ändern, sowie er seine Schüssel jemand anderem zuschiebt?
Dagegen ist Pfefferkorn Tellicherris Trinkspruch etwas, womit man ganz konkret etwas anzufangen weiß. "Darauf, jawohl!" hebt auch Kvalor seinen Becher.

RB

Bei Speis und Trank weiß Thorkar wenigstens, wie sie in seinen Körper hineingelangen, bevor sie dort etwas bewegen. So fällt es ihm nicht schwer, ebenfalls seinen Krug zu heben und dem Trinkspruch mit "Dat wouhl" beizupflichten.

GH

Ohne weitere Umschweife setzt der fröhliche Genießer den Krug an seine Lippen, lässt sich einen winzigen Moment vom Zauber des herben Duftes einfangen und dann einen maßvollen Schluck Gerstengebräu über Zunge und Gaumen perlen.
Dann setzt er das Gemäß wieder ab und nickt diesmal zuerst dem Olporter und dann dem Seebären zu, den Blick zu ihren Augen suchend. "Und ein gutes Essen in angenehmer Gesellschaft trägt gleichen Zauber in sich. Dem werde ich mich nun widmen." Ehe man sich's versieht hat er aus der Innenseite seines Rockes ein weißes und feingefälteltes Bündel hervorgezaubert und legt es neben sich. Bevor er es auswickelt, blickt er erneut auf zu seine Nachbarn. "Die Herren würden mir eine Freude bereiten, mein bescheidenes Mahl mit mir zu teilen - so noch Hunger vorhanden ist, versteht sich."
Dies gesagt habend wickelt der vorfreudige Genießer sein kleines Bündel aus und entnimmt ihm ein silbernes Besteck, bestehend aus Messer, Gabel und Löffel, welches er neben seinem Teller postiert. Das weiße Tüchlein entpuppt sich als Serviette, die der kleine Herr auf seinem Schoß ausbreitet. Somit ist er bereit zum Mahle, nimmt das Messer in die rechte und die Gabel in die linke Hand und beginnt nach einem kleinen andächtigen Augenblick damit, den gebratenen Vogel aufzuschneiden.
"Ich bitte um Verständnis, wenn ich schon einmal beginne - so lange das Huhn so schön heiß ist", spricht er dabei in die kleine Runde. Dann schließt er die Augen, während er behaglich den ersten Bissen zum Munde führt.

OHH

Eben will der Kapitän zu einem maßvollen, doch gewiss wohltuenden Schluck ansetzen - immerhin muss man sich das Getränk etwas einteilen, da die Quelle nicht ewig sprudeln dürfte - als letztere das ihre stürzt und im Anschluss fingerfertig allerlei Zubehör erscheinen lässt. Die kleine Zeremonie ist beachtlich genug, den Becher noch ein Momentchen in der Luft zu vergessen.
Erst dann wird dem Geladenen selbiges bewusst. Heute muss sein Glückstag sein! Zumindest, was die Verpflegung angeht. Womöglich spaziert nachher ja doch noch Zylya oder Dudi zur Türe herein? Oder wenigstens Pewatu? Nein, das wäre fraglos etwas zu viel verlangt und zumal ob der Entfernung zur Küste recht unwahrscheinlich.
"Selbstverständlich!" beantwortet Kvalor wieder geistig zurückkehrend auf gleich beide letzten Äußerungen des unvermuteten Gastgebers. Vorhin noch glaubte er sich selbst in dieser Rolle, aber jener hat den Tisch gleichsam gekapert und mit Mann und Holzwurm übernommen. Welcher Pirat würde sich nicht dem reiche Prise Versprechenden anschließen! Ein flüchtiger Blick trifft Thorkar. Nun gut, der ist wohl kein rechter Korsar oder grübelt vielleicht noch über die Chancen der Schatzsuche.
Aber wie dem auch sei; nicht schon wieder abschweifen! Dem Großzügigen sollte vorsichtshalber noch nahegelegt werden, dass jenes letze Wort nicht nur Erlaubnis zum Verzehr sei, sondern auch Bekundung eigener Bereitschaft, daran teilzunehmen. Dies erreicht man ganz diplomatisch mit einem einzelnen weiteren: "Danke!"
Noch immer schwebt der Becher in der Höhe.

GH

Die Haut ist kross und zugleich spröde, so dass sie dem sich Hingebenden auf der Zunge zu zergehen scheint. Das Fleisch darunter - zart und dennoch von sanfter Bissfestigkeit. Und die Würze - die Ahnung von Zitrone wächst sich zur Gewissheit aus. Drachenkraut - das hat er vorhin gar nicht wahrgenommen - rund und dem Geschmack die Fülle verleihend. Und dann ist da noch eben diese kleine freche Prise Kanel oder Benbukkel, wie man wohl auch sagt. Die war kein dummer Einfall!
Schließlich öffnet der kleine Herr die Augen wieder. "Das hier ist zu gut, um es nicht zu teilen", verkündet er seinen beiden Nachbarn. "Die Herren dürfen sich überlegen, ob sie Brust oder Keule bevorzugen, während ich tranchiere." In diese Arbeit versenkt er sich daraufhin mit geschickten Schnitten.

RB

Ungläubig beobachtet der Thorwaler die Prozedur, als sein Tischnachbar das Besteck auspackt und arrangiert. Er hatte fast vergessen, dass er sich im Horasreich befindet. Darum zögert er zunächst, als er eingeladen wird. Nicht, dass der Gastgeber erwartet, dass er auch mit so einer Jaffel isst.
Aber schon der nächste Satz erlöst ihn aus der Grübelei. Vom Trongschieren hat Thorkar schon mal gehört, wenn Onkel Aidan zuhause die Froschfresser nachäffte. Eine abgeschnittenes Hühnerbein lässt sich problemlos mit der Hand bewältigen und so entscheidet er sich schnell: "Na, da näim ich wohl 'ne Keule."

OHH

"Wahrlich, eine gute Wahl, alle Klabauter!" bekundet der Kapitän fast ein wenig bedauernd. Zwar ist es für ihn von besonderem Interesse, etwas mit nur einer Hand verspeisen zu können, doch kann man letztlich von jedem Stück abbeißen, wenn nur den Mund groß genug ist. Gewöhnlich hat die Keule jedoch saftigeres Fleisch denn die Brust.
Drum beugt er sich etwas zu dem Spender und seinem Opfer hinüber, letzteres in Augenschein zu nehmen, als wolle er sich versichern, ob es vollständig sei. "Wenn Ihr die andere auch erübrigen könntet und wolltet, so wäre dies ebenfalls mein Vorzug."

GH

In beide Richtungen ein kurzes Nicken sendend, lässt sich der kleine Herr in seiner Konzentration nicht weiter stören. Das Fleisch ist so weich, wie es sein sollte, auch in den tieferen Schichten. Und sein Messer ist gut geschliffen, so dass auch die Sehnen und Knorpel um die Knochen keine Probleme verursachen. Frau Knedsen sei Dank, die sich stets vorbildlich um alle Küchenutensilien gekümmert hat!
So ist das trennende Werk an den Keulen rasch beendet, mit sauberem Schnitt. Herr Tellicherri legt das Besteck säuberlich an den Rand der Platte und breitet die Hände einladend in beide Richtungen aus: "Bitte sehr, greift zu, Ihr Herren!"

OHH

"Alsdann", beginnt der Seemann noch etwas ungläubig über solche Freigiebigkeit. Der kleine Herr scheint finanziell recht gut im Futter zu stehen. Aus schwärmerischer Träumerei heraus eine Fahrt auszurichten, wird aber gewiss die Möglichkeiten auch des sparsamsten Buchhalters übersteigen.
"Seid bedankt! Prosit!" Rasch holt Kvalor nach, was er bislang versäumt hat, und trinkt auf den Spender - maßvoll, aber mit ehrenvoll großem Maße.
Dann noch etwas weiter vorrückend, langt die viereinhalbfingrige Hand nach einer der beiden Keulen, nachdem sie den Becher abgestellt hat.

RB

Das lässt sich Thorkar nicht zweimal sagen. Er nimmt die Keule, die einladend in seine Richtung zeigt, hebt sie leicht, als wolle er damit zuprosten und bedankt sich mit den Worten: "Dat wouhl, bei Travia!" Dann beißt er kräftig hinein, als habe er noch nicht zu Abend gegessen.

GH

Nun, da seine beiden hungrigen Nachbarn versorgt sind, findet der Gastgeber des bescheidenen Mahls auch Gelegenheit, seinen Krug ein zweites Mal zu heben. Beiden Herren wird freundlich zugenickt mit einem: "Travia sei's gedankt! Lasst es Euch schmecken!" Dann gönnt sich der Wohlbeleibte einen tieferen Schluck, um sich für die weitere Geflügelzerlegung zu stärken. Wie süffig und gut!

OHH

Naturgemäße Stille umfängt auch den Kapitän, als er seine Zähne in das Hühnerbein versenkt - vom zugehörigen Schmatzen mal abgesehen.

GH

Wie schön ein Augenblick der Stille sein kann, in dem alle zusammen genießen und sich wohlfühlen. In solchen Momenten wird man für kurze Zeit zu einer Familie, ganz egal, wie lange oder wie gut man sich kennt. Zufrieden lächelnd stellt Herr Tellicherri den Krug wieder auf seinen Platz neben der Platte und greift nach der Serviette auf seinem Schoß, um sich die Lippen abzutupfen. Er seufzt leise und wohlig und macht sich dann weiter daran, den Rumpf des Vogels in mundgerechte Stücke zu zerlegen.

OHH

In solch friedlicher Stimmung nagt es sich sehr gemütlich an der Keule. Und wie angenehm weich das Fleisch ist! Gerade recht für des Kapitäns Zähne. Kleinere Vögel sind meist zarter als größere. Insofern kann er gut auf Gäne verzichten, wenn es Huhn gibt. Den Genuss jedenfalls hört man ihm zunehmend an.

RB

Das Fleisch ist so saftig. Genussvoll lässt der Thorwaler den Saft aus dem Mundwinkel in den Bart laufen. Das ist schon ein lautstarkes Schmatzen wert. Und so schmatzt er mit dem Käpt'n um die Wette, selbst als er noch die letzten Fleischreste von den abgenagten Knochen saugt.

OHH

Dass der Pirat etwas leiser ist als Thorkar, mag wesentlich mit an seinen sorgfältigen Bemühungen liegen, im Gegensatz zu jenem nicht Teile seiner kostbaren Beute entkommen zu lassen. Dennoch ist er gewiss, hinterher noch genügend Fett im Barte zu haben, um noch ein Weilchen an den Schmaus geruchlich erinnert zu werden. Das soll genügen; inwändig ist es besser aufgehoben.
Jetzt wäre eine zweite Hand recht hilfreich, um zwischendurch ein Schlücklein vom Weine hinzuzufügen. Aber es geht auch so. Da er die Keule eh vor allem mit Daumen und Zeigefinger hält und den Mittelfinger nur bisweilen zum Stabilisieren helfen lässt, bleiben zweieinhalb Finger frei, sich etwas unkonventionell an den Rand des Bechers zu krallen und ihn solcherart zum Munde zu führen. Dabei möglichst nicht das Hühnerbein ins einsame Auge stechen. Geht schon alles mit der nötigen Erfahrung.

GH

Schließlich sieht der Mann in seinen besten Jahren die Arbeit des Tranchierens fürs Erste als erledigt an. Auch wenn noch ein Teil mehr aufzuschneiden wäre am hinteren Teil des nun keulenlosen Vogels. Doch dann ständen die mundfertigen Bissen in der Gefahr des Erkaltens, was nicht im Sinne einer genussvollen Mahlzeit wäre.
Gleichzeitig vernimmt er, während er das Messer niederlegt, sowohl von seiner Rechten als auch von seiner Linken, wie hörbar seine Nachbarn ihren Teil der Mahlzeit genießen. Er merkt auf, nickt höflich nach beiden Seiten. Aha, so bekundet man also in diesem Teil des Landes, dass es schmeckt. Da will er seinen Mahlgenossen nicht nachstehen. Und obwohl es nicht der Art entspricht, wie er für gewöhnlich sein Essen zu sich nimmt, spießt er mit seiner Gabel ein Stück des köstlichen Bratens auf, und lässt es sich mit einem nicht minder lauten Kau- und Lippengeräusch im Munde zergehen.
"Dasch ischt schehr gut, nischt wahr?" wirft er mit vollen Backen in die Runde. Man soll nicht glauben, dass er nicht wüsste, sich den Sitten anzupassen.

OHH

Dem entgegen schluckt der Kapitän durchaus erst einmal hinunter, bevor er nickend erwidert: "Ja, außerordentlich! Ich würde Huhn als meinen Lieblingsvogel anpreisen, wenn ich bereits alle Arten gekostet hätte. Dies jedoch scheint recht unmöglich. Allein in den Dschungeln Meridianas vermag man sie kaum zu zählen." Ob wohl ein Vogelkundler dazu etwas zu sagen wüsste? Oder wenigstens Pewatu?
Wie dem auch sei! Wieder hinein mit dem Bein!

RB

Es dauert nicht lange, bis auch der letzte Fitzel Fleisch vom Knochen genagt, gerissen oder gesaugt ist. Mit dem knochigen Rest des Mahls noch in der Hand beteiligt sich Thorkar wieder an der Unterhaltung. "Im Dschungel da wo tuts vor allm Schlang gehm. Un die schmeckn överhaupt nich nach Hühnchn, da lass dir ma nich veräppeln. Schon gar nich so wie dis hier." Bekräftigend hebt er das Hühnerbein in die Luft.

GH

"Interessant", lässt der kleine Mann verlauten, nachdem er das Stück Huhn heruntergeschluckt hat. Mit leerem Mund spricht es sich doch leichter. Er schaut den Nordländer neugierig an. Wunderbar. Hier kann er Dinge erfahren, über die er noch gar nicht nachgedacht hat. "Wie schmecken denn Schlangen?"

OHH

"Ich sprach ja auch von Vögeln", murmelt der Kapitän vor sich hin. 'Lieber Thorkar' wäre gewiss eine passende belehrende Ergänzung an den Adressaten, aber allein der Gesichtsausdruck des Seebären mag hierfür bereits genügen.
Da letzterer sich sein Mahl müßiger einteilt, hat er noch genügend, sich wieder zwischen dir Zähne zu klemmen. Soll doch Thorkar auf diese Frage antworten, da er auch dazu verlockt hat!

RB

"Kannse voll inne Tonne tretn", antwortet der dschungelerfahrene Nordländer voller Überzeugung. "Wenne drei Wochn nix als son Kriechzeuch hattest, da sehnse dich sogar nachm Affenbrägen, dat sach ich diä. Aba kanns ja nich imma nur Banan un Mangos essn, sin up de Dauer auch nich bessa. Aba die Haut musse abziehn, zäh wie Leda dat Zeuchs. Un eima", erzählt er grinsend, "wa in som großn Exempla nochn ganza Halbling drin - mit Rucksack. Hat aba nix Wertvolls dabei habt, de Arme."

OHH

Aus Thorkars Worten schließt der Kapitän, 'Brägen' stehe wohl eher nicht für den Körper eines Affen oder sonstwessen, sondern dessen übliche Verköstung. Aber Halblinge? Sind dies nicht Kreaturen aus der Märchenwelt?
Unwillkürlich schaut Kvalor wieder auf das Buch hinab. Noch ist es zu früh, weiterzublättern, da nur eineinhalb seiner Finger noch gar keine Berührung mit dem Fette erlitten haben. Solches möchte er dem kostbaren Werk lieber nicht zumuten. Drum knabbert er auch lieber sorgsam weiter, anstatt dumme Fragen über schwerverdauliche Sagengestalten zu stellen.

GH

Einmal mehr weiten sich die Augen des rundlichen Essers, und sein Staunen über das Wunderliche in der Welt lässt seine Hand mit der Gabel achtlos heruntersinken. Mitfühlend blickt er zu dem Dschungelkämpen hinüber, zumindest in Gedanken dessen entbehrungsreiche Wochen dort begleitend.
"Ihr seid ein tapferer Mann!" bricht er schließlich bewundernd aus. "Und ich kann nun ermessen, wie sehr Euch die Kost in dieser Wildnis zuwider gewesen sein muss, wenn Ihr Euch gar das Gehirn eines Affen gewünscht habt, um sie ertragen zu können."
Ein wenig unangenehm berührt es Herrn Tellicherri im Gewissen, dass es just seine Frage war, die diese unschönen Erinnerungen bei seinem Tischnachbarn geweckt hat. "Darf ich Euch stattdessen noch etwas Schmackhaftes anbieten?" weist er mit der Gabel auf die Mahlzeit. "Vielleicht einen Flügel?"

RB

Einen Moment lang scheint der Thorwaler geneigt, das Angebot anzunehmen. Dann fällt sein Blick auf den abgenagten Knochen, den er immer noch in der Hand hält, und er legt ihn endlich vor sich auf den Tisch. "Travia vergelt's, aba verschenk ma nit din ganzes Essn, sonst hasse am Enne noch selba Schmacht", lehnt er schließlich ab.
"Bei de Mohas issa ja Brägen sogar ne Spezialitäit", erklärt er dann, "saua eingelecht un ziemlich glibberich. Aba ich tu da ma lieba nich weitatelln, will ja keim n Appetit verderm." Mit diesen Worten gönnt er sich den letzten Schluck aus seinem alten Humpen, den er dann neben den Knochen abstellt.

GH

"Oh", erwidert der Mann in den besten Jahren unbekümmert, während er die Gabel fortlegt, um kurz darauf gleichfalls höflich seinen Krug zu heben, "da macht Euch bitte keine Gedanken. Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall, sagt man ja wohl in Eurer Heimat, wenn ich es richtig wiedergebe. Und war es nicht auch irgendwo dort oben bei Euch, wo man gebackene Schafsköpfe isst?"
Wie gut, dass man nicht nur bei der der Nordlandkompanie gearbeitet hat, sondern auch eine Frau Knedsen als Zimmerwirtin hatte. Nichts ist so bildend, wie der Umgang mit anderen Kulturen. Zufrieden gönnt sich Herr Tellicherri einen kleinen Schluck guten Biers.

OHH

Brägen wäre demnach Hirn? Anerkennend nickt der Kapitän dem Ungereisten, aber wohl Vielbelesenen zu, wenn dies auch kaum zu sehen ist.
Auch noch einen Flügel? Das Auge weitet sich begierig, obgleich die Keule erst kurz vor vollendeter Abnagung steht. Ob dieses Angebot wohl nur an solche geht, die von dereinst schlechten Speiseerfahrungen zu jammern wissen? Da könnte er auch was erzählen! Angefangen bei der Kost auf der Al'Anfanischen Sklaveninsel damals bis hin zu der noch viel länger zurückliegenden Flaute in jüngeren Jahren als Maat, als man zuletzt nur noch allzu wenige schlechtgewordene Reste unter der Mannschaft verteilen konnte.
Freilich spricht Thorkar wahr, Herr Tellicherri drohe, alsbald ganz ohne eigenen Verzehr aus der Sache zu gehen. Da muss ein weit deutlicheres anerkennendes Nicken zu ersterem geschickt werden.
Tjaja, das ist manchmal scchon erstaunlich, was Menschen so alles in sich hineinstopfen! Wobei manches ganz anders schmeckt, als man es vorher erwartet hätte.
Noch ein wenig im letzten Nagen begriffen, lässt der Gestrandete seinen Blick wieder zu dem näherliegenden Hühnerflügel abschweifen.

RB

"Schafsköppe? Hm. Fischköppe joa", lacht er, "aba Schafsköppe? Dat mach woul sin. Irngwat muss ja damit machn. Aba nit bei uns. Wo de grad von snacks, sin nich hier Nachtigallnzungn ne Delikatäit?" Wo er das aufgeschnappt hat, weiß der Thorwaler nicht mehr, aber es scheint ihm die passende Antwort auf die Frage des Südländers zu sein. Wobei, haben Vögel überhaupt Zungen? Das müsste man mal den Käpt'n fragen, der scheint ja auf dem Gebiet Experte zu sein.

GH

Während der Thorwaler ein wenig Zeit für seine Antwort braucht, hat Herr Tellicherri seinen Krug wieder auf den Tisch gestellt und ist nun damit beschäftigt, einen der beiden Flügel aus dem Schulterknorpel des Fliegetiers herauszuoperieren. Dabei blickt zu diesem hinüber, als er die Frage des kulinarisch Interessierten hört: "In der Tat taugt die Zunge der Nachtigall zu wahren Delikatessen - solchen, die das Ohr zu erfreuen mögen", antwortet er mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln.
Die Geflügelschwinge reicht er ohne weiteren Kommentar, doch einem einladenden Nicken zu Freund Hullheimer hinüber, damit der Hunger jenen nicht länger plagen möge.
Dann lehnt sich der rundliche Mann ein wenig zurück.
"Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen",
gräbt er in ruhigem Ton Zeile um Zeile aus seinem Gedächtnis. "Ich würde es nie übers Herz bringen, eine einzige diese Künstlerinnen ihres Instrumentes zu berauben. Denn wenn die Nachtigallen schweigen - wovon sollten die Dichter singen?"

OHH

Den lyrischen Anwandlungen des kleinen Herrn vermag der Kapitän keinerlei Aufmerksamkeit zu zollen, da sich ihm so überrumpelnd und unfassbar selbstverständlich viel Wichtigeres bietet. Allein, es ist ihm gar nicht so trivial, selbiges entgegenzunehmen.
Zunächst einmal die Hand freibekommen, also wieder hinein mit dem Hühnerbein in den Mund! "Seid vielmals bedankt!" vermag er dennoch verständlich und ohne zu spucken auszudrücken. Damit nimmt er das Flügelchen an sich. Welch leckerer Anblick! Appetitlicher als der klägliche Rest an der Keule, auf welchen der Seemann dennoch nicht verzichten will. Doch jener hat Zeit bis später. Da der Hühnerflügel zwischen Daumen und Zeigefinger klemmt, verbleiben zwei vollständige Finger, die Keule wieder zu extrahieren und auf dem Rand des Weinbechers aubzulegen.
"Hach, wundervoll!" widmet er sich dann gänzlich dem neuen Beutestück.

RB

'Jetzt fängt er auch noch an, Gedichte vorzutragen...' Mit Lyrik kann Thorkar ungefähr genau so viel anfangen wie mit Delikatessen der Waldmenschen oder Büchern. Aber da der rundliche Herr mit leiblichen Dingen ebenso großzügig ist wie mit geistigen, hört er höflich bis zu Ende zu.
Dabei lässt er mal wieder den Blick durch die Schankstube schweifen, wo Winnisara inzwischen eine weitere Runde Umarmungen hinter sich gebracht hat, während der Elf wie einige andere Gäste in Starre verfallen ist. An den nicht so gut einsehbaren Tischen geht dieweil das Erzählen weiter.

GH

"Ja, wundervolle Verse", antwortet der kleine Herr, ohne aufzusehen oder zu bemerken, dass der Kommentar des Seemannes einer viel handgreiflicheren Sache gilt. "Rodeoth Strom."
Nach einer dem Poeten angemessenen Würdigungspause richtet er sich wieder auf und widmet sich dem Fortgang seiner Mahlzeit. Nicht allerdings ohne Freund Hullheiner ein "Weiteres Wohlschmecken" zu wünschen, was von einem freundlichen Seitenblick und Zunicken begleitet wird.

OHH

Deutlich einfacher kann der Kapitän den Blicken des Thorwalers folgen. Viel zu sehen gibt es nicht. Manche mögen vielleicht ein wenig von der Müdigkeit der Schlafenden am Treppentische angesteckt sein, aber für den einer Hafenkneipe entsprechenden Lärm ist es ohnehin zu leer hier. Etwas auffällig erscheint dem geschulten Seemannsauge der Elf drüben, welcher zum Fenster hinauszuschauen scheint. Was er dort wohl beobachtet? Ein feindliches Schiff wird es kaum sein - dann würde der Schmalrik schon Meldung machen!
Von diesen Gedanken abgelenkt, kehrt Kvalor zum Tische zurück. Den Namen des genannten Matrosen hat er noch nie gehört. Ein Smutje? Ach nein, offenbar geht es dem Herrn Tellicherri nur um sein Gedicht. Wunderlicher, kleiner Kerl! Aber es wäre höchst unfein und darüber hinaus undankbar, ihm dafür böse zu sein.

RB

Nachdem es im Schankraum nicht viel zu sehen gab, blickt Thorkar erneut in das Buch und gibt sich eine Weile der Betrachtung des scheinbar bewegten Panoramas hin. SO EIN Buch ist schon ganz hübsch.
"Welche Stadt issen dat?" fragt er schließlich. Es kann nicht schaden, das zu wissen, schließlich ist er ja auf dem Weg in die Richtung.

OHH

Stimmt, das Buch! Thorkars Aufmerksamkeit und Frage lenken auch den Blick des Kapitäns dorthin zurück. Anfassen möchte letzterer es noch nicht, der fettigen Finger wegen, mögen es auch nur derer zwei oder vielleicht ein bisschen drei sein. Das wäre zu schade!
Dennoch vermag man sich auch ohne Hand und im Munde den fast vollkommen abgenagten Flügel, welcher langsam in seine knöchernen Bestandteilsreste zu zerfallen droht, an diesem Fragespiel zu beteiligen - als Rätselnder wie vielleicht zugleich Antwortgebender: "Lasst mich raten... Rashdul vielleicht?" Immerhin ist jener Ort wohl der märchenhafteste bei den Tulamiden, soweit man hört. Yashkir, der Spinner wollte ja auch immer dorthin; auch Faramud hat viel davon erzählt, auch Hesindiego und einmal sogar Pewatu.

GH

So sehr ist der rundliche Mann mit dem genüsslichen Verzehr des Geflügels beschäftigt, dass die Frage des Nordmanns, wie auch die Vermutung des Seebären erst mit gewisser Verzögerung in sein Bewusstsein treten. Kein Wunder, bei so viel Wohlschmecken! Dazu muss er erst aufkauen, was auch seine Zeit benötigt. Denn trotz aller Freiheit im Umgang mit den guten Sitten, die sich an diesem Tisch bisher gezeigt hat, sollte man es doch nicht darauf ankommen lassen, dass andere am Sprechen mit vollem Mund irgendwann doch Anstoß nehmen.
"Mag sein, dass es Rashdul ist", meint der kleine Herr, während er sein Besteck neben den nun leergegessenen Teller legt. "Dies ist meine erste große Reise, im Süden war ich nie, und weiß von jener Stadt nur, dass sie eine magische Akademie beherbergen soll. Auch mein Vater, der mir dieses Buch hinterließ, hat keine Angaben diesbezüglich gemacht."
Um seinen Hals nach diesen langen Sätzen nicht zu sehr auszutrocknen zu lassen, gönnt er sich einen guten Schluck Bier.

OHH

Süden? Nun ja. Soweit der Kapitän die Karten vor Augen hat, liegt das Land der Tulamiden wohl auf ähnlicher Höhe wie das Horasreich. Es wäre aber nicht freundlich und in keiner Weise hilfreich, dies dem lieben Kerl unter die Nase zu reiben.
Während der Seefahrer die blanken knöchernen Flügelreste auf den Tisch zu einem kleinen Häufchen dekoriert, steuert er bei: "In jener Region hat es wohl einige Magierakademien mehr als Rashdul, auch wenn mir auf Anhieb nur Kunchom einfällt." An letzteres hat er allerdings eine allzu lange zurückliegende dunkle Erinnerung, zumal die vorliegende Perspektive seinerzeit nicht dabei war. Dennoch kann er nicht umhin, noch einen weiteren prüfenden Blick auf die Darstellung zu werfen.

GH

RB

OHH

Wird fortgesetzt...


Ausschnittliste / anwesende Gäste / Lageplan

Redaktion und Lektorat: OHH 2018