Klar zum Ankern!

Verfasser: Astrid Brandt, Carmen Diehn, Oliver Baeck, Oliver H. Herde und andere

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Langsam nähert sich ein Karren dem Eber. Ein graubraunes Eselchen zieht ihn, während eine in grau gekleidete Gestalt in sich zusammengesunken oben auf dem Bock sitzt und locker die Zügel hält. Fast scheint es, als schliefe sie, während das Eselchen gemächlich die Reichsstraße entlang trappelt. Zwei eisenbeschlagene Kisten und ein paar ordentlich verschnürte Bündel und Säcke auf dem Wagen lassen erahnen, dass es sich um einen Händlerkarren handeln mag. Sogar ein kleines Weinfass sieht man auf der Ladefläche zwischen den Säcken und Bündeln herausragen.
Auf Höhe des Gasthauses wird das Eselchen langsamer und bleibt stehen. Die Gestalt auf dem Karren schreckt hoch und zieht die Zügel an. "Hoooh, Rosinante, hoooh!" ertönt die Stimme einer Frau. Diese blickt sich nun ersteinmal ein wenig verwirrt um, wärhend das Eselchen einfach weiterhin stehen bleibt.
Als die Frau das Türschild erkennt, schmunzelt sie. "Ach Rosinante, auf dich ist doch immer verlass", murmelt sie in Richtung des Eselchens. Sie lässt die Zügel locker und schnalzt ein paar Mal mit der Zunge. Das Eselchen setzt sich wieder in Bewegung, und der Karren biegt in den Hof des Ebers ein.
Derweil wendet sich die Blonde nach hinten zur Ladefläche ihres Karren um. "Alle Mann an Deck! Wir laufen in den Hafen ein! Kapitän auf die Brücke!" ruft sie im Befehlston und lässt ihren Blick auf einem der 'Bündel' ruhen, das sich bei genauerem Hinsehen als eine Decke erkennen lässt.
Währenddessen hält das Eselchen schnurgerade auf den Trog neben dem Brunnen zu. Ein hoffnungsvolles "Iiihaaah!" ertönt, als der Karren kurz vor dem Trog erneut anhält.

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Beinahe wie eine Türe wird die Decke beiseitegeschleudert. Kerzengerade bricht ein bärtiger Mann mit langem Pferdeschwanz daraus hervor - zumindest erst einmal dessen sich aufrichtender Oberkörper, oder noch besser: was davon übrig ist. Denn schon der erste Blick offenbart statt eines rechten Unterarmes nur einen silbern blitzenden Metallhaken.
Das rechte Auge ist weit aufgerissen; was das linke tut, bleibt hinter einer schwarzen Klappe verborgen. Im schwarzgrauen Gestrüpp des halblangen Vollbartes öffnet sich der Mund und teilt dem Betrachter von dem einen oder anderen fehlenden Zahn mit, derweil er auch noch anderes zu brüllen hat: "Sturmfock reffen! Klar zum Ankern! Maat zu mir!"

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Mit einem breiten Grinsen im Gesicht beobachtet die Blonde die Szenerie, die sich ihr da bietet. Dann setzt sie wieder ein völlig neutrales, fast professionelles Gesicht auf - was zugegebenermaßen einer gehörigen Portion Selbstbeherrschung bedarf, um nicht lauthals loszulachen - und beantwortet die Befehle des Kapitäns, als wäre es das Normalste auf ganz Dere: "Käpt'n, wir haben kein Sturmfock! Anker ist klar... Ähm, also die Zügel sind angezogen! Karren steht! Melde mich zur Stelle!"
Bei den letzten Worten hüpft die Blonde vom Bock und stellt sich neben dem Karren kerzengerade hin. Dabei hält sie ihre Linke vor den Mund und kann sich nun ein, auf diese Weise leicht ersticktes, Prusten nicht mehr verkneifen. Während sie so da steht, ruhen ihre Augen auf dem Mitreisenden um diesen Moment voll auszukosten.

AB

Entschlossen stößt der Eberknecht die Stalltür zur Gänze auf und schreitet über den Hof, den Neuankömmlingen entgegen.

OHH

Zwecks Orientierung dreht und wendet der Kapitän Kopf und Rumpf so weit als möglich zu allen Seiten. Anscheinend hat das Schiff das Wasser bereits seit längerem verlassen; somit erübrigt sich die Frage, wer den Esel an Bord gelassen hat. Ein Grinsen breitet sich im dünnen Bartgestrüpp aus. Die Kleine ist eine wirklich positive Überraschung. Eifrig und humorvoll zugleich. Wurde ja auch mal wieder Zeit, so jemanden zu finden!
"Potztausend - ach, was sage ich! - Potzzweitausend! Wo bei den Untiefen der Charyptik sind wir!?" Das Auge ist nun auf das von hinten nicht näher zu bestimmende Gasthaus und den plötzlich herauseilenden Stallknecht gerichtet, derweil die lediglich viereinhalbfingrige einzige Hand zielsicher auch ohne Hilfe eines Gesichtssinnes nach dem nahebei zwischen der Ladung verborgenen schwarzen Dreispitz langt und ihn schwungvoll auf das Haupt des Kapitäns drückt.

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Als die Blonde ihre Hand vom Mund wegnimmt, ist das Kichern und Prusten deutlicher zu hören. Breit grinsend geht sie in Richtung des Eselchens und tätschelt der guten Rosinante den Hals. "Wenn ich das Schild vorhin richtig gesehen hab, dann ist das hier der Grüne Eber, Käpt'n. Und die schlaue Dame hier war es, die dafür gesorgt hat, dass wir hier vor Anker gehen."
Dann wendet sie sich wieder dem Kapitän zu. "Soll ich Euch von Bord helfen? Mit all den Waren, die hier verschnürt sind, grenzt es ja schon fast an ein Wunder, dass Ihr überhaupt Platz zum Schlafen gefunden habt."
Dem herrannahenden Knecht wirft sie erst einmal ein freundliches Nicken zu.

AB

Aha - man bedarf seiner Hilfe. Im Kopf überlegt Alrik bereits, ob er sowohl Esel und Karren im Unterstand unterbringt oder besser getrennt in Stall und Unterstand. Dann ist er heran und begrüßt die Gäste mit einem "Willkommen im Grünen Eber. Stall oder Unterstand für den Esel?"
Nein, der Knecht ist kein Mann vieler Worte.

OHH

"Potzdreitausend!" kommentiert der Kapitän die neue Erkenntnis um die Indentität dieses Hauses ungewohnt halblaut, ist er doch allzu überrascht und nachdenklich deswegen. Dann gerät Bewegung in ihn: Sich auf der Linken abstützend, rutscht er einem Seehunde nicht ganz unähnlich, jedoch die Beine voran, dem hinteren Teil des Karrens zu. "Platz ist in der kleinsten Koje. Aber ja, Mädel, hilf mir hier mal heraus!"
Die Frage des Knechtes nimmt er nicht als an sich gerichtet, ist er doch nicht Kapitän irgendeines Landgefährtes, auch wenn die liebe Rovena ihn schmeichelnderweise als solchen behandelt. Dennoch hält der Kapitän plötzlich inne, als er den Burschen genauer zu Gesicht bekommt.

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"Das stimmt auch wieder. Aber ich freu mich heut Abend dennoch auf ein weiches Bett", antwortet Rovena, während sie dem Kapitän eine helfende Hand reicht.
Als der Knecht freundlich grüßt, wendet Rovena den Blick zu ihm. "Die Zwölfe zum Gruße! Hmm, eine gute Frage! Ich glaub, wenn wir Rosinante fragen, ist das Wichtigste grade ein Eimer Wasser und dann eine ordentliche Ladung Heu", meint sie schmunzelnd. "Rosinante, willst du heute in den Stall oder in den Unterstand?" ruft sie der Eseldame grinsend zu.
Rosinante schüttelt nur den Kopf und lässt ein ungeduldiges "Iiihaaah!" hören. Schließlich lässt man sie hier einfach kurz vor dem Trog stehen. Wie ungerecht!
"Na gut... also dann bitte ein Platz im Stall, wenn keine edlen Rosse ihn nötiger brauchen", spricht Rovena dann wieder den Knecht an, während sie dem Kapitän weiter helfend zur Seite steht.

OHH

Noch wird die Hand des wohl etwas abgelenkten Fräuleins ignoriert. Allzu sehr vermeint der Kapitän, in dem Knecht einen Spiegel aus vergangenen Zeiten zu entdecken: Auch jener hat eine Narbe, die im Bart verschwindet - und zwar endgültiger als im Gefranse des Seemanns. Auch jener humpelt.
Apropos. Ein hölzernes Klopfen erklingt an der Hinterklappe des Karrens.

OB

Als der Geweihte um die Ecke biegt, sieht er im Hof einen Eselkarren und drei Menschen stehen. Wie es gute Sitte ist, macht er sich natürlich sofort bemerkbar. Ein vernehmliches "Praios und Travia zum Gruße! Ein neuer Gast!" schallt über den Hof.

AB

Die Aufmerksamkeit des Kapitäns entgeht Alrik durchaus nicht, allein ist jetzt nicht die Zeit um sich darüber Gedanken zu machen. Da wartet eine Eseldame auf ihn und ihren Ruheplatz. Mit einem Nicken zu Rovena beginnt er Rosinate abzuschirren. "Ich bring sie in den Stall. Der Karren kann, denk ich, draußen bleiben. Herr Efferd wird uns heut wohl keinen Regen mehr schicken."
Da erklingt der Gruß des nächsten Gastes über den Hof. Alrik schaut auf und winkt grüßend hinüber. Komme gleich, soll das wohl heißen.
"So, dann woll'n wir mal, Rosinante."

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Auf die Aussage des Knechts hin hebt Rovena kurz den Kopf gen Himmel und nickt bestätigend. "Da habt Ihr wohl Recht, werter..." bestätigt die Händlerin, während sie zu grübeln beginnt, was man aber bestenfalls an einer kurzen Unterbrechung im Satz bemerkt. "Ach du je... Wo hab ich wieder meine Manieren gelassen? Ich bin übrigens Rovena, Rovena Fuxfel", stellt sie sich dann vor.
Die geübten Handgriffe, mit denen der Knecht bereits das Geschirr vom Eselchen löst, quittiert Rovena mit Zufriedenheit. Offensichtlich versteht er sein Handwerk und wenn nicht, weiß die unscheinbare Rosinante sich durchaus zu wehren. So in Gedanken vertieft entgeht Rovena zunächst das ankommende 'Paar', während sie vom Klopfen ihres Reisegefährten wieder an ihre helfende Hand erinnert wird und sich nun dem Kapitän zuwendet.
"Na dann..." Sie öffnet die Klappe, welche die auf den Wagen geladenen Waren am Herunterpurzeln hindern soll, und hält dem Kapitän die Hand hin, dass er sie ergreifen kann, so er dies für nötig befindet. "Alle Mann von Bord!"
Rosinante schnuppert unterdessen ausgiebig am Knecht.

OB

Von der Hausecke aus hat Bosper noch ein paar Schritte in den Hof zurückzulegen. Er schließt auf, bis er neben dem Knecht zu stehen kommt. "Bist du Alrik?" fragt er ihn.

AB

Die neugierige Eselnase ein ums andere Mal sanft abweisend, beendet Alrik das Abschirren. "Nanana", brummt er dabei, als Rosinante gar zu aufdringlich wird. "Sollst ja gleich was kriegen, nu warte doch noch..."
Jetzt ist das Eselchen frei, und der Knecht greift nach dem Halfter, um es in den Stall zu bringen. Aber halt, da war noch was. "Ich bin..." hebt er an um sich ebenfalls vorzustellen. Just in diesem Moment ist der neue Gast mit seinem Esel heran und stellt seine Frage. So verdattert dauert es einen Moment, bis der Knecht antworten kann.
"Äh, ja. Der bin ich." Sonnenzepter, Praiosrobe... "Euer Gnaden."

OHH

Dass der Knecht den Kapitän an sein früheres Ich erinnert, heißt ja nicht, dieser müsse dereinst auch mal so aussehen wie jener.
Das diesen Gedanken zugehörige Schmunzeln weicht mit dem Erscheinen des Praiosdieners einem musternden Blick. "Auch mit Euch die Götter und gutes Wetter!" stößt der Seemann aus und kratzt sich mit seinen vier vollständigen Fingern unter dem Barte, sieht es doch nicht danach aus, als bekäme der Adressat in seiner Geschäftigkeit viel davon mit. Dies werden alle Beteiligten überleben.
Erneut robbt der Fahrgast dem nunmehr offenen Ende des Karrens zu, woraufhin sich nebst einem linken schwarzen Schnallenschuh und Strumpf zuerst ein kräftiger Stab darüber hinausreckt, um sich alsogleich als Holzbein herauszustellen. Beinebaumelnd zieht der Kapitän noch ein weiteres Utensil gleichen Materials zu sich. Vergleichbar einem Landungssteg wird die Krücke auf das Festland gesetzt. Und obgleich er dessen nicht bedürfte, nutzt der Alte doch überaus gern die geschmeidige Hand des Fräuleins. Mit einem Satz steht er auf seinen eineinhalb Beinen, ohne dass Rovena zuvor bemerkenswert an Gewicht oder Ruck zu halten gehabt hätte.
Erst hernach wird ihre Hand sanft gedrückt. "Danke, Mädel! In jeder Hinsicht!"

OB

Kurz, aber freundlich nickt Bosper noch einmal in Richtung des Karrens, als der Gruß von dort seine Ohren erreicht. Dann wendet er sich wieder Alrik zu.
"Freut mich, Alrik", erwidert er. Nach einer kurzen Pause setzt er hinzu: "Ich bin Bosper Kleehaus, vom Sankt-Owilmar-Tempel zu Hallklee bei Gareth."

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Warum nur fragt der Praiosdiener nach ihm? Noch bevor der Knecht das große Grübeln anfangen kann, durchfährt ihn ein Blitz der Erkenntnis. "Mensch, äh, ich meine Euer Gnaden; da wird sich Vinizarah aber freuen, dass Ihr es geschafft habt, zu kommen." Ein breites Lächeln steht auf Alriks Gesicht. "Darf ich Euch den Esel abnehmen?"

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"Aber gerne doch, Käpt'n. Ich wollt' ja sowieso in die Richtung", antwortet sie lächelnd.
Erst jetzt wird Rovena bewusst, dass da ja noch jemand ankommt. "Bei Phex und seinen zwölfgöttlichen Geschwistern, jetzt hätt ich Euch fast übersehen Euer Gn..." meint sie halblaut, als sie den Kopf in Bospers Richtung dreht und während sie noch grübelt, woher sie das Gesicht kennt, stellt dieser sich vor. "Bosper? Tatsächlich! Nein, was für ein Zufall, bei den Zwölfen! Man trifft sich wirklich immer zweimal im Leben! Schön, Euch wiederzusehen... Euer Gnaden."

OHH

Man kennt sich also bereits allerseits. Wenn die drei jedoch auch den Kapitän noch ein zweites Mal treffen wollen, werden sie wohl in den Süden reisen müssen, sofern alles klappt.
Er strafft sich und schaut nunmehr aufmerksamer in die Landschaft. Grüner Eber also - er hat davon gehört und mit dem Gedanken gespielt. Aufmerksam wird das Wirtshaus betrachtet, wenn man von hier aus auch vor allem den Stall sieht.

OB

"Mach das", antwortet Bosper dem Stallknecht in freundlichem Ton. "Sie heißt Kleemaul. Oder Kleemäulchen, solange sie brav ist. Ich nehm nur gerade diese Tasche" - er legt die Hand erst auf den weißen Leinenbeutel, der mit einer Borte aus goldenen Sonnenornamenten geschmückt ist - gerade ziemlich leer, denn Robe und Sonnenzepter trägt der Geweihte ja am Leibe - und dann auf einen Weidenkorb, dessen Inhalt mit einem sorgsam gefalteten Leinentuch vollständig abgedeckt ist - "und den Korb. Den Rest kannst du..."
Er bricht ab, als die Worte der Händlerin sein Ohr erreichen. Ein wenig verdattert schaut er sie an, bis auch bei ihm der Heller fällt: "Meisterin Rovena! Auch eingeladen?"

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Nun schaut die Händlerin ihrerseits ein wenig verdattert. "Eingeladen? Wozu?" Allein die Antwort lässt erkennen, dass sie wohl nicht geladen ist. "Mich treibt eigentlich nur der Handel in die Gegend", fügt sie dann noch hinzu und deutet auf die Ware, die gut verstaut im Karren lagert.

AB

Geduldig wartet der Knecht, dass der Geweihte Beutel und Korb vom Rücken der Eselin nimmt, um seiner Aufgabe nachzukommen und die nunmehr zwei Esel in den Stall zu führen. Doch die Antwort der Händlerin macht deutlich, dass das wohl nicht sofort klappen wird.
"Ich geh dann mal mit Rosinate vor", murmelt Alrik. "Bin dann gleich wieder zurück."

OHH

Nichts weist darauf hin, dass der Einbeinige dem Treiben hinter sich lauschte. Sein Blick gilt weiterhin den Wänden des Hauses, bis er zu dem Brunnen zur Rechten hinübergleitet. Aber diesen Mann gelüstet es nicht nach schnödem Wasser. Wenngleich er sich dies wenigstens sicher leisten könnte! Später vielleicht, wenn es Not tun sollte.
Einladungen also. Ein Tsatag vielleicht? Ob da wohl eine Gratisrunde auch für Zufallsgäste drin ist? Da er nicht erwartet, die Antwort in den Gesichtern der anderen zu lesen, dreht er sich der Straße zu, doch wartet er noch ab.

OB

Bosper ist durchaus in der Lage, gleichzeitig zu reden und mit seinen Händen zu werkeln. So beginnt er, die Verschnürung der Tasche zu lösen, während er Rovena antwortet: "Das ist dann aber wahrhaftig eine günstige Fügung. Erinnert Ihr Euch an Frau Vinizarah, damals in Hallklee?"

AB

Jetzt wird es anscheinend doch noch recht interessant. Mit einem Mal hat es der Knecht gar nicht mehr so eilig und wartet geduldig, bis der zweite Esel abgeladen ist.

CD

"Vinizarah? Aber sicher doch. Der Herr Phex hat es schließlich so gefügt, dass sich unsere Wege kreuzten, um dann gemeinsam das goldene Schweigen zu brechen." Da Bosper ja nicht ganz unbeteiligt an der Sache war, geht Rovena davon aus, dass er genau weiß, wovon sie spricht. Schließlich haben sie sich dabei kennengelernt.
"Und nun gibt es etwas zu feiern? Oder wozu wurde geladen? Und sie ist hier? Das nenne ich wirklich eine... glückliche Fügung!"

OHH

Die Information über den Anlass wird also nicht mehr lange auf sich warten lassen. Allerdings interessiert es den Kapitän auch, ob sich dies mit den Landratten ebenso verhält, also wendet er den Kopf jenen zu, dies zu ergründen.

RB

In Gedanken vertieft hat Thorkar die Einfahrt zum recht vollen Hof erreicht. Dort bleibt er zunächst einmal stehen und beobachtet, was so vor sich geht.

OB

Der letzte Knoten ist etwas diffizil und erfordert offenbar Bospers ungeteilte Aufmerksamkeit. Oder ist das doch nur eine Kunstpause, um die Spannung zu erhöhen? Schließlich aber hat er die Tasche gelöst und legt sich ihren langen Trageriemen über die Schulter.
"Sie schließt morgen den Traviabund. Und zwar mit diesem wackeren Gesellen", deutet er mit halb ausgestreckter Hand in Richtung Alrik.

AB

"Hm, ja. Genau", bekräftigt Alrik die Aussage. Derweil nimmt er mit gelindem Erschrecken war, dass noch ein Gast für den Stall den Hof betreten hat. Jetzt wird es aber Zeit!
Mit den Worten "Kann leider nicht länger bleiben. Die Arbeit ruft. Bis später dann" entzieht er sich jedem weiteren Gespräch. Den Esel des Praiosgeweihten nimmt er jetzt doch gleich mit, und so geht er raschen Schrittes - so rasch man mit einem Hinkebein und je einem Esel rechts und links halt gehen kann - hinüber zum Stall.

CD

Aufmerksam beobachtet Rovena, wie Bosper den Knoten löst. "Den Traviabund? Oh, das ist ja ein schöner Zufall! Da komme ich ja wirklich genau richtig!" Bevor sie den Knecht zum bevorstehenden Traviabund beglückwünschen kann, geht dieser pflichtbewusst seiner Arbeit nach. Löblich löblich. Mit einem Lächeln blickt sie ihm und den Eselchen hinterher.
Dann wendet sie sich wieder Bosper zu: "Ist viel Zeit vergangen, seit sich unsere Wege getrennt haben. Wie ich sehe, habt Ihr Euch als würdig erwiesen." Sie deutet auf die Sphärenkugeln, die an seinem Gürtel baumeln. "Ihr müsst mir unbedingt erzählen, wie es Euch ergangen ist... Euer Gnaden!" Mit einem freudigen, neugierigen Lächeln strahlt sie dem jungen Praiosgeweihten entgegen. Irgendwie sieht Rovena noch immer den jungen Novizen vor sich, als den sie Bosper kennengelernt hat. Deshalb kostet es sie beinahe etwas Selbstbeherrschung ihn nicht mit 'Mein Junge' anzusprechen. "Aber das könnt Ihr mir ja drinnen bei einem guten Schluck Wein oder Bier erzählen, wenn es Euch beliebt."
Dann fällt ihr Blick auf den Kapitän und ein Schmunzeln huscht über ihr Gesicht. "Käpt'n, meint Ihr nicht, dass die Luft hier draußen recht trocken ist?"

OHH

Eine Eheschließung also. Rovena mag die Braut wohl gut kennen, da sie sich so freut. Sowas wäre jedoch momentan nichts für den alten Kapitän - nicht nur wegen des Alters, das ja kein Hinderungsgrund sein müsste, sondern aufgrund dessen, dass er nun einmal ständig unterwegs ist. So eine Fernehe erschiene ihm als unkonsequent, denn was hat man schon von einer Frau, die nicht da ist! Da müsste er schon seiner Mannschaft suchen. Doch erst einmal sucht er ja selbige - und noch ganz etwas anderes.
Des Knechtes Blick lenkt auch den seinen Richtung Straße. Kurz wird der dort aufgetauchte Hühne gemustert und mit einem Nicken bedacht. Ausführlich grüßen kann man später noch.
Mit der Konzentration zurück bei den anderen, nimmt kurz wiederum der Knecht dieselbe in Anspruch. Auch das Hinken erscheint nicht ganz unvertraut.
"Mh?" schaut der Kapitän zu Rovena auf. "Ganz recht, Steuerfrau!" Ein Grinsen breitet sich aus, da die Frage letztendlich eine verheißende sein dürfte - zudem wohl auch eine auffordernde, also setzt er sich schon mal langsam in Richtung des Beobachters in Gang.

OB

Auf die erste Bemerkung der Händlerin nickt Bosper freudig zustimmend. Danach runzelt er kurz die Stirn, kann aber den Redefluss nicht unterbrechen. Als sie geendet hat, beantwortet er zunächst den letzten Teil: "Ja, ein kühles Bier wartet drinnen hoffentlich", aber der Satz plätschert ins Leere, weil sie sich inzwischen dem Kapitän zugewendet hat.
Na, dann kann der Geweihte sich ja um das zweite wichtige Gepäckstück - äh, wo? "HE!" ruft er erschrocken und ein wenig entrüstet in Richtung Stall. Er wirft ein rasches "Tschuldigung, wichtig" in die ungefähre Richtung der Händlerin und stapft dann so schnell zum Stall, wie es der Versuch eines würdevollen Schreitens gerade noch zulässt.

GH

Ein junger Mann lenkt seinen Karren auf die Einfahrt und lässt Goldblume dort zum Stehen durchparieren. Menschen sind auf dem Hof zu Gange, die sicher nicht über den Haufen gefahren werden wollen. Der Fußgänger neben ihm macht es richtig und wartet. So gibt er dem Jüngling die Gelegenheit zum Grüßen und Mustern. "Zum Gruße!" hebt der zulächelnd die Hand und winkt dem Fremden vom Kutschbock aus zu.

RB

Kaum betritt Thorkar den Hof, beginnt sich die Versammlung schon aufzulösen. Der Knecht mit zwei Eseln in den Stall, gefolgt von einem Gast, der Käpt'n und seine Steuerfrau wohl Richtung Eingang. Ein lustiges Paar. Er scheint direkt einer Piratengeschichte entstiegen zu sein, wie sie Onkel Harg immer erzählte. Der hat dazu auch eine Augenklappe getragen, mal rechts, mal links. Sie passt dagegen nicht direkt zum Klischeebild der Steuerfrau, aber sie hat schöne Haare für ihr Alter.
Das Nicken des Kapitäns erwidert der Ankommende ebenso. Er ist zufrieden, keine unnützen Worte für eine Begrüßung zu verschwenden. Damit geht er voran in den frei gewordenen Raum und macht so Platz für das Gefährt, dass er hinter sich kommen hört.

CD

Der Kapitän muss nicht lange davon überzeugt werden, dass es drinnen bei einem guten Schluck Bier sicher recht gemütlich sein dürfte. Gerade als Rovena auch Bosper fragend anschauen will, scheint diesem etwas eingefallen zu sein, und er eilt dem Knecht und den Eseln - vermutlich insbesondere seinem eigenen - hinterher. "Nur zu", antwortet Rovena und blickt dem Geweihten nach.
Dann dreht sie sich um, dem Kapitän zu folgen, und bemerkt die anderen eintreffenden Gäste. "Phex zum Gruße!" grüßt sie freundlich und nickt dem Herrn mit seinem Maultier und dann dem Kutscher der ihm mehr oder weniger folgenden Kutsche zu, während sie einige Schritte zur Seite geht, um dem Gefährt Platz zu machen.

OHH

'Oh, was ist dies doch für eine beschwerliche Fortbewegung!' mag mancher Beobachter denken, doch der Kapitän, dem selbiges gerade ebenfalls durch den Kopf geht, grinst breit dazu. Ja, wie sie ihm alle davonrennen, die jungen, unbeschädigten Leut. Er könnte da ja auch gar nicht mithalten, ganz bestimmt nicht!
Trotzdem gewinnt er etwas an Fahrt, als das Mädel ihn einholt. Schlussendlich kommt das zweite Bier um so rascher, je weniger man das erste warten lässt.
Nebenbei wird weiter beobachtet. Wie der Nordmann vor lauter Gewimmel des anderen Neulings Gruß überhört, ist schon ein Extraschmunzeln wert. Freilich geht es hier fast zu wie beim Beladen eines Schiffes unter der Aufsicht eines unerfahrenen Vormanns, aber sowas ist der Kapitän gewöhnt. Auf dem Hauptdeck im Kampfgewühl muss man nun mal genauso die Übersicht behalten wie auf der Brücke.
"Ahoi!" ruft er den beiden Herren im Näherkommen zu - ist ja völlig gleich, ob es welche sind. Dabei hält er sich umsichtig nahe der Stallwand, hat er doch in ganz anderem Sinne nicht mehr viel zu verlieren.

RB

Der Thorwaler winkt dem Jungen nun doch zurück. Während er noch abwägt, ob er auch den verbalen Gruß erwidern soll, erklingt ein solcher von der Frau auf der anderen Seite. Der Einfachheit halber winkt der Handwerker gleich weiter in jene Richtung. Damit dürfte die Begrüßung erledigt sein. Was für ein Wuling so viele Menschen doch immer machen!
Am Stall angekommen hält er das Maultier an und beginnt die Prozedur des Abladens.

GH

"Sei er auch mit Euch!" ruft der Bursch von oben herab, während er auf den Platz fährt und Goldblume neben dem schon geparkten Karren halten lässt.

CD

Gut gelaunt und mit beinahe jugendlichem Elan folgt Rovena dem Kapitän und hat ihn wenig später eingeholt. "Ich freu mich jetzt erstmal auf einen guten Schluck", stellt sie fest, als sie zu ihm aufgeschlossen hat.

OHH

"Ich auch", stimmt jener ein. "Das ist alles wirklich sehr kameradschaftlich von dir, Mädel."
Auf dass es daher auch nicht so lange warten muss - und er selbst auch nicht - hält der Kapitän einen Schritt, der normalem Gehen eines noch vollständigen jungen Menschen nicht merklich nachsteht. An Deck kann man ja auch nicht lahm herumtrödeln, bloß weil vielleicht ein bisschen Seegang ist.
Tatsächlich, ein grün angelaufener Eber! Kurz vor der Türe lässt der Seemann der Frau zunehmend einen höflichen Vortritt.

Weiter...


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Redaktion und Lektorat: OHH 2016