Gar nicht so behämmert

Autoren: Iris Schischmanow, Oliver H. Herde, Werner Skibar und andere

IS

"Vielen Dank, gute Frau", meint Gudelne zur Köchin. Dann schiebt sie Tee und Honigteller Richtung Marlit. "Ich wusste nicht, ob du Honig in deinem Tee haben möchtest. Auf alle Fälle hilft Honig, Erkältungen vorzubeugen." Und ohne Marlit so recht anzusehen, lässt sie Tasse und Teller los und hält sich wieder an ihrem nur noch halbvollen Bierkrug fest.

WS/OHH

"Danke, das ist ganz lieb!" Marlit nimmt den Tee und den Honig freudig entgegen - und mit diesem Aufflackern der Freude verdrängt sie erneut die Schatten aus ihrer Vergangenheit, denn sie hat mit denen zu leben gelernt.
'Was war das?' Marlit glaubt plötzlich, etwas gehört zu haben - als hätte da etwas oder jemand geschlürft. Naki liegt an ihrer Seite - aber eigentlich schlürft er nicht - oder? Nun, es ist spät, vielleicht hat sie sich getäuscht, aber kam das Geräusch nicht von unter dem Tisch? Seltsam, aber so hat sie es gehört. Also bückt sie sich, um mal einen Blick unter den Tisch zu wagen.
Was kann das sein, was dort unten schlürft? Ein Wesen, pelzig, mit Hunderten von Augen und langen Zähnen, welches gierig nach Honig ist? Vielleicht sogar noch Fledermausflügel hat? Möglicherweise sogar von rosa Farbe ist? Nun, es könnte ja von einem bösen Zauberer dorthingehext worden sein - denn wenn solch ein Vieh durch die Türe gekommen wäre, hätte es sicher viel Aufmerksamkeit erregt.
Aber alles was Marlit sieht, sind Beine von Menschen, Zwergen, Tischen und Stühlen, sowie Gudelnes Hammer, dessen Griffstange an den Tisch lehnt. Der Holzboden ist voll von Straßenstaub und Sand, besonders dort, wo Feledrion saß.
Also nix mit rosa Monster.

PS

Nachdem Arcana ruhig in den gesammten Schankraum gehorcht hat, kommt sie zu dem Schluss, dass das seltsame Kinderlied eben wohl eher aus ihr herauskam, eine seltsame Erscheinung oder bewußt hervorgerufen, darüber wird sie sich nicht klar. Auf tiefschürfende magische Forschung dahingehend hat sie aber so spät keine Lust mehr - noch nicht zumindest.
Neugierig wendet sie sich an Marlit: "Suchst du etwas, oder hast du auch etwas gehört?"

WS

Nachdem der Kopf des Mädchens einige Augenblicke lang unter dem Tisch verschwunden war, tauchen nun wieder schwarze Locken auf. Marlit wirkt fast enttäuscht: "Ich hörte jemanden unten schmatzen - aber da war niemand! Nicht einmal ein klitzikleines rosa Monstrum!"

OHH

Auf Marlits letzte Worte hin ertönt ein meckerndes Kichern - eindeutig von unterhalb des Tisches. Dann bricht es abrupt ab, als sei sich die Quelle plötzlich eines Fehlers bewußt, doch wird noch kurz mit einem unstillbaren Drang zum Glucksen gekämpft.

WS

Marlits Augen weiten sich. Unten war nichts, zumindest nichts Sichtbares, darum blickt sie sich einmal in der Wirtsstube um. Blickt jemand zu ihr hin? Reagieren andere auf das Kichern? Schaut jemand verdächtig aus? Jemand, der vielleicht ein Grinsen auf seinem Gesicht nicht beherschen kann?
Bei... hmmm, wem auch immer (welcher Gott ist für sowas zuständig?), dem Schurkenpack wird sie es zeigen! Wie? Keine Ahnung! Aber sie will sich nicht pflanzen lassen - auch wenn sie noch jung und grün hinter den Ohren ist (oder wie immer das Sprichwort geht).

PS

Die Rothaarige blickt sich um, diesmal weniger nach einem Kind oder etwas kleinem suchend, nein, vielmehr nach einer Person die man als Schelm identifizieren könnte. `Wenn er sich versteckt oder tarnt, werde ich wohl doch zu magischen Mitteln greifen müssen', denkt sie sich. Offensichtlich hat dies nun doch ihren Spieltrieb geweckt.

WS

Marlits Blick schweift herum, und sie entdeckt NICHTS Verdächtiges - oder auch viel Verdächtiges - ganz wie frau es sehen will. Auf jeden Fall vermag sie keinen eindeutigen Verursacherin für den Spuk auszumachen.

FE

Erst jetzt bemerkt Yerodin, dass an diesem Tisch irgend etwas nicht in Ordnung ist. "Entschuldigt, falls ich Euch störe, aber... Was ist denn los?" fragt er unsicher.

IS

Ein Glucksen und Kichern, läßt Gudelne aus ihren Tag- beziehungsweise Nachtträumen hochfahren. Orientierungslos blickt sich die Zwergin einen Moment verwirrt um. Dann kneift sie die Augen zusammen und schüttelt kurz aber energisch den Kopf. Was ist heute bloß los mit ihr? Ob das an dem merkwürdigen Gasthaus liegt? Selten zuvor hat sie so ein buntes Volk auf einem Fleck gesehen wie heute abend.
Da fällt ihr auf, dass Marlit halb unter den Tisch gekrochen ist und nun wieder auftaucht. Auch Arcana sieht sich suchend um und unterzieht die Gäste einer eingehenden Musterung. Dann erkundigt sich auch der Alte. Irgendwas muss ihr entgangen sein, und darum fragt sie Marlit: "Was ist denn los? Hast du was verloren?"

WS

Marlit blickt Gudelne und Yerodin an: "Nein, da will uns nur jemand ärgern. Da schlürft jemand unter dem Tisch, aber dann ist dort niemand zu finden, dann kichert wer, aber niemand ist hier - außer wir sehen ihn nicht!"

FE

"Oh..." Kurz blickt der Magier nachdenklich ins Leere. "Da gäbe es mehrere Möglichkeiten. Vielleicht eine koboldische Lebensform? Mit diesen Quälgeistern hatte ich selbst schon einige Schwierigkeiten..."

OHH

Von unter dem Tische ist ein verächtliches "Pah!" zu hören.

WS

Das kann doch nicht wahr sein! Marlit blickt wieder unter den Tisch und meint leise und drohend (nun eigentlich klingt es nicht wirklich bedrohlich, aber sie hätte es halt gerne, dass es so rüberkommt): "Komm heraus, du Schurke! Stelle dich!"

OHH

Und wahrlich! Als das Mädchen noch einmal unter dem Tische nachschaut und den `Schurken' zur Rede stellt, kann sie bei Gudelnes Füßen höchst Seltsames ausmachen: Der Hammer ist nicht mehr von jenem metallischen Dunkelgrau wie noch vorhin, sondern erstrahlt in - man mag es kaum für möglich halten - in ROSA!
Außerdem hat der Hammer zwei große runde weiße Augen und - weil er offenbar auf dem Kopfe steht - einen Mund darüber, der Marlit verlegen angrinst.

WS

Also war doch ein rosarotes Monstrum unter dem Tisch gewesen, sogar ein ganz raffiniertes - es hat sich als Hammer getarnt. Aber die große Marlit von Nirgendwo ist ihm auf die Schliche gekommen. Und nun stellt sie mutig eine Frage: "Wer bist denn du?"

OHH

Das rosarote Hammeruntier läßt sich offensichtlich nicht einschüchtern: "Kleiner Feigling!" lautet die rotzfreche Antwort, welche es Marlit entgegenschleudert.

WS

So eine Frecheit! Was erlaubt sich der Hammer nur? Dem gehören die Ohren langgezogen - upps, er hat ja keine...
"Wer ist hier ein Feigling?" antwortet Marlit ernst. "Ha! Ich werde Tante Gudelne bitten, dass sie Hammerwerfen mit dir spielt. Da wird dir das Schlürfen schon vergehen!"

IS

Irritiert mustert Gudelne alles, was sich in ihrem Blickfeld befindet. Als sie dadurch nichts entdeckt, das ihre Aufmerksamkeit erregt, dreht sie sich zu den anderen am Tisch um. Dann steckt auch sie kurz den Kopf unter den Tisch und sagt zu Marlit und ihrem Monster: "Ich sehe, dass ihr euch schon angefreundet habt. Na, dann spielt mal schön." Damit zieht sie den Kopf unter dem Tisch wieder hervor, steht mit einem unbestimmt in die Runde gemurmelten: "Ich bin gleich wieder da..." auf und wandert scheinbar ziellos durch das Gasthaus.

OHH

Dass die Zwergin mal nicht auf ihn aufpaßt, kommt dem Hammer offenbar sehr gelegen, da er ihren Abgang mit einem freudigen Grinsen bedenkt.
Dann aber wendet er sich wieder dem Kinde zu. "Das Hammerwerfen ist wohl erstmal verschoben." Er kichert. "Aber um deine Frage zu beantworten, Dummerchen, ICH bin der Kleine Feigling! Das ist mein Name."
Derweil verschwindet die rosa Tönung nach und nach. Nur das fröhliche Gesichtchen zeigt noch, wie ungewöhnlich diese Waffe ist.

WS

Weiß Gudelne von ihrem sprechenden Hammer? Muss fast so sein. Sonst hätte sie nicht viel Spaß gewünscht. Und er war doch nicht frech.
"Hallo kleiner Feigling", antwortet das Mädchen, "ich heiße Marlit!"

OHH

"Weiß ich doch! Ich habe schließlich Ohren am Kopf!" Und wahrlich: Für einen Moment lang bilden sich an den Seiten zwei regelrechte Eselslauscher heraus, die sich auf dem Boden entlangschlängeln, da der Hammer ja auf dem Kopfe steht.

WS

"So ist das also", bemerkt Marlit. "Nun, warst du schon immer ein Hammer, oder bist du ein verzauberter Prinz oder etwas dergleichen? Großvater hat mir darüber Geschichten erzählt!"

OHH

Der Kleine Feigling muß sich alle Mühe geben, sein meckerndes Lachen nicht durch den gesamten Schankraum schallen zu lassen. Dann erwidert er toternst: "Ja, küß mich!"
Die Ohren bilden sich derweil wieder zurück, um gänzlich zu verschwinden.

WS

Marlit schüttelt den Kopf. "Nein, so geht das nicht. Erst musst du mir ein paar Wünsche erfüllen!" Solch einem vorlauten Hammer wird sie es schon zeigen. Interessant findet sie es auch, dass die verbliebene Tischgesellen von so einem Ding so unbeeindruckt bleiben.

OHH

Der Hammer staunt nicht schlecht über diese Forderung. Ein kleines Ärmchen schält sich aus dem Stiel, der Zeigefinger legt sich wie überlegend auf den Mund. Doch das Grinsen zeugt davon, wie er sich über dieses Gespräch amüsiert.
"Ein paar gleich? Dann will ich auch mehrere Küsse! Was sind das für Wünsche?"

WS

Gleich mehrere Küsse! Die Hämmer von heute werden auch immer aufdringlicher. Aber was hat Marlit nur für Wünsche? Da gebe es viele: Süßigkeiten, weiße fliegende Pferde, Geschwister, Süßigkeiten...
Aber zuvor hat sie noch einen anderen Vorschlag: "Gleich! Erst möchte ich noch etwas machen. Die Sitzhaltung ist nicht so bequem, ich glaube, ich werde dich auf den Tisch stellen, dann können wir besser plaudern!"

OHH

"Ist gut", erklärt sich der Hammer einverstanden. "Ich mache mich auch gaaanz leicht!" Sind das tatsächlich zwei kleine Flügelchen, die ihm an seinem Stiele wachsen?

WS

"Großartig!" Und dann ergreift sie ihn schon, und wahrhaftig, er wiegt rein gar nichts, leicht wie eine Feder ist er. Und als hätte sie so eine in der Hand, stellt sie ihn mit Schwung auf den Tisch - natürlich mit Kopf nach unten. Dadurch, dass sie etwas mehr Gewicht erwartet hatte, unterschätzte sie etwas ihre eigene Kraft. "Entschuldige...!"

OHH

Als er auf den Tisch gewuchtet wird, zucken die Augen des Hammers sichtlich zusammen. Der erst so lachendbreite Mund verschmälert sich, wird wellig und eine klitzekleine Träne kullert dem Hammer über das, was man seine Stirn nennen könnte. Und unter leisem Wimmern bildet sich eine beachtliche Beule heraus, die ihn langsam in die Höhe hebt.

PS

Arcana Fixiert den Hammer. Dabei wirkt sie sehr konzentriert und beginnt langsam, die Worte "Analüs Arcanstruktur Entblöße die Magienatur!" zu Sprechen. Doch irgendetwas stimmt nicht, sie kann sich nicht ausreichend konzentrieren. Aber Arcana ist nicht gewillt, diese Sache auf sich beruhen zu lassen.

FE

Nach einigen Minuten nachdenklicher Ruhe beschließt der greise Magier, sich wieder einmal etwas um seine Umgebung zu kümmern. Und da entdeckt er tatsächlich auch etwas, das seiner Aufmerksamkeit würdig ist. "Oh... Was hast du denn da, mein Kind?" fragt er Marlit.

PS

Völlig entspannt richtet Arcana ihren Blick wieder auf den Hammer, nicht verkrampft wie eben, nein, intuitiv betrachtet sie ihn, scheint fast durch ihn hindurch zu blicken. Da wiederholt sie die Formel von eben: "Analüs Arcanstruktur Entblöße die Magienatur!" Ihre Worte klingen viel weicher, fast liebevoll mit Mütterlicher Hingabe gesprochen. Und anders als zuvor strömt die Magie durch ihren Geist, ihren Körper, durch den Raum. Chaotisch und fremdartig ist des Hammers Magie. Die starke Magie geht tatsächlich vom Hammer selbst aus - koboldische Illusionsmagie!
Dann richtet sie ihr Wort an den Hammer: "Du bist der erste Hammerkobold der mir begegnet."

WS

Marlit scheint in etwas Saures gebissen zu haben, so verzieht sich ihre Miene: "Es tut mir leid, kleiner Feigling! Ich dachte nicht, dass du so leicht bist!" Es scheint ihr wirklich leid zu tun, denn ihre Augen blicken sorgenvoll auf den... verletzten Hammer. Sie stützt den Schwerverletzten, damit er nicht wegen der stark anwachsenden Beule umfällt.
Dann vernehmen des Mädchens Ohren ein `Analüs Arcanstruktur'. Was immer das auch sein mag, ein Küchenrezept sicher nicht. Es klingt so... unheimlich. Leuchten die Augen der Rothaarigen vielleicht dabei rot auf? Nein, doch nicht. Verschwindet die Beule des Kleinen Feiglings? Leider auch nicht. Oh, es tut ihr so leid, sie wollte ihm nicht weh tun.
Nun spricht sie plötzlich der alte Mann an. "Er ist verletzt", antwortet sie ihm überrascht. Sie hatte gar nicht mehr an seine Gegenwart gedacht.
Marlit blickt sich um - irgendein Tuch mit kaltem Wasser wäre gut. Das hilft sicherlich gegen Kopfschmerzen. Nur woher nehmen? Ach ja, an der Theke gibt es sicherlich sowas. "Kleiner Feigling, ich hole nur etwas Feuc..." beginnt sie dem Hammer zu erklären, als die Rothaarige plötzlich grinsend dazwischenredet.

OHH

"Ein feuchtes Küßchen hilft bestimmt auch", erklärt Kleiner Feigling.
Kurz scheinen Mund und Augen um den Hammerkopf herumzurutschen und sich Arcana zuzuwenden. "Ich bin kein Hammerkobold, sondern ein Koboldhammer", belehrt er sie, dann huscht das Gesichtchen wieder zu Marlit zurück und schaut sie aus groooßen Augen an.

WS

Ein feuchtes Küßchen - hier in der Öffentlichkeit, wo sie immer mehr das Gefühl hat, beobachtet zu werden! Außerdem... was passiert, wenn man einen Koboldhammer küsst? Wird man dann verzaubert? Oder auch zu einem Hammer? Aber die hauptsächliche Frage ist vorläufig einmal: "Kleiner Feigling, was ist ein Koboldhammer? Und was eigentlich ist ein Kobold?"

FE

Verwundert und neugierig beobachtet Yerodin das Mädchen und seinen Hammer. "Verletzt..." murmelt er unentschlossen. "Naja..."

OHH

Der Hammer überlegt sichtlich, wobei seine Beule geringfügig wieder zu schrumpfen scheint.
Dann plappert er: "Kobolde sind ganz liebe, lustige Gesellen, die viele schöne Dinge können - wie zum Beispiel mich machen. Sowas wie Feen. Du kennst doch Feen!" Der letzte Satz klingt beinahe wie eine Aufforderung, aber dann kommt noch eine richtige solche: "Nun küß mich schon, bevor die Beule größer wird als mein Kopf!" Und tatsächlich legt der Auswuchs wieder ein wenig zu und verfärbt sich leicht rötlich.

WS

Jetzt beginnt auch Marlits Gesicht rot anzulaufen - ihre Hautfarbe liegt nun irgendwo zwischen der von der Beule und Arcanas Haaren. Ganz heiß ist ihr plötzlich. "Küssen, äh..." Das ist nicht gerade ein Gebiet, in dem das Mädchen sehr bewandert ist - und dann all die Leute herum - und dazu noch einen sprechenden Hammer. "Äh, also... also, du sagst, Kobolde sind lieb?"

OHH

"Ja, seeehr lieb! Genau wie ich", lächelt der Hammer und blinzelt unschuldig mit den Äuglein.

FE

Misstrauisch blinzelnd beobachtet Yerodin die Szene weiter. `Vielleicht sollte doch jemand das Mädchen warnen, schließlich kann... Aber, vielleicht sagt er die Wahrheit... Naja, was kann schon passieren, es verspricht jedenfalls interessant zu werden.'

WS

Marlit - noch immer knallrot - versucht diesem auffordernden Blick auszuweichen. Ihr Blick fällt auf den Alten, der am Tisch sitzt, und der mehr als ein Mysterium ist. Sie fühlt sich gleich noch mehr beobachtet - wahrlich nicht zu unrecht.
Schlussendlich versucht sie, etwas Zeit zu schinden, bis verdammt noch einmal einer der blöden Erwachsenen hier irgend etwas Vernünftiges sagt. Alle begaffen sie nur.
Ist ja wirklich ärgerlich. Sie kann sich ja hier nicht von einem Hammer anmachen lassen - ja `anmachen'. Das war das Wort, das Grissela immer verwendet hat, wenn Roderick wieder einmal keine Ruhe gegeben hat.
"Warst du immer ein Hammer, oder vorher ein Kobold?" Saublöde Frage zwar, aber unter all dem Druck fällt ihr nichts Besseres ein.

OHH

Der Stiel des Hammers scheint sich kurz ein klein wenig in Marlits Richtung zu verbiegen.
"Sie will mich nicht küssen", wimmert er schließlich. "Ich sterbe hier, und sie will mich nicht retten!"

WS

"Ha! Sterben! DAS kannst du jemand anderem erzählen!" antwortet Marlit mit ernstem Blick. "Seit wann können Hämmer sterben! Aber wenn du so zaubermächtig bist, verwandle dich doch einfach in den Prinz meiner Träume - dann können wir übers Küssen noch einmal reden! Ansonst hole ich jetzt ein feuchtes Tuch, um die Beule und deinen Kopf etwas abzukühlen!"

OHH

Auch der Hammers scheint nun langsam seine Geduld einzubüßen. "Soso, unsterblich! Das junge Fräulein scheint sich ja bestens mit Koboldhämmern auszukennen!" Damit verzieht er den Mund und schaut beleidigt von Marlit weg.

WS

"He, kleiner Feigling!" versucht Marlit nun wiederum den Koboldhammer zu beruhigen. "Aber ein Hammer kann doch normalerweise nicht sterben - nur zerbrechen, oder so...?!"

OHH

"Wortklauberei", grummelt Kleiner Feigling. "Kaputt ist kaputt."

WS

Da entsinnt sich Marlit des Schlürfens, und meint themenwechselnd: "Kann ich dich vielleicht mit ein wenig Honig trösten?"

OHH

"Hm... hmmmm..." grübelt der Hammer lautstark und offenbar nicht recht überzeugt. "Und was ist mit meiner Beule?"

WS

"Warte hier, ich hole nur schnell ein feuchtes Tuch! Das kühlt dann ganz angenehm!" Und schon erhebt sich das Mädchen - es ist sicher besser zur Theke zu eilen, als in der Öffentlichkeit mit Koboldhämmern zu schmusen.

OHH

Wütend und enttäuscht verzieht Kleiner Feigling seinen imaginären Mund, der kurz darauf samt der Augen verblasst und schließlich gar gänzlich verschwindet. Und auch die Beule bildet sich zurück, bis nichts mehr an diesem Kriegshammer auf etwas Ungewöhnliches hindeutet.

WS

"Hallo?" Marlit blickt ihn an. "Kleiner Feigling, was ist denn los?" Als ob sie es nicht wüsste! Sie tätschelt den Hammer ganz liebevoll.

OHH

"Du traust mir nicht", murrt eine verhaltene Stimme, ohne dass an dem so normal aussehenden Hammer eine Veränderung vorginge.

WS

"Das hat nichts mit Vertrauen zu tun. Aber küssen ist etwas Besonderes. Und Küsse soll man nicht einfach so hergeben. Und es ist nun einmal so: Du bist ein Hammer, ich ein Mädchen - wir passen einfach nicht zusammen!" antwortet Marlit darauf.

OHH

"Ich will dich nicht heiraten", knurrt Kleiner Feigling. "Ich wollte nur geheilt werden, aber wenn du so wenig Mitleid hast, spare ich mir lieber weitere Worte." Damit kippt er unvermittelt um, dass der Steil ebenso wie der Kopf auf dem Tische liegt, und die Stimme schweigt so betont, dass man es schon fast hören kann.

WS

"Blödsinn!" meint darauf Marlit energisch. "Du wolltest mich nur anmachen! Und zaubern kannst du auch nicht!" Beleidigt verschränkt sie die Arme, und blickt weg. Sie hätte ein feuchtes Tuch geholt, ihn damit liebevoll gepflegt, aber das wird sie jetzt nicht tun - das hat ER nun davon. Selber Schuld!

OHH

`Das habe ich auch nie behauptet', hört Marlit in ihrem Kopfe die piepsige Stimme des Hammers. `Du aber, und da ist es gemein, mir nicht zu helfen. Ich bin ja sooo unglücklich!' Herzzerreißendes Geschluchze folgt.
Außenstehende bekommen davon nichts mit, wohl aber von der Beule, die sich wieder hervorbildet und wirklich nach furchtbaren Schmerzen aussieht, wie sie so in allen erdenklichen Farbtönen funkelt.

IS

Gudelne tritt an den Tisch heran. Als sie den Hammer darauf erblickt und dann auch noch die bunte Beule, kann sie sich ein Glucksen nicht verkneifen. Das ist doch zu komisch! Na, jedenfalls scheint er keinen Unfug gemacht zu haben. Sie zieht ihren Stuhl zurück, setzt sich drauf und greift zu ihrem Bierkrug.

WS

Marlit ignoriert einmal seine Worte, insbesondere da Gudelne wieder zurück ist. Kaum hat sie sich gesetzt, und bevor sie noch einen Schluck Bier genommen hat, wird sie von Marlit schon mit einer Frage konfrontiert: "War er schon immer so?"

IS

Gudelne hat sich gerade gesetzt und hebt den Bierkrug zu ihren Lippen, als Marlit sie anspricht. Verwirrt blickt sie Marlit an, dabei den Krug auf halber Höhe zu ihrem Mund haltend. "Wer war schon immer so?" Ob sie wohl von Atreo redet? Schließlich hat er sich kurz zu Marlit umgeblickt, aber das kann es ja wohl nicht sein, oder?

WS

Typisch, die Erwachsenen verstehen wieder einmal gar nichts! Aber Marlit antwortet ganz ruhig: "Der Hammer! Er spricht!"

OHH

"Nein, ich war nicht immer mit Beule!" grummelt der Hammer.

IS

Bei Marlits Worten geht auch Gudelne ein Licht auf. "Ach, der Hammer! Der hat schon immer gesprochen. Mal mehr und mal weniger - je nachdem wieviel Unsinn er vorher angestellt hat", fügt sie mit einem ironischen Schmunzeln hinzu.
Als der Hammer dann eine Beule erwähnt, wird sie stutzig: "Was für eine Beule? Hämmer haben normalerweise keine Beulen, und dieser schon gar nicht. Er ist nämlich unzerbrechlich. Wurde mir jedenfalls versichert. Ausprobieren konnte ich das nicht, er hat irgendwie was degegen, wenn ich versuche, mit ihm irgendein großes Hindernis aus dem Weg zu räumen."
Dann beugt sie sich zu Marlits Ohr hinab und flüstert, so dass die Kleine es kaum verstehen kann: "Der ist nämlich ganz schön wehleidig, und der Mutigste scheint er auch nicht zu sein."

WS

Während Gudelne spricht, wandert ein Lächeln über Marlits Lippen. "Ja, DAS dachte ich mir", antwortet sie leise. "Er jammert und jammert - und alles nur, weil er will, dass ich ihn küsse!"

OHH

`Ich höre das sehr gut!' zischt es in Gudelnes Kopf. Und dann murmelt er: "Was ist so schlimm daran, einen liebenswerten Hammer zu küssen?"

IS

Also hat der Hammer sie doch gehört! Inzwischen müsste sie es eigentlich besser wissen. Schon brennt ihr eine bissige Antwort auf den Lippen, als sie es sich noch mal überlegt. `Nur keinen Streit anfangen. Das Letzte, was ich heute brauche, ist, dass mir mein Stuhl unterm Hintern zusammenbricht - oder etwas ähnlich Unangenehmes.' Und so fügt sie an Marlit gewandt hinzu: "Aber er hat mir auch schon ein oder zwei Mal das Leben gerettet", wie um den Hammer zu beschwichtigen.
Als sie aber hört, dass der Hammer Marlit küssen wollte, verzieht sie angewiedert das Gesicht: "Also küssen würde ich auch keinen Hammer, jedenfalls nicht freiwillig. Und auch wenn Menschen manchmal seltsame Ideen haben, und es da so komische Gerüchte geben mag, wir Angroschim bevorzugen in der Regel andere unserer Art als Bett-Partner." Ein leicht melancholische Lächeln umspielt ihre Lippen und ihre Gedanken wandern unbewusst zu einem Gesicht, stark, mit einem beeindruckenden Bart, das von Entschlossenheit und Mut spricht, und ihre Lippen formen ein Wort: "Igor" flüstert sie.

WS

Marlit hat wieder einmal überhaupt keine Ahnung, was Menschen sich erzählen, was Angfroschwimms (ist ja ein schwieriges Wort) im Bett bevorzugen. Dazu müsste sie erst einmal wissen, was Menschenpaare so alles im Bett wirklich machen - außer schlafen wohlgemerkt (DAS zumindest kennt sie zur Genüge). Da das Maedchen mit dereilei Dingen keine Erfahrung hat, nickt sie einfach - was weiß sie, mit was diese Angroschdings so üblicherweise ins Bett gehen.
"Ist das dein Mann?" fragt Marlit neugierig.

IS

"Igor?" Traurig schüttelt Gudelne den Kopf. "Mein Mann ist er nicht. Igor ist jemand, den ich vor langer Zeit getroffen habe, ich war damals noch ganz jung. Das ist schon so lange her, dass ich mir manchmal selber nicht sicher bin, ob es vielleicht doch nur ein Traum war. Manchaml, in meinen Träumen, kommt es mir so vor, als ob ich das alles noch mal durchlebe. Die Kälte und die unsägliche Erschöpfung und dann..." Hier stockt sie kurz. Scheinbar kann sie gerade noch eine Bemerkung unterdrücken, die ihr scheinbar irgendwie peinlich ist.
"Und immer wieder sehe ich sein Gesicht. Nur wenn ich wieder aufwache, kann ich mich nur noch an ein Gefühl des Unbehagens erinnern, und sein Gesicht ist ganz verschwommen, so als wäre es nur ein Traum." Langsam beginnen ihre Augen, feucht zu glänzen. Die Erinnerung scheint sie doch sehr mitzunehmen. Plötzlich reißt sie den Bierkrug hoch, setzt ihn an ihre Lippen, wirft den Kopf zurück und trinkt den kleinen Rest in einem Zug aus, so als wolle sie die ungewollte Erinnerung verscheuchen.

WS

Das ist ja sooo traurig! Auch die sensible Marlit scheint von der schmerzhaften Erinnerung in den Bann gezogen zu werden - so wie damals, als ihr eine junge Frau erzählte, wie sie auf einer Schiffsreise den Mann fürs Leben gefunden hatte, und das Schiff dann untergegangen war, und nur sie überlebte. Das war auch sooo traurig gewesen.
Aber scheinbar dürfte Bier über Liebesschmerzen hinweghelfen - eine interessante Entdeckung, muss frau sich merken. Möglicherweise kann sie diese einmal brauchen (aber hoffentlich nicht).

AMi

Der Wirt klatscht zweimal gut vernehmlich in die Hände und sagt dann, nachdem des einen oder der anderen Aufmerksamkeit sich ihm zuwendet: "Herrschaften, die letzte Runde, Ausschank und Eber schließen in Kürze."

IS

Der Ruf des Wirtes weckt Gudelne aus ihren Tagträumen. Ist es schon so spät? Schnell hebt sie ihren leeren Bierkrug in Richtung des Wirtes und ruft: "Noch ein Ferdocker!"

WS

Alle guten Dinge gehen zu Ende. Letzte Runde - nun, das Mädchen hat ja noch seinen halbwegs kalten Tee. Der muss auch einmal ausgetrunken werden. Also weg mit Tee und Honig - und ein gewisser Hammer bekommt nichts davon, keinen Kuss, keinen Honig, nur eine Beule. Es ist halt verdammt hart, der Beste zu sein.

OHH

Keiner hat mich lieb", wimmert der Hammer leise.

WS

Was aber gar nicht stimmt, denn Naki ist nun endlich ausgeschlafen, und als der Kater sich wieder auf seine vier Pfoten stellt, bemerkt er ziemlich rasch, dass es da was Neues zum Spielen und Liebhaben gibt. Schon rennt er auf den Hammer zu.

OHH

Ein Auge entsteht an der Naki zugewandten Seite des Hammerkopfes. Es blinzelt ungläubig, weitet sich vor Erstaunen. Ein Katerchen, das mit etwas so hartem wie ihm spielen möchte? Wie rührend! Es muß des Hammers guten Kern erkannt haben. Schnell macht er sich ein wenig weicher, damit sich das Kerlchen nicht an ihm verletzt.
Dann bekommt Marlit, die auf seine Bemerkung leider nicht reagierte, wieder ihre scheinbar notwendige Vorhaltung: "Siehst du, dein kleiner Freund hat keine Angst vor mir!"

WS

Mitten in einer so traurigen Stimmung meldet sich also einmal mehr der Hammer zu Wort. "Ich habe auch keine Angst vor dir!" faucht Marlit ihn an. "Ich will dich nur nicht küssen!" Langsam nervt er wirklich.
Und Naki bleibt stehen - dieser Tonfall, was hat seine Menschin nur?

OHH

Nun verstehe einer dieses Mädchen! Was bliebe wohl noch übrig, wenn sie wirklich keine Angst, keine Abneigung und kein Mißtrauen hätte? "Warum denn nicht?"

WS

"Weil ich nur meinen Traumprinzen küssen werde! Und du schaust sicher nicht wie der aus!" antwortet Marlit schnippisch.

OHH

Im ersten Moment will Kleiner Feigling schon aufgeben. Dem Kinde ist ja nicht zu helfen!
Dann aber zeigt sich doch wieder seine koboldige Neugier und Ungeduld. Und sein Drang, seinen Hammerkopf durchsetzen zu wollen. Das muß jetzt ausdiskutiert werden! Am Schluß wird entweder er verstehen - oder sie wird ihn küssen.
"Warum nur den Traumprinzen? Und wie sieht der aus?"

IS

Nur mit einem halben Ohr folgt Gudelne der Unterhaltung am Tisch. Als der Hammer so mitleidheischend wehleidig rumjammert, ist sie kurz davor einzugreifen. Aber dann überlegt sie es sich anders und beschließt, sich erst mal nicht einzumischen. Statt dessen kommt es ihr in den Sinn, dass die Sache mit dem Bier vielleicht viel schneller geht, wenn sie ihren Bierkrug selber an die Theke bringt und dort füllen lässt. Also steht sie auf, greift sich ihren Krug und mit einem gemurmelten: "Bin gleich wieder da!" macht sie sich auf den Weg zur Theke.

WS

Marlit achtet gar nicht weiter darauf, dass Gudelne wieder den Tisch verläßt, sondern blickt zuerst auf Naki, der sich wieder Richtung Hammer bewegt, dann fällt ihr Blick auf jenen.
"Traumprinz - wie er ausschaut?" Ihr Blick verklärt sich. "Groß muss er sein - und stark - er muss mich auf Händen tragen können. Und lieb muss er sein, ganz lieb. Und schöne Augen muss er haben - blaue, die wie das Wasser im Sonnenschein glänzen. Aber sie können auch braun sein..." Marlit überlegt kurz. "Die Farbe ist eigentlich nicht so wichtig. Bart darf er keinen haben - das kratzt immer so, wenn man Bussis gibt."

OHH

Groß, stark, Hände? Diese Ansprüche übersteigen die magischen Fähigkeiten des Koboldhammers bei Weitem! Zumal, wo es doch nur um ein harmloses Küßchen geht.
"Ich bin auch lieb und habe keinen Bart", erklärt er beiläufig mit blauen Augen, die wie Wasser im Sonnenschein glänzen. Doch die andere Frage steht noch offen: "Warum nur den Traumprinz?"

WS

Harmlos vielleicht für den Hammer, aber für Marlit ist der erste Kuss etwas Besonderes. "Warum nur den Traumprinz? Nun, meinen ersten Kuss möchte ich jemanden schenken, den ich von ganzem Herzen liebe. Es soll unter einem vollen Madamal geschehen, das wäre schön. Nur wir alleine, und dann ein Kuss der uns für ewig verbindet. Ach, es ist so schwer das zu beschreiben! Schließe die Augen Kleiner Feigling, du musst das fühlen. Niemand ist für die Einsamkeit geboren, für jeden gibt es jemanden zum Liebhaben!"
Was für eine Träumerin! Spätestens jetzt wäre einer schwarzhaarigen Dame, welche vor zwei Tagen hier gewesen ist, gewaltig schlecht geworden.

OHH

Diese Erklärung befriedigt Kleiner Feigling sehr. Es mag ein Traum sein, ein höchst illusorischer gar, doch um so weniger darf ein Koboldhammer sich herausnehmen, ihn in Frage zu stellen. Träume sind wichtig - sehr, sehr wichtig!
So schließt er Marlits Rat folgend die Augen, bis sie gänzlich verschwinden. Ein verträumtes Seufzen ist leise zu hören, und ganz zuletzt - beinahe so, als würde er sich verabschieden und zu Bett gehen - kann das Mädchen noch seine befriedigte, hoffnungsvolle Stimme in ihrem Geist vernehmen: "Viel Glück, kleine Marlit..."

WS

"Danke, kleiner Freund", antwortet sie leise und versinkt wieder in ihre Traumwelt, die bevölkert ist von einem - derzeit noch gesichtlosen - Ehrenmann, welcher sie beschützt, sie umarmt, sie festhält gegen das Toben des Sturmes. Ein Pferd an seiner Seite, weiß wie Schnee, mit einem Horn auf dem Kopfe und prächtigen Flügeln, und welches mittels der Stimme der Hoffnung ihr zuflüstert: "Eines Tages werden wir uns treffen!"
Es ist ein Traum, nur ein Traum.
Die Zeit ist gekommen, die Augen zu schließen und den Herrn Boron sein Amt walten zu lassen - oder einfacher ausgedrückt: Es ist Schlafenszeit! Auch Marlit spürt langsam die Müdigkeit, nachdem nun auch der Kleine Feigling schweigt und die Rothaarige gegangen ist, fühlen sich die Augenlider so schwer an. Aber erst einmal muss sich das Mädchen in Geduld fassen, bis Gudelne wiederkommt.
Da bewegt sich der Greis wieder und geht - scheinbar ist er doch nicht am Tische verstorben.
Dafür kommt die Zwergin zurück. "Hallo!" begrüßt Marlit mit müden Augen Gudelne. "Dein Hammer ist schlafen gegangen - so wie alle anderen auch...!"

IS

"Hallo Marlit", erwiedert Gudelne. Dann nimmt sie ihren Hammer ganz vorsichtig zur Hand. "Du siehst auch so aus, als gehörst du ins Bett. Ich habe noch einen alten Freund getroffen und werde mich noch eine Weile zu ihm setzen. Wenn du möchtest, kann ich dich aber erst ins Zimmer bringen. Ich komme dann später nach." Fragend blickt sie Marlit an.

WS

Marlit nickt müde. "Ja, bitte!"

OHH

Ein zufriedenes Lächeln breitet sich über den Hammerkopf aus. Ein Hammer, der schläft! Nein, wie ulkig! Herrlich, wenn Menschen solche Phantasie aufbringen!

IS

`Die Kleine kann ja kaum noch die Augen aufhalten', denkt Gudelne. "Na dann komm mal mit!" fordert sie das Mädchen auf. Marlit nickt nur und steht auf.
Da erblickt Gudelne das Geld, das Feledrion auf den Tisch gelegt hat, und beiläufig sammelt sie es ein. Dann dreht sie sich um und geht zusammen mit Marlit durch den Schankraum und die Treppe hoch. Oben angekommen steuert Gudelne auf die erste Tür an der rechten Seite zu, kramt in ihrer Hosentasche und schiebt schließlich einen Schlüssel in das Schloss. Dann öffnet sie die Tür und hält sie Marlit auf. Der Raum dahinter ist stockfinster, aber das scheint die Zwergin nicht sonderlich zu stören.
"Ich mache erst mal Licht", sagt Gudelne, als sie merkt, dass Marlit an der Tür stehen bleibt. Also geht sie hinein und fängt an, in einer ihrer Taschen zu wühlen. Schon nach kurzer Zeit hört man es scheppern und dann ein `Klick'. Kurz darauf taucht Gudelne mit einem brennenden Kerzenstummel in der Hand wieder auf. Hinter ihr kann man schemenhaft das Zimmer sehen. Auf einem der zwei Betten sind Kleidungsstücke, Lederteile und ein Kettenhemd wild durcheinandergeworfen. Das andere Bett ist noch frei.
"Komm doch rein!" fordert sie Marlit auf. "Du kannst auf dem freien Bett schlafen. Ich komme dann später nach."
Den Hammer lehnt sie an das Bett. "Pass gut auf die Kleine auf!" flüstert sie ihm zu. Und mit einem "Gute Nacht" geht sie an Marlit vorbei, stellt die Kerze hin und geht aus dem Zimmer.

OHH

Endlich mal eine gebührliche und vertrauensvolle Aufgabe für Kleiner Feigling! Hocherfreut macht er sich sogleich aufs Gewissenhafteste an die Arbeit, indem mal wieder ein Auge erscheint - welches er im Grunde gar nicht für seine Wahrnemung bräuchte, zumal es nur eine Illusion ist - und sich damit umschaut. Besonders unter dem Bett wird gründlichst nach Ratten, Räubern und Gespenstern Ausschau gehalten.

WS

Müde steht sie da, ein Mädchen von jungem Jahr. Dunkel ist es in dem Raum, doch Marlits Geist freut sich bereits auf einen schönen Traum.
"Danke!" antwortet sie leicht zeitverzögert Gudelne, nachdem sie Licht gemacht hat. Dann noch ein "Gute Nacht!" aus ihrem Munde, obwohl sie absolut keine Ahnung hat, ob ihre Worte noch das angestrebte Ohr erreichen. Schlußendlich fällt sie wie ein gefällter Baum um - hinein ins Bett. Angezogen wie sie ist, betritt sie ohne Umschweife Borons Reich. Und daneben brennt noch die Kerze.

OHH

Nachdem die Untersuchung unter dem Bett abgeschlossen ist, wendet sich das Auge dem Rest des Gemachs in seiner Gänze zu, mit besonderem Bedacht immer wieder dem Lichtlein, das wohl bald runtergebrannt sein wird und sich dann selbst verlöscht. All dies begleitet von dem friedlichen Atmen des Kindes.
So ein Koboldhammer kann bisweilen sehr bescheiden sein in dem, was ihn glücklich macht.

WS

Marlit besucht das Land der Träume - und findet sich an einem weit, weit entfernten Ort wieder...
Es war vor langer, langer Zeit, als das stolze Volk der Rauschbartzwerge die Handelrouten blockierte, weil die Menschen hohe Steuern für den Handel einheben wollten. Und so konnte niemand mehr zu einem kleinen Königreich kommen, welches von einer jungen, hübschen und sehr weisen Königin, namens Marlit der Ersten, regiert wurde.
Da sich die Ratgeber und Offiziere des Kaisers nicht über eine Lösung einigen konnten, werden von diesem zwei Eber-Ritter - die Beschuetzer von Frieden und Gerechtigkeit - geschickt, damit diese den Konflikt lösen sollen - nämlich Hammerkopf, den klugen Elfen, und Naki, den kaiserlichen Kampfkater.
Und so beginnt die `Saga Von Der Mutigen Königin Marlit Und Ihren Freunden'.

OHH

Ob seiner telepathischen Fähigkeiten - die er natürlich hemmungslos und voller Neugier einsetzt - beginnt sich die Aufmerksamkeit vom verglimmenden Docht ab- und Marlits Traumbildern zuzuwenden. Kommt er etwa auch darin vor?

WS

Und Marlit träumt...
"Und was machen wir morgen Abend?"
"Dasselbe wie jeden Abend, Eure Majestät, wir wollen die Welt mit einem schönen Ball beglücken!"
Die weise, liebenswerte und ach so hübsche Königin Marlit nickt zufrieden. Nachdem sie ihr zierliches Goldkrönchen zurechtgerückt hat, wandert ihr Blick von der Dienerin zu ihrem Betreuer, dem alten Feledrion. Schon seit Generationen steht der Elf dem Königshaus als Berater zur Seite. Und er meint sorgenvoll: "Das verstummen des Gesangs der Rauschbartzwerge kann nur eines bedeuten: Invasion!"
Da erschallen schon Trompeten in weiter Ferne - ein Zeichen für den Angriff. Auf großen, wuchtigen Echsen kommen die Zwerge in die Stadt geritten, und Marlit, die sich plötzlich auf dem Balkon wiederfindet, kann dies nur mit Erschrecken zur Kenntnis nehmen. Wie soll sich ihr Volk nur dieser Gefahr erwehren? Die Bürger von Marlitana widmen sich doch nur der Kunst und der Freundschaft. Nie würde jemand Waffen zur Hand nehmen, nie würde jemand etwas Böses sagen.
Da wird die tapfere Königin schon gefangen genommen, und gemeinsam mit ihren Dienerinnen von grummeligen Zwergen durch die Stadt geführt. Alles scheint verloren, was wird nur mit ihnen geschehen? Wird man sie ins Bergwerk stecken oder sogar die Seelen aussaugen?
"Schurkenpack!" Eine Stimme lässt die Rauschbartzwerge mitten in der Bewegung erstarren. Ängstliche Blicke kreuzen sich und ein Name wird geflüstert: "Hammerkopf!"
Und da ergießt sich schon ein Korb voller stinkender Fische über die Häupter der Eroberer, und panisch rennen die Zwerge davon - es weiß ja jeder Großvater, dass die kleinen Gesellen Fische und Wasser wie die Duglumspest fürchten.
Kaum sind die Bösewichte weg, treten zwei Gestalten aus dem Schatten. Die erste ist ein aufrecht gehender Kater. Er ist einen Kopf größer als Marlit, schwarz ist sein Fell, und seine Augen strahlen Stolz und Mut aus.
Die zweite Person ist ein Elf. Braungebrannt und muskuloes, mit blauen Augen und langem blonden, lockigen Haar, welches er zusammengebunden hat. Er kniet sich vor der Königin nieder, küsst ihre Hand, und sagt mit einem Lächeln: "Mein Name ist Hammerkopf, Eure Majestät und es ist mir eine Ehre, euch beschützen zu dürfen!"

So leise auch die Ankunft von Gudelne und Atreo sein mag, Marlits Unterbewusstsein bemerkt diese trotzdem. Aber sie wacht nicht auf, sondern gibt nur ein Wort von sich, welches aber scheinbar nur aus einer zufälligen Zusammenhäufung von Buchstaben besteht, dreht sich dann auf die andere Seite und schläft einfach weiter...

Träume gleichen dem Nebel; kaum ineinander verwoben, undurchsichtig und geheimnisvoll, reißt er einen Herzschlag später auf, verflüchtigt sich, oder verwebt sich zu etwas Neuem. Hatte Marlit gerade noch um ihr Volk gezittert, sitzt sie nun auf einem Sessel, der denen im Eber gleicht. Auch ihr herrschaftliches Gewand ist dem von einem seit langem herumwandernden Mädchen gewichen. Der Raum ist beinahe leer, nur eine lange Sitzbank ist erkennbar und alles ist mit roten Vorhängen zugehängt. Rot flackert das allesbeherrschende Licht, als würde ein Lagefeuer brennen - jedoch keinerlei Flammen sind erkennbar. In der Mitte des Raumes steht Gudelne, und ihr Gewand leuchtet ebenfalls rötlich. Sie deutet zu ihrer Linken, wo der Hammer steht, dann zur Rechten zu Feledrion. Dann spricht sie, und ihre Worte wirken verzerrt und fremdartig: "Eiinnn unnnnd derseeelbe!" Marlit zuckt mit den Schultern, sie versteht rein gar nichts.
"Wo wir herkommen, da liegt immer Musik in der Luft, und die Vögel singen schöne Lieder", fährt Gudelne fort, und beginnt zu einer leisen Melodie mit den Fingern zu schnippen.
Ein Schatten scheint durch den Raum zu wandern, als Feledrion spricht: "Die Eulen sind nicht, was sie scheinen!"
Und etwas Gewaltiges schiebt sich vor die Praiosscheibe, verdunkelt die Welt zu ihren Füßen. Eine Hand legt sich auf die Schulter des Mädchens. Endlich ist Marlit einer Bewegung fähig, sie blickt sich um - und ihre Augen weiten sich vor Erkenntnis. Sie vernimmt eine wohlbekannte Stimme, eine Stimme aus ihrer Vergangenheit: "In 25 Jahren werden wir uns wiedersehen!" Und sie flüstert...

"Vater!" ist das zweite Wort, welches der schlafenden Marlit entkommt, dann dreht sie sich weiterschlafend auf die andere Seite zurück und versinkt in eine traumlose Schwärze. Tief und ruhig ist nun ihr Schlaf.

OHH

Atreos Blick fällt auf den Hammer am Bett. "Hallo", schmunzelt er ihn an, als er dort ein Auge gesehen zu haben glaubt. Armer kleiner Kerl, eigentlich! Dem ist bestimmt furchtbar langweilig, wenn alle anderen schlafen!
Tja, was wissen die Menschen schon über Koboldmagie!


Ausschnittliste / Gästeliste / Lageplan / Atreos Haus

Redaktion & Lektorat: OHH