Vom Zauber des Grünen Ebers

Autoren: Oliver H. Herde und andere

OHH

Gemütlich der Morgenmelodie aus Vogelgezwitscher, Kerbtiersummen und sanftem Windesrauschen lauschend, erreicht Feledrion schlussendlich die vordere Haustüre. Drinnen im Schankraume lassen sich bereits ein paar wenige Stimmen vernehmen. Vinizarahs ist noch nicht dabei. So horcht der Elf noch ein wenig weiter auf das Konzert.

VW

Timon schlendert langsam in Richtung der Eingangstüre des Ebers. Sieh an, dort vor der Tür steht ja auch der freundliche Elf von eben und scheint eintreten zu wollen.

OHH

Schwungvoll reißt der Kapitän die Türe auf - und hat dieses Spitzohr vor sich stehen mitsamt seinen wehendem Silberhaar. Ist der Kerl nun jung oder alt; könnte der sich mal entscheiden?

Eine Bewegung von rechts her wahrnehmend, schaut der Elf auf. Da kommt ja bereits der Junge! Möglicherweise hat Feledrion länger hier gestanden, als bewusst. Möglicherweise währte das Gespräch mit dem Knecht auch nur kurz. Es ist einerlei.
Gerade breitet sich ein Lächeln auf dem schmalen Antlitz aus, als die Türe nahezu fortgerissen wird und statt ihrer der so vieler Körperteile verlustig gegangene Seemann auftaucht. Die linke Braue hebt sich, dann folgt rückwärtig der rechte Fuß, dem beklagenswerten Menschen den Weg zu öffnen.

"Hm, ähm, danke!" brummelt der Kapitän und rauscht an dem wartenden Elfen vorüber, welcher sich trotz seines Mitleides nun doch eines Schmunzelns nicht völlig erwehren kann. Draußen kommt letzterer nicht weit, da er erst einmal die herrliche frische Luft in sich aufsaugt. Zeigt sich hier vielleicht eine erste Gemeinsamkeit?

VW

Timon wartet mit einer hochgezogenen Braue. Ein Betrieb hier, nicht von schlechten Eltern. Mal sehen, wann der Elf den Gastraum betritt, damit er selbst folgen kann.

OHH

Derweil der Kapitän noch einmal etwas unbehaglich über die Schulter späht, bevor er sich erneut auf den letzten Weg von gestern Abend macht, widmet der Elf diesem keinen Gedanken mehr. Statt dessen läd er den jungen Mann mit einer Geste seiner schlankfingrigen Hand ein, in den Schankraum voranzuschreiten.

VW

Freundlich nickt der Junge dem Elfen zu, während er an ihm vorbei in den Gastraum tritt, wo er sich kurz umsieht. Ah, da ist ja auch schon Alrik.

GH

Der kleine Herr sieht sich gezwungen, zunächst einmal den oder die Eintretenden passieren zu lassen. "Guten Morgen, guten Morgen", lässt er sich in höflicher Lautstärke vernehmen. Der erste Gruß ist dem Jungen zugedacht, der zweite wird sicherheitshalber hinterhergeschickt, falls noch jemand folgen sollte.

OHH

Und tatsächlich folgt der Erwartung des runden Menschen gemäß dem Jungen jemand Feingliedriges in den Schankraum hinein. Etwas unschlüssig schaut Feledrion zunächst dem zum Tresen enteilenden Burschen nach, dann ruckt sein Augenmerk auf den Wartenden. "Auch dir einen guten Morgen!" entgegnet er sanft dem überaus freundlich wirkenden kleinen Kerl und gleitet dabei mit einem Schritt seiner langen Beine ein wenig von der Türe fort beiseite, dem Gegenüber freien Weg zu bereiten.

OB

Bosper stakst vorsichtig die Treppe hinunter, bis er nicht mehr Gefahr läuft, sich an einem Balken oder Vorsprung den Kopf einzurammen. Auf einer der unteren Stufen schaut er geradewegs in den Schankraum und begrüßt alle Anwesenden mit einem vernehmlichen "Praios zum Gruße!"

GH

Nun kann es der runde Mensch trotz aller in Jahrzehnten eingeübten Contenance doch nicht verhindern, dass seine Augenbrauen emporzucken und sein Mund kurz in Erstaunen offensteht. Doch sogleich geht dessen Ausdruck in ein warmes Strahlen über. "Danke, das ist er schon", beeilt er sich dem Feingliedrigen zu antworten. "Das hier ist ein überaus wundervoller Ort", fügt er andächtig hinzu.

OHH

Das Heben der Brauen wird mit ebensolchem, wenn auch nur auf der linken Seite beantwortet und weicht genauso wie das andere einem fröhlicheren Ausdruck. "Freut mich. Das ist wahr", beantwortet Feledrion die beiden Aussagen und erinnert sich nicht allein der eigenen Erlebnisse in diesem Hause, sondern auch jener seines einhändigen Freundes. Dass auch ein jüngerer Bruder dereinst hier Aufenthalt hatte, weiß er nicht einmal. "Er ist voller geheimnisvoller Zauber." Sein Blick ist für einen Moment in die Ferne entglitten.

OB

Bosper staunt. Das passiert ihm selten, dass sein Morgengruß so gar nicht erwidert wird. Vielleicht war er zu leise, vielleicht war er von der Treppe aus noch nicht gut genug zu hören. Also steigt er nun die letzten paar Stufen hinab und steht nun mit seiner vollen Größe und im Ornat - ausgenommen den Schmuck in der einen und das Schuhwerk in der anderen Hand - im Schankraum und wiederholt sein "Praios zum Gruße, allerseits!"

VW

Völlig im Affekt, da er immer noch auf den prächtig zurechtgemachten Alrik schaut, antwortet der Knabe unwillkürlich und mit klarer Stimme: "Und Boron über allen."

Die Wirtin gibt dem Gatten noch einen letzten Drücker und löst sich dann, um an ihr Tagwerk zu gehen, dem Praiosgeweihten ein "Und mit Euch" zurufend, welches allerdings in einem anderen Ruf unterzugehen droht.

NW

"Sein Segen scheine stets auf Euch herab, Euer Gnaden!" tönt es nun auch von Tesden, während sich Siona von ihm löst.

GH

Der in seinem Rücken laut werdende Gruß lässt Herrn Tellicherri dann doch den Kopf wenden. "Das wünsche ich Euch auch, Euer Gnaden", antwortet er mit einem freundlichen Zunicken und der Form entsprechend.
Doch kaum ist dieser Genüge getan, richtet der Benachthemdete seine Aufmerksamkeit wieder seinem eigentlichen Gegenüber zu. Denn gewiss ist es im Sinne des Herrn Praios, wenn man über den oder die Zauber seiner Welt gemeinsam staunt. "Ich nehme an, du bist nicht zum ersten Male hier?" fragt er seinen Gesprächspartner, die vertrauliche Anrede aufnehmend. "Magst du mir von den Zaubern berichten?"

AB

Das Klappern der Teller hat den ersten Gruß des Geweihten übertönt - beim zweiten richtet sich der Knecht auf und erwidert: "Travia mit Euch, Euer Gnaden." Dann fällt sein Blick auf Timon, der sich inzwischen der Theke genähert hat. Aufmunternd winkt er ihn zu sich.

OHH

Da der Mensch im roten Hemde von jenem im weißen durch seinen zweiten Gruß auch Feledrions Aufmerksamkeit zu erlangen sucht - immerhin ist er diesmal ja ausdrücklich an alle gerichtet - weiß der Elf ein höfliches, wenngleich leicht irritiertes "Guten Morgen" zu erwidern, bevor sogleich wieder der Weißbehemdete direkt vor ihm die Oberhand über seine Achtsamkeit vor allen anderen wild Umhergrüßenden gewinnt.
Ausnahmsweise einmal beide Brauen emporziehend, mutmaßt er über dessen Unkompliziertheit, welche ihm einen weiteren angenehmen Eindruck beschert. "Ganz recht", beantwortet der Elf zunächst die erste Frage, um dann bezüglich der zweiten "Gern" zu erwidern. Mögen der Junge und der Knecht selbst hinzukommen, so es ihnen gefällt, denn noch scheinen sie sich nicht für einen Ort entschieden zu haben.

GH

Warum ein Morgengruß die Unruhe mit sich bringen muss, deren Ausbreitung er gerade im Schankraum spürt, ist dem rundlichen Herrn nicht recht klar. Denn der Morgen wird durch selbige kaum besser. Umso mehr wendet er sich mit freundlicher Miene seinem Gegenüber zu. "Wie schön. Ich bin ganz Ohr."

OHH

Auch dem Elfen entgeht die seltsame Stimmung drüben nicht, doch solche erscheint ihm nach Nennung verschiedener Gottheiten kaum überraschend. Auch der ferne Gesang aus dem Obergeschoss genügt ihm nicht, von seinem Gegenüber fortzusehen.
"Nun, so lass uns irgendwo platznehmen! Interessiert dich etwas Bestimmtes?" Vermutlich wird er zunächst eher Allgemeines hören wollen.

GH

Platz nehmen? Irritiert schaut der kugelrunde Mann an sich herunter und dann kurz durch den Raum. Einen Augenblick kraust sich seine Stirn, doch gleich darauf löst sich die Anspannung in seinem Gesicht.
"Gerne doch!" nickt er. "Und natürlich interessiert mich alles, was mit Zauber zu tun hat. Lass mich nur kurz etwas Wärmendes für Kopf, Leib und Füße hervorsuchen." Halb hat er sich wieder seiner Truhe zugewandt, doch bevor er dies ganz tut, versichert er seinem Gesprächspartner: "Dann kann ich dir noch besser zuhören."

OHH

"Ganz, wie du es möchtest", erwidert Feledrion dem besonders kleinen Menschen. Bis jener sich einen Platz ausgesucht hat, kann der Elf noch etwas darüber nachdenken, womit er dieses endlos gewaltige Thema beginnen soll - und sich ein wenig von den Leuten nahebei ablenken lassen. Zwischen dem Jungen und dem Geweihten scheint es ein Missverständnis zu geben.
Um sich besser konzentrieren zu können, wendet Feledrion den Blick wieder von den beiden ab und dem Raume zu. Gewiss sollte er zunächst herausfinden, was der Neugierige denn bereits über die Seelenkraft weiß. Er wirkt nicht, als wolle er nur Bestätigungen hören.

GH

"Da möchte ich", murmelt der Mann im langen Schlafgewand, halb dem um Zauber Wissenden antwortend, halb in seine Truhe vertieft, "meinen Morgenrock... meine warmen Toffeln... und zuletzt... die Kappe - hier ist sie ja."
Schließlich richtet er sich wieder auf, immmer noch mit dem weißen flauschigen Handtuch über dem einen Arm und nun auch mit einem grünen Morgenrock über dem anderen; mit einer ebenso grünen Zipfelkappe samt Schnur und Bommel in der einen und zwei pelzberänderten Pantoffeln in der anderen Hand. Im nächsten Augenblick beginnt er unverzüglich, sich einzukleiden.

OHH

Derweil nebenan die Diskussion um irgendwelche Gottheiten ein friedliches Ende findet - möglicherweise nicht zuletzt aufgrund des Abganges des Geweihten - beobachtet Feledrion unwillkürlich doch seinen künftigen neuen Höhrer. Jener ist offenbar eher von der angenehm gemütlichen Menschenart. Gewiss kann auch diese bisweilen ungemütlich, gar gefährlich werden, letzteres allerdings doch eher nur in größerer Zahl. Dieser allein hier wirkt noch harmloser und liebenswerter als die meisten, wenn sie allein sind.

GH

Bald hat der gemütliche Herr sich ganz allmählich in seinen Morgenrock gewickelt und mit der Kordel sorgsam eine Schleife geknotet, die dem rundlichen Leib zumindest ansatzweise so etwas wie eine Taille verleiht. Dann ist er in die Schuhe mit dem flauschigen Rand geschlüpft und hat sich schließlich die mit Schnur und Quaste geschmückte Kappe aufgesetzt.
Auf solche Art warm und behaglich eingekleidet verschliesst er seine Truhe und wendet sich wieder dem geduldigen Hochgewachsenen zu. "So. Nun bin ich bereit. Wo wollen wir sitzen?"

OHH

Dem Menschen ist der Ort nebensächlich - dies spricht für ihn. Selbst mit der Auswahl betraut, erscheint Feledrion der altbekannte Tisch am wünscheswertesten, da er luftig zwischen zwei übers Eck gelegenen Fenstern steht und fernab des im Sommer wenig anziehenden Feuers. "Wie wäre es mit jenem Tisch?" weißt der Elf daher in jenen Bereich des Schankraumes, welchen er inzwischen wohl besser kennt als jeden anderen.

GH

"Jawoll", antwortet der morgendlich Gewandete. "Den nehmen wir. Und ein Frühstück noch dazu?" Während er sich schon mit zwei Schritten auf den Weg zum gewählten Tisch begibt, dreht er sich noch einmal halb um und gibt seinem Begleiter zu verstehen: "Natürlich bist du eingeladen!"

OHH

Angebote und Geschenke schlägt man am besten nur aus, wenn man sie wirklich nicht haben möchte. Für ein Frühstück gilt dies dem Elfen natürlich gar nicht. Daher erwidert er freudig: "Sehr gern!" und folgt dem Freigiebigen. Soll jener sich nur zuerst seinen Platz aussuchen.

GH

Sollte sein abenteuerlicher Begleiter den Schankraum überblicken wollen, wie er selbst, und zugleich frische Luft bevorzugen, wonach jener aussieht, wäre es sicherlich höflich, ihm den Platz in Fensternähe zukommen zu lassen. Wenn nicht, mag er sich einen der beiden anderen wählen. Herr Tellicherri für seinen Teil beschließt, sich auf dem der Theke entferntesten Schemel niederzulassen. Das dürfte es auch mit sich bringen, dass sein Gast aller Wahrscheinlichkeit nach zuerst bedient wird. So setzt sich der Rundliche in gespannter Erwartung auf zauberhafte Berichte.

OHH

Wie sein Gastgeber bereits gemutmaßt hat, scheint Feledrion der benachbarte Stuhl an der anderen Wand am geeignetsten, da er trotz gegenwärtiger Nebensächlichkeit auch ganz gern einen Überblick darüber behalten möchte, wie es dem Jungen ergeht und ob Vinizarah erscheint.
Obgleich senkrecht auf seinem Platze, wirkt der Elf dennoch überaus entspannt, wie er nun seinem Tischnachbarn freundlich und noch abwartend ins Antlitz schaut.

GH

In aller Seelenruhe wartet der behagliche Herr, bis auch sein Gegenüber es sich bequem gemacht hat. Trotz dessen aufrechter Haltung scheint dem schließlich so zu sein. Wahrlich, der Hochgewachsene muss jemand sein, der sein Leben in gesunder Bewegung in Einheit mit Mutter Natur verbracht hat, so wie er da sitzt, kein Schreibstubengeschädigter mit Rückenproblemen.
Eine kleine Pause lässt der kugelbäuchige Mann sich und dem Anderen noch, bevor das Gespräch beginnt - so wird alles Kommende bedeutungsvoller sein. In dieser kurzen Zeit fühlt er sich in die Atmosphäre des Gastraumes hinein.
"Eine gute Stimmung atmet dieses Haus", hebt er schließlich an, während er sein Gegenüber offenherzig betrachtet. "Das spüre selbst ich. Aber deine Wahrnehmung geht sicher um ein Vielfaches tiefer."

OHH

Es geht also tatsächlich weniger um Magie allgemein, sondern um dieses Gasthaus. "Die Seelenkraft ist stark bei diesem hier", bestätigt der Elf mit einem leichten Neigen den Hauptes. "Sie scheint selbst jene mit zu erfassen, welche keine eigene mit sich bringen oder von dieser nicht wissen."
Prüfend schaut er seinen Hörer an, wobei die Gegenstände ihres Themas für den Moment in den Hintergrund zu geraten scheinen. "So ist es folglich meine Wahrnehmung, welche dich besonders interessiert?"

GH

"Ja natürlich", antwortet der Hörer mit einem warmen Lächeln, "denn darüber hinaus, dass du der Erste deiner Art bist, mit dem ich die Ehre habe zu sprechen, so ist es doch einzig unsere persönliche Erfahrung, über die wir wirklich verfügen. Und damit das Einzige, was mir wirklich interessant zu sein scheint." Ein wenig versonnen schaut der kleine Herr auf seine auf der Tischplatte gefalteten Hände.
Dann schaut er sein Gegenüber interessiert an. "So ist es für dich wahrnehmbar, dass dieses Haus eine Seelenkraft hat? Auf welche Weise spürst du sie?"

OHH

Zunächst sinnt der Elf den Worten über Erfahrung nach. Man könnte einige Tage damit verbringen, dies näher zu erörtern.
Dann fasst der Blick wieder fest das Gegenüber. "Wie spürt der Blinde, ob er allein ist? Wie spürt das Eichhörnchen, wann es seinen Vorrat beginnen muss? Ich glaube, der treffendste Begriff in deiner Sprache ist wohl 'Intuition'. Stets gibt es Mittel, sie zu überprüfen, doch schien mir dies hierbei nie notwendig. Es genügt, die Zeichen zu schauen."

GH

Die Augenbrauen des Silberlockigen heben sich, während er das Gehörte einen Augenblick überdenkt. Wie nimmt ein Buchhalter den Rechenfehler in einer umfänglichen Bilanz wahr, obwohl er nicht die Zeit hat, jeden Einzelposten genau zu überprüfen? Wie erkennt man, ob ein zukünftiger Geschäftspartner mit offenen Karten spielt? Woher weiß man, ob man sich auf einen neuen Angestellten verlassen kann?
Zuerst fühlt man es, meist im Bauch oder auch in Hals und Rücken. Manchmal juckt die Nase. Und dann macht man sich mit Augen und Gedanken auf die Suche nach Bestätigung. Man schaut die Zeichen. Überprüft, nimmt Stichproben. Setzt das Geschaute zu einem Größeren zusammen. Meist sind es kleine Details, die sprechen und Hinweise geben. Es ist gut, seine Sehorgane vierzig Jahre lang schulen zu können. Aber das Bauchgefühl steht immer am Anfang und lenkt die Wahrnehmung dorthin, wo sie zu suchen beginnt.
Herr Telicherri nickt. "Eine Gewissheit aus dem Fühlen heraus. Das hat mich immer interessiert." Seine Augen glänzen. "Wie bekommst du sie? Gibt es ein Organ in uns für das, was nicht zu hören oder zu sehen ist? Oder machen sich diese verborgenen Dinge dir auf ihre Weise bemerkbar - senden Botschaften, die sich in der Intuition vernehmen lassen?"

OHH

Für einen Moment scheint der Elf irgend einen Sinn auf die Suche nach erfragtem Organ zu senden. Dann erwidert er: "Gewiss trifft beides zu, gibt es doch für kaum etwas in der Welt nur eine einzige Ursache. Doch sagte ich nicht, man könne die Zeichen weder hören noch sehen. Solches gilt nur für einzelne davon. Andere lassen sich kaum übersehen."

GH

"Ja", nickt der rundliche Mann, wobei er bedenksam die Hände über selbiger Körperrundung faltet. "Gewisse Ahnungen davon bekam ich gestern abend, sollte ich mich nicht täuschen. Es gilt dann allerdings noch, aus dem Sichtbaren auch die richtigen Schlüsse zu ziehen."

OB

Chiaro spaziert die letzten Treppenstufen hinunter in die Schankstube. Sein freundliches Lächeln widmet er jedem, der zufällig gerade in seine Richtung blickt. "Einen guten Morgen, in Travias Namen", wünscht er in die Runde.

OHH

"Gewiss", erwidert der Elf. Erwartet sein Gegenüber möglicherweise die Frage, welche Erfahrungen es gestern gemacht hat? In dem Verstümmelten und dem Thorwaler wird man vermutlich nur schwerlich von der Seelenkraft entdecken.
Derart unschlüssig, kann er ebensogut dem Mischblonden seinen Gruß erwidern, wenn auch nur mit einem freundlichen Nicken. Die oben auf der Treppe erscheinenden Füße scheinen ebenfalls von Bedeutung.

JuR

Am Fuße der Treppe stellt Vinizarah mit einem Blick in den Schankraum fest, dass dieser leerer ist als sie vermutet hat. Dafür ist Feledrion bereits hier und... Alrik. Als die kleine Frau den Knecht erblickt macht ihr Herz einen jähen Sprung.
Da steht sie nun, betrachtet ihn regungslos und wagt es kaum zu atmen, geschweige denn, laut vernehmlich zu grüßen, aus Furcht davor, dass ihre Anwesenheit, würde sie von Alrik entdeckt werden, diesen wundervollen Frieden stören könnte.

GH

"Die Küche scheint mir so ein zauberhafter Ort zu sein", fährt der Mann in den besten Jahren fort, als resümiere er das für sich selbst. "Das Huhn, das ich zum Nachtmahl bekam, war auf den Punkt gebraten. Knusprige Haut, die fast auf der Zunge zergeht und zugleich saftiges und zartes Fleisch."
An und für sich wäre dies noch nicht mehr, als sich in einem wirklich guten Gasthof erwarten ließe. Deswegen fügt Herr Tellicherri hinzu: "Nimmt man die kurze Zeit hinzu, in der das Ganze zubereitet und serviert wurde, ließ mich das staunen. Entweder stand es schon länger auf dem Feuer. Dann hätte das Fleisch erheblich trockener sein müssen. War es aber nicht." In Erinnerung an den Genuss leckt er sich unbewusst die Lippen. "Oder es stand draußen und wartete. Dann wäre es kühler gewesen und die Haut zusammengefallen. Auch das war nicht der Fall.
Zuhause habe ich oft genug miterlebt, wie viel Zeit es braucht, ein Huhn zu garen. Ein gutes halbes Stundenglas würde ich mit allem darum herum rechnen. Die gestrige Geschwindigkeit ließe sich erklären, wenn man mehrere Hühner zugleich zeitversetzt in den Ofen schiebt, wendet und begießt. Dann bräuchte es allerdings mehr Küchenpersonal, als mir gestern ansichtig wurde und für ein Gasthaus dieser Größe wohl üblich wäre. Und mein Huhn war das Einzige, das ich seit meinem Eintreffen bemerkte."
Er wiegt das silberlockige Haupt. "Mag sein, dass es dennoch irgendeine natürliche Erklärung gibt. Doch ich kann mir keinen Reim machen, aus dem, was ich gesehen habe."

OB

Ein bisschen verwirrt blickt Chiaro sich im Schankraum um, beißt sich auf die Zunge und steht noch unschlüssig herum.

OHH

Nicht allzu lange betrachtet Feledrion Vinizarah. Sie ist noch beschäftigt, und der kleine Gastgeber führt bestechend genau aus, was auch dem Elfen bisweilen bereits auffiel und gewiss zu den ersten Beispielen gehört hätte, welche er selbst zum Zauber des Hauses angesprochen hätte. Daher nickt er bedächtig. "Du sprichst wahr und beweist eine gute Beobachtungsgabe. Ich hatte früher schon die Vermutung, in der Küche könne besondere Seelenkraft vorhanden sein. Deine Worte hingegen bringen mich darauf, auch der Köchin könne welche innewohnen, ob sie nun selbst davon weiß oder nicht. Ich denke, es mag vielleicht beides gegeben sein."

JuR

"Guten Morgen!" erklingt es leise, doch auf jeden Fall für Dom Chiaro - und wohl auch für Feledrion - deutlich vernehmbar.

AB

Die letzten Worte werden immer leiser, denn nun hat auch der Knecht bemerkt, dass Vinizarah die Gaststube betreten hat. Alrik kennt sie gut genug um zu sehen, dass sie geweint hat. Nun heißt es stark sein, freundlich aber bestimmt. Nach einem kurzen innerlichen Stoßgebet zur Patronin der Gastfreundschaft nickt er ihr grüßend zu.

OB

Mit einem freundlichen, wenn auch leicht geistesabwesenden "Desgleichen, mia cara", erwidert Chiaro die Begrüßung. "Ach, da ist er ja. Das Haus verliert nichts", sagt der Händler halblaut zu sich selbst.

JuR

Das Nicken lenkt Vinizarahs Aufmerksamkeit wieder zu Alrik. Da kommt ihr eine Idee, und sie erwidert sein Nicken behutsam. Langsam hebt sie die Hände, die Innenseite der Hände nach außen gewandt und in etwa einem Spann Abstand zueinander. Stumm bewegt sie dann die Hände zueinander bis die Daumen aneinander stoßen, so dass es wirkt, als würden sich ein Tor mit zwei Schiebetüren schließen.

OHH

Auch Feledrion bemerkt wie von Vinizarah vermutet ihren Gruß und nicht ihr daraufhin freundlich zu, doch sie beschäftigt sich mutmaßlich naheliegend bereits mit dem Knecht, welchem sie geheime Zeichen gibt. So schwenkt des Elfen Augenmerk wieder auf den kleinen rundlichen Menschen am eigenen Tische.

GH

'Mit deiner Beobachtungsgabe kannst du es weit bringen'. Es sind lange verklungene Worte, die der Elf im Gedächtnis des kleinen Herrn wachgerufen hat. Gaetan Palletorius mag recht behalten haben. Zu dessen Nachfolger hat er es immerhin gebracht. Erster Hauptbuchhalter. Aber wie weit ist das? So weit, wie es sein Lehrmeister vorausgesehen hat? Mit dem Feingefühl und der diplomatischen Herzensgüte dieses heimlichen Leiters und Lenkers der Geschicke einer ganzen Handelscompagnie hat Herr Tellicherri seine Gaben nie vergleichen wollen. Wo aber liegt dann der Weg, für den er ausgerüstet worden ist? Hat er ihn verpasst? Oder wird er sich noch öffnen - in einer verborgenen Zukunft? Immerhin ist er ein Mann in seinen besten Jahren. Wer weiß, wofür er seine Spürnase noch nutzen kann.
Mit einem inneren Lächeln wirft der Buchhalter im Unruhestand jeglichen Anflug von Schwermut hinter sich. "Wohl möglich", antwortet er schmunzelnd. "Wie möchte die gute Frau Köchin wohl reagieren, machte man sie auf diese Begabung aufmerksam?"

OHH

Die linke Braue des Elfen hebt sich. "Eine gute Frage! Dies jedoch zu beurteilen, müsste man sie gut kennen. Gewiss ist Freude über eine Fertigkeit meist wahrscheinlich. Allerdings - was genau wolltest du ihr sagen? Wir wissen noch zu wenig darüber."

GH

"Hm", antwortet der Mann in den besten Jahren mit einer abwägenden Handbewegung. "Auf der anderen Seite empfindet nicht jeder eine Gabe als Segen. Und gerade die Zauberei scheint mir von allerlei Aberglauben umgeben, der die Menschen nicht neugierig, sondern furchtsam sein lässt. Du hast sicher recht, dass man vorsichtig sein sollte. Und", fügt er aus eigener Erfahrung an, "das Beste ist es, wenn man den Hinweis auf ein Talent mit einer Möglichkeit verbindet, dieses zu schulen und Sicherheit in dessen Anwendung zu erlangen."

OHH

Bei alledem nickt der Elf zustimmend. "Ganz recht. Solches zu beurteilen, müsste man ihre Einstellung kennen oder jemanden, für den dies hinreichend zutrifft. Um sich oder jemanden als Lehrer zu empfehlen, verhält es sich ebenso, wobei es bei uns eher die Schüler sind, welche sich die Lehrer suchen. Auf diese Weise lernen sie begeisterter und somit dauerhafter, können auch selbst die Themen bestimmen, die sie wirklich angehen. Bei der Suche und Erkenntnis, welche dies sein mögen, kann man sie ebenfalls eher so herum beraten. Niemand lernt viel gegen seinen Willen."

GH

"Und Nötigung ist der Feind aller Intuition", fügt der kleine Herr nachdenklich hinzu. "Lässt sich womöglich die Entdeckung und Entfaltung einer magischen Begabung mit der Kunst vergleichen, ein Instrument zu spielen, ein Gedicht zu verfassen, oder ein Bild zu malen? Zu alldem braucht es Handwerk und Schulung, doch nichts davon gelingt ohne das Lauschen auf die Kraft der Eingebung oder das innere Auge."

OHH

Anerkennend nickt Feledrion nicht nur zu dem einleitenden Fazit, sondern auch über die darauffolgende Frage und Mutmaßung. "Dies ist nicht ganz falsch, wenn die Seelenkraft auch etwas komplexer und umfassender ist - oder vielmehr sein kann - als andere Fähigkeiten. Bei manchen gehen die von dir erwähnten Künste auch in die Kraft über, verschmelzen gar mit ihr." Bei den Elfen ja ohnehin meistens. "Oder sie drückt sich umgekehrt in ihnen aus. Nichts steht für sich allein."

GH

"Hmm." Nachdenklich faltet Herr Tellicherri einmal mehr die Hände und rollt die Daumen. "Am Ende mag es auf's Selbe herauskommen und am Blickwinkel des Betrachters liegen, wie man es sieht. Doch hat mir die zweite Sichtweise immer besser gefallen. Die Kraft drückt sich in ihnen aus. Mir hat mal jemand gesagt: 'Deine Begabung ist dein Vermögen, dein Kapital' - wie unsereins es umschreibt, wenn er von Gelddingen redet."
Er setzt sich etwas gerader auf. "Aber wie kann eine Gabe mir gehören? Wenn es eine Gabe ist, kommt sie von irgendwoher und will sie weitergegeben sein, um Gutes zu bewirken. Soll eine Kraft nur mir allein dienen, dann verkümmert sie."

OHH

Feledrion kann nicht lange über den Begriff des Kapitals nachdenken, da ihn jener der Gabe sogleich viel mehr in Anspruch nimmt und zudem ebenso irritiert. "Eine Fähigkeit ist ja etwas anderes als das Wissen, sie anzuwenden. Letzteres kann man weitergeben und wird selbst daran nicht verlieren, sondern gar hinzugewinnen. Ersteres hingegen muss vorhanden sein wie der Boden, auf dem du dein Haus baust. Wer ohne jede Seelenkraft ist, kann sie erforschen, aber er wird sie nie verwenden können."

GH

"Dann wäre also der- oder diejenige im Falle der Magie niemals mehr als ein sozusagen... theoretischer Zauberer", zieht der kleine Herr seine Schlussfolgerung mit gekrauster Stirn. Dann blickt er den Elfen offen an. "Was aber, wenn ich nun ein praktischer Zauberer bin, die Seelenkraft also in mir trage, doch nichts davon weiß? Wie lässt sie sich dann entdecken - oder macht sie sich bemerkbar?"

OHH

Ein Nicken des Elfen bestätigt die Erkenntnis. Sie bedeutet jedoch nicht, dass man es nicht dennoch weit auf diesem Gebiet bringen könne.
"Nach meinen Beobachtungen wird sie nicht selten von ihrem Träger verwendet, ohne dass er es sich anfangs recht bewusst macht. Elfenkinder gehen schon früh ganz natürlich damit um. Es sagt ihnen ja auch niemand, dass sie nun sprechen oder laufen könnten. Bei Menschen hingegen kann dies recht unterschiedlich sein. Manche stellen erst im hohen Alter fest, was sie vermögen, andere werden durch jemanden, der die Kraft sehen oder fühlen kann oder schlicht ihre Wirkung bemerkt, darauf aufmerksam gemacht."
Erst zu Ende seiner Rede hebt Feledrion die linke Braue. Ob dieser Mann hier sich selbst im Hinterkopfe birgt bei der Vorstellung eines ahnungslosen Kraftträgers? Entsprechend forschend ist der Blick des Elfen.

GH

Die Bestätigung folgt dem forschenden Blick auf dem Fuße. "Ich will gar nicht verhehlen, dass ich auch für mich selbst frage, wie du ohnehin schon ahnst. Nicht, dass ich mir solche Seelenkraft in meinem hohen Alter", hier huscht ein belustigtes Lächeln über das rundliche Gesicht, "wünschen würde. Das wäre etwa so, wie ein Geschäft zu erben, von dem man keine Ahnung hat, wie es geführt wird. Mehr Arbeit und Bekümmernisse, als Vergnügen. Und ich finde, ab einem gewissen Alter sollte es umgekehrt sein." Wie um sich selber zu bekräftigen nickt das silberlockige Haupt.
"Doch habe ich ein ganzes Haus voller Bücher geerbt, von denen ich zumindest bei einem Teil annehme, sie könnten durchaus magischer Natur sein. Da wäre es wundervoll, wenigstens ein Gespür für diese Kraft zu haben. Auch um zu reisen und Menschen zu finden, bei denen man diese Seelenkraft wahrnimmt. Und dann" - ein schwärmerischer Schimmer senkt sich über die Augen des kleinen Mannes - "wie herrlich wäre es, einen Kreis von gleichfalls Interessierten, ja sogar Begabten, in diesem Haus zu sammeln und sich gemeinsam dem Studium und der Vertiefung dieser Fertigkeiten, Kräfte und Künste hinzugeben. Ein Quell endloser Freuden."

OHH

Auch der Elf schmunzelt, kann von einem hohen Alter bei Menschen doch ohnehin selten die Rede sein. Zudem sehen die für menschliche Verhältnisse wirklich Alten anders aus.
Warum es ein Alter gäbe, bei dem die Bekümmernisse dem Vergnügen überwiegen dürfen oder gar sollten, will Feledrion hingegen nicht recht einleuchten, weswegen er diesen Teil mit hochgezogener linker Braue begleitet.
Sie kommt kaum dazu herniederzusinken, als der überraschende Schluss folgt. "In diesem Hause?" Er schaut kurz durch den Schankraum. "Gewiss, es mag ein besonderes Gasthaus sein. Aber dass in solchen viel gelernt würde als über zwischenmenschliches Leben, ist mir neu."

GH

Sein Gegenüber scheint eine feine Ader für Humor zu haben. "Warum dann nicht hier?" fragt Herr Tellicherri erheitert zurück. "Gibt es ein tieferes zwischenmenschliches Leben - wobei ich da Vertreter deines und anderer Völker einschließen würde - als in der Gemeinschaft der Lernenden?
Aber", hebt er, sich berichtigend, die Hand, "Du hast natürlich völlig Recht, dass ich mit der Sprache genau sein sollte. Natürlich meinte ich: 'in jenem Hause' - in demjenigen, das ich mitsamt der Bücher geerbt habe."

OHH

Diesmal bleibt die Braue oben, weil der Elf von seinem Gegenüber beeindruckt ist. Die Korrektur und das Vorhandensein eines Hauses an unbekanntem Ort nimmt er wohlwollend mit einem Nicken zur Kenntnis.
Dann geht er auf das ein, was ihm imponiert hat und somit naturgemäß wichtiger erscheint: "Du sprichst weise, und doch kann ich nicht ganz von dem zurückweichen, was ich sagte. Es ist richtig, dass man überall etwas lernen kann, wenn man nur will. Ebenso verbindet das Lernen miteinander, in welcher Zusammensetzung es auch stattfinden mag. Aber eben, weil sich das Wirken der Seelenkraft überall beobachten lässt, muss man umgekehrt auch genau dies tun - auch, wenn man sich nur in Gedanken damit beschäftigt. Wenn du das hingegen über Bücher auszutauschen beabsichtigst, brauchst du Ruhe wohl nötiger als jemanden, der zugleich ebenfalls liest oder für dich oder andere schreibt."

GH

"Oh", kommt es dem Bücherfreund über die Lippen, voll sprudelnder Freude, dass er mit einem wirklich Erfahrenen über dieses Thema sprechen kann. "Wie recht du hast - doch liegt es mir fern einen Widerspruch in dem Beiden zu sehen. Körper und Sinne wollen reisen und beobachten, um zu lernen. Und doch brauchen sie auch Ruhe und Abgeschiedenheit, um zu verarbeiten, loszulassen und sich für neue Eindrücke zu rüsten. Und auch der Geist will reisen und ruhen. Wenn der Leib entspannt, kann er sich im Lesen und Ergründen auf die weiten Höhen dessen erheben, was das Auge nicht oder noch nicht zu erschauen vermag. Ja, wie Du gesagt hast - alles kann unter mehreren Aspekten betrachtet werden."
Andächtig faltet der kleine Herr erneut die Hände. "Und ist es nicht ein zauberhafter Gedanke, im Haus der Bücher ein Nest zu haben, mit einer Schar Freunde in verschiedene Richtungen auszufliegen, zu reisen, zu beobachten und wieder heimzukehren, um mittels der Lektüre das Erfahrene zu vertiefen?"

OHH

Diesmal zuckt die Braue nur kurz. "Gewiss. Mir will scheinen, du sprichst nun wieder von jenem anderen Hause, da ich in diesem hier bislang nicht genügend Bücher sah, es mit einer solchen Bezeichnung zu belegen."
Wie nötig beim Nutzen der Seelenkraft die Konzentration und somit gerade für den Lernenden die Ruhe ist, muss der Elf nicht noch einmal andeuten. Folglich belässt er jenen Teil des Gesprächs bei seinem Stand.

GH

"In der Tat", beeilt sich Herr Tellicherri zum eigentlichen Thema zurückzukehren. "Wir sprachen von dem Zauber dieses Hauses hier, und insbesondere seiner Küche. Heute morgen scheint er mir etwas verlangsamt, was das Frühstück anbelangt." Das Aufblitzen der graublauen Augen lässt darauf schließen, dass der letzte Satz nicht vollends ernst gemeint war. "Doch wird das respektable Gründe haben, die nichts mit Magie zu tun haben müssen. An welchen anderen Orten hier im Haus ist dir die Seelenkraft noch aufgefallen?"

OHH

Zuerst ein wenig irritiert, schaut Feledrion unwillkürlich zum Küchendurchgang am anderen Ende des Schankraumes, ist ihm doch nichts Ungewöhnliches - auch nichts bezüglich einer gewohnten Ungewöhnlichkeit - aufgefallen. Jedoch will er sich nicht herausnehmen, über solche Details menschlichen Lebens abschließende Urteile fällen zu können. Ein Scherz?
Aber die neue Frage bringt davon ab. "Nun, gewiss ist es nicht die Seelenkraft allein, welche den Zauber ausmacht. Ein Freund von mir hat sich hier vor einigen Sommern verliebt in eine, welche am Brunnen ihren magischen Tanz vorführte. Allerdings ist nicht jeder Zauber einzig zu gutem Zweck." Man mag die Missbilligung erkennen, welche manche Umstände jener Begebenheit im Elfen wachgerufen haben.

GH

Der rundliche Herr antwortet mit einem langsamen Nicken und einem nachdenklichen Blick. "Du hast erlebt, dass solcher Zauber Leid verursachte, ahne ich. Ganz sicher sind jegliche Handlungen zu verwerfen, die in die Freiheit anderer eingreifen, innerliche und äußerliche, und nicht nur solche magischer Natur."

OHH

Feledrion neigt das Haupt etwas zur Seite, als er erkennt, nicht ganz recht verstanden worden zu sein. "Dies ist zwar richtig, aber man kann der Tänzerin nicht solche Art von Zauber vorwerfen, glaube ich. Es war gewiss auch ihre Absicht, zu gefallen, aber der eigentliche Zweck ihrer Darbietung war eine Geschichte, ein Hilfeersuchen. Dass sich gleich zwei oder drei der Männer daraufhin von Zuneigung zu ihr überschwemmten, ist wohl eher deren eigene Ursache."
Wieder einmal ein guter Anlass, über die Menschen und insbesondere die männlichen den Kopf zu schütteln, sei es auch nur ein klein wenig. Wie kommen sie nur darauf, die Elfen seien den Tieren näher als sie selbst? Es mag wohl am Lebensumfeld liegen, welches sie zu diesem schiefen Schlusse bringt. Betrachtet man hingegen den Bedeutungsgrad der Triebe und des bewussten Handelns, muss man auf das Gegenteil verfallen.

GH

Kurz bedenkt der an der Seelenkraft Interessierte die Worte seines Gegenübers, wobei sich seine Stirn in Falten legt. Dann antwortet er: "Ich bin gewiss nicht der Rechte, über die von dir erzählten Geschehnisse zu urteilen, höre ich sie doch nur mittels eines Dritten und zum ersten Mal. Gleichwohl meine ich, dass jeder, der sich spezieller Kenntnisse und Kräfte bedient, doch auch eine Verantwortung dafür hat, was sie oder er mit ihrer Hilfe bewirkt."
Er lehnt sich ein wenig zurück, um seinen Gesprächspartner besser ansehen zu können. "Um ein Beispiel aus meinem eigenen Umfeld zu nennen: Wenn ich als Fachmann für Geld für einen Geschäftspartner eine Summe anlege, damit sie Gewinn abwirft, auf eine Weise, die sich dem Urteilsvermögen des Besitzers entzieht, und für welche er mir sein Vertrauen gibt, bin ich sowohl für mein Handeln, wie auch gleicherweise für das Vertrauen meines Partners verantwortlich."
Der kleine Herr öffnet die Hände, sich vorbeugend. "Und eben so, meine ich, ist jene Tänzerin sowohl für die Ergebnisse ihres Zaubers, wie auch für die Veränderung im Verhalten ihrer männlichen nichtzauberkundigen Zuschauer verantwortlich, bei Letzterem zumindest zu einem Teil. Zu einem Teil, denn so wie es die eigene Verantwortung meines Geschäftspartners ist, mir zu vertrauen, ist es doch meine Verantwortung, wie ich mit diesem Vertrauen umgehe. Denn zur Sachkundschaft gehört es, auch mögliche Wirkungen des eigenen Handelns auf Andere vorausbedenken zu können.
Ich hoffe, ich übereile mich mit dieser Anschauung nicht", legt er mit beschwichtigender Geste hinzu.

OHH

Den Widerspruch kann Feledrion nicht als solchen anerkennen, da er ihm keines seiner eigenen Worte infragezustellen scheint. Mag ihm das Gleichnich mit dem Geld der Menschen auch fremd sein, so erahnt er doch, worauf es dabei ankommt - und dass es letztlich eine untergeordnete Rolle spielt.
"Dies tust du nicht", beruhigt der Elf mit einer sparsamen Handbewegung. "Vielmehr muss ich dir zustimmen, dass auch jede Frau und jeder Mann ohne Seelenkraft zu nutzen bei allem, das sie oder er tun, um deren Wirkung sinnen sollte. Naturlich ist dies nur bedingt möglich. Wenn aber jemand sein Haar bürstet, kann bereits dies auf manchen Einfluss nehmen. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass derjenige sich nicht mehr in Gesellschaft anderer bürsten sollte. Wie bei deinem... Geschäftspartner, muss auch der andere seine Handlungen und Gefühle bedenken." Dies war für den einhändigen Freund und womöglich andere an jenem Tage an diesem Brunnen nicht vollständig der Fall.

GH

"Gewiss", nickt der ehemalige Geschäftemacher, "da bin ich mit dir einer Meinung. So lange der Wille dieses Anderen frei und ungebunden ist. Und nicht etwa unter einem Zauber steht, der eben dieses unmöglich macht. Doch dies ist ein weites Feld. Wann im Leben ist der eigene Wille wirklich frei - und nicht von Dingen besetzt, die womöglich jenseits der Klarheit des Bewusstseins liegen?" Diese Frage gäbe Raum für einen ganz neuen Gesprächsgang und wäre geeignet vom eigentlichen Thema wegzuführen.
"Doch sprachen wir von Orten auf dem Gelände dieses gastlichen Hauses, die von der Seelenkraft erfüllt sind. Gehört der Brunnen deiner Wahrnehmung nach dazu?"

OHH

Tatsächlich lenkt die Frage nach dem eigenen Willen Feledrions Gedanken für einen Moment weit hinfort zu so vielen Aspekten, dass er sich dem Brunnen zunächst nur wenig zu widmen vermag. "Ich denke schon." Erst nach einem Augenblick der Besinnung fügt er überraschend doch noch an: "Er hat etwas Besonderes - mehr noch als andere Brunnen auch."
Eine Frau taucht vor des Elfen geistigem Augen auf. Eine Kriegerin, welche er bei seinem ersten Aufenthalt im Eber kennenlernte.

GH

"Noch mehr?" fragt der kleine Herr nahezu andächtig. "In vielen Märchen, die ich gelesen habe, und auch nach meinem eigenen Empfinden sind Brunnen stets bemerkenswert. Orte einer mächtigen Tiefe, Anlass zu Fehden und Friedensschlüssen, nicht nur im Äußeren. In den Erzählungen sind sie wohl auch Ausdruck für unsere inneren verborgenen Möglichkeiten und Verwandlungen.
Magst Du mir von dem Besonderen gerade des hiesigen Brunnens berichten?"

OHH

Beiläufig bemerkt Feledrion die Annäherung Vinizarahs, die jedoch mit einem Male unterbrochen wird. Nichts, dem er momentan Bedeutung beimessen muss.
"Es mag sein, dass der Brunnen wie jene anderen nur ein Ort der Begegnungen, auch der geistigen Vorstellungen ist. Zumindest bei dem Fall der Tänzerin und ihrer Beobachter möchte ich dies annehmen, da ich keinen Einfluss seiner Gegenwart auf die Geschehnisse erkennen kann.
Anders scheint mir der Umstand, dass mich einst bei meinem ersten Hiersein eine Frau ansprach, welche mich zuvor in einem Traume gesehen hatte. Weder seinerzeit dort noch zu diesem Zeitpunkt waren wir in der Nähe des Brunnens, aber er hatte die Funktion des Zuganges zu der Traumwelt innegehabt. Dies allein würde ich als von der Frau im Schlafe erdacht bewerten, wenn sie eben nicht auch Personen darin getroffen hätte, welche sie noch gar nicht kannte."

GH

"Sie hat Personen im Brunnen getroffen?" entfährt es erstaunt dem kugelrunden Zuhörer, ehe er einen Augenaufschlag später den eigentlichen Zusammenhang begreift. "Ah, du meinst in ihrem Traum. Kannte die betreffende Dame denn dieses Gasthaus hier schon, bevor jenes Nachtgesicht sie ereilte? Oder waren ihr Ort und Brunnen genauso fremd, wie alles andere, dem sie im Schlaf begegnete?"

JuR

Langsam wendet sich Vinizarah um und legt den Rest des Wegs zu Feledrion und seinem Gesprächspartner zurück.

OHH

"Soweit ich weiß, hatte sie bereits einen Abend hier verlebt und träumte von dem Brunnen und uns des Nachts." Auf ihrem Zimmer, im Schlafsaal, unter dem Kirschbaum? Was wäre wohl der Unterschied! "Natürlich muss der Brunnen deswegen keine besondere Kraft haben. Das könnte man ja noch genauer herausfinden."
Nun wendet er das Haupt ein wenig ab und schaut der Nahenden entgegen.

GH

"Auf welche Weise könnte man so etwas herausfinden?" fragt der Zauberkraftinteressierte mit von Wissbegier funkelnden Augen nach, denn nun wird es wirklich spannend. Doch im nächsten Moment wird ihm klar, dass er sich wohl noch etwas gedulden muss. Denn sein Blick fällt auf die sich Nahende.
"Verzeih, ich wäre dir dankbar, wenn du mit der Antwort noch etwas warten könntest", gibt er dem Elfen zu verstehen - und lächelt. "Denn hier kommt wie aus einem Brunnen entstiegen und von Zauberhand eine Dame zu uns."

OHH

Ob der Einfachheit der Erklärung wäre Feledrion durchaus gewillt, sie sogleich zu geben. Andererseits wird der Mensch die wenigen Möglichkeiten mutmaßlich sämtlich als gar nicht so selbstverständlich ansehen. Um so leichter fällt es dem Elfen, seinen Wunsch zu akzeptieren: "Wie du möchtest", lächelt er erst jenen an, dann Vinizarah entgegen.

JuR

Als die Männer in ihrem Gespräch innehalten und sich ihr zuwenden, beendet Vinizarah ihren Weg und tritt an den Tisch. "Guten Morgen, Feledrion; guten Morgen, Dom Tellicherri", begrüßt sie die beiden Herren freundlich, allerdings ohne das Lächeln der beiden deutlich sichtbar zu erwidern. Irgendwie ist ihr gerade nicht nach Lächeln zumute, und es käme ihr nicht richtig vor, der Höflichkeit wegen eines auf ihr Gesicht zu malen.
"Sarina, die Köchin, hat gerade eine frische Kanne ihres belebenden Tees zubereitet. Möchtet ihr einen Becher davon?" Für Feledrion wäre er sicher noch zu heiß - so wie sie ihren Freund und seine feinen Sinne kennt. Allerdings kühlt er ja im Becher schneller ab als in der Kanne.

GH

"Euch auch einen glücklichen Tag, Domna Vinizarah", antwortet der kleine Herr der freundlichen, doch in sich gekehrt wirkenden guten Fee der Küche. "Ein Becher Tee wäre eine wahrhaft bezaubernde Morgengabe."

OHH

Für einen winzigen Moment ist Feledrion versucht, mit 'gewiss' zu antworten, aber es scheint ihm an dieser Stelle doch weniger zu passen. Da ihm sein Tischgefährte ohnehin zuvorkommt, genügt im Grunde ein freundliches Nicken, aber vorsichtshalber ergänzt er, obgleich es ihm eindeutig vorkommt: "Auch ich nehme gern davon."

JuR

"Gut", bekräftigt Vinizarah das gerade Gehörte. "Dann bis gleich." Mit diesen Worten verlässt sie den Tisch wieder um dem Tresen und der dort wartenden Teekanne zuzustreben.

GH

Einen Moment schaut der Morgenberockte der Teeversprecherin noch hinterher, dann blickt er wieder seinem Gegenüber forschend ins Angesicht. "Um auf unser Thema zurückzukommen - du sprachst von einer möglichen zauberkräftigen Beseeltheit des Brunnens. Welche Möglichkeiten hättest du, eine solche zu überprüfen?"

OHH

Auch Feledrion hat kurz der Schwindenden nachgeschaut, wendet sich dann aber wieder dem Fragensteller zu. "Ich weiß nicht recht. Beseeltheit erscheint mir nicht der rechte Ausdruck für ein mutmaßlich lebloses Bauwerk. Aber ich mag mich im einen oder anderen irren. Um jedoch deine Frage zu beantworten: Manches Wirken der Kräfte kann man sehen oder spüren, auf manches durch Beobachtung schließen. Ist solches nicht der Fall, kann man mit einer eigenen Melodie gezielt danach forschen. Wobei die Menschen gewöhnlich anders zaubern", verbessert und ergänzt er sich selbst der Vollständigkeit halber.

GH

"Das heißt, du singst diese Melodie für den Brunnen", fragt der Wissensdurstige mit immer mehr Staunen, "und es geschieht dann etwas, das dir zeigt, ob er magisch ist? Hörst oder siehst du dann eine Veränderung um ihn herum?" Die Hände des kleinen Herrn sind ehrfürchtig gefaltet und seine Augen leuchten vor Interesse.

OHH

"Ganz recht", erwidert der Elf, "ich sehe dann die Kraftlinien, welche alles umgeben und durchdringen und die Welt zusammenhalten. Sie sind überall, aber an manchen Stellen stärker und dichter als an anderen."

GH

"Hmm", nickt der silberhaarige Mann nachdenklich. "Du siehst, wie alles zusammenhängt. Im Grunde ist das nicht anders, als in einem wirklich guten und tiefgehenden Gespräch, in dem ich manchmal geradezu sehen und auf alle Fälle fühlen kann, wie es um mein Gegenüber bestellt ist. Und wo meine vorgefassten Meinungen oder Ängste mir nicht mehr den Blick verstellen." Einen kurzen Moment verfällt er in tiefes Nachsinnen.
"Meinst du, diese Art von Zauberei hat mit der Kunst oder Gabe der Einfühlung zun tun?"

OHH

Ganz leicht zuckt die linke Braue. "So du die Kraftlinien meinst, würde ich verneinen. Ihre Melodie ist nicht zwingend mit einem Geist erfüllt. Die Einfühlung hingegen benötigt einen solchen als Gegenstand ihrer Betrachtung, ein lebendes Wesen also - oder etwas, das dem nahekommt oder eine Erinnerung daran ist."
Je mehr man von der Welt weiß, desto weniger vermag man gewissenhaft mit ja oder nein zu antworten. So wissen es die Alten.

NW

Tesden tritt an den Tisch zu Elf und ehemaligem Geschäftsmann. "So, Euer Tee... darf ich sonst noch etwas bringen?" Mit diesen Worten wird vor jeden der beiden Gäste ein dampfender Teebecher abgestellt.

OHH

"Danke", entgegnet Feledrion dem Wirte. Da noch dampfend, wird der Becher keineswegs schon aktiv in Empfang genommen. Statt dessen und auch statt einer Antwort auf die Frage Tesdens wird nun der Gastgeber betrachtet, der über die Tischbedeckung zu entscheiden hat. Zwar besitzt der Elf noch ein paar wenige Münzen für den Notfall unter Menschen, aber ein solcher liegt ja gegenwärtig nicht vor.

GH

"Was ist lebend?" fragt der Morgenrockträger, nachdem er kurz nachgesonnen hat. "Und was ist geistvoll? Als ich ein kleiner Junge war, konnten Steine und Hölzer und alles mögliche für mich im Spiel lebendig werden und ich habe mit allen Dingen gesprochen. Lag das daran, dass ich nur ein törichtes Kind war? Und nun bin ich ein kluger Erwachsener und habe das Kindliche abgelegt."
Versonnen schaut Herr Tellicherri auf die Tischplatte, und gleich darauf wieder dem Zauberkundigen ins Angesicht. "Du glaubst gar nicht, wie ich mich manchmal nach dem sehne, was man so leicht verliert, dem Gefühl, mit allem eins zu sein und in Allem das Leben zu spüren."

OHH

Kurz sendet der Elf dem von seinem Tischgefährten offenkundig unbemerkten Wirt ein mitfühlendes Schmunzeln und ein unschlüssiges Achselzucken hinauf. Doch wenn der kleine Mensch zu sehr mit des Frage des Lebens beschäftigt ist, so wird dies gegenwärtig für ihn auch richtig, weil am wichtigsten sein. Es gibt also keinen Anlass, auf das wartende Offensichtliche hinzuweisen.
Wie ernst sind die Fragen des anderen wohl gemeint? Hat er sie nicht zu einem Teile bereits für sich selbst beantwortet? Befriedigt wirkt er deshalb allerdings nicht. Möglicherweise ist der Teil schlicht zu klein.
"Ist denn die Phantasie nötig, es zu spüren? Und spürst du dann wirklich das Leben oder vielmehr deine Vorstellung davon? Das Gespräch mit einem Stein hingegen ist eines mit sich selbst. Damit ist hingegen keine Wertung verbunden; auch das Selbstgespräch kann sehr fruchtreif sein." Darüber hinaus gäbe es allerlei Beispiele, in denen auch erwachsene Menschen und bisweilen gar Elfen mit Gegenständen sprechen. Eines nach dem anderen.

GH

"Und wer sagt mir", fährt der Tischgefährte eifrig fort, "ob denn das, was wir 'Phantasie' nennen, bloß eine Erfindung ist, die wir selbst vornehmen, und nicht eine eigene Wirklichkeit hinter den Dingen? Wer weiß schon, ob die Antwort, die ich anstelle des Steins ausspreche nicht auf einer wahrhaften Resonanz beruht, die er mir im Verborgenen gibt?"
Dann bemerkt er mit einem Mal den Wirt. "Guten Morgen, Meister Tesden", gibt er diesem erfreut zu verstehen, "und Travias Dank für eine gute Nacht in Eurem Haus!"
In seinen Gedanken hingegen formen sich die Töne und Worte des Dichters, in denen das unterbrochene Gespräch fortklingt:
'Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.'

NW

Tesden lächelt. "Dann brauche ich ja nicht fragen, ob Ihr wohl geruht habt. Darf ich Euch was zum Frühstück bringen?"

OHH

Erneut schmunzelt der Elf, diesmal wiederum deutlich breiter. Wer als ein Mensch könnte wohl so weise Worte sprechen und dennoch am Ziel vorbeischießen? Doch etwas nicht zu wissen, ist keine Frage der Schuld, lediglich der Umgang damit, der Aufbau von Gebäuden auf unsicherem Grund.
Bis der Wirt seine Antwort hat, kann dies alles warten - manches gewiss länger.

GH

Das Lächeln seines Gegenübers trägt eine Spur nachsichtigen Wissens in sich und lässt den Mann in den besten Jahren ahnen, dass der Elf nicht in allen Punkten mit ihm übereins ist. Doch was ist Wahrheit? Nur als persönliche Erfahrung wird sie wirksam und wahr.
Weitere Gedanken verbieten sich, um den Wirt nicht warten zu lassen. "Oh, das dürft Ihr!" antwortet der Wohlbeleibte dem Herrn des Hauses. "Wie wohl wäre mir mit gerührten Eiern und Brot - und Speck, sollte solcher zur Hand sein!" Mag dieser Wunsch auch verwöhnt klingen, die gute Erfahrung von gestern lässt ihn hoffen.

NW

Tesden nickt Herrn Tellicherri lächelnd zu, dann wandert sein Blick zu dem Elfen. "Und für Euch?"

OHH

Einmal mehr zuckt die Braue empor und der Blick Feledrions sehr kurz zu dem Hörer hinüber, dann wieder nach dem Wirte empor. "Oh, das klingt alles durchaus auch für mich sehr ansprechend..." Dabei fährt die Hand hinauf zu einer Innentasche seiner leichten Jacke. Obgleich weit langsamer als die vorigen Bewegungen, ist sie für den bedachtsamen Elfen eine gefühlt eilige, will er doch erst klären, ob es nach dem Verzehr nicht irgendwelchen Ärger gibt. Aus dem Alter ist er doch schon lange heraus! Elfenlang!

NW

"Also zweimal Eier mit Speck; kommt sofort, die Herren..." Damit würde sich Tesden auch schon Richtung Tresen und Küche wenden.

GH

"Wie zauberhaft!" bricht der kleingewachsene Herr in Freude aus, die er dem schon entschwindenden Wirt noch hinterhersendet. "Seid reich bedankt!"
Dieser Tag ist ganz nach seinem Geschmack. Zufrieden mit der Welt wendet er den Blick wieder zu seinem Gesprächspartner.

OHH

"Äh." Ein paar einsame Heller und Kreuzer in der lockeren Faust, beschaut der Elf den Eilfertigen, den er - wohl bedacht - nicht unbedingt aufhalten muss. Sollte das Geld nicht genügen, so wird er eben später als Tausch einen Vogel oder Hasen schießen. Nicht so wichtig.

GH

Seinen Tischnachbarn einen Augenblick musternd und seine Schlüsse ziehend, bemerkt der kleine Herr in diskretem Tonfall: "Wie ich dir sagte: Es ist mir eine Freude, zu diesem Frühstück einladen zu dürfen!"

OHH

Wahrhaftig, das sagte er! Feledrions Braue zuckt in kurzer stiller Selbstkritik, dann aber lächelt er entschuldigend. "Du hast natürlich recht." Er war wohl mit zu vielem anderen abgelenkt.

GH

"Natürlich habe ich das", nickt der kleine Herr verständnisvoll, angesichts des Mienenspiels seines Gegenübers hinzufügend: "Und es kommt von Herzen. 'Teile in der Zeit, dann hast du in der Not.'" Mit dem leicht abgewandelten Lebensleitsatz der Frau Mama ist er bisher stets gut gefahren.

OHH

Nicht über das Selbstbewusstsein des Gastgebers zuckt die Braue empor, sondern über das Zitat. Möglicherweise bezieht es sich darauf, dass man sich mit Wohltätigkeiten Freunde macht, welche dann in der Not beiseitestehen. Wie weit materielle Dinge für eine solche Strategie genügen, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein.
Vermutlich erwartet sein Gegenüber nun ein "Danke", welches Feledrion bereitwilig mit einem Lächeln und beiläufigen Nicken erbringt.

GH

"Der Dank geht gleichermaßen an dich", antwortet Herr Tellicherri dem Elfen. "Das Leben hat mich wahrhaft gut behandelt. Doch schöne Augenblicke mit anderen wirklich zu teilen, war eine seltene Freude darin. Von solchen Momenten lebe ich an einsamen Tagen, wenn das innere Auge die Erinnerungen wachrufen kann."
Er räuspert sich und lehnt sich dabei ein wenig zurück. "Du hast sicherlich eine große Familie?"

OHH

Wieder zögert Feledrion mit einer Antwort. "Groß im Vergleich wozu? Zudem fragt sich, wen man mitzählen möchte. Denn auch die frühesten Vorfahren und deren Nachkommen mögen noch als Familie betrachtet werden.
Wenn ich aber den engsten Kreis werte, so habe ich sechs Geschwister von zwei Schwestern und ihren beiden gemeinsamen Gefährten. Eigentlich ist es also für jeden von uns eine Mischung aus Vollgeschwistern, Halbgeschwistern und Vettern."
Dies mag vielleicht bereits genügen, also belässt der Elf es vorerst dabei, um seinem Gegenüber die Entscheidung zum weiteren Fortgang zu überlassen.

GH

Der Mann in seinen besten Jahren nickt zu den Ausführungen seines Tischgenossen. Im Vergleich zu mancher Familie bei Hafenarbeitern oder Seeleuten sind sechs Geschwister nicht besonders viele. Denkt er an sein eigenes Aufwachsen, allein mit der Frau Mama, ist es eine stattliche Anzahl.
"Würdest du sagen, ihr seid eine glückliche Familie?"

OHH

Er stellt seltsame Fragen, der Mensch - aber immerhin stellt er welche! Auch gibt es im Grunde keine falschen Fragen; manchmal fehlt nur das Verständnis einer Sache, um wirklich nützliche Fragen stellen zu können. Dann muss man sich mit vielen Fragen an die Kenntnis heranführen. Die hauptsächliche Herausforderung des Gefragten ist dabei die gleiche wie die des Fragestellers: Geduld. Für Feledrion eine leichte Übung.
"Glücklich in Bezug worauf? Wir sind zufrieden mit dem, was wir sind und tun, falls du das meinst. Und wir stehen zusammen, wenn dies nötig ist." Gleich, wo sie gerade sind.

GH

"Dann seid ihr offensichtlïch glücklicher als etliche Menschen, welche von Eifersucht und Besitzdenken geplagt werden", bilanziert der ehemalige Buchhalter. "Ich bin froh, das zu hören."

OHH

"Gewiss." Man hätte diese Bestätigung auch in Gedanken behalten können, aber der Elf hatte andererseits das Gefühl, mit mehr als nur einem Nicken reagieren zu sollen. Immerhin ist es ein sehr leise und beiläufig ausgesprochenes Wort ohne den Unterton der tieferen Bedeutung, welche ihm durchaus zukommt. Die Menschen. Warum vergleichen sie sich mit anderen? Es ist eine der Fragen, die Feledrion in all den Jahrzehnten nicht befriedigend hat klären können. Dieser hier scheint anders zu sein. "Dies spricht für dich." Es ist ein sehr anerkennender Ton herauszuhören. "So nehme ich an, es verhält sich bei dir und den Deinen ähnlich."

GH

"So groß ist die Schar der Meinen leider nicht", antwortet Herr Tellicherri nach einer kurzen nachdenklichen Stille. "Ich bin allein mit meiner Mutter aufgewachsen. Meine Eltern waren sehr verschieden, nach allem, was ich weiß. Mein abenteuerlicher Vater suchte stets nach Freiheit und wollte wissen, was sich hinter dem Horizont befand. Meine Mamma wünschte sich einen festen Platz im Strom der Zeit und ein beständiges Heim." Der kleine Mann schaut versonnen und mit ein wenig glänzenden Augen ins Irgendwo.
"Eigentlich haben die Beiden sich damit wohl auf wunderbare Weise ergänzt, aber dennoch muss irgendetwas zwischen ihnen gefehlt haben. Vielleicht der letzte Grundton in der Harmonie - sicher weißt du, was ich meine. Deswegen hat bei Pappa der Freiheitswunsch überhandgenommen und bei Mamma die Sehnsucht nach Sicherheit, und danach, mich, ihren Sohn, zu beschützen. So wurde ich seit Frühestem von allen Abenteuern ferngehalten - und das Reich der Zahlen und der Geschäftsbücher wurde zu dem Platz, den Mamma mir zugedacht hatte. Wohl weil sie glaubte, dass ich dort nicht leicht verlorengehen könnte." Ein kleines Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht.
"Woran sie nicht gedacht hat, war, dass auch Bilanzbücher von Abenteuern erzählen können, liest man sie recht. Und dass hinter jeder Zahl eine Geschichte steht. Was mich an ihnen interessiert hat, war nie das Vergleichende und Abgrenzende, sondern das, was verbindet."

OHH

So genau scheint der kleine Mensch nicht verstanden zu haben, was Feledrion als ähnlich vermutete. Dennoch sind die weiteren Ausführungen sehr aufschlussreich - bis sie in Bereiche abtreiben, welche für den Elfen allzu fremd sind, um wirklich viel damit anfangen zu können. "Ich weiß nicht recht, worum es bei solchen Büchern geht", gesteht er schließlich. Ob er es überhaupt wissen will, bezweifelt er eigentlich, doch man sollte stets freundliches Interesse erwidern, solange sich dies vertreten lässt.

GH

"Es geht in ihnen - vereinfacht gesagt - um das Ordnunghalten und Vergleichen", erklärt der Bücherfreund seinem Gegenüber. "Nützliche Fähigkeiten, wenn man ein ruhiges und gesichertes Leben führen will. Aber leider auch das, was dem Besitzdenken und der Eifersucht bei den Menschen so leicht den Anlass gibt." Er öffnet mit einem leichten Schmunzeln die auf dem Tisch liegenden Hände. "Ich darf wohl sagen, dass ich das mit dem Ordnung halten kann, weil ich vierzig Jahre lang mein Brot damit verdient habe. Aber die Menschen, die ich bei diesen Geschäften traf, haben mich eigentlich immer mehr interessiert, als die Geschäfte selbst. Ihre Unterschiedlichkeit. Das, was sie einzigartig macht.
Um auf deine Vermutung zurückzukommen - ich glaube, da bin ich ähnlich. Wie meinen Herrn Pappa lockt es mich, zum Horizont zu segeln. Und nicht, Grenzen oder Besitztümer zu bewachen."

OHH

Wie Bücher jemandem Sicherheit geben sollen, vermag der Elf nicht nachzuvollziehen. Möglicherweise nach Art der Mauersteine gestapelt? Das sähe den Menschen ähnlich, und bei manchem Magier sieht es ja beinahe so aus, wenn sogar alle Wände hinter den schweren Regalen verborgen bleiben. Als Wurfgeschosse eignen sie sich wohl eher weniger, aber vielleicht ja von den Zinnen hinab auf irgendwelche Angreifer. Keine schöne Vorstellung.
Ordnung und Geschäfte - wie mag beides zusammenhängen? Doch hier gibt es einen Aspekt, der den Menschen mit Feledrion zu verbinden scheint: die Neugier und Hoffnung, andere kennenzulernen und vielleicht gar zu verstehen.
"Wo warst du bereits?" scheint eine naheliegende Frage nach dessen letzten Bemerkungen.

GH

Der ehemalige Buchhalter kann nicht anders, als auf die Frage des Elfen hin ein wenig zu schmunzeln. "Dies ist meine erste größere Reise. Mehr als meine Heimatstadt und ihre Umgebung habe ich in meinem bisherigen Leben nicht gesehen." Seine lebhaft blitzenden Augen scheinen nicht recht zu einer solch recht trostlos wirkenden Aussage zu passen. "Aber denk - je begrenzter der eigene Horizont ist, desto leichter ist es, ihn zu überschreiten. Bisher habe ich Menschen aus allen möglichen Teilen der Welt an dem Platz getroffen, an dem ich arbeitete. Sie kamen dorthin, um Geschäfte zu machen. Jetzt komme ich zu ihnen, um Abenteuer zu erleben."

OHH

Man könnte nun überlegen, ob die Ähnlichkeit zum Vater folglich erst spät auftrat oder lediglich so lange durch etwas unterdrückt wurde. Doch es ist nicht an Feledrion, einem ihm letztlich noch völlig Fremden in Belangen zu widersprechen, welche jener gewiss besser überschaut.
Statt dessen lächelt er. "So wünsche ich dir viel Erfolg und Erfahrungen in deinem Sinne. Womit möchtest du beginnen?" Wobei er das ja anscheinend bereits mit dem Eber getan hat.

GH

"Nachdem ich so lange Zeit meines Lebens in einem mir vorgegebenen und selbstgewählten engen Raum gelebt habe, möchte ich die Freiheit kennenlernen und das grenzenlose Meer bereisen", führt Herr Tellicherri aus, das Lächeln des Elfen erwidernd. "Das kann die salzige See im Westen sein, an der meine Heimatstadt liegt. Das kann das große Sandmeer im Süden sein, die Wüste, die auch mein Vater bereiste. Auf einem Wüstenschiff. Das kann - in meinen kühnsten Träumen - das Luftmeer sein, auf einem fliegenden Teppich oder auf einem Hexenbesen. Vielleicht findest du, ich träume. Aber ich finde, man sollte mit seinen Träumen anfangen, und dann sehen, was sich aus ihnen machen lässt."

OHH

Nach kurzer Überlegung erwidert Feledrion: "Wunschträume sind gewiss nützlich, solange man sich von ihnen nicht beherrschen lässt und die Gegenwart aus dem Blickfeld verliert. Da es bei dir derer drei sind, mag es helfen, sie nach ihrer Erreichbarkeit zu ordnen und sich entsprechend umzusehen. Möglicherweise hast du den ersten Schritt bereits getan." Zumindest ist das Meer näher als die Wüste, wohingegen an magisches Fluggerät zu gelangen die größte Herausforderung darstellen dürfte.

GH

"Ja", nickt der Morgenrockträger dankbar zu den Worten des Elfen. "Das habe ich in der Tat. Sonst säßen wir hier nicht gemeinsam am Tisch. Dieser mein Besuch hier ist sozusagen die Mutter aller meiner Abenteuer, sollten die guten Mächte es erlauben, dass ich noch weitere erlebe." Er schlägt die Hände mit einer Spur Andacht und noch mehr Unternehmungslust zusammen.
"Und du hast recht darin, dass man das Ganze ordnen sollte, damit etwas daraus wird. Ich habe schon hin und wieder überlegt, dass sich die Fahrt über das Salzmeer mit der zum Sandmeer vereinigen lassen könnte. Wenn ich die Karten recht gelesen habe, so zweigt südlich der Stadt Methumis, wohin man zu Schiff gelangen kann, eine Passstraße ab, über die Berge, in Richtung der Khom. Natürlich will dies alles gründlich durchdacht und geplant sein. Noch bin ich in der Phase des Träumens."

OHH

Es ist also wie erwartet, auch wenn Feledrion die genauen Wege des Südens kaum kennt: Das erste Ziel ist das Meer, über welches der Mensch das zweite erreichen will. Jenseits der Wüste mag dann sogar ein fliegender Teppich zu finden sein. Ein zufriedenes Nicken des Elfen ist die Antwort, welche auch eine Billigung der letzten Worte beinhaltet.
Da es nichts zu erwidern gibt, bleibt ihm danach etwas Zeit, die Gedanken fließen zu lassen. Etwas fehlt noch - nicht unbedingt wichtig, jedoch bietet es sich nun an. "Ich bin übrigens Felerion." Der andere könnte 'Dom' heißen, da der Wirt ihn so nannte, aber der Elf weiß längst, wie gern die Menschen allerlei Anreden den Familiennamen statt der Rufnamen voransetzen.

GH

Der kleine Mann im Morgenrock fühlt einen Augenblick die Verlegenheit in sich aufsteigen. Es entspricht weder dem guten Ton, noch seiner Gewohnheit, dass er vergaß, sich vorzustellen. Einmal kurz muss er schlucken, doch dann geht ihm auf, dass er sich hier nicht im Seelander befindet, sondern auf seiner ersten abenteuerlichen Reise. Und wie soll man Außergewöhnliches erleben, wenn man sich stets verhält, wie gewöhnlich?
Herr Tellicherri legt beide Hände auf sein Herz und beugt kurz vor seinem Gegenüber das Haupt. "Abraxas ist mein Name, und ich bin sehr erfreut, dich getroffen zu haben, Feledrion."
Wieder in bequemerer Haltung fährt er fort: "Du hast einen klangvollen Namen. Trägt er in der Sprache deines Volkes eine Bedeutung?"

OHH

Hinter dem Lächeln des Elfen verbirgt sich die erwiderte Freude des Kennenlernens ebenso wie die Erwägung, auf die Frage wörtlich nehmend mit einer schlichten Bestätigung zu antworten, was jedoch wenig zielführend erscheint. Als drittes ist die Überlegung zur Gegenfrage aufgeworfen. Doch eines nach dem anderen.
"Gewiss. Eine wörliche Übersetzung würde wohl nicht recht weiterhelfen und bräuchte lange Erläuterungen, aber es stecken die inhaltlichen Bedeutungselemente der Luft und des Tänzers darin."
Abraxas also - und nicht Dom.

GH

Ein freundliches leises Lachen kommt dem Elfen entgegen. "Dann wärst du wohl der rechte Begleiter für meine Reise durch das Meer der Lüfte. Bis ich ein passendes Fluggerät gefunden habe, bist du aber auch sonst willkommen bei mir. Sollte dich dein Weg einmal in die Stadt Bethana führen, steht mein Heim dir offen." Wie spannend wäre es, im neuen Haus auch neue Menschen - nein, Elfen gar - begrüßen zu dürfen!

OHH

Gewiss, ein Fluggerät würde Abraxas brauchen, denn einen Menschen könnte Feledrion nicht tragen.
"Bethana..." Ein nicken des Elfen bezeugt, er wisse, wo diese Stadt liegt. "Wie findet man dich oder dein Heim dort?" Zwar verliert er die Orientierung auch im Straßengewirr nicht so leicht, aber etwas noch Ungesehenes in einer Stadt zu finden, setzt eine sehr genaue Beschreibung voraus.

GH

"Tja", antwortet der gemütliche Mann aus Bethana mit einem konzentrierten Blick und umeinanderkreisenden Daumen, "Bethana ist nach meinem Dafürhalten recht übersichtlich. Doch leider liegt mein neues Heim an einem der am wenigsten übersichtlichen Plätze der Stadt. Im Norden liegt das Viertel Engardion, wo die meisten unserer Künstler leben. Südöstlich davon gelegen befindet sich das Gebiet um den großen Efferdtempel mit dem wohlklingenden Namen Sakristal.
Genau dort, wo Engardion an Sakristal angrenzt, gibt es ein kleines Quartier mit sehr alten Häusern und so verwinkelten Gässlein, dass man sich trotz der geringen Größe beinahe darin verlaufen kann. Und dort mittendrin liegt mein freundliches Häuschen, das du, wenn du erstmal dort bist, am gelben Verputz und dunklen Fachwerk leicht erkennen kannst."
Er kratzt sich den Kopf. "Du kannst es dir allerdings einfacher machen, und direkt zum Efferdtempel gehen, zu dem man aufgrund seiner Größe und seiner Kuppel leicht von überall hinfindet. Direkt nördlich von ihm auf Sichtweite, am Ende des Parks, liegt, neben der Brauerei, Terbos Bierhaus. Der Wirt kennt mich und kann seinen Burschen Tjoke nach mir schicken. Von dort aus geht man nicht länger als das Zehntel eines Stundenglases zu mir - ich hole dich dann ab."

OHH

Was für das Verständnis der Wegbeschreibung wichtung ist, fällt dem Elfen nicht ganz leicht zu erkennen, zumal es auf einmal derer zwei werden. Ist gelber Verputz selten? Darauf hat er nie recht geachtet, aber es scheint doch recht viele Gelbtöne zu geben. Demnach mögen ein Tempel und eine Brauerei als weniger angenehme Zwischenziele vielleicht tatsächlich der klügere Rat sein. Einstweilen nickt er. Man wird sehen, wann es dazu kommt.

GH

Feledrions Nicken ermutigt den Heimbesitzer, noch einige Worte hinzuzulegen. "Solltest du dennoch auf eigene Faust suchen wollen" - in einer fremden Stadt kann das Erkunden von manch einem ja auch als Vergnügen aufgefasst werden - "so überquerst du hinter dem Bierhaus einfach die größere Straße und gehst geradeaus weiter in die anschließende kleinere Gasse. Dort wirst du das Lärmen einer Schmiede hören, an der du vorbeigehst, bis du zu einer Kreuzung kommst, wo du dich links hältst und bald den Geruch von firschgebackenem Brot und Kuchen wahrnimmst. Er führt dich zu einer Bäckerei, die an einem kleinen Platz mit einem Brunnen liegt. Hinter dem Brunnen gehst du halb rechts in das schmale Gässlein, das 'Krähwinkel' genannt wird. Es gibt aber kein Schild - doch du wirst merken, dass es in der Tat in einem Winkel endet, in dem noch drei Häuser stehen. In dem mittleren wohnen meine Bücher und ich. Das Dach ist etwas windschief und die grünen Fensterläden sind ein wenig klapprig. Außerdem habe ich mir vorgenommen, wenn es bald Sommer wird, Blumen vor den Fenstern zu pflanzen."
Herrn Tellicherri wird warm um's Herz bei der Beschreibung seiner Wohnstatt. Wie gemütlich es dort ist - und erst recht wird, wenn er seinen ersten Gast beherbergt.

OHH

Mehr Beschreibungen müssen nicht unbedingt die Suche erleichtern, da es mehr Gebäude gibt, die es sich zu merken gilt. Menschenhäuser, die Feledrion selten besonders eingehend betrachtet hat. Aber die Vorstellung des letztendlichen Zielobjektes ist nun etwas genauer geworden. Der Weg dorthin mag laut sein. "Dies klingt recht friedvoll für eine Stadt."

GH

"In der Tat", nickt Herr Tellicherri, "so mag ich leben. Mit einem kleinen Hafen des Friedens, mitten in dem wogenden Sandmeer der Zeit." Seine Augen leuchten warm. "Wobei die Bücher schon aufregend sind, wenngleich auf eine angenehme Weise.
Wo lebst du, wenn du nicht gerade auf der Wanderung bist?" wendet er sich an den reisenden Elfen.

OHH

Wohl eher mitten in einem Steinmeer, findet Feledrion, da Sanduhren üblicherweise nicht zu den Dingen seines Gesichtskreises gehören. Dennoch wogt es in den Städten ja mehr als genug.
"Ich wurde geboren und lebe immer wieder bei meiner Sippe in den Wäldern von Sala Mandra - dir vermutlich besser bekannt als die Salamandersteine."

GH

"Ja", antwortet der Mann im grünen Morgenrock eifrig. "Dieses Gebirge ist mir natürlich von der Karte her bekannt. Wengleich ich natürlich noch nie dort war." Ein wenig Traurigkeit mag in diesem letzen Satz mitklingen, doch wird sie sogleich von neuem Interesse davongetragen: "Der Name, den es in deiner Sprache trägt, ist insofern interessant für meine Ohren, weil ich vermute, dass Sala Mandra womöglich etwas anderes meint, als den feuerbeständigen Lurch, der in der Menschensprache 'Salamander' genannt wird." Fragend blickt er den Elfen an.

OHH

Karten zu lesen, ist dem Elfen ebenfalls altvertraut - allerdings gewöhnlich eher solche, die jeweils ein bald zu begehendes Gelände abbilden.
"Ganz recht." Dabei könnte es bleiben, dann jedoch folgt etwas später die von dem Menschen gewiss erhoffte erklärende Antwort: "Mandra ist die Kraft, über welche wir bereits sprachen. Sala hingegen bezeichnet den Ort ebenso wie die dort lebende Gemeinschaft, welche jene Kraft in sich bergen."

GH

"Ah", macht der Mann in den besten Jahren, während er genau hinhört und innerlich sortiert. "Die Wälder von Sala Mandra wären also, wörtlich übersetzt, 'Wälder des Ortes und der Gemeinschaft der Kraft', richtig?
Und umgekehrt gab man wahrscheinlich dem Tier Salamander seinen Namen, weil man es als zaubermächtig ansieht, da von ihm gesagt wird, dass es nicht verbrennen kann." Die letztere Schlussfolgerung dient mehr seinem eigenen lautem Denken, denn sicher weiss der Angehörige der Gemeinschaft der Kraft bedeutend mehr über solche Dinge, als Herr Tellicherri.

OHH

"Der Seelenkraft, um genauer zu sein", ergänzt Feledrion. Bei aller Wörtlichkeit fehlt noch ein wenig von den inneren Schwingungen, welche man im Elfischen nun einmal mehr wahrnimmt als in den Sprachen der Menschen.
"Da es sich bei 'Salamander' um eine menschengemachte Bezeichnung handelt, vermag ich darüber bestenfalls zu spekulieren." Solches möchte er nicht ohne direkte Aufforderung tun, fühlt er sich doch auch in keiner Weise dazu berufen.

GH

"Ja", antwortet der Silberhaarige mit einem Schmunzeln, "mehr kann ich als Unkundiger ja auch nicht tun.
Aber was ich bei Weitem interessanter finde, ist Folgendes: Wir Menschen definieren unsere Zusammengehörigkeit sehr oft über Verwandtschaftsbeziehungen oder die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kulturkreis, der ja im äußersten Sinne auch eine Form von Verwandtschaft darstellt. Familienbande in engerer oder weiterer Hinsicht, könnte man sagen. Ist es bei euch dagegen eher die Seelenkraft, welche die Verbundenheit zwischen euch begründet?"

OHH

Nun schmunzelt der um so Silberhaarigere wieder ein wenig. "Sie ist es auch, aber nicht unbedingt eher, denn natürlich bedeutet es auch bei uns etwas, mit wem du verwandt und mit wem du aufgewachsen bist. Es gibt Sippen, Dörfer, Landstriche und Elfenvölker. In der grundsätzlichen Struktur mag es jener der Menschen ähneln. Wir sind jedoch nicht so viele und leben nicht so eng gedrängt wie ihr vor allem hier in diesem Lande."
In Anbetracht dieser kleinen thematischen Abweichung zieht Feledrion die Brauen ein wenig zusammen. Da die Frage beantwortet ist, darf die Rede an dieser Stelle schließen und die Stirne sich wieder glätten.

GH

"Welch ein Segen, wenn man Platz um sich haben darf!" pflichtet der Rundliche seinem elfischen Gegenüber bei. "Ich habe nie die beneidet, die zusammengepfercht in einem engen Schiffsbauch Wochen oder gar Monate miteinander verbringen müssen. Oder die, die dicht gedrängt in einer Schreibstube sitzen." In der Erinnerung daran zieht sich dieses Mal auch die Stirn des kleinen Mannes zusammen. Zu seinem Glück wich diese Enge später dem Luxus einer eigenen kleinen Kammer im Handelskontor.
"Wie groß sind eure Siedlungen in den Wäldern von Sala Mandra? Und wie sehen eure Häuser aus?" fragt er, wobei seine Augen warm von Wissbegier leuchten.

OHH

Enge oder vielmehr ihre Bewegtung ist offenkundig Ansichtssache. Dass Menschen sie besser ertragen als Elfen, ist keine neue Erkenntnis. Feledrion genügt der Gedanke an Schiffsbäuche und Schreibstuben auch ohne darin allzu lange verbracht zu haben, um ihn sogleich wieder loswerden zu wollen. Die Fragen bieten hierzu reichlich Hilfestellung.
"Unsere Siedlungen sind sehr groß im Sinne der Weitläufigkeit. Ganz anders als eure Städte mit ihren schmalen Gassen und Haus an Haus. Wenn du die Kopfzahl der Bewohner meinst, entsprechen sie wohl meist eher einem eurer kleinen Weiler. Die Waldelfen wohnen vor allem mit den Bäumen", schließt er mit der Beantwortung auch der zweiten Frage ab.

GH

"Das heißt, wenn ich es mir richtig vorstelle", überlegt der kleine Herr und sieht sich vor seinem inneren Auge in einer weitläufigen waldigen Landshaft, "dann bemerkt man es unter Umständen gar nicht, dass man auf seiner Wanderung in eine eurer Siedlungen hineinspaziert? Es gibt keine sichtbaren Straßen oder Begrenzungen, wie Tore, Schlagbäume oder Wachtposten? Das klingt wahrhaftig nach einem Leben in Freiheit." Er lächelt in sich hinein.
"Und gleich noch eine Frage - die Waldelfen, sagst du, wohnen mit den Bäumen. Das hört sich so an, als seien die Bäume so etwas, wie Familienmitglieder. Wie drückt sich dieses besondere Verhältnis aus?"

OHH

Natürlich gibt es Trampelpfade, welche das ungeübte Auge wohl für Wildwechsel halten würde. Es gibt keine Gelegenheit, dies zu ergänzen; der kleine Mensch hat noch ganz andere Fragen. Jene mögen auch für beide Seiten interessanter sein.
Feledrionschmunzelt erneut. "Nicht eben Familienmitglieder, aber es sind vertraute Wesen, mit denen wir leben, vielleicht am ehesten mit manchem eurer Haustieren vergleichbar. Nicht jenen, welche ihr melkt oder schlachtet, sondern eher solchen, die ihr als Gefährten anseht. Bisweilen kann die Melodie eines Baumes sogar Gefahren anzeigen. Wir nehmen dies wahr, als schlüge bei euch ein Hund an."

GH

Einen Augenblick sitzt der mit der Farbe des Sommerwaldes bekleidete Morgenrockträger andächtig, um sich dies alles besser vorstellen zu können. Er hört die Bäume singen, während er sich selbst durch den windgepeitschten Park in Engardion gehen sieht, die Kappe mit der einen Hand auf dem Kopf festhaltend, die Ledertasche mit der anderen an sich pressend. Ein Umweg zwar, doch einer, der mit gesunder Bewegung und frischer Salzluft gefüllt ist. Wenn man den ganzen Tag sitzt, ist es eine Wohltat, sich durchpusten zu lassen. Und das herbstliche Sturmlied der Bäume ist ein Konzert, das in nichts denen des Bardentreffens nachsteht.
Herr Tellicherri lächelt und wendet die Augen wieder seinem Gegenüber zu. "Ich nehme an, dieses ist eine Melodie, die nur diejenigen vernehmen, die die Kraft in sich tragen und in der Weise deines Volkes zu hören und singen vermögen?"

OHH

Zur Abwechslung mal wieder beide Brauen hebend, erwidert der Elf: "Ich muss gestehen, darüber nie so genau nachgedacht zu haben. Eher dächte ich, dass eine Verbundenheit mit dem Wald nötig sei, welche jeder mit diesem Willen erreichen kann. Eigentlich würde ich annehmen, dass es eine unter Druiden und Hexen durchaus verbreitete Eigenschaft sein könnte."

GH

OHH

Wird fortgesetzt...


Ausschnittliste / anwesende Gäste / Lageplan

Redaktion und Lektorat: OHH 2018/9