Am Brunnen vor dem Eber - wieder einmal

Autoren: Oliver H. Herde und andere

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Tageslicht - eines der belebendsten Elemente, zumindest für jenen Waldelfen, welcher bereits die ersten Sonnenstrahlen von seiner Schlafstatt im Garten der Grünen Ebers aus begrüßte. Noch gab es keinen Grund aufzustehen. Auch Geräusche vom Stall her und bald darauf folgendes sich entfernendes Hufgetrappel konnte ihn nicht dazu verlocken. Gewiss wird er sich bald erheben, um ein paar der sich anbietenden Früchte zu ernten, jedoch ist es einstweilen noch allzu gemütlich und der Hunger erträglich.
Hin und wieder zuckt eines der spitzen Ohren kaum sichtlich, wenn es ein besonderes Geräusch wie den Ruf eines fernen Seeadlers oder Geklapper aus der Küche aufnimmt.

VW

Eine Gänsehaut überzieht die Arme und die Brust, während Timon den kleinen Klumpen Seife sorgsam über die Haut reibt. Eiskalt kommt ihm das Wasser vor. Aber wahrscheinlich ist es nur die Müdigkeit, die ihn für die Kälte empfindlich macht. Doch bevor er seine Kleidung wieder anlegen kann, will er die Hose noch ausbürsten und warten, bis die nasse Stelle auf dem Hemd getrocknet ist, aus der er die Spuren des Vorabends mit Wasser herausgeschrubbt hat. Schließlich will er den Tag in angemessener Sauberkeit beginnen, auch wenn dieser bestimmt wieder eine gute Menge an Schmutz für ihn reserviert hat. Aber man wird sehen.

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Als der junge Mensch an den Brunnen getreten ist, hat sich der Elf nur wenig geregt, jenen aber dennoch aufmerksam beobachtet. Es ist ein altvertrauter Anblick, auch und gerade die Kulisse des Grünen Ebers, aber da ist noch etwas anderes. Für sich allein sind die meisten Menschen durchaus erst einmal sympathisch, selbst wenn Feledrion sie bei einer ihrer vielen kleinen befremdlichen Eigenheiten ertappt - oder einer ihrer auch noch allzu häufigen Gedankenlosigkeiten. Diesem Burschen umgibt allerdings eine besonders feine Aura, eine ganz eigenartige Art der Stille.
Neugierig geworden, setzt sich der Elf unter dem Kirschbaume auf, seine morgendliche Zufallsbegegnung besser betrachten zu können.

VW

Sich der Blicke nicht bewusst, ergreift der Knabe einen Stofffetzen und tunkt ihn in den vor ihm stehenden Eimer, um sich die Seife sorgsam von der Haut zu spülen. Wenn das Zeug bloß nicht so in den Augen brennen würde...

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Offenbar fühlt sich der Jüngling nicht recht wohl mit dem, was er da ins Gesicht bekommt. Menschen tun Dinge, die ihnen nicht guttun. Dies ist keine neue Erkenntnis. Die Gründe hierfür sucht der Elf seit vielen Jahren. Gewiss gibt es mehrere, wie es für fast alles mehrere Ursachen gibt.
Irrtümer unterlaufen auch Feledrion und seinen Artgenossen, doch Menschen beharren allzu oft darauf, anstatt daraus zu lernen. Allerdings mag im vorliegenden Falle wie so oft ein sozialer Zwang den Hintergrund darstellen.
Hoffentlich gerät nicht allzu viel Seife in den Brunnen! Trinken würde Feledrion dann nicht mehr davon wollen. Im Grunde ist bereits der Eimer damit verunreinigt. Wo war doch gleich der nächste Bach?

VW

Blinzelnd öffnet Timon die Augen. Autsch. Der nasse Lappen wird über das Gesicht gezogen. Besser. Dann legt der Junge den Stofffetzen vorsichtig zur Seite auf den Boden neben dem Brunnenrand und stützt beide Hände auf dem Eimerrand auf, während er sich Mut zuspricht. Endlich saugt er in einem tiefen Zug die Luft ein, verharrt, hält den Atem an und hebt mit einer ruckartigen Bewegung den Eimer in die Höhe, um den kalten Inhalt in einem einzigen großen Platschen über Haupt und Schultern zu kippen. Und obwohl er dachte, dass seine Lungen bereits zum Bersten gefüllt sind, jappst er trotzdem noch einmal einen Hauch ein, als der nasse Schwall an seinem Körper herabläuft, den Stofffetzen um die Hüften durchtränkt und dann an den Beinen entlang weitertrauft, um sich auf der Fläche vor dem Brunnen mit den Seifenresten aus dem Lappen zu vermengen und um die bloßen Zehen zu schwappen.

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Ähnliches Zeremoniell hat der Elf durchaus schon beobachtet - meist von Menschen, welche ihre eigene Tat weniger überraschte, aber auch diesbezüglich gibt es Ausnahmen. Dennoch ist es ein allzu erheiternder Anblick, als dass Feledrion nicht leise aufschnaufen müsste. Ein selten breites Lächeln übernimmt die Herrschaft in seinem Antlitz.
Dann schließlich gleitet der Elf mitsamt seiner sparsamen Ausrüstung empor in den Stand, nahegleich als wüchse er aus dem Boden.

VW

Das Wasser tropft herunter, und so bleibt dem Jungen nur eines: Er beginnt den Kopf zu schütteln, dass die Tropfen in alle Richtungen stieben, die Augen immer noch fest geschlossen. Und die Arme und Schultern schließen sich dem doch etwas verwirrenden Tanz an, bis er sogar auf einem Fuß hüpft, um sich das lästige Wasser aus den Ohren zu schütteln.

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Leider ist es für Äpfel und Kirschen noch etwas zu früh, und aus den Beeten möchte Feledrion nicht gern einfach etwas herausbuddeln. War zudem gestern nicht irgend etwas von einer Feier gesagt? Da mag sich etwas bekommen lassen, andernfalls gibt es erst später etwas auf der Weiterreise im Wald.
Schlussendlich bietet der Junge auch ein allzu bemerkenswertes Schauspiel, als dass man sich davon etwas für einen schnöden Happen entgehen lassen sollte. Ob derartig wohl auch eine gewisse Sharisad hier dereinst tanzte? Dem Elfen wurde darüber ja lediglich von einem ihrer Verehrer berichtet. Wie gut, dass jener über sein Herzensleid längst hinweg ist!
Weiterhin vor sich hin schmunzelnd und den Badenden beobachtend, nähert sich Feledrion dem Gebäude und genauer dem Hof zu dessen linker Seite - und somit fast direkt ebenfalls dem Brunnen und dessen Gast. Dort bleibt er unfern des letzteren, doch jenseits der Reichweite der meisten Spritzer stehen in der Überlegung, ob er diesem wohl nicht ein wenig Beifall zukommen lassen sollte.

VW

Endlich hat er dies hinter sich. Timon greift, die Augen immer noch ein wenig zugekniffen, nach dem am weiter entfernten Brunnenrand positionierten Handtuch, während er mit einer Hand den Lendenschurz aufnestelt, den er um die Hüften trägt, so dass dieser vom Gewicht des aufgesogenen Wassers zu Boden fällt. Während seine Hand noch nach dem Tuch zum Abtrocknen tastet, wird er des Besuchers gewahr: "Oh, hallo," meint der Knabe unbekümmert, "einen wunderschönen guten Morgen."

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Auch der Elf findet nichts Besonderes an der plötzlichen Nacktheit seines Gegenübers. Seine Aufmerksamkeit gilt dessen Gesicht.
"Hallo, dir ebenso! Du bist ein guter Tänzer." Für einen Menschen, versteht sich.

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Der Bursche ist zunächst irritiert, bevor er versteht, was sein Gegenüber meint. "Oh... Das war... mein Morgentanz." Lahm, aber zumindest ehrlich.

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Ein warmes Lächeln des Elfen soll den Jungen beruhigen, wirkt jener doch scheu und unsicher. "Ja, hübsch! Und er spricht für ein gewisses Körpergefühl."
Einen Moment lang mag es erscheinen, als habe der Hochgewachsene nichts mehr zu sagen und wolle sich bereits abwenden, seinen Weg fortzusetzen, doch in Wahrheit ist Feledrion noch eine Kleinigkeit an der Angelegenheit wichtig: "Hast du ihn selbst entwickelt?"

VW

"Und wie." Timons Verwirrung ist groß. Irgendwie kann er nicht verstehen, was dieser Elf da von ihm will. Und DASS er etwas von ihm will, das ist für den aus Al'Anfa stammenden Jungen klar. JEDER will etwas vom anderen. Aber was könnte der wollen...?
Erst als sich der Junge seiner Blöße bewusst wird, leuchtet ihm auch ein, warum dieser wohl hochstehende Elf ihn anspricht. Ohne einen Fetzen am Leib ist seinem Gegenüber natürlich klar, dass es sich bei dem Gesprächspartner um einen Sklaven handelt. Ergo muss man ihn verwechseln beziehungsweise ihm mehr Status zubilligen, als er tatsächlich hat. Dies bringt aber eine Zwickmühle mit sich. Er sollte seinem Gegenüber nicht eröffnen, dass dieser sich gerade durch ein Gespräch mit einem niedriger Stehenden befunden hat. Das wäre der gesellschaftliche Tod dieses Elfen, je nachdem WIE hoch er gesellschaftlich steht. Am besten wird Timon weitgehend die Klappe halten und nur auf sein Gegenüber reagieren.

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Mit einem tiefen Atemzug tritt der Eberknecht auf den Hof. Doch dann stutzt er. War da nicht eben Gesang? Er hatte schon drinnen im Stall das Gefühl, als sänge jemand. Alrik hält inne und lauscht. Nein, doch nicht. Oder nicht mehr.
Einen Augenblick später erhellt sich das Gesicht des Knechtes und er nickt, wie sich selbst zustimmend. Natürlich, der Morgengesang des Praiosgeweihten. Was sonst.
Nach einem Rundumblick über den Hof wendet sich der Knecht nach links. Die getane Stallarbeit verlangt nach einer Waschung.

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Ein wenig unpassend wirkt die Antwort, aber vielleicht möchte der junge Mensch nur ausdrücken, wie sehr ihn die Zusammenstellung der Bewegungen beschäftigt hat oder dass ihm in keiner Weise dabei geholfen wurde. Dem gegenüber wirkt jener jedoch durchaus nicht stolz oder gar eitel. Feledrion hat über viele Sommer und Winter seine Elfenkenntnis zu einer passablen Menschenkenntnis auszuweiten vollbracht, welche ihn nun bei dem Burschen eine gesteigerte Verunsicherung vermuten lässt. Wodurch aber könnte diese hervorgerufen sein?
Die ansonsten bei Menschen bestimmter Herkünfte verbreitete Schamhaftigkeit über die eigene Nacktheit scheint auszuscheiden, gibt sich der Junge doch allzu natürlich.
Des Elfen linke Braue hebt sich unvermittels, sein Blick schweift umher. Sollte sich der Jüngling beobachtet wähnen? Die meisten Fensterläden sind noch geschlossen, doch könnte wohl jemand hier oder dort durch einen Spalt herausspähen. Eher nicht aus dem Schlafsaal, wo eben lustig ein nach Fernreise klingendes Lied erklang, fern und sanft, nicht für die Allgemeinheit bestimmt. Vom soeben auf den Hof getretenen Knechte geht gewiss ebenfalls keine Bedrohung aus.
Da jener sich nun nähert, bleibt wenig Zeit. "Glaubst du, wir werden beobachtet?" raunt der Elf dem Nackten vertraulich zu.

VW

Timon ist nun endgültig verwirrt. Was soll die Frage? Entsprechend zuckt er die Schultern: "Und wenn schon. Wäre das schlecht?" Langsam wird ihm nun doch kalt und so beginnt er damit, mit dem Handtuch das Haar zu trocknen, während er den Elfen neugierig anblickt.

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Einmal mehr hebt sich die Braue. Des Jungen Verwunderung darf man wohl als eindeutige Entwarnung verstehen. Der Abstand zwischen beiden wird mit dem Wiederaufrichten des Elfen auch wieder größer. "Ich dachte zuerst. Da habe ich wohl etwas missverstanden oder vielmehr fehlgedeutet."
Nebenbei bemerkt er die jüngsten Bewegungen des Jünglings, welche mit einer feinen Gänsehaut zusammenpassen. "Du frierst", stellt er nüchtern fest. "Entschudlige, ich wollte dich von nichts abhalten."

VW

Timon grinst, während das Handtuch sich nach dem Kopf den Schultern zuwendet. "Ist halt kalt, das Wasser." Dann zuckt er die Achseln. "Ich bin ja nicht aus Zucker."

AB

Als Arik die Hausecke passiert, sieht er dass bereits zwei Personen am Brunnen stehen. Zu seiner Freude ist Timon einer davon. Mit einem Lächeln im Gesicht und einem halblauten "Praios zum Gruß" tritt er heran und schaut nach dem Eimer.

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Feledrion schmunzelt. Zucker würde nicht frieren. Dennoch versteht er den Jungen und nickt wohlwollend.
Dann wendet er den Blick auf den Knecht, der ebensolche Geste erhält. "Guten Morgen!" Ob jener wohl auch in Absicht einer Waschung herangetreten ist oder eher nach Trinkwasser sucht? Letzteres wäre interessant und bleibt deshalb noch abzuwarten, jedoch wahrscheinlich kommt es dem Elfen nicht vor.

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Freudig grüßt der Junge den Knecht und nutzt dann den Wechsel der elfischen Aufmerksamkeit, um sich rasch zuende zu trocknen und nach neuer Unterkleidung zu fischen, denn so langsam macht sich die Kälte denn doch bemerkbar.

AB

Immer noch lächelnd tritt Alrik an den Brunnen und ergreift den Eimer. Mit geübten Handgriffen ist dieser dann rasch hinabgelassen, neu gefüllt und wieder emporgezogen. Nun folgt was folgen muss: Der Knecht entledigt sich des Obergewandes und beginnt sich zu waschen. Die Kühle des Wassers lässt das Lächeln dabei ein wenig gefrieren.

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Es kommt wie erwartet, folglich muss Feledrion nicht weiter an diesem Ort ausharren. Gemächlich spaziert er dem Hof zwischen den Ställen zu.

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Timon reibt sich mit dem Handtuch die Beine ab, nachdem er sich den Lendenschurz umgebunden hat. "Ein wenig frisch, gelle?" kaspert er in Richtung des Knechtes, während auf seinen Armen immer noch die Gänsehaut traviagefällig bibbert.
Den für ihn völlig unmotivierten Abgang des Elfen bemerkend, ruft er diesem "Bis nachher in der Schankstube!" hinterher und sieht dann den Knecht mit hochgezogenen Augenbrauen an, leicht mit den Schultern zuckend.

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Nun hat Feledrion anscheinend doch wieder gegen irgendeine Etikette der Menschen verstoßen. Oder möglicherweise hat er ein Redebedürfnis des auf ihn scheu wirkenden Jungen übersehen. Vielleicht ist er jenem auch lediglich sympathisch genug für eine spätere Unterhaltung bei Tisch, beziehungsweise für ein näheres Kennenlernen.
Letzterenfalls gibt es Grund zwar nicht zum Umkehren, jedoch zu bescheidener Freude, drum wendet sich der Elf im Gehen noch einmal um, nickt dankend, deutet ein Winken an und ruft: "Sehr gern!"

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"Hmhm", brummt Alrik zustimmend, während er nun ebenfalls das Beinkleid ablegt. Nur noch mit einem Schurz bekleidet, sind die Narben, die den Oberkörper des Knechtes bedecken, nicht zu übersehen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man am Hals auch die Fortsetzung der Narbe, die sich an der Schläfe des Knechtes abzeichnet. Deutlich wird auch, warum Alrik sich mit einem leichten Humpeln fortbewegt: Narbengewebe überzieht fast den ganzen linken Oberschenkel.
"Ja, frisch. Aber gut", ringt er sich dann doch zu ein paar Worten durch. Anders als Timon hat Alrik kein Handtuch dabei, so dass er sich notdürftig mit dem Hemd trockenreibt. Den fragenden Blick bezüglich des Abgangs des Elfen kommentiert er ebenfalls mit einem Schulterzucken.

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Als er sieht, dass der Knecht zum Hemd greift, um sich abzureiben, hält er diesem das eigene Handtuch hin, während er mit der anderen Hand nach dem eigenen Hemd angelt. "Willst du?"

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Alrik stutzt, dann nickt er. "Danke dir, Timon." Während er sich nun mit dem Handtuch abreibt, fragt er: "Und, schon Pläne für's Frühstück?"

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Des Knechtes Frage lässt Feledrion ein klein wenig langsamer werden, da er ihre Beantwortung als möglicherweise auch für ihn von Interesse einstuft. Zunehmend aus dem Blickwinkel der beiden geratend, mag diese Geschwindigkeitsverringerung auch schwerlich auffallen.

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Timon strahlt über das ganze Gesicht, was ein wenig schwierig festzustellen ist, schlüpft er doch gerade ins Hemd. "Heute morgen habe ich frei. Die Dame meinte, sie habe nächtens noch eine wichtige Sache zu tun und werde somit nicht vor der Mittagsstunde aufstehen. Also werde ich mich in aller Ruhe an den Tisch setzen und frühstücken, und wenn ich dir bei irgendwas helfen kann... ich habe Zeit." Der letzte Halbsatz wird wie eine Praline im Mund hin und her geschoben.

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Feledrion hört nichts mehr, was ein Verharren empfehlen könnte, folglich schlendert er weiter über den Hof. Ob sich hier etwas geändert habe, vermöchte er nicht zu sagen. Zu viele Gasthöfe hat er schon besucht und doch immer weit mehr auf die Menschen und gegebenenfalls Zwerge geachtet als auf die Bausubstanz. Das Fehlen von gleich fünf Bäumen hat er hingegen bereits vor Jahren bekümmert feststellen müssen, damals bei seinem zweiten Aufenthalt, als er Vinizarah zuletzt hier antraf.

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Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2018