Von Kindern und Feiern

Autoren: Julia Richling, Oliver H. Herde und andere

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Schritte hinter ihm deuten an, weswegen es kürzlich am Tresen ruhig geworden ist. Unzweifelhaft entstammen die leichten Tritte, aus welchen sich auch je ein Hauch von Eile und Unsicherheit herauslauschen lassen, von Vinizarah. Es ist lange her, seit der Elf sie zuletzt in dieser Form hörte - länger als ihrer beider voriges Zusammentreffen vor vielen Jahreszeiten hier im Grünen Eber.
Als die junge Menschin ihn erreicht, wendet Feledrion den Blick ab von dem unverändert gebliebenen Insekt und den kleinen Winkel zu ihr hinauf. Ein entspanntes feines Lächeln heißt sie willkommen, die linke Braue kaum höher als die rechte. Freundschaftliches, unvoreingenommenes Interesse.

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Als Feledrion sich ihr zuwendet und sie anlächelt, lächelt Vinizarah müde zurück. Nicht in dem Sinne, dass sie für den Freund nur ein müdes Lächeln übrig hätte, sondern in dem, dass sie tatsächlich sehr müde ist. Der zurückliegende Tag fühlt sich sehr lang und intensiv an, und am liebsten würde die kleine Frau sich nun verabschieden und in ihr Bett kriechen.
Ihr Abschweifen bemerkend, lenkt sie die Gedanken wieder in Richtung des Elfen. "Ich merke gerade, dass ich zu müde bin, um jetzt nochmal rauszugehen", spricht sie ihn an und das Gedachte aus. "Wäre es für dich in Ordnung, wenn wir hierbleiben und kurz zusammen sitzen, ehe ich mich dann in den Schlafsaal zurückziehe?"

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Nunmehr wandert die linke Braue doch noch ein wenig höher, zieht dann aber auch die andere nach sich. "Gewiss", entgegnet der Elf in altvertrauter Weise, wobei seine Linke sich wie zur Einladung aus dem Handgelenk heraus kurz vom Bauche hebt. "Vorausgesetzt, du wünschst nicht in Wahrheit bereits jetzt, dich niederzulegen." Der behutsam neutrale Ton verspricht Verständnis, der Blick hingegen fordert eine ehrliche Antwort heraus.

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Vinizarah setzt bereits zum Niederlassen an, bleibt jedoch stehen, um den Blick zu halten. "Mein Bedürfnis nach Ruhe ist groß, aber meine Freude über deine Nähe und der Wunsch, mit dir Zeit zu verbringen sind größer", erwidert sie aufrichtig.
Langsam zieht sie den Stuhl zurück und setzt sich. "Du sagtest vorhin, draußen ließe es sich angenehmer unterhalten. Gibt es denn etwas, über das du sprechen möchtest?" erkundigt sie sich schließlich.

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Feledrion nickt lächelnd zu der akzeptablen und zudem schmeichelnden Auskunft. Dann hebt sich wiederum die linke Braue - diesmal allein bleibend. Das Lächeln verlässt sein Antlitz dabei nicht, mag es für einen winzigen Augenblick auch wie erstarrt wirken.
Nach einem gemächlichen Wimpernschlag erwidert der Elf: "Über dich?" Es ist eine Frage, ein Vorschlag. "Wenn dir der Sinn danach steht. Ich habe das Gefühl, etwas dir Bedeutsames nicht zu wissen."

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Als Feledrion auf ihre Frage mit einer Gegenfrage reagiert, beißt sich Vinizarah unwillkürlich auf die Lippen. Sie spürt Schmerz und Wut in sich aufsteigen, und es braucht einige Momente, in denen sie bemüht ruhig atmet und sich innerlich sortiert, ehe sie sich wieder so halbwegs wieder entspannen kann.
Schließlich sagt sie: "Ich empfand Wut, als du gerade 'über dich' gefragt hast. Ich... ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll... Ich habe heute und auch schon die letzten Monde hier in diesem Haus den Eindruck, von genügsamen, hilfreichen Geistern umgeben zu sein. Geister, die mir geben wollen, was ich mir wünsche, ohne eigene Wünsche klar und deutlich zu äußern. Geister, die sich um alles sorgen, aber nicht für sich selbst. Und sich dann plötzlich in Luft auflösen, weil sie es nicht mehr ertragen können."
Sie hebt die Hände und reibt sich damit über die Augen, über das Gesicht. "Ich bin selbst zu einem geworden. Heute hat es ein Ende gefunden - zum Glück. Aber gerade fühlt es sich für mich... schmerzhaft an, wenn mein Gegenüber sich nicht zumindest ein wenig sichtbar macht und eine reine Helferrolle einzunehmen scheint."
Langsam lässt sie die Hände sinken und blickt den Elfen an. "Bitte Feledrion", sagt sie leise, "bitte zeig mir etwas von dir. Irgendwas. Ich rede gerne über mich, aber könntest du mir dann bitte zumindest sagen, was dich interessiert?"

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Angesichts Vinizarahs unerwarteter Reaktion, in welcher sie stumm mit sich ringt, fühlt sich die Rechte Augenbraue nun doch herausgefordert, ihrem gegengleichen Zwilling in den höheren Lagen zu unterstützen. Was mag sie so aufgebracht haben?
Die Erklärung wirft weitere Fragen auf, deren Beantwortung zum Verständnis Voraussetzung ist. Doch eines scheint bereits sicher: Vinizarah gesellt den Elfen zu den Menschen ihres derzeitigen Umfeldes hinzu - oder zu deren Geistern. Ein charakteristischer Fehler der Rundohren, welche von den Fey doch so viel Wesentlicheres unterscheidet als all die letztlich belanglosen Äußerlichkeiten.
Dennoch wird Feledrion zunehmend klar, in welches Problem er hineingetreten ist. Es ist nicht lediglich ein altes, was für die meisten gilt, sondern auch ein offenbar längst ausführlich behandeltes. Gleichwohl wird er mehr darüber wissen müssen. Schlussendlich schmunzelt er treuherzig bei ihren Bitten, denn dieser scheinen ihm zweierlei.
"Nun, selbstverständlich gern, Vinizarah", entgegnet er freundlich und verwirft den unterschwelligen Drang, ihr kleines Missverständnis aufzuklären. Dies wirkt unnötig, könnte gar in allzu weite Ferne fortführen.
"Meine Erkundigung galt den Hintergründen deiner Müdigkeit, welche mir nicht lediglich auf körperlicher Anstrengung zu fußen scheint, sondern wie ich nun erahne, auch wesentlich auf dem Umgang mit jenen Geistern. Je mehr man über den anderen weiß, desto besser mag man ihn verstehen und seine Gedanken und Gefühle nachvollziehen.
Aber du hast recht; dies gilt in beiden Richtungen. So will ich dir zunächst andeuten, was mich bei unserer letzten Begegnung beschäftigte: Ich war Zeuge tiefgreifender Veränderungen, welche ich wohl zu großem Anteil nicht verstand. Jedoch erschreckten mich mehr als die ungewissen Dinge die eindeutigen."
Dies mag genug sein, vielleicht auch zuviel. Verhält es sich hingegen anders, wird es ein Leichtes sein, Fehlendes nachzureichen. Offenen Blickes sucht er im Antlitz der Frau nach deren Meinung.

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Vinizarah bemüht sich, den Worten Feledrions zu folgen, aber sie merkt, wie sie hinterherhinkt. Ihre Gedanken stecken in dem, was sie noch nicht verarbeiten konnte. Überhaupt fühlt es sich gerade einfach schwer an. Klar, sie hat selbst mir den Geistern angefangen, da braucht sie sich nicht zu wundern, wenn sie nun mit zu entschlüsselnden Andeutungen konfrontiert wird. Gewiss gibt es da auch irgendwo in ihr Schlüssel, die passen, Schlösser, die zu öffnen sind, aber... puh... sie mag einfach nicht mehr.
"Puh", hört sie sich nun auch laut seufzten, "und hier geht die Hoffnung, du könntest mich nach meiner Lieblingsimmanmannschaft fragen." Sie grinst schwach und fragt sich, ob sie nicht doch einfach ins Bett gehen sollte.
"Ich fürchte, ich bin für diese Art von Gespräch gerade echt zu fertig. Mir wäre wohl mehr danach, mit dir zu kuscheln und dabei zu hören, wie es dir und deiner Sippe gerade so geht, was dich zur Zeit beschäftigt, ob du Kinder hast... sowas halt. Wäre das für dich unbefriedigend, weil die Fragen, die du bezüglich meiner Person hast, unbeantwortet bleiben würden?"

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Stirnrunzelnd sucht Feledrion nach der Bedeutung des langen Wortes, denn auch wenn er im Tonfall den Scherz erkennt, möchte er ihn auch machvollziehen können. Ahja, Imman - das ist eines jener kriegerischen Spiele der Menschen, welche ihn nie auch nur zu passiver Beteiligung anregen konnten. Möglicherweise sieht Vinizarah genau hierin den Witz versteckt.
Bedeutsamere Fragen werden wiederholt wachgerufen oder neu aufgeworfen. Die vordergründigen sind an ihn gerichtet wie die abschließende, als solche ausformulierte, welche ihn väterlich lächeln lässt. "Nein", schiebt er sanft die Sorge Vinizarahs beiseite. Dies fällt um so leichter, wenn man sie nicht teilt. Es gibt viele Wege; die längeren mögen oft die angenehmeren sein.
Zum Kuscheln müsste man wohl dichter beieinander sitzen. Ihr den Anfang erleichternd, legt er die Hand offen auf den Tisch entgegen. "Ganz wie du magst... Es ist eine vergleichsweise ruhige Zeit bei uns seit der Dämonenmeister wieder fort ist. Doch wie schon früher sehen wir uns nur selten, oft nur zum gemeinsamen... Meditieren." Dieses Wort der Menschen mag am ehesten passen.
"Kinder habe ich leider noch keine." Es ist ein doppeltes Bedauern, denn neben dem verpassten Thema wird er auch gewiss sehr gern welche haben, sobald es nur an der Zeit ist.

JuR

Als sie Feledrion zuhört, verschwindet Vinizarahs Müdigkeit und ihre Augen beginnen zu leuchten. Wie wundervoll! Diese Art von Gespräch ist genau das, was ihr gerade gut tut.
"Oh, dann drücke ich dir die Daumen, dass sich das eines Tages ändert", erwidert sie lebhaft auf die letzte Bemerkung und erhebt sich von ihrem ursprünglichen Platz, der Feledrion gegenüber liegt. Während sie zu dem Stuhl an der Haustürseite tritt und diesen anhebt, schwärmt sie: "Ein Kind zu haben ist so eine unbeschreibliche und einzigartige Erfahrung - sehr herausfordernd, aber zugleich unfassbar bereichernd! Ich habe ja eine Menge Abenteuer erlebt, aber die Zeit mit Noiona war zweifellos das größte von ihnen."
Vorsichtig trägt sie den Stuhl um die Ecke und stellt ihn neben den von Feledrion. Dabei sieht sie diesen fragend an: "Wie kommt es denn, dass du keine hast, wenn du offenbar gerne welche hättest?"

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Gern würde der Elf nun fragen, wie es denn dieser Noiona geht und wo die eigentlich steckt, aber die Freundin scheint nicht wirklich in der Stimmung, über sich selbst zu sprechen. Zudem wittert der allerlei Fallstricke in jener Richtung.
Statt dessen gibt es ja die nächste Frage zu beantworten. Wieder schmunzelt er, sich mit ihrer verändernden Position mitbewegend. "Nun, ich würde dann schon eigene vorziehen. Wie sie entstehen, weißt du gewiss. Allerdings ist mir keine Frist gesetzt wie den Frauen der Menschen." Er ahnt nicht, dass ausgerechnet jener Umstand Teil von Vinizarahs Problem ist. "Es geschieht, wenn die Zeit dazu kommt."

JuR

"Hmm", kommt es nachdenklich von Vinizarah, während sie sich neben dem Freund niederlässt und sich an ihn ankuschelt. "Angenommen, du würdest erfahren, dass du nur noch kurze Zeit - wenige Jahre oder vielleicht sogar nur Monde - fruchtbar sein wirst. Wie würde sich das für dich anfühlen? Und würde es etwas für dich ändern?"

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Entspannt legt der Elf Vinizarah den linken Arm um. Kurz schließt er dazu die Lider, sich ganz auf den Duft der Freundin zu konzentrieren.
Naheliegend nimmt sie das Problem thematisch auf, da es das ihre ist. Gewiss würde es mich bedrücken", räumt Feledrion ein. "Aber dürfte ich mich deswegen anders verhalten? Manche Dinge sollten nicht erzwungen werden, da das entstehende Leid ein größeres wäre. Ich würde mich damit begnügen, dem Glück meine offenen Arme zu zeigen, ihm aber die Entscheidung überlassen. Zudem gibt es andere Möglichkeiten als eigenen Nachwuchs."

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"Hmmm", sagt Vinizarah noch einmal, während sie unter dem Tisch die Schuhe von den Füßen streift. "Ich hoffe, du bist mir deswegen nicht böse, aber die Aussage, dass man das Glück nicht erzwingen sollte... oder kann... scheint mir so offensichtlich, dass sie schon fast bedeutungslos ist."
Sie zieht die Füße hoch und setzt sich in den Schneidersitz. "Wie sähe das denn konkret mit den geöffneten Armen aus? Welche Prioritäten würdest du setzen? Was wärst du bereit zu geben und welches Leid würdest du dabei auf dich nehmen wollen?"
Während sie sich behutsam an den Arm des Freundes schmiegt, sehen die braunen Augen die Wand des Gasthauses an. Langsam hebt sie die rechte Hand. "Wärst du bereit, deine Schritte dorthin zu lenken, wo es potentielle Partnerinnen oder zumindest Mütter gibt und anderes dafür zurückzustellen? Würdest du dir die Zeit nehmen, geeignete Frauen näher kennenzulernen, unzählige Zurückweisungen und Enttäuschungen riskieren, das nötige Vertrauen aufbauen, dich in fremde Strukturen eingliedern... um dann doch unter Umständen das Scheitern und die damit verbundene Kinderlosigkeit zu akzeptieren?"
Langsam hebt sie die zweite Hand. "Oder würdest du tendenziell weiter tun, was auch immer du gerade sonst tust, hoffen, dass es dir auf schicksalshafte Weise zufällt, und, sollte es ausbleiben, mit den Schultern zucken, und dir sagen, dass es dann eben nicht sein sollte?"

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Scheinbare Bedeutungslosigkeit von Aussagen mag eine Ursache dafür sein, dass Menschen sie nicht in ihre Betrachtungen einbeziehen und nicht danach handeln. Der verächtlich mitleidige Ausdruck im Antlitz des Elfen währt jedoch nur einen winzigen Augenblick.
So viele Fragen! Wieder sind es beide Brauen, die darob emporsteigen. Aber Vinizarah hat ja selbst angedeutet, wie wenig Zeit ihr verbleibt - denn dass es hier lediglich vordergründig allein um ihn geht, steht wohl außer Diskussion.
"Hängt dies nicht von allzu vielen Vorbedingungen ab? Mit jeder Frau, mit jedem Ort, jeder Zeit ändert sich die Situation, nach welcher ich zu entscheiden habe. Mich gezielt unbekannten Frauen anzunähern, wird in meinem Falle ein erster Versuch des Erzwingens sein, der mir nicht liegt und wenig Aussicht auf Erfolg verspricht. Dies mag allerdings auch daran liegen, dass es mir schwerfällt, mir eine zeitliche Beschränkung vorzustellen", bekennt er mit kurz gesenktem Blick. Anscheinend unbewusst beginnt sein Daumen, ihr über dem Oberam zu streichen, auf welchem seine Hand liegt.

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"Hmmm", kommt es von Vinizarah, und auf der von rotbraunen Locken umrankten Stirn bilden sich abermals steile Falten. Einen Augenblick lang kaut die kleine Frau nachdenklich auf ihren Lippen, dann sagt sie langsam: "Nur um sicherzugehen, dass ich dich richtig verstehe. Hypothetisch - und ich meine wirklich rein hypothetisch - angenommen, ich würde Folgendes zu dir sagen..."
Ohne den Kontakt zu der streichelnden Hand zu verlieren, dreht sie sich auf ihrem Stuhl so, dass sie den Freund direkt ansehen kann. Dann atmet sie tief durch und beginnt sanft: "Feledrion, ich weiß, wir kennen uns noch nicht sehr gut, aber ich habe dich damals als Gefährten sehr geschätzt und ich merke auch jetzt, wie wohl ich mich in deiner Nähe fühle. Und gerade bewegt mich der Gedanke sehr, dass wir beide gerne Kinder wollen." Sie erhebt die linke Hand und streicht sich, den Elfen verlegen anlächelnd, eine geringelte Strähne aus dem schmalen, sommersprossenbedeckten Gesicht.
"Ich würde sehr, sehr gerne Zeit mit dir verbringen, um herauszufinden, ob wir uns auch langfristig miteinander wohlfühlen, und ob wir von unseren Werten und Gewohnheiten und nicht zuletzt unserem Umgang mit Kindern her zueinander passen. Wie geht es dir damit?"
Nun dreht sie sich zurück und sieht den Freund wieder fragend an. "Wäre das der Versuch eines Erzwingens für dich?"

OHH

Aufmerksam lauscht der Elf den so bedeutungsvoll angekündigten gedanken seiner einstigen Weggefährtin, wobei die Brauen abermals immer weiter emporsteigen. Wie ungeheuer stark der Kinderwunsch in ihr ausgeprägt sein muss, vermag er sich kaum vorzustellen. Welche Sehnsucht wäre in ihm je von solcher Kraft gewesen?
"Nein", erwidert er sanft. Jedoch erscheint ihm der Gedanke von einer gewissen verzweifelten Eile erfüllt. Hat es mit den jüngsten Vorgängen hier im Hause zu tun, von denen er keine Kenntnis besitzt?
"Gern kann ich eine Weile bleiben. Aber dir ist gewiss klar, dass ich stets in die Salamandersteine zurückkehren muss, wohin du mir nicht folgen kannst." Klarstellend fügt er an: "Dies muss noch nichts bedeuten." Alles ist möglich, und doch möchte Feledrion nicht mitansehen müssen, wie sich Vinizarah in ein Traumbild verrennt, wie es die Menschen zum eigenen Ungemach so oft und so leidenschaftlich tun.

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Auf das Nein hin, atmet die kleine Frau, den Elfen aufmerksam anblickend erleichtert auf, doch die Luft bleibt ihr bei der Fortführung im Halse stecken. Sich auf die Lippen beißend folgt Vinizarah den weiteren Worten.
Als sie enden, stößt sie den angehaltenen Atem mit einem impulsiven "Verflixte Axt! Sprech ich denn heute Rogolan?!" aus.
Da kommt ihr ein Gedanke. Vielleicht ist es ja einfach so, dass Feledrion noch nicht ausreichend Garethi spricht? So erfahren er auch darin ist, gehört das Wort 'hypothetisch' möglicherweise nicht zu seinem bereits angehäuften Wortschatz? Oder ist es ihr Fehler und es bedeutet gar nicht das, was sie denkt? Die Zeiten, in denen sie mit Magiern unterwegs gewesen ist, liegen ja schon etwas länger zurück.
"Hier liegt ein Missverständnis vor", beginnt sie langsam und etwas ruhiger, "Mit 'rein hypothetisch' meinte ich, dass ich ausschließlich daran interessiert gewesen bin, zu erfahren, ob du die Worte als erzwingend empfändest, denn ich habe den Eindruck, dass wir beide darunter etwas Unterschiedliches verstehen."
Apropos Direktheit. Die Rothaarige beugt sich leicht vor. "Was das andere Thema angeht... Um es nachträglich klarzustellen: Ich bin derzeit nicht an einer zu Kindern führenden Aktivität, einer Liebesbeziehung, oder einer vergleichbaren Partnerschaft interessiert. Meine gegenwärtige Situation ist die, dass der Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens zusammen verbringen wollte - und noch immer will - sich heute von mir getrennt hat, und ich will erst einmal in Ruhe sehen, wie sich das weiter entwickelt. Zudem habe ich ab morgen eine neue Aufgabe, auf die ich mich riesig freue, und eine mir bislang unbekannte Familie, bei der ich wohnen werde. Bei soviel Neuem werde ich vermutlich nicht viel Zeit für alte Freunde haben... aber mal sehen."
Noch einmal atmet sie durch. "Morgen helfe ich allerdings erstmal, hier eine Feier auszurichten. Zu dieser Feier bist du übrigens herzlich eingeladen." Ach ja, da war ja noch was. Nun, da sie nicht rausgegangen sind, steht sie ja im Grunde genommen noch immer in der Pflicht, die anderen Tische zu informieren.

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Fraglos hat der Elf die Menschenfrau allzu wörtlich genommen. Es überrascht ihn selbst ein wenig, aber wenn er auch um die Bedeutung des fraglichen Wortes ahnt, so findet man es nicht unbedingt in seinem engeren Wortschatze. Hat er es deswegen nicht ernst genommen oder gleich wieder vergessen? Vielleicht. Andererseits muss auch ein angenommenes Beispiel zuendegedacht werden, will man ihm gerecht werden.
Vinizarahs weitere Worte spülen diese Überlegungen hinfort. Soviel ist wohl eindeutig, dass er noch immer allzu wenig weiß, um sich mit irgendeiner Aussage sonderlich weit aus dem Geäst lehnen zu können. Manches ihrer Worte würde wohl mitfühlende Anteilnahme erfordern, andere eher Freude und Glückwunsch. Ob es eine Rolle spielt, was gefeiert wird? Bei den Menschen gibt es oft einen Anlass, einen vorgeschobenen Grund. Wenn man sie dann etwas besser kennt, scheint ihnen allerdings oft jeglicher Anlass recht. "Ich kann gern bleiben..." wiederholt er in verschiedener Hinsicht etwas verunsichert. Zum Beispiel ist noch nicht recht klar, wieviel ihr seine Anwesenheit morgen bedeuten würde.

JuR

Vinizarah sieht Feledrion aufmerksam an. Er wirkt unsicher oder unentschlossen auf sie. "Aber du weißt noch nicht, ob du das willst?" vervollständigt sie seinen Satz mit behutsamer, fragender Stimme. "Kann ich dir irgendwie bei der Entscheidungsfindung helfen?"

OHH

Natürlich hat Vinizarah recht, dass er nicht nur nicht weiß, was sie will, sondern daraus folgernd auch über seine eigenen Wünsche noch nicht nachgedacht hat. Feste der Menschen können sehr unterschiedlich sein. Bisweilen sind sie schlicht zu laut oder mit unangenehmen Gerüchen vernunden, bisweilen muss man sich vor ihrer ideologischen Ausrichtung in Acht nehmen.
"Was wird denn gefeiert und in welcher Weise?"

JuR

"Hrmmm", beginnt Vinizarah gedehnt, während sie überlegt, wie sie das am besten erklären kann. "Alrik und ich wollten ja eigentlich morgen heiraten. Dazu kommt es nicht. Also ist es gewissermaßen eine Nichthochzeitsfeier?"
Als sie es ausspricht, kommt ihr das Wort furchtbar unpassend vor, also sagt sie rasch: "Versteh mich nicht falsch. Nicht zu heiraten ist für mich kein Grund zu feiern. Im Gegenteil, ich bin sehr traurig deswegen. Aber das Essen und die Gäste sind nunmal da und der Priester wird auch kommen, also versuchen wir, irgendwie das Beste daraus zu machen."
Sie seufzt und lehnt sich behutsam in Feledrions Arm. "Sehr viel mehr weiß ich auch nicht. Ich habe wenig Erfahrungen mit Hochzeitsfeiern und noch weniger mit Nichthochzeitsfeiern, aber ich schätze, dass meine Freundin Nakila, die Bardin ist, musizieren wird. Und es gibt kostenloses Essen. Und vermutlich werde ich das eine oder andere Mal in passenden oder unpassenden Momenten in Tränen ausbrechen." Ein wenig schief lächelnd sieht sie den Freund an und zieht die Schultern hoch.

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Heiraten. Feledrion hat dafür ungefähr so viel Verständnis wie ein Eichhörnchen am Interesse einer Fliege an der Hinterlassenschaft eines Auerochsen. Dahinter verbirgt sich der Besitzanspruch von Menschen aufeinander. Wahre Liebe lässt sich auch anders ausdrücken.
Ein Priester wird auch anwesend sein. Solche Menschen haben oftmals allzu große Furcht vor ihm und seiner Art, als dass Feledrion sich sorgen müsste, jenem vielleicht nicht genügend fernbleiben zu vermögen. Andere suchen ehrlich Rat oder sind schlicht neugierig, was grundsätzlich ein guter Zug ist. Solche sind auch für Feledrion zumeist eine Bereicherung.
Sie hat also wenig Erfahrung mit derlei - er ganz bewusst auch. Sie feiern also, weil die Gäste da sind. Verständlich, wenn diese hierfür lange Wege auf sich genommen haben. Musik und Essen bilden gewiss einen kleinen Anreiz, den Ausschlag gibt aber Vinizarahs letzte Bemerkung. "Ich denke, ich werde mir dies einmal anschauen." Eine endgültige Sicherheit über Zukünftiges gibt es niemals.

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Während sie auf Feledrions Antwort wartet, folgt Vinizarah ihren eigenen Gedanken. Eigentlich ist es ja gar nicht so, dass der Grund einer Feier immer ein erfreulicher sein muss. Es gibt Trauerfeiern beim Tod eines geliebten Menschen, während der man gemeinsam trauert und des Verstorbenen gedenkt, Erinnerungen teilt. Warum gibt es das eigentlich nicht bei beendeten Beziehungen? Gerade nach einer Trennung bräuchte es doch den Rückhalt der Gemeinschaft und das gemeinsame Erinnern und Wertschätzen des Vergangenen, um loslassen und gestärkt der Zukunft entgegen treten zu können.
Die Augen der kleinen Frau werden groß. Das ist es! Das will sie! Keine Traviafeier, sondern eine Trauer- oder Trennungsfeier! Bei dem Gedanken prasseln die Ideen, wie man diese gestalten könnte, nur auf sie ein, doch sie hält sie zurück. Ehe sie das weiterspinnt, sollte sie es mit Siona und Herrn Tesden besprechen. Nein, zuerst möchte sie wissen, was Alrik darüber denkt. Es ist ja auch seine Feier.
Beim Gedanken, Alrik zu fragen, spürt sie ein leises Ziehen in der Magengrube. Ja, sie hat Angst. Aber der Wunsch, die Feier dem Anlass gemäß zu gestalten, ist größer als ihre Angst.
Da kommt Feledrions Entscheidung gerade richtig. "Das freut mich sehr", sagt sie aufrichtig. "Auch deshalb, weil wir dann noch Gelegenheit haben, das Gespräch weiterzuführen. Mit ist nämlich gerade eine Idee gekommen, zu der ich gerne Alriks Meinung hätte. Und dann werde ich wohl bald ins Bett gehen, um morgen ausgeruht zu sein."

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Da Feledrion nichts über die Gründe für und gegen die erwähnte Hochzeit weiß, verfolgt er die vagen Gedanken nicht weiter. Ihm genügt es, wenn Vinizarah nun wieder etwas fröhlicher und tatendurstiger wirkt. So kennt er sie. Freilich bleibt zu hoffen, dass sie sich all ihre Vorhaben gut überlegt. Ein Einfluss darauf steht ihm hingegen nicht zu.
Er lächelt und nickt. Sie muss tun, was ihr für sie richtig erscheint. In jedem Falle ist es immer viel, das sie tut. "Dann tu dies." Der Arm gibt sie frei.

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Vinizarah nickt und erhebt sich von ihrem Stuhl. Noch einmal blickt sie Feledrion an. "Hab vielen Dank für das Gespräch", kommt es von Herzen. "Danke, dass du an mich gedacht hast und heute da bist. Ich wünsche dir eine gute Nacht."
Einen Moment lang legt sie die Hand auf die Schulter des Freundes. Dann nimmt sie sie wieder hoch, um den Stuhl an seinen ursprünglichen Platz zu tragen.

OHH

Soeben will Feledrion seine Hand auf die ihre legen, doch da ist letztere schon wieder fort. Er schumzelt für einen Moment, dann lächelt er. "Sehr gerne. Auch dir eine gute Nacht!" Damit ist für heute mutmaßlich alles gesagt.

JuR

Ein letztes Lächeln, dann macht sich Vinizarah auf den Weg durch den Schankraum.

OHH

Ein kleines Weilchen schaut Feledrion noch der Entschwindenden nach, da er sich bei ihrem Fortgehen auf dem Platze quer gesetzt hat. Viel erfahren hat er nicht über ihre Sorgen - wieder einmal. Ob die wie auch immer geartete Idee umzusetzen sein mag, erscheint ihm intuitiv wenig aussichtsreich. Vielleicht liegt es an der Begeisterung, welche sie bei der Erwähnung ausstrahlte. Solche verbrennt bei den Menschen meist allzu rasch.
Schließlich treibt der Blick der Elfen von der Türe zwischen Tresen und Treppe ab, streift kurz die Schläferin, schweift dann an den stillen Wirtsleuten hinter der Theke vorüber zum Kamintisch.

Wird fortgesetzt...


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Redaktion und Lektorat: OHH 2018