Rundgang mit Erinnerungen

Autoren: Oliver H. Herde und andere

OHH

Auf seinem Wege zur Türe werden dem Elfen wieder die Zwergenmädchen bewusster, welche sich soeben mit einer Katze beschäftigen - nicht irgendeiner, wie er erkennt. Es ist Vinizarahs kleine Freundin Challa. Schmunzelnd wird sein Schritt langsamer und kürzer, derweil er die drei beobachtet.

JuR

Die Katze schmiegt sich zuerst um das stehende Kind herum und nähert sich dann dem Zwergenmädchenhändchen so weit, dass Gandrischa das Kitzeln der Schnurrbarthaare spüren kann. Dabei gibt das getigerte Tier leise, vibrierende Laute von sich.
Plötzlich hält die Vierpfotige inne und gebt den Kopf, als habe sie etwas erlauscht. Während die Ohren sich im Panoramahören zu versuchen scheinen, klingt das, was das Streifentier da von sich gibt, nicht mehr nach reinem Wohlbehagen. Mehr nach einem beunruhigten "Mrrraurr".
Nach wenigen Augenblicken ist der Spuk jedoch wieder vorbei. Das Schnurren setzt wieder ein und ein komisch ledriges, leicht feucht scheinendes Näschen berührt die Fingerspitzen des Zwergenkindes.

OHH

Das zeitweilig alarmiert wirkende Verhalten Challas entgeht dem Elfen nicht. Im Gegenteil, es genügt ihm als Anlass, selbst aufmerksam zu lauschen und auch unter all den Gerüchen etwas Ungewöhnliches aufzuspüren. Die linke Braue zuckt empor, die Ohrenspitzen zittern leicht.
Der Moment währt nur kurz, denn die Katze nimmt offenkundig selbst nicht mehr wichtig, was auch immer sie wahrgenommen haben mag. Grund genug, sich nicht weiter mit dem Gewirr an Eindrücken abzukämpfen. Die Gesichtszüge entspannen sich wieder. Gewiss könnte der Gänseluchs erklären, was das zu bedeuten hatte, doch nun ist es an der Zeit, sich des possierlichen Anblicks zu erfreuen.

LR

Noch nie hat etwas Gutes mit 'Mrrraurr!' angefangen, da ist Gerescha sicher! Und so macht sie sich innerlich mit insgeheim ängstlich pochendem Herzen bereit, ihrer Schwester beizuspringen und dem Katzentier zu zeigen, was man an den Feuerfällen von Algormosch von 'Mrrraurr' hält, bei Angrosch!
Doch dazu kommt es nicht. 'Mrrraurr' scheint von seiner elfenohrigen Verursacherin schnell vergessen. Und im Gegensatz zu 'Mrrraurr', das weiß Gerescha ebenfalls, hat eine Menge höchst vergnüglicher Dinge einmal mit einem Nasenstubsen angefangen.

NKK

Als die Nasenspitze ihre Finger berührt, hält Gandrischa für einen Moment die Luft an. Dann entspannt sie sich langsam und lässt ihre Finger über die kalte Nasenspitze zu dem weichen Fell drumherum gleiten. In dem Moment vergisst sie die Welt um sich herum.

LR

"Mama, das Tier...!" quietscht es freudig aufgeregt auf Rogolan über die Schulter zum mütterlichen Tisch hin. Zufrieden wendet sich Gerescha wieder ganz ihrer tapferen Schwester und der zahmen Bestie zu.

OHH

Da soll noch jemand sagen, Zwergen wohne keine Magie inne! Zumindest die Kinder auch dieser Art haben davon überreichlich zu bieten, denn es gelingt ihnen, einen Elfen mit einer ganz eigenen Repräsentation des 'Band und Fessel' an seinen Platz zu bannen und verträumt - ja, verzaubert! - zuzuschauen, als führe man ihm ein höchst faszinierendes und beschmunzelnswertes Theaterstück vor. In diesem Zusammenhang gerät Challa beinahe zur lediglich unterstützenden Zwergenvertrauten, könnte man meinen.

JuR

Soviel geballte Niedlichkeit schafft es selbst, ein auf vier Beinen eigentlich ganz sicher stehendes Wesen umzuwerfen - und das im wörtlichstem aller Sinne. Kaum zu glauben, wieviel Kraft bereits in der behutsamen Berührung eines Zwerginnenfinger zu stecken scheint. Allerdings scheint der Katze ihre neue Lage alles andere als zu missfallen. Während sie halb auf dem Rücken liegt, halb den empfindlichen Bauch in die Höhe streckt, schnurrt die einst so respektable Katzendame, als ob es kein Morgen gäbe.

OHH

So ist der Zwergentiger - die doppelte Bedeutung lässt Feledrion ebenso schmunzeln wie der Anblick - also bezwungen und gezähmt. Das kleine Schauspiel mag den Elfen noch ein Weilchen aller kaminverräucherten Luft zum Trotze am Platze halten.
Doch eine vertraute, wenngleich leise Stimme lässt ihn seinen Kopf wenden und an dem Tragebalken zur Rechten vorbei die wieder herabkommende Weggefährtin von einst erspähen. In Vinizarahs Begleitung ist die kränkliche junge Menschin. Obzwar etwas erhohlt, wirkt sie noch immer bleich, als wolle sie sich ihr Unwohlsein der dunklen Haut erwehren.
Lächelnd hebt er die linke Braue und neigt das Haupt ein ganz klein wenig beiseite.

JuR

Es wird Zeit, weiterzugehen. Sie bleibt stehen. Spürt Feledrions Blick, ihr Körper drückt sich für die Magd noch ein wenig mehr an die Wand, doch ihre dunklen Augen kehren zu Majaras fast schon vertrauten Zügen zurück. Erwartungsvoll.

MH

Majara verharrt in Vinizarahs Augen, Sorgen, Mitgefühl, Fragen im Blick.

OHH

Unübersehbar haben sich die beiden Frauen auf der Treppe noch viel zu erzählen - mehr mit Blicken, denn mit Worten, wie es aussieht. So wendet Feledrion schmunzelnd den seinen wieder zurück zu den Kindern und der Katze, die einen Beobachter sicherlich weniger als störend empfinden werden.

NKK

Ein Lächeln huscht über das Gesicht Gandrischas, als sich das Tier auf den Rücken dreht. Voll kindler Freude dreht sie sich zu ihrer Schwester und ruft aufgeregt: "Schau doch! Und es ist so weich!" Um zu beweisen, wie ungefährlich das Tier ist, berührt sie mit ihrer kleinen Hand vorsichtig den Bauch der Katze und ihre Finger streicheln recht langsam darüber.

LR

Unwillkürlich muss Gerescha an die Schnappfalle denken, die Gandrosch Sohn des Garalosch für Wühlschrate angefertigt hat: Vier bewehrte eiserne Arme, die einschnappen, wenn man das druckempfindliche Zentrum berührt und damit einen Federmechanismus auslöst. Aber das Bild ist schnell vergessen - ebenso wie alles um das Zwergenmädchen herum, die Schwester und das Katzentier ausgenommen.

JuR

Wären Katzen Schnappfallen, so stammten sie wohl aus der Werkstatt eines blutigen Amateurs oder eines verrückten Genies. Denn eines sind sie trotz ihrer Eigenschaft als tüchtige Jäger nicht: vorausberechenbar.
Challa zumindest wirkt alles andere als eingeschnappt, höchstens ein wenig halbrund gebogen. Während die eine Vorderpfote leicht abgeknickt ist, findet sich die andere weit vom Körper abgespreizt. Die Augen sind zu Schlitzen geschlossen und hinter ihren Schnurrbartharren scheint sie zufrieden zu lächeln.

OHH

Dann, nach einer ganzen Weile, wendet sich der Elf noch immer schmunzelnd von der Zwergenkinderszenerie ab. Sie hat ihn erfrischt und zugleich sein Herz gewärmt. Nun ist es an der Zeit für eine andere Art der Frische.
Im Herumdrehen streift sein Blick noch einmal kurz die beiden Frauen, welche noch immer auf der Treppe stehen. Sie wirken hinreichend mit sich selbst oder anderen menschlichen Dingen beschäftigt.
Nach wenigen Schritten gelangt der Elf an die Türe. Schnell ist sie einen hinreichenden Spalt geöffnet und er hinausgeschlüpft. Lediglich der Mantel schabt etwas an Pfosten und Türkante, bevor Feledrion hinter sich zuziehen kann.
Allein. Wieder und noch immer zugleich. Tief atmet der Elf durch. Wie seltsam fremd ihm die Menschen doch immer bleiben werden! Frischer Wind vertreibt immerhin schnell das latente Unwohlsein im Magen. Fast beneidenswert, wie widerstandsfähig sie gegen Rauch und verbrauchte Luft sind.
Tropfen schlagen auf seinen Schultern auf, doch kommen die meisten von der Dachkante herab, hat der Regen doch für den Moment nachgelassen. Der Blick hinauf ergibt unverändert dicht verhangenen Himmel. Man könnte meinen, der Tag sei bereits vorüber. In der Tat ist die Abenddämmerung nicht mehr fern. Dennoch sind die Strukturen der dahineilenden Wolken gut zu erkennen.
Man könnte die Eile der himmlischen Gebilde mit jener der Menschen vergleichen, doch wirken diese nicht so hektisch wie jene. Die Bewegung ist gleichmäßig und geradlinig wie eine Herde dahinstiebender Wildpferde. Dem ältesten würde dieser Vergleich gewiss gefallen.
Feledrion zieht den Umhang etwas enger, auf dass ihm der Wind nicht vorne hereinbläst. Auch ein die Schönheiten der Natur bewundernder Elf weiß durchaus, was Gemütlichkeit bedeutet.
Bewegungen und Gezwitscher in der Buchenkrone gegenüber lassen ihn alle kühle Feuchtigkeit vergessen. Selbst mit seinen scharfen Elfenaugen kann er nicht sicher sagen, ob es fünf oder sechs Blaumeisen sind, die dort eifrig nach schutzsuchenden Kerbtieren unter den Blättern und zwischen Rindenrissen stöbern und gewiss trotz fortgeschrittener Jahreszeit noch einige letzte finden. Klein gegen groß, Enge gegen Schnabel, Vielzahl gegen Handvoll, Geschick gegen Geschick. Ein jedes Wesen auf seine Weise.
Wieder einmal erscheint es Feledrion, als gebe Bewegung nicht nur Wärme, sondern als sei sie irgendwie dasselbe auf einer anderen Erfahrungsebene. Ein rätselhaftes Gefühl, eine Intuition, die sich durh nichts belegen lässt.
Wieder atmet er tief durch und verspürt mit einem Male eine Behaglichkeit, die nachzufühlen manchem Menschen neben ihm schwerfallen dürfte. Derweil er ruhig weiteratmet, sinken seine Lider hinab. Winde und Tropfen bieten einen allgemeinen Klanghintergrund, vor welchem das lebendige Zwitschern der Vögel die Hauptinstrumente bildet. Fein knarrende Äste begleiten kaum vernehmbar das Konzert. Dann - noch ganz fern - stimmt Hufgetrappel mit ein.
Rasch kommt das Geräusch näher und offenbart somit seine eigene Geschwindigkeit. Tatsächlich ist dort jemand in aller Eile unterwegs: Ein schmächtiger Reiter - vielleicht eine Frau - prescht über die alte schwarze Straße durch den Regen heran.
Feledrion beobachtet dies unbewegt. Mag er die Gestalt auch ob Hutes und Mantels nicht erkennen, so scheint sie sich doch ganz auf ihren Weg zu konzentrieren. Vermutlich hat sie ihn im halbdunklen Eingang des Gasthauses noch nicht einmal bemerkt.
Pferd und Reiter erreichen die Hausecke, ohne irgendeine Reaktion auf ihre Umwelt. Kaum zwei buchstäbliche Augenblicke sind sie auch schon an dem unbewegten Elfen vorübergestürmt. Kein Blick, kein Abbremsen, keine Auskunft über Geschlecht oder sonstiges als den Hinweis auf ein gewisses Geschick.
Ein sachtes Schmunzeln breitet sich auf Feledrions Antlitz aus. Menschen haben es fast immer eilig. Deswegen glauben sie auch, nie Zeit zu haben. Zumindest schon eine Erkenntnis über sie, wenn auch eine alte und leicht durchschaubare.
Für einige buchstäbliche Augenblicke lässt Feledrion noch das Muskelspiel der Pferdehinterbeine, das Stieben der Tropfen und das Wehen des Mantels auf sich wirken, dann verschwinden die Details auch für Elfenaugen im Zwielicht. Dennoch schaut er dem sich Entfernenden noch ein Weilchen nach, bis er hinter der nächsten Baumgruppe wieder entschwindet.
Im Anschluss lässt Feledrion seine Blicke wieder schweifen. Fast scheint die Natur in Aufruhr über den Krieg der Menschen, welcher überall in der Landschaft kleine Spuren hinterlassen hat. Und doch ist er ihr bei genauerem Besehen gleichgültig.
So setzt sich der Elf alsbald wieder in Bewegung - noch nicht wieder hinein, sondern sich nach rechts wendend um das Gasthaus herum.
Es mag interessant sein, in welchen Dingen sich das Gebäude noch verändert hat. Zehn Jahre können nicht nur in der Welt der Menschen eine lange Zeit sein. Manchmal genügt bereits eine Stunde, einen Ort völlig zu verändern.
Von irgendwoher begleitet ein ferner Krähenruf Feledrions weiteren Spaziergang. Vom Hausdache her? Unwillkürlich wendet der Elf sein Augenmerk hinauf. Er schmunzelt. Nein, dieser vorwitzige Sperling, der ihn da aus seinem Nest in der Mauerfuge unter dem Dachvorsprung beobachtet, verfügt zweifellos über eine ganz andere Stimme.
In der weiter fortschreitenden Dämmerung erreicht Feledrion das nächste Hauseck, wo sich auch der Ort befindet, an welchem die Menschen ihre Ausscheidungen zu sammeln pflegen. Zwischen beiden hindurchgehend, entdeckt er einen Baumstumpf, bei welchem er stehenbleibt. Andächtig betrachtet er ihn. Obgleich es einige Jahre her sein muss, als man ihn fällte, kann der Elf Krankheit als Grund recht sicher ausschließen. Er hockt sich dazu. Sanft streicht die Rechte über die nur langsam verrottende Rinde.
Doch der Geruch von nebenan lässt ihn nicht lange verweilen. Unter dem Gewicht des Mantels bedächtig schreitet Feledrion weiter voran, dann bleibt er stehen, als ein Windstoß diverse welke Blätter einer Birke herunterzerrt, welche trotz aller Nässe wie Schmetterlinge niederflattern. Das stille Lächeln ist zurück.
Mit gelegentlichen Seitenblicken zum nahen Garten hin wandelt der Elf weiter am Hause entlang. Ferne Erinnerungen werden wieder wach. Dort unter dem Kirschbaum hat er einst geschlafen, was er diesmal nicht tun wird. Es war ein warmer Sommer. Der davonlaufende Schild... Feledrion schmunzelt.
Schließlich geht er weiter. Der Brunnen schält sich aus zunehmender Dunkelheit und Regen. Wie damals zieht er den Elfen an. Jener tritt an die gemauerte Umfassung und schaut hinein. Gesichter und Stimmen scheinen von unten heraufzukommen, obgleich Feledrion kaum die hineinfallenden Tropfen aufschlagen sehen kann. Lediglich die Geräusche dabei heben sich vom Rauschen des Windes und wieder etwas zunehmenden Regens recht deutlich ab.
Alsbald löst sich Feledrion wieder von dem ummauerten Schacht, seine Runde fortzusetzen. Die Tränke gab es damals nicht... Dafür fehlen die Bäume beim Unterstand, der eigentlich gar keiner mehr ist. Den Stümpfen nach könnten sie mitsamt dem vorigen Bau abgebrannt sein - schon vor Jahren. Um es genauer zu untersuchen, müsste der Elf näher heran, doch dazu verspürt er bei diesem Wetter dann doch keinen Drang. Im Moment genügt ihm ein allgemeiner Eindruck und die frische Luft. Und beides ist nun weitgehend befriedigt.
Mit etwas zielgerichteteren Schritten seiner langen Beine gelangt Feledrion auf den kleinen Hofplatz zwischen den Ställen.
Der Geruch und die kaum vernehmbaren Geräusche von Pferden dringen selbst durch den Regen zu Feledrions Sinnen vor. Viele scheinen es nicht zu sein, aber das passt zum Schankraum. Bei diesem Wetter reist man nicht gerne, verständlich.
Im Weitergehen bemerkt der Elf einen schmalen Lichtspalt an einer der Fensterluken. Aufmerksam schaut er zu der anderen zurück, wo dergleichen nicht festzustellen ist. Entweder befindet sich die Lichtquelle direkt hinter der Luke, oder es hat auch im Stall umbauten gegeben.
Wie auch immer. So langsam genügt auch einem Waldelfen die Nässe, und er hat ja nun seine Bewegung und frische Luft gehabt. Mit großen Schritten huscht Feledrion voran und um die letzte Hausecke.
Als Feledrion wieder vor dem Eingang des Grünen Ebers steht, hat die Nacht den Tag endgültig abgelöst. Wind und Nieselregen scheinen sich jedoch noch nicht recht zum Schlafengehen entschließen zu können.
Die Augen des Elfen streifen noch ein letztes Mal durch das Dunkel, dann wendet er sich der Türe zu.
Momente später steht Feledrion wieder dunkel und tropfend im Inneren des Schankraumes, die Türe nun im Rücken. Etwas stört seine Nase so sehr, dass er die Kaputze abzunehmen vergisst und statt dessen die Blicke unter zusammengezogenen Brauen schweifen lässt. Riecht es erheblich schlechter als vorhin, oder bildet er sich das nur ein ob der Frische, aus welcher er gerade hereingekommen ist?
Doch nein, dort am Kamintisch sitzt die Quelle: der Seemann mit einer Pfeife.
Unwillig geht des Elfen finsterer Blick durch den Raum. Hier scheint sich ansonsten nicht viel getan zu haben, außer dass Vinizarah nun bei seinem vorherigen Platz steht. Kein Wunder; ein guter Platz.

Weiter...


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Redaktion und Lektorat: OHH 2009