Völkerverständigung I

Autoren: Iris Schischmanow, Jan Richling und Oliver H. Herde

OHH

Eigentlich gibt es nur eine Lösung: Wenn der Wirt die Schuhe nicht UNTER dem Tisch wünscht...
Nachdem Feledrion seine Schlammtreter samt Bogen und Umhängetasche auf dem Tische abgeladen hat, setzt er sich endlich nieder und beobachtet das zunehmend wilde Gewimmel im Schankraum.

JR

Langsam kommt Uyna zum Tisch, greift nach einem Stuhl und sieht dann den Elfen an, ohne sich hinzusetzen. "Hast du etwas dagegen, wenn ich mich zu dir an diesen Tisch setze, Feledrion?"
Noch während sie das sagt, denkt sie über eine mögliche elfische Antwort nach - ganz sicher wird sie nicht die bekommen, die ein Mensch geben würde. Doch sie ist gespannt, was Feledrion erwidern wird.

OHH

Obwohl die Wirtin nun allein an einer Säule hantiert, wirkt sie nicht gerade, als hätte sie die nötige Ruhe in sich, Feledrion ein paar Fragen zu beantworten. Was mag auf dem Zettel stehen, den sie dort anhängt? Er kann ja gleich mal nachsehen gehen.
Des Elfen Augen wandern weiter zu dem kleinen Tisch, an dem der Knecht auf etwas wartet. Auch wirkt ziemlich beschäftigt, dass Feledrion lauert, ob sich dieser Zustand vielleicht ändert.
Da kommt Uyna an den Tisch. Er überlegt, was sie meinen könnte, kommt aber zu keinem Schluss. "Warum sollte ich?"

JR

Fast die Antwort, die sie erwartet hat!
Uyna stellt den Stuhl etwas zurück und setzt sich hin. "Nun, es ist eine Art der Menschen, zu fragen, ehe man sich dazusetzt. Es hätte ja sein können, dass du das nicht möchtest, oder dass du lieber jemanden anders bei dir am Tisch hättest." Sie sieht ihn neugierig an. "Oder mißverstehen wir uns?"

OHH

Wieder einmal heben sich Feledrions Augenbrauen. Dann lächelt er. "Es käme darauf an, was du wie verstehst." Sein Blick schweift zu der Säule hinüber. "Jedenfalls habe ich kein gesteigertes Interesse an der Wirtin, falls du das meinst."

JR

Uyna lacht kurz. "Nein, das meine ich natürlich nicht! Es ist einfach ein Brauch der Menschen, dem ich da gefolgt bin."
Sie zeigt auf seine Schuhe, die auf dem Tisch liegen. "Das verstehe ich allerdings nicht so ganz..." Sie grinst dabei allerdings.

OHH

"Ich auch nicht", erwidert der Elf, als ginge ihn dies nichts an. "Die Menschen sind halt manchmal etwas seltsam."

JR

Uyna sieht den Elfen fragend an. "Warum verstehst du nicht, warum du deine Schuhe auf dem Tisch lagerst? Mit den Menschen hat das doch nichts zu tun." 'Zumal sie es auch kaum tun würden.' Der Blick der grauen Augen wird noch etwas fragender. "Allerdings ist mir auch noch kein Elf begegnet, der das getan hat." 'Aber so viele habe ich ja noch nicht getroffen.'

OHH

Nach einem etwas ratlosen Augenklimpern entgegnet Feledrion: "Gewiß weiß ich, warum ich die Schuhe auf den Tisch stellte. Ich weiß hingegen nicht, warum man mir dies abnötigte. Jedenfalls waren sie auf dem Boden nicht erwünscht."

JR

"Auf dem Tisch werden sie noch mehr unerwünscht sein, fürchte ich." Uyna macht eine Handbewegung, als wolle sie das Thema wegschieben. "Du machst auf mich den Eindruck, als hättest du hier ein ganz bestimmtes Ziel."

OHH

Der Elf interpretiert ihre Geste miß. "Meinst du?" Nachdenklich verzieht Feledrion das Gesicht und nimmt Uynas Rat vertrauend die Schuhe vom Tisch - um sie sich etwas unglücklich dreinblickend auf den Schoß zu legen.
Auf ihre zweite Bemerkung hin erwidert er: "Dein Gefühl trügt dich nicht, auch wenn ich das Ziel, wie du es nennst, noch nicht kenne." Da scheint ihm etwas einzufallen. "Oder meinst du das Reiseziel, welches ich nach meinem Aufenthalt in diesem Hause anstrebe?"

JR

Uyna verfolgt ein wenig grinsend die Abwanderung der Schuhe vom Tisch. Dann wirft sie - ehe sie die eigentliche Frage beantwortet - mehr nebenbei ein: "Stell sie doch einfach auf den Boden - das wird JETZT bestimmt niemanden stören."
Die Viertelelfe sammelt sich kurz und überlegt, was sie schon alles über den Elfen erfahren hat. "Naja... Ziel muss nicht unbedingt etwas Örtliches sein. Ich meinte in der Tat eher das erstere, als dein spezielles Reiseziel. Was dieses betrifft, denke ich einfach, dass so ziemlich jeder, der hier einkehrt, ein solches hat - schließlich liegt das Gasthaus an einer vielbenutzten Straße. Doch du scheinst auch ein Ziel der anderen Art zu haben - etwas, das du suchst?" Unwillkürlich fühlt sie sich an den Brunnen erinnert.

OHH

Nach einem Achselzucken folgt Feledrion dem Rat und plaziert die Schuhe in der Nähe seiner Füße. Auch wenn er die Menschen bereits länger kennen mag, als sie überhaupt lebt, wird sie diese sicherlich besser verstehen.
"Alles, wonach ich suche, ist von derselben Art. Immer ist es die Erkenntnis. Das gilt für mein Reiseziel ebenso wie für den Grund, warum ich es einstweilen zurückgestellt habe gegenüber dem, was ich hier zu finden hoffe. Ich vermute, du möchtest wissen, was dies ist, doch wie ich schon andeutete: Ich weiß es selbst nicht. Etwas in diesem Haus lauert darauf, von mir entdeckt zu werden." Dabei schaut er sich wieder einmal im Schankraum um, ohne irgend etwas spezielles ins Auge zu fassen. Vielmehr wirkt es, als nehme er den Ort in seiner Gesamtheit auf.

JR

'Etwas in diesem Haus ist besonders...' Uyna erinnert sich noch ganz genau an den gestrigen Tag und genau diese Worte - und einige Worte darüber. "Dieses Gasthaus ist ein besonderer Platz. Das ist mit gestern sehr klar geworden, auch wenn ich es nicht rein sachlich begründen kann. Ich bin hier hereingekommen, weil ich ins Trockene wollte. Gesucht habe ich eigentlich nicht, doch gefunden... viel."
Uyna hält inne und nickt wie zur Bestätigung - das ist etwas, das gut in das Brunnengespräch gepaßt hätte.
"Es gibt vieles, das einer Entdeckung harrt - fremde Dinge, und auch vollkommen eigene. Und dies hier scheint für solche Entdeckungen prädestiniert zu sein, scheint mir. Hast du denn schon den Schimmer von etwas gefunden, das du hier gerne finden würdest?"

OHH

"Euch Menschen ist eure Suche nur meistens nicht bewußt. Doch ein jeder sucht."
Einer der beiden neuen Gäste schaut auffällig zum Elfen herüber, und jener erwidert den Blick. Er beobachtet ihn gar weiter, als der sich schon wieder abwendet.
"Ob ich es gerne finden werde, ist noch nicht heraus. Aber es ist wichtig. Vieles weist mich darauf hin. Leute, die ich hier traf, zum Beispiel. Eine von ihnen kannte mich. Aber auch dieser Fleck dort droben könnte mit dem Geheimnis zu tun haben." Und damit weist er auf die Brandspuren an der Zimmerdecke mitten im Raum.

JR

Uyna verdreht spontan den Kopf, um zur Decke zu sehen. Die Brandspuren sind ihr am Vortag schon flüchtig aufgefallen, doch da hat sie nicht weiter darüber nachgedacht.
Sie richtet den Blick wieder auf ihren Gesprächspartner. "Das muss aber nicht sein. Es gibt viele Möglichkeiten, wie er entstanden sein kann - vielleicht war der Knecht einmal sehr stürmisch beim Servieren eines Premer Feuers." Uyna schmunzelt bei der Erinnerung an das 'Feuer' des Vortages.
"Wie kommst du darauf, dass es wichtig ist? dass dich jemand kennt, ist doch nichts außergewöhnliches. Ich kenne Arcana beispielsweise auch ein wenig, weil wir uns schon einmal begegnet sind. Trotzdem sehe ich kein Zeichen darin, dass wir uns hier wieder begegnet sind." Wieder ein wenig fragend sieht die Viertelelfe den ganzen Elfen an.

OHH

So viele Fragen! Aber sie ist ja auch noch so jung.
Feledrion wendet den Blick von der Theke ab. "Der Reihe nach, wenn du erlaubst. Jene Brandspuren weisen keine Rußrückstände eines gewöhnlichen Feuers auf, ganz gleich, aus welcher Stadt es nun stammen mag. Auch wenn ich nicht über die breite Erfahrung meiner Schwester Schannaha mit menschlicher Magie zurückblicken kann, so bin ich doch überzeugt, was die Decke verbrannte, war magischer Natur. Vielleicht sollte ich die beiden neuen Gäste dazu befragen." Sein Blick schwenkt wieder zurück zum Tresen, dreht dann weiter ab zum kleinen Tisch. "Aber erst einmal werde ich es bei den Wirtsleuten versuchen, wenn ich nur einmal einen Augenblick erheische, in dem einer von ihnen stillsteht." Das letzte Wort betont er besonders, bekommt er doch fast den Eindruck, der Knecht erfülle soeben die Voraussetzung.

JR

Uyna verdreht noch einmal den Kopf, um die Decke genauer zu mustern. Der Elf könnte recht haben, was die Herkunft des Brandfleckes betrifft, doch sie weiß zu wenig über Magie, um das genau einschätzen zu können. "Dann kann da natürlich eine interessante Geschichte verborgen sein. Doch ich glaube nicht so richtig daran, dass sie etwas mit dir zu tun hat. Es stimmt zwar, dass der Fleck - denke ich - recht frisch aussieht, aber trotzdem..."
Uyna versucht eher beiläufig, die Aufmerksamkeit des Knechtes mit einer kurzen Handbewegung zu gewinnen. "Fragen kann man natürlich."

IS

Eine Zwergin kommt die Treppe herunter und sieht sich unten erst mal unschlüssig um, so als wisse sie nicht genau, wo sie sich hinsetzen soll. Dann leuchten ihre Augen auf und sie geht zielstrebig auf den Tisch mit dem Elfen zu.
Dort angekommen spricht sie ihn an: "Hallo Feledrion! So ein Zufall, dass wir uns gerade hier treffen! Was verschlägt dich denn in diese Gegend?" Ohne erst eine Antwort abzuwarten, setzt Gudelne sich wie selbstverständlich an den Tisch.

OHH

Von der Treppe hinter dem kleinen Tische kommt ein Zwerg herab.
"Ich sagte nicht, es müsse mit mir zu tun haben", versucht Feledrion zu erklären.
Ach, das ist ja gar kein Zwerg, sondern eine Zwergin!
Da winkt Uyna nach dem Knecht. Herrje, der Arme! Wo er doch gerade so beschäftigt ist. Und schließlich will doch Feledrion etwas von ihm, nicht umgekehrt, also wäre er zu ihm hingegangen. Aber der Junge scheint die ungeduldige Frau ohnehin nicht zu bemerken.
Auf einmal steht die Zwergin am Tisch. Der Elf blinzelt sie noch ungläubig an, da sitzt sie bereits neben ihm. Einen Wimpernschlag lang hat er schon wieder das ungute Gefühl, etwas Wichtiges zu übersehen, jedoch geht alles viel zu schnell vonstatten.
"Ach, du bist Gudelne, nicht wahr? Ohne deine nur die Nase frei lassende Rüstung habe ich dich erst gar nicht erkannt. Nun, ich wollte eigentlich gen Mittag, die Waldmen..."
Mit einem Seitenblick auf die Elfmenschin unterbricht er sich selbst, indem er seine beiden so unterschiedlichen Tischdamen einander vorstellt: "Das ist Uyna... Gudelne... Wo war ich stehengeblieben?"

JR

Uyna mustert die Zwergin neugierig, als diese am Tisch Platz nimmt. Nach Feledrions Vorstellung nickt sie der Zwergin grüßend zu - ihren Namen braucht sie ja nicht mehr zu nennen.
"Du warst bei dem Brandfleck... Sagt mal, kennt ihr euch von irgendwo?"

IS

Gudelne stutzt ob der offensichtlichen Überraschung des Elfen. Dieser scheint sich aber schon bald an sie zu erinnern. "Ganz recht, ich bin Gudelne. Leider ist mir ein kleines Mißgeschick passiert und daher muss ich meine Rüstung erst mal reparieren. Im Moment drückt sie doch zu sehr - aber das werde ich hoffentlich bald wieder hinkriegen", sagt sie voller Zuversicht.
"So so, Richtung Süden... hast du ein bestimmtes Ziel oder reist du einfach nur so?"
Dann wendet sie sich an Uyna: "Wir haben uns vor Jahren im Hause eines gemeinsamen Freundes getroffen. Das ist jetzt bestimmt schon 15 Jahre her; oder sogar noch länger."

OHH

Uyna will mehr vom Brandfleck erfahren, Gudelne von Feledrions Queste. Doch zu beidem kann er kaum Stellung beziehen bei all den schnellen Themenwechseln.
Nach der Zwergin letzter Bemerkung blickt er drein, als habe man ihm einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet.

JR

Uyna bemerkt Feledrions... Verwunderung? Überraschung? Erschütterung? Sie überlegt, was an Gudelnes Bemerkung dazu geführt haben kann, und beschränkt sich dann darauf, den Elfen fragend anzusehen - eine direkte Frage wäre zumindest in ihren Ohren unhöflich.

IS

Gudelne schaut Feledrion überrascht an, als dieser sich so seltsam benimmt. "Habe ich da was Falsches gesagt?" fragt sie besorgt. "Was hast du denn auf einmal, Feledrion? Kann ich dir irgendwie helfen?"

OHH

Ein zaghaftes Lächeln umspielt seinen Mund. "Das hast du schon getan, glaube ich." Da wird sein Ausdruck wieder ernster, vorsichtig zweifelnd. "Kann es sein, dass Atreo gestern hier war?"

JR

Uyna sieht vom Elfen zur Zwergin, dann wieder zurück zum Elfen. Die beiden kennen sich, doch das, was Feledrion als Antwort auf Gudelnes Frage gesagt hat, ergibt für die Viertelelfe wenig Sinn. Auch ist ihr nicht ganz klar, warum er fragt - er war gestern doch schließlich auch hier - zumindest ist er vor ihr angekommen. Es könnte höchstens sein, dass dieser Atreo bereits am Morgen abgereist ist.
Uyna überlegt, ob sie diesen Namen am Vorabend vernommen hat, doch dies scheint nicht der Fall zu sein. Sie kann sich natürlich täuschen, schließlich war die Ablenkung ziemlich groß.
Doch dann sagt sie: "Auch das können dir die Wirtsleute sagen."
'Vielleicht ist er - wer immer er auch sei - sogar für den Fleck da an der Decke verantwortlich...'

IS

Überrascht schaut Gudelne den Elfen an. 'Was hat der bloß?' überlegt sie. Ob sie ihn wohl mit der Frage nach seinem Reiseziel so aus der Bahn geworfen hat? Oder vielleicht hat er nur vergessen, dass sie sich schon so lange kennen. Obwohl, sowohl für Zwerge als auch für Elfen sind 15 Jahre doch eine recht kurze Zeit... Das kann es also auch nicht gewesen sein. Plötzlich überzieht ein mißtrauischer Ausdruck Gudelnes Gesicht. Sie schaut über ihre rechte Schulter und blickt ihren Kriegshammer mißtrauisch an. "Du hast doch nicht schon wieder...???" murmelt sie leise.
Dann wendet sie sich wieder ihren Tischgefährten zu. Vielleicht hat das ja was mit ihrem gemeinsamen Freund zu tun. "Sag Feledrion, machst du dir etwa Sorgen um Atreo? Ihm wird doch wohl hoffentlich nichts zugestoßen sein?!"
Ein wenig nachdenklich fügt sie hinzu: "Schon möglich, dass der sich in dieser Gegend rumtreibt. Wahrscheinlich wird er in einigen Tagen in Bethana aufkreuzen. Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass er auch in diesem Gasthaus einkehrt. Das wären zuviele Zufälle."
Nach dieser langen Rede schaut sich die Zwergin erst mal nach einem Schluck Bier um. Da sich dergleichen nicht in der Nähe befindet, läßt sie ihre Augen durch den Schankraum schweifen, in der Hoffnung dem Knecht oder der Köchin ihre Bestellung aufgeben zu können.

JR

Uynas Blicke schweifen immer noch zwischen dem Elfen und der Zwergin hin und her. Sie fühlt sich ein klein wenig abgesondert, was ja kein Wunder ist, da die beiden sich kennen.
Bei den Worten der Zwergin, die von zu vielen Zufällen spricht, wird die Viertelelfe wieder aufmerksamer. Nach dem, was sie gestern erlebt hat, und was sie noch immer über dieses Haus glaubt, würde sie das überhaupt nicht wundern. Fast ein bißchen hastig sieht sie sich kurz um - jetzt ziemlich gespannt darauf, ob dieser Atreo tatsächlich in den letzten Tagen hier war.
Sie bemerkt, dass sich auch die Zwergin umsieht - aus dem gleichen Grund, oder aus einem weitaus einfacheren, der einem Gasthaus auch angemessener ist?

OHH

"Das Leben selbst ist eine Aneinanderreihung von Zufällen, Gudelne." Grübelnd lehnt er sich zurück. "Gewiß, ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er hier war, wenngleich ich es vermute. Zumindest war er auf der Straße", erinnert sich der Elf endlich an die Aura, die er noch vor seiner Ankunft in diesem Hause spürte. "Zugestoßen mag jedoch wohl nicht das rechte Wort sein. Es ist etwas geschehen, das ihn veränderte."
Nach einem Augenblick des Schweigens sitzt er wieder gerade auf dem Stuhl und seine Augen strahlen eine Aufmerksamkeit und Wachheit aus, wie sie es heute noch nicht getan haben. "Ich werde ihn aufsuchen, bevor ich das Land gen Mittag verlasse. Ein Ort namens Bethana sagst du? Seid ihr dort verabredet?"

IS

"Atreo war also auf dieser Straße?" wiederholt Gudelne, allerdings eher in einem grüblerischen Ton, der eigentlich keine Frage ist sondern eher eine Feststellung. Dann beantwortet sie Feledrions Frage: "Man kann es so sagen, dass wir in Bethana verabredet sind. Auch wenn wir diese 'Verabredung' nicht abgesprochen haben. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass Atreo in einigen Tagen in Bethana sein wird."
Dann versinkt sie in Schweigen und schaut sich wieder um. 'Wo bleibt denn bloß die Bedienung in diesem Gasthause?' denkt sie sich mißmutig.
Kurz darauf scheint ihr wieder etwas einzufallen: "Sag Feledrion, du hast davon gesprochen, dass irgendwas Atreo verändert habe. Weißt du auch was das war, oder welcher Art diese Veränderung ist?"

JR

Die Viertelelfe beobachtet das zwergisch-elfische Gespräch weiterhin, doch sie überlegt, ob die es den beiden überhaupt recht ist, wenn sie hier am Tisch sitzt. Mitreden kann sie bei dem Gespräch ohnehin nicht, da sie den gemeinsamen Bekannten der beiden nicht kennt, und mit anderen Dingen dazwischenreden mag sie auch nicht. So wirkt sie ein wenig unentschlossen - einerseits bestrebt, mehr über Ereignisse zu erfahren, die diesen Ort so besonders machen, und auf der anderen Seite sich ein wenig überflüssig fühlend.

OHH

Der Elf schütelt sanft den Kopf. "Nein, so präzise ist mein Gefühl nicht. Ich könnte es gewiß herausfinden, doch hat dies Zeit. Ich werde auch nach Bethana kommen."
Inzwischen schaut er wieder zu dem Papier an der Säule hinüber, erst geistesabwesend, dann mehr und mehr bewußt neugierig.

JR

Uynas Blick folgt nicht zum ersten Mal an diesem Tag dem des Elfen, doch ihre Neugier erlischt rasch wieder, als sie das Objekt des Interesses sieht. Es wird nicht gleich wieder verschwinden - vor allem nicht, weil die Köchin es erst vor kurzem angebracht hat.
Sie sieht den Elfen wieder direkt an und sagt leise: "Feledrion, du kennst dich mit Magie aus. Darf ich dich etwas fragen?" Ohne dass sie es direkt merkt, haben ihre Finger den Weg zu dem Ring gefunden, den sie an der Kette um den Hals trägt.

OHH

Ein weiteres Mal wandert Feledrions linke Braue empor, während sich ein schnippisches Lächeln um seine Mundwinkel zieht. "Ist die Frage, ob du etwas fragen darfst, nicht auch schon eine Frage?" Offen blickt er sie an. Abweisen wird er sie wohl nicht.

JR

Feledrions Gegenfrage läßt sie kurz schmunzeln, und sie meint: "Es gibt verschiedene Fragen. Solche, die einem viel bedeuten, und solche, die dies nicht sind. Vielleicht ist es eine Art der Menschen, eine tiefergehende Frage anzukündigen." Sie stellt ihre Frage noch nicht, weil sie Feledrion eine Gelegenheit geben will, darauf zu erwidern.

OHH

Die rechte Braue gesellt sich zur linken. "Fragen, die keine sind?" Kopfschüttelnd löste Feledrion die Spannung aus seinem Gesicht, schaut erst Gudelne an, blickt dann im lärmschweren Schankrankraum herum, um wieder an der Säule haften zu bleiben. Mit den Gedanken aber scheint er noch ganz woanders zu schweben, als er murmelt: "Bethana, wo liegt das überhaupt?"

JR

Die feinen Viertelelfenohren fangen das Murmeln mühelos auf. "Bethana? Da brauchst du nur dieser Straße zu folgen."
Uyna scheint aber auch nicht ganz dabei zu sein, denn sie widmet sich jetzt endlich der Frage. Sie zieht sich die Kette über den Kopf, wischt die dabei ins Gesicht gefallenen Haare mit einer etwas beiläufigen Handbewegung, die längst nicht alle erwischt, zur Seite und legt den Ring dann vor Feledrion auf den Tisch. Der Ring besteht aus Gold und hat einen Durchmesser, der viel zu groß für die schlanken Finger der jungen Frau ist - wohl einer der Gründe, warum sie ihn an dieser Kette trägt. Innen und außen sind ganz feine Zeichen eingraviert - mit ein wenig Mühe zu erkennen.
"Kannst du das lesen? Ich weiß mittlerweile, dass es kein Garethi, Isdira, Tulamidya oder zwergisch ist - vielleicht ist es auch gar keine Sprache..."

IS

Als Uyna den Ring hervorholt beginnen Gudelnes Augen zu glänzen und sie beugt sich vor, um besser sehen zu können. "Du hast Magie erwähnt; meinst du, der Ring ist magisch?" Ohne eine Antwort abzuwarten, schwatzt sie weiter: "Ich habe mich in meinem Leben mit den verschiedensten Formen der Magie auseinandersetzen müssen - und obwohl ich selber keine Magie wirken kann, so ist es trotzdem möglich, dass ich dir hierbei helfen kann. Kann ich den Ring mal sehen?" Ganz selbstverständlich, so als ob sie sich der Zustimmung Uynas sicher ist, streckt Gudelne die Hand aus.

JR

Uyna lächelt die Zwergin an. "Natürlich kannst du ihn dir ansehen. Ich wäre dir sogar ausgesprochen dankbar, wenn du das tust." Aus den Augen der Viertelelfe spricht bei diesen Worten ehrlich empfundene Freude.
"Ich bin mir sehr sicher, dass Magie in diesem Ring steckt. Ich weiß allerdings nicht, wie ich das begründen kann..." Ihre Stimme wird bei diesen Worten wieder leiser.

OHH

Auch Feledrion wird zunächst aufmerksam, als er die Zeichen sieht. Solche hat er noch nie gesehen, und sowas macht ihn immer neugierig. Ohne Rücksicht auf die behäbige Zwergin nimmt er das Schmuckstück an sich und betrachtet es genauer. "Wo hast du ihn her?"

JR

Uyna freut sich, dass die anderen beiden sich so ernsthaft mit ihrem Problem auseinandersetzen. "Ich... habe ihn vor einem halben Götterlauf in den Händen eines Toten gefunden. Das war etwa 100 Meilen nördlich von Selem in der Nähe einer von den Zwölfen verfluchten Waldlichtung. Von dem Toten waren nur Teile des Skelettes übrig, und an einem der Finger steckte der Ring. Daneben gab es noch sehr zerfallene Pergamentreste, doch denen war rein gar nichts zu entnehmen."
Sie hält kurz inne, und fügt dann hinzu: "Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass der Mann - oder die Frau - eines gewaltsamen Todes gestorben sein muss."

OHH

Nein, keines der Zeichen hat er je gesehen, und das kann man schon an Feledrions kritischem Gesichtsausdruck erkennen. Wenn dem Ringe Kraft innewohnt, so keine große, welche er sofort spüren könnte.
Als aber das Wort Selem fällt, blickt er vom Objekt seiner Betrachtung auf, Uyna direkt in die Augen. Sein Gesicht wirkt erstarrt, doch wenn man genau hinsieht, mag man ahnen, dass er mit einer wie auch immer gearteten starken Gefühlsregung kämpft.
Schließlich scheint er sich unter Kontrolle zu bekommen. Beiläufig drückt er Gudelne das Kleinod in die offene Hand und erklärt in gewohnter Ruhe: "Ich glaube nicht, dass der Ring eigenes Mandra besitzt."
Schon wirkt er wieder sehr interessiert an dem Aushange.

IS

Nachdem Feledrion ihr den Ring in die Hand gedrückt hat, hebt sie diesen gegen das Licht und betrachtet ihn von allen Seiten. Einen Moment lang scheint es, als wolle sie den Ring in den Mund stecken und draufbeißen. Dann aber besinnt sie sich und fährt mit dem Fingernagel auf der Oberfläche lang. Schließlich hebt sie den Ring so nahe an ihre Augen, dass sie fast mit der Nase anstößt.
Als sie fertig ist, wendet sie sich Uyna wieder zu: "Du hast Recht, die Zeichen sind weder Garethi noch Tulamidisch; auch handelt es sich nicht um Rogolan. Irgendwie kommen mir die Zeichen zwar vertraut vor, aber ich kann mich nicht besinnen, wo ich dergleichen schon mal gesehen haben könnte. Zuerst dachte ich, es sei Angram, aber das ist es auch nicht. Was die Magie angeht, so kann ich nur sagen, dass diese Zeichen nicht mit jenen übereinstimmen, welche von menschlichen Magiern üblicherweise bei der Verzauberung eines solchen Gegenstandes gebraucht werden. Obwohl ich selber der Magie nicht mächtig bin, kann ich mit 99%iger Wahrscheinlichkeit ausschließen, dass es sich um eine der offiziellen menschlichen Magietraditionen handelt. Allerdings bin ich weder mit der elfischen Magie noch mit den Riten der Diener Sumus vertraut. Und dann gibt es ja auch noch Magier, die einen eher verbotenen Weg gehen... Was den Ring selber angeht, so handelt es sich dabei nicht um ein Meisterwerk. Ich würde eher sagen, dass er von einem recht talentierten Lehrling gefertigt wurde. Es ist sicher keine zwergische Arbeit; aber ich habe vor vielen Jahren einen ähnlichen Stil bei den Wüstensöhnen in der Khom gesehen. Es scheint, als würde der Ring tatsächlich aus Gold sein, allerdings nicht aus sehr hochwertigem. Wenn du möchtest, kann ich Alter, Zusammensetzung und Wert des Ringes genauer bestimmen. Allerdings brauche ich dazu etwas Zeit." Dabei schaut Gudelne Uyna fragend an.

JR

Die Viertelelfe beobachtet den Elfen bei seiner Betrachtung ihres Rings aufmerksam, so dass ihr seine Reaktion auf das Wort 'Selem' nicht entgeht. Ein wenig fragend verzieht sich ihr Gesicht bei seinen Worten - schließlich besagen diese das genaue Gegenteil von dem, was sie seit jenem schicksalhaften Tag glaubt. Doch Feledrions Betroffenheit - Bedrücktheit - Gefühle? haben für Uyna im Moment eine größere Bedeutung.
Zögernd streckt sie die Hand aus und legt sie auf die von Feledrion. "Was hast du?" Die Frage ist kaum mehr als ein Flüstern, aber am Tisch dennoch gut zu verstehen.

OHH

Mit seiner Aufmerksamkeit zu Uyna zurückkehrend, erwidert Feledrion schief grinsend: "Ich weiß nicht, ob du auch in Selem vorbeigekommen bist. Ich selbst bin zwar nie dort gewesen, aber jener Atreo und auch meine Schwester Schannaha haben mir schon hinreichend von der Stadt der Noioniten erzählt. Wenn das Gerippe den Ring dort erstanden hat, so ist er wohl nicht mehr als ein hübsches Schmuckstück. Aber vielleicht ist Gudelne ja der Ansicht, er stamme noch aus der Zeit der Drachenkriege..." Sein belustigtes Schmunzeln verrät, er gibt nichts auf diese Variante.

JR

Uyna ist ein wenig verblüfft, dass Gudelne und Feledrion beide der Meinung sind, dass der Ring keine Magie besitzt. Andererseits - vielleicht ist das ganz gut so.
Auf die letzten Worte der Zwergin erwidert sie: "Vielen Dank für das Angebot, aber ich denke, diese Auskunft genügt mir. Es gab eine Zeit, da hätte mich der Wert wirklich interessiert, aber jetzt ist das nicht mehr so. Dieser Ring ist für mich sehr wertvoll - weit ueber das hinaus, was man in Dukaten ausdrücken kann. Woran ich allerdings ein sehr großes Interesse habe, ist die Bedeutung der Schriftzeichen..."
Sie wendet sich wieder dem Elfen zu. "Ich war tatsächlich bereits in Selem. Genauer gesagt, wurde ich dort sogar geboren. Aber deine Worte über diese Stadt sind wahr - ich bin sehr glücklich, dass ich ihr vor ungefähr 7 Götterläufen den Rücken kehren konnte. Möglich, dass auch der Ring von dort kommt."
Die letzten Worte des Elfen lenken ihre Aufmerksamkeit wieder auf Gudelne. "Wie hoch schätzt du denn grob das Alter des Ringes?"

IS

"Nun, was das Alter des Ringes angeht, kann ich nur sehr ungenaue Angaben machen. Zum Glück ist Gold ein weiches Material und daher offenbaren sich dem kundigen Auge gewisse Abnutzungserscheinungen, die für jeden anderen kaum zu erkennen sind. Ich würde sagen, dass dieser Ring gewiß 10 Jahre den Finger eines Abenteurers geschmückt hat - länger, wenn der Besitzer den oberen Schichten angehörte und seine Hände nicht zum Arbeiten benutzt hat. Allerdings kann ich nicht wissen, wie lange der Ring vielleicht unbenutzt in einem Schmuckkästchen gelegen hat, oder wieviel Jahre er mit dem Skelett unter schützender Erde vergraben war."
Als die Zwergin Feledrions Bemerkung über die Drachenkriege hört, schmunzelt sie: "So lange ist es gewiß nicht her. Allerdings ist das Wissen über die Welt außerhalb der heimatlichen Höhlen in dieser Zeit sehr begrenzt, und somit weiß ich nicht, welche Art der Verzierung damals populär war. Wir Angroschim hatten schließlich alle Hände voll zu tun, das Natterngezücht aus unseren Städten und Burgen zu vertreiben. Und bei Ingerimm, haben wir es denen gezeigt!" fügt sie mit lauter werdender Stimme und einem Anflug von Patriotismus hinzu. Dabei erhebt sie sich halb von ihrem Sizt und schlägt mit der Faust auf den Tisch; ganz so, als wolle sie sich gleich aufmachen, um einen Drachen zu erschlagen.

JR

Uyna lauscht auch diesen Worten der Zwergin aufmerksam, allerdings überzieht ein kaum sichtbares Grinsen bei der Erwähnung der Drachen ihr Gesicht. Doch sie wird schnell wieder ernst. "Das Skelett war nicht unter schützender Erde vergraben. Dann hätte Hada... äh... hätte ich es nicht gefunden. Es lag am Rand des Weges unter einigem Laub verborgen. Ich vermute, dass es dort nicht länger als vielleicht einen Götterlauf lag. Vielleicht auch nur einen halben."
Sie überdenkt das Gesagte kurz. 'Also ist der Ring schätzungsweise zehn Göterläufe im Besitz von jemanden gewesen - vielleicht desjenigen, dessen Knochen ich gefunden habe.' Sie spricht das aber noch nicht aus, sondern wartet, ob und was der Elf noch dazu - und zu Selem - zu sagen hat.
Ihre Gedanken kreisen immer noch um die Frage, ob der Ring wirklich keine Spur von Magie aufweist. 'Gute' Magie haben die beiden ausgeschlossen, aber die Bemerkungen klangen nicht so, als wäre damit jede Form der Magie ausgeschlossen. 'Aber lieber keine Magie, als irgend etwas Böses.'

OHH

Betroffen schweigt Feledrion, als er erfährt, Uyna stamme aus Selem. Nun wird ihm so manches klar!
dass Gudelne ihn bestätigt, nimmt er gelassen zur Kenntnis. Als sie aber laut wird, feixt er und raunt ihr zu: "Paß nur, auf, dass dich Shafir nicht hört!"
Uyna verschweigt offenkundig einen Teil der Geschichte, doch wird sie ihre Gründe haben. Soweit er dies beurteilen kann, erscheint es ihm jedenfalls als typisch selemitisch, die Zeit nach den scheinbar regelmäßig stattfindenden Wettrennen irgendwelcher Götter einzuteilen.
"Warum fragst du nicht einfach einen Magier?" Dies klingt nun alles andere denn eifrig, und er stützt die Arme auf den Tisch, als wolle er aufstehen.

JR

Uyna nickt zu dem Vorschlag des Elfen, einen Magier zu befragen. "Genau das ist meine Absicht. Und aus diesem Grunde habe ich dich ja auch gefragt, denn du verstehst von Magie auf jeden Fall mehr als ich."
Die Viertelelfe nimmt den Ring wieder und streift die Kette über den Kopf. "Du magst Selem wirklich wenig, nicht wahr?" 'Und das kann ich gut verstehen, ich mag die Stadt ja auch nicht!'

OHH

Sich erhebend, erwidert Feledrion: "Wie kann ich es nicht mögen, wenn ich es nicht kenne? Allerdings habe ich keinen Anlass, diesen Zustand zu ändern."

JR

Uyna nickt - was soll sie zu Feledrions Worten auch sagen - er hat schlicht recht. Und sein Aufstehen erinnert sie daran, dass sie ja eigentlich nur an den Tisch gekommen ist, um das Gespräch von draußen fortzusetzen und ihre Frage loszuwerden.
"Auf jeden Fall möchte ich euch beiden für die Hilfe danken und noch einen angenehmen Abend wünschen. Vielleicht schaue ich nachher noch einmal vorbei."
Sie schiebt den Stuhl ein Stück zurück, erhebt sich und geht.

IS

Als Uyna sich erhebt und ihren Dank ausdrückt, nickt ihr Gudelne zu und sagt: "Habe ich doch gerne gemacht. Auch dir wünsche ich einen schönen Abend."
Dann lässt sie ihren Blick durch den Schankraum schweifen. "Wo bleibt denn bloß die Bedienung?" murmelt sie. Als sie den Wirt erblickt, versucht sie seine Aufmerksamkeit durch Handzeichen zu erregen.

OHH

Für einen Moment ist Feledrion überrascht, als Uyna sich so unvermittelt davonmacht. Fast tut es ihm leid, Gudelne allein sitzen zu lassen, doch diese ist vor allem damit beschäftigt, den Wirt auf sich aufmerksam werden zu lassen - ein Unterfangen, in dem man ihr an den anderen Tischen eifrige Konkurenz zu bieten bestrebt ist.
"Ich bin gleich wieder da", erklärt Feledrion und begibt sich zu der Säule mit dem Anschlag.

IS

Verwundert schaut sich Gudelne um, als erst Uyna und jetzt Feledrion so plöztlich aufsteht und sich entfernt. 'Muss wohl was Elfisches sein', denkt sie sich. Aber Feledrion sagte, er würde wiederkommen.

Weiter mit dem zweiten Teil der Völkerverständigung.


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Redaktion und Lektorat: OHH